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Spielercheck

Der Bullen-Bändiger

Drei Tore den Salzburger Bullen eingeschenkt und in Wals-Siezenheim gewonnen – Sturm hat am gestrigen Nachmittag eine Überraschung geschafft. Dafür verantwortlich sind offensive Toreros, welche mit Selbstvertrauen den Abschluss gesucht haben. Aber auch hinten ließ die Mannschaft wenig anbrennen.

Eines der besten Sturm-Spiele der letzten Jahre durften die Sturmfans gestern im Stadion Wals-Siezenheim erleben. Nach Malmö FF gelang es nun auch Sturm Graz  den amtierenden Meister Salzburg zu entzaubern. Gegen noch müde wirkende Gastgeber gelang es den Schwarz-Weißen früh mit 2:0 in Führung zu gehen, womit wohl niemand gerechnet hätte. Erst danach kamen die Bullen ins Spiel, waren über 70 Minuten optisch klar überlegen. Die Taktik des Darko Milanic dürfte aber wohl überlegt gewesen sein: Rochade im Tor, Wechsel im rechten Mittelfeld und im Abschlusstraining wurde der Fokus auf Defensivspiel und Standards gelegt. Der Abwehrverband stand stets tief, aber streng geordnet, aus der 4-3-2 wurde zwecks Verteidigungsarbeit oft zu zwei Viererketten umgeschaltet. Die zwei Gegentore waren schlechtem Zweikampfverhalten geschuldet. So schnell kann es gegen eine Millionentruppe eben gehen. Im Offensivspiel zeigten sich die Sturm-Kicker abgebrüht, verwerteten ihre Chancen mit geschicktem Konterspiel eiskalt. Nach einem bitteren 1:2 gegen den WAC dürfen dieses Mal wieder Lorbeeren gestreut werden. Siege in Salzburg sind immerhin und vor allem für Sturm keine Selbstverständlichkeit. Die Entscheidung zum Blacky of the Match war keine leichte.

Spielercheck_neu_Note_4,5

 

Marco Djuricin
War der gebürtige Wiener noch in der Vorsaison bereits ab Runde eins verletzt, scheint heuer sein Stern aufzugehen. Bereits nach sieben Sekunden hatte er die erste Möglichkeit, nachdem ihm Schick das Spielgerät mit dem Kopf direkt auf den Fuß geliefert hatte. Beim Führungstreffer in Minute vier wollte sich die Nummer neun den Ball mit einem Haken wohl selbst vorlegen, doch Stankovic sagte Danke und netzte ein. Und bereits in Minute 13 hätte die Solo-Spitze einen drauflegen können, als er nach einem Beichler-Zuspiel völlig frei vor Keeper Gulacsi zum Abschluss kam. Auch nach der 2:0-Führung hatte er nicht genug und wollte die Führung erhöhen. Gulacsi zu weit vor dem Tor, Djuricin zieht aus gut 50 Metern ab, der Ball kommt im Obernetz zum Liegen. In der Folge war der 21-Jährige ein wichtiger Bestandteil im Konterspiel der Grazer, gewann wichtige Zweikämpfe und hielt zahlreiche Bälle. Seine Leistung krönte er mit dem dritten Treffer in Minute 90, als er nach Stanglpass des eingewechselten Schmerböck, gut freigelaufen, dem Salzburg-Tormann keine Chance ließ. Ein würdiger Blacky of the Match.

Thorsten Schick
Gelungenes Start-Elf Debüt für den Heimkehrer. Milanic setzte den zuletzt erstarkten David Schloffer auf die Bank und vertraute auf den Neuzugang, der von Admira gekommen war. Sowohl beim 2:0 als auch beim 3:2 der Blackys dürfen sich seine Mannschaftskollegen bei ihm bedanken. Bei Sturms zweitem Treffer setzte er gegen den weit aufgerückten Verteidiger Peter Ankersen energisch nach, gewann den Zweikampf, blickte kurz auf und setzte mit einem weit gespielten Querpass an der Salzburger Abwehr vorbei den völlig freistehenden Stankovic in Szene, der nur mehr vollstrecken brauchte. Auch der Siegestreffer gilt seiner Vorarbeit geschuldet. Nach der Kopfballabwehr von Madl, kam der 24-Jährige zum Ball und hatte im Umkreis von 20 Metern keinen Gegenspieler in seiner Nähe, sodass er in aller Ruhe über ein weites Zuspiel das Spiel zu Schmerböck verlagern konnte, der dann das 3:2 auflegte.

