© SturmTifo.com
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Red Bull Salzburg - Sturm Graz

Torero: 3, Stier: 2

Sturm hat in der Mozartstadt gegen Red Bull Salzburg mit 3:2 gewonnen. Dank einer beherzten Leistung, vor allem in Halbzeit eins, erlegt der Torero den Stier.

4287 Tage. Solange musste Sturm Graz auf den ersten Sieg im Stadion zu Wals-Siezenheim warten. Dieser gelang am 12. April 2014, völlig überraschend für beide Vereine. Totes Land für die Grazer war die “Bullendisco” bis zu diesem Tag. Marco Djuricin, der heute abermals die Solospitze markiert, und der abgewanderte Florian Kainz besiegelten damals, an diesem Tag im April, den 2:1-Sieg, nach Eigentor von Michael Madl. Auch Torhüter Benedikt Pliquett zeichnet mit für den Sieg verantwortlich, da er einigen guten Möglichkeiten der Salzburger keine Chance ließ. Und da wären wir schon bei der zweiten Überraschung: Pliquett steht im Tor und verdrängt damit die Nummer eins Christian Gratzei auf die Ersatzbank. Die Rochade im Kasten erklärt Darko Milanic via sky folgendermaßen: In den beiden auswärtigen Salzburg-Spielen der vergangenen Saison zeigte Pliquett ansprechende Leistungen. Und der Trainer möchte derartige Hexereien auch heute sehen, wenn Tabellenführer und Tormaschine Red Bull Salzburg als Gegner wartet. Gelingt Sturm abermals eine Überraschung gegen das vollkommen überlegene Team aus der Mozartstadt? Gewinnt der Torero gegen den Stier?

Antwort: Ja! 
Nach kurzem Abtasten beider Teams setzt Sturm ein klares Statement in Richtung: Ja, wir können die Überraschung schaffen. Denn nach Zuspiel von Djuricin überhebt Marko Stankovic, der sich zentral vor dem gegnerischen Sechzehner positioniert hatte, Tormann Peter Gulacsi und trifft zum 1:0. Da hat Sturms Nummer zehn schöne Übersicht bewiesen, da er zurecht gesehen hat, dass Gulacsi viel zu weit vor dem Tor stand. In weiterer Folge hat der Gegner lediglich “Schüsschen” auf das Tor der Grazer zu verzeichnen, die für Pliquett keinerlei Probleme darstellen. Salzburg beginnt hart in die Zweikämpfe einzusteigen. Und was macht Sturm? Kommt etwa durch Djuricin zur nächsten guten Möglichkeit und abermals durch Marko Stankovic zum nächsten Tor. Thorsten Schick, der heute für David Schloffer die rechte Seite bearbeitet, mit der Hereingabe auf Stankovic, der volley ins rechte untere Eck einschießt. 2:0 Der Gästesektor startet eine Party.

Und der in dieser Saison bislang überlegen agierende Gegner? Der hat wohl noch das Nicht-Erreichen der Champions-League-Gruppenphase im Kopf und glänzt mit Unkonzentriertheiten in der Defensive, mit billigen Abspielfehlern und Ballannahmen sowie erfolglosem Kurzpassspiel. Eine halbe Stunde ist gespielt und Sturm kam noch kein einziges Mal in Bedrängnis. Doch nach 30 Minuten Steh-Fußball des Gegners taut dieser langsam auf. Salzburg hat zwar fortan mehr Ballbesitz, weil Sturm ihnen plötzlich mehr Platz und Räume gibt, aber nicht mehr vom Spiel. Sturm fällt so ein bisschen in diese altbekannte Passivität zurück und um die Defensive vor etwaiger Bedrängnis zu schützen, putzen auch die Flügelspieler Beichler und Schick hinten ordentlich per Tacklings mit aus – wie auch die gesamte Defensive, die im Anschluss nicht kopflos den Ball nach vorne ballert, sondern geordnete Konter herauszuspielen versucht.

Und dann passiert es eben doch. Marcel Sabitzer wird an der Seite nicht genügend von Christian Klem und Beichler gestört, sodass er auf Kevin Kampl abgeben kann. Der wiederum zieht in Arjen-Robben-Manier in die Mitte, wird von der Defensive nicht attackiert und trifft zum 2:1. Pliquett wohl machtlos in dieser Situation, da hat Sturm entgegen des bislang sauberen Spiels nachlässig agiert. Doch am Ende der ersten Halbzeit steht Sturms 2:1-Führung, die gelang, weil Sturm mit Selbstvertrauen in die Partie gestartet ist, mutig den Abschluss gesucht hat, saubere Pässe gespielt und Tore geschossen hat.