Marko Stankovic
Eine bärenstarke erste Halbzeit, die Marko Stankovic gestern spielte. Vor seinen beiden Toren bewies der Zehner viel Selbstvertrauen im Abschluss, beim ersten Treffer zudem ein gutes Auge, als er bemerkte, dass Goalie Gulacsi zu weit vor dem Tor stand. Stankovic spulte viele Kilometer ab, versuchte immer wieder das Spiel an sich zu reißen. Er wechselte immer wieder die Position mit Daniel Beichler, spielte abwechselnd in der Mitte, dann wieder links. Technisch gibt es beim Heimkehrer nichts zu bemängeln, mit 39 Ballkontakten war er bei den Grazern einer der besten. Gegen Ende der zweiten Halbzeit wirkte er dann etwas erschöpft, wurde aber erst in der Nachspielzeit ausgetauscht. Die Krönung seiner Leistung bleiben aber seine zwei Tore, bei denen er vor allem durch seine Übersicht glänzte.

Spielercheck_neu_Note_4

 

Benedikt Pliquett
Die Tormann-Rochade von Darko Milanic ist geglückt. Nachdem Pliquett bereits in den letzten beiden Auswärts-Partien gegen die Bullen starke Leistungen lieferte und sogar einen Elfmeter parierte, schenkte ihm der Trainer auch dieses Mal das Vertrauen. Noch im Abschlusstraining im Trainingszentrum Messendorf hatte sich der Hamburger für die Startelf empfohlen. In den ersten 25 Minuten unterbeschäftigt, lieferte er vor allem in Hälfte zwei starke Paraden und verhinderte, dass sein Team in Rückstand geriet, bei 25 Torschüssen der Salzburger und 72 % Ballbesitz alles andere als eine leichte Aufgabe. Die Gegentore waren in Anbetracht des Druckes, den die Hausherren ausübten, absehbar, der Deutsche allerdings war bei beiden machtlos. Bei Kampls Weitschuss standen seine Vordermänner zu weit weg vom Mann, beim 2:2 ließ der zur Defensivarbeit zurückgekommene Djuricin Soriano unbeachtet und der brauchte den Ball nur mehr einzuschieben. Ohne die starke Tormann-Performance hätte hier durchaus noch eine Niederlage herausschauen können. Zudem gilt es zu erwähnen, dass der Ex-St.Pauli-Keeper ab Minute zwei mit einem verletzten rechten Arm am Platz agierte.

Michael Madl
Der Kapitän findet sich mit seiner Rolle als Abwehrchef scheinbar immer besser zu Recht. Gemeinsam mit Lukas Spendlhofer verdichtete er hinten die Räume und ließ den Gegner aus zentraler Position kaum zum Abschluss kommen. Von den 25 Schüssen auf das Gehäuse von Pliquett erfolgten nur zwei direkt aus dem Sechzehner, was für die eng geschlichtete Abwehrreihe von Sturm spricht. Einige Male hatte  der Obersteirer allerdings in höchster Not zu klären. Vor allem aber gilt es zu erwähnen, dass er keine nennenswerte Kopfballchance zuließ. Zum Spielaufbau von hinten kam Madl allerdings ob des harten Pressings des Gegners kaum. Dafür spielte er aber auch nur einen einzigen Fehlpass.

Lukas Spendlhofer
Der Innenverteidiger ließ sich von der Millionentruppe aus Salzburg keineswegs beeindrucken und lieferte eine solide Partie ab. Gemeinsam mit Abwehrchef Michael Madl machte Spendlhofer die Räume hinten eng und ließ die Salzburger zentral kaum zum Abschluss kommen. In Halbzeit eins schaffte es die Defensive – allen voran das Innenverteidigerduo – die teils zaghaften Vorstöße der Salzburger nicht kopflos nach vorne zu klären, sondern im Anschluss an den Klärungsversuch ruhigen Spielaufbau zu betreiben, etwa durch Kurzpassspiel. Beim ersten Gegentreffer attackierte er im Verbund mit seinen Kollegen den Torschützen Kevin Kampl zu wenig – die Hauptschuld daran trägt aber ein anderer.

Christian Klem
Die Anweisungen von Trainer Milanic dürften für die Außenverteidiger klar gewesen sein. Sowohl Klem als auch Todorovski waren darauf konzentriert, Defensivarbeit zu leisten, schalteten sich nur selten in die Offensive ein, verließen die eigene Hälfte kaum. Hinten gab es auch jede Menge Arbeit für die beiden. Christian Klem stand seinen Mann gegen die körperlich robusten Salzburger über neunzig Minuten hin, entschärfte die Offensivbemühungen der Mozartstädter fast gänzlich. Nur eine einzige Flanke ins Zentrum ließ der 23-Jährige zu. Einzig das Passspiel ließ zu Wünschen übrig, die Salzburger fingen im Pressing von 13 Pässen neun ab. Ohne Disziplin des Außenverteidigers wäre das Flügelspiel der Bullen wesentlich stärker zu Geltung gekommen.

Spielercheck_neu_Note_3,5

 

Aleksandar Todorovski
Auch er ließ, wie schon Pendant Klem auf der Gegenüberseite, Offensivbemühungen großteils außer Acht, wohl eben aufgrund der taktischen Überlegungen, die wohl dahinter stecken dürfte. Ein Spiel wie das gestrige gewinnt man eben aber auch nicht durch Angriff ohne Rücksicht auf Verluste, sondern geschicktes Defensivverhalten mit schnellem Umschalten. Im Zweikampfverhalten zeigte sich Todorovski tadellos, einzig beim Kopfballspiel gibt es noch Defizite, so zum Beispiel als er eine Kopfabwehr direkt in die Mitte köpfelte. Dahingegen lieferte er einige saubere Tackles und klärte vor allem in Minute 89 in höchster Not.

Anel Hadzic
Eine unauffällige Partie der Grazer Nummer acht. Zu sehen gab es Anel Hadzic beim Erhalt seiner gelben Karte in Minute 72, als er einen heranstürmenden Salzburger von den Beinen holte. Ein nötiges Foul, wenngleich ein dummes Einsteigen, denn damit ist Hadzic im kommenden Spiel gesperrt. Abgesehen davon bleibt nicht viel zu sagen. Hadzic hat defensiv gut gearbeitet, allerdings wenige Zweikämpfe gesucht. Vier seiner sechs Ein-gegen-Eins-Duelle konnte der 25-Jährige für sich entscheiden – demnach wenigstens ein positiver Wert.

Daniel Beichler
Licht und Schatten im Spiel von Daniel Beichler – und das nicht zum ersten Mal. Einerseits versuchte der linke Flügel nicht nur offensiv Akzente zu setzen, sondern auch defensiv seine Mannschaftskollegen zu unterstützen. Auf der Habenseite stehen ein paar gute Tacklings auf Höhe des eigenen Sechzehners. Kurz vor dem 2:0 erkämpfte er sich im gegnerischen Strafraum den Ball und schlenzte diesen über alle Salzburger hinweg zu Djuricin, der plötzlich allein vor dem Tormann stand. Andererseits legte Beichler in einer Situation schauspielverdächtiges Verhalten an den Tag, als er sich nach einem Foul am Boden wand und vergeblich auf den Schiedsrichter-Pfiff wartete. Hameter ließ sich darauf aber nicht ein. Der Grazer musste das Feld schließlich räumen, da er bereits mit gelb vorbelastet war und der Trainer wohl keinen Platzverweis riskieren wollte.

Marc Andre Schmerböck
Mit der Einwechslung des Youngsters bewies Milanic ein gutes Händchen. Wie die gesamte Mannschaft war er nur selten in Ballbesitz, scheute allerdings keinen Zweikampf, wobei er aber nicht jeden gewann. Er lieferte den Assist zum entscheidenden 3:2 in der Nachspielzeit, indem er einen mustergültigen Stanglpass auf Djuricin spielte. Zuvor pflückte er sich die Flanke von Schick sehenswert herunter, so als hätte der Ball an seinem Fuß geklebt.

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Daniel Offenbacher
Pech für Offenbacher. Das erste Gegentor geht hauptsächlich auf seine Kappe, da er Kampl am Nächsten stand und nichts entgegenzusetzen hatte. Und wenn es eine Reihe im Spiel der Grazer gibt, an der es Mängel zu bestaunen gab, dann das zentrale Mittelfeld. Auch gestern wirkte hier die Defensive phasenweise Fehl am Platz. Nach vorne ging wenig – die zentrale Offensive wurde vornehmlich von den Flügelspielern und der Abwehrkette bedient oder ging selbst zurück, um sich Bälle zu holen. Allerdings zeigt sich Offenbacher in der jüngsten Vergangenheit defensiv verbessert, versucht seinen Körper besser einzusetzen und seine Gegenspieler zu stören. Allerdings ist seine Zweikampfstatistik abermals knapp negativ. Hier gilt es nachzulegen.

Spielercheck_neu_Note_2,5

 

Simon Piesinger
Der Neuzugang von Wacker Innsbruck stand zwar zwanzig Minuten am Spielfeld, hatte aber lediglich sechs Ballkontakte, darunter zwei angekommene Pässe. Aus der eigenen Hälfte kam der defensive Mittelfeldmann kein einziges Mal, dürfte aber wohl die Anweisung erhalten haben, möglichst tief zu stehen, um den Angreifern keinen Meter Raum zu geben.

Zu kurz eingesetzt
Tomislav Barbaric

Anmerkungen

Die Leistung der Sturm-Spieler wird anhand von Bällen bewertet. Die höchste Bewertung sind dabei fünf Bälle, die niedrigste Bewertung ist ein Ball. Eine durchschnittliche Leistung ist mit drei Bällen gleichzusetzen, die auch den Ausgangs- bzw. Basiswert darstellen.

Das Ergebnis ergibt sich dabei aus der gemeinsamen Diskussion der Sturm12.at-Redakteure, bleibt aber letztlich subjektiv.

Ein Spielercheck von Katharina Siuka und Patrick Weißenbacher