Antwort: Ja!
Nach vorsichtigem Abtasten zu Beginn des zweiten Durchgangs, versucht Salzburg nachzulegen. Doch Sturm kann einen zweiten Gegentreffer zunächst noch vereiteln, die Defensive agiert aktiver und wachsamer. Und auch Pliquett ist zur Stelle. Doch befreien kann sich Sturm kaum und schafft es folglich kaum in den gegnerischen Sechzehner. Die Mozartstädter dagegen schon. Einen scharfen Schuss kann Pliquett zwar gut zur Ecke abwehren, doch die verwertet Soriano nach einem scharfen Zuspiel in den Strafraum im Anschluss zum 2:2-Ausgleichstreffer. Nach dem Spielverlauf gegen Ende der ersten Halbzeit kaum überraschend. Sturm hat dem laufstarken Spiel des Gegners nur noch wenig entgegenzusetzen. Selbst kleine Fehler in der Ballbehandlung, etwa eine schlechte Annahme von Stankovic, weiß Salzburg sofort auszunützen. Da brennt die Bude plötzlich lichterloh. Der Hamburger Pliquett ist in diesen Minuten der Mann, der Sturm im Spiel hält. Aber auch Michael Madl versucht alles, hinten nichts anbrennen zu lassen. Zumindest die Viererkette steht da noch souverän.

Das Problem scheint in der zweiten Halbzeit vor allem im schlechten Defensivverahlten der Mittelfeldspieler zu suchen zu sein. Die Salzburger sind in ihrem Passspiel einfach zu konzentriert und dribbeln sich geschickt durch die Mittelfeld-Reihen. Die Grazer Offensive hat schlichtweg keine Chance, ins Spiel zu finden. Möglichkeit um Möglichkeit erspielen sich die Bullen unaufhaltbar. Auch die Einwechslungen von Marc-Andre Schmerböck und Simon Piesinger bringen keine Wende im Spielverlauf. Daniel Beichler verlässt indes das Feld, da er durch hartes Zweikampfverhalten gelb-rot gefährdet ist. Und plötzlich Sturm wieder im Konter: Schmerböck tankt sich über links durch, spielt auf Djuricin und der netzt ein. Doch da war der Abseitspfiff des Schiedsrichters bereits ertönt – zu Unrecht. Quasi im Gegenzug dann Valentino Lazaro mit einem Gustostückerl: Nach einer Ecke schupft er sich den Ball über den eigenen Rücken, steht vor Pliquett, doch die Abwehr klärt in höchster Not.

Und Salzburg drückt, spielt und läuft und Sturm hält nicht nur dagegen, sondern trifft zum 3:2. Die Schwarz-Weißen fahren einen Konter über links, Marc Schmerböck bringt einen Steilpass zur Mitte auf Djuricin, der einschießt. Der Gästesektor bebt und macht sich nackig. Der Schlusspfiff besiegelt den zweiten Sturm-Sieg in Salzburg in Folge. Und für Salzburg ist es der ersten Punktverlust in der laufenden Saison, nach sechs Siegen in Serie. Die Überraschung ist geglückt – nein, mehr sogar. Das beinahe Unmögliche hat Sturm heute geschafft. Der Torero hat den Stier besiegt.

Stadion Wals-Siezenheim 7. Runde Zuschauer: 8.359

Red Bull Salzburg
30.08.2014, 16:30 Uhr
2:3
(1:2)

SR: Markus Hameter

Sturm Graz
Torschütze (Vorlage) TORE Torschütze (Vorlage)
Marko Stankovic (Marco Djuricin) 4. Minute
Marko Stankovic (Thorsten Schick) 15. Minute
36. Minute Kevin Kampl (Marcel Sabitzer)
55. Minute Jonathan Soriano (Marcel Sabitzer)
Marco Djuricin (Marc Schmerböck) 89. Minute
Spieler Karten Spieler
20. MinuteAndre Ramalho (Gelb)
28. MinuteChristoph Leitgeb (Gelb)
29. MinuteJonathan Soriano (Gelb)
Daniel Beichler (Gelb)42. Minute
65. MinuteStefan Ilsanker (Gelb)
Anel Hadzic (Gelb)74. Minute
Marco Djuricin (Gelb)76. Minute
Marko Stankovic (Gelb)80. Minute
Michael Madl (Gelb)83. Minute
Spieler Aufstellung Spieler
Tormann - Peter Gulasci   Benedikt Pliquett - Tormann
Abwehr - Andre Ramalho   Michael Madl - Abwehr
Abwehr - Martin Hinteregger   Lukas Spendlhofer - Abwehr
Abwehr - Peter Ankersen   Aleksandar Todorovski - Abwehr
Abwehr - Christian Schwegler   Christian Klem - Abwehr
Mittelfeld - Marcel Sabitzer   Daniel Offenbacher - Mittelfeld
Mittelfeld - Stefan Ilsanker   Anel Hadzic - Mittelfeld
Mittelfeld - Christoph Leitgeb   Thorsten Schick - Mittelfeld
Mittelfeld - Kevin Kampl   Daniel Beichler - Mittelfeld
Angriff - Jonathan Soriano   Marko Stankovic - Mittelfeld
Angriff - Alan   Marco Djuricin - Angriff
Spieler Wechsel Spieler
Marc Andre Schmerböck für Daniel Beichler 62. Minute
72. Minute Valentino Lazaro für Stefan Ilsanker
Simon Piesinger für Daniel Offenbacher 72. Minute