Austria Wien - Sturm Graz
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Patrick Wolf

"Ich hätte mir eine Verabschiedung gewünscht"

Patrick Wolf beendete nach Ende der abgelaufenen Saison seine Profikarriere. Für den SK Sturm Graz lief er in 82 Spielen auf und erzielte acht Tore. Aktuell spielt er für den SV Allerheiligen in der Regionalliga Mitte – plant zugleich aber schon für seine Zukunft: Er absolviert die Ausbildung für die Trainerlizenz.

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Es war der 4. Mai 2014. Patrick Wolf betritt in der 61 Spielminute mit der Rückennummer 33 das letzte Mal als Spieler des SK Sturm Graz das Grün des Liebenauer Stadions. Und weil der Zufall auch gerne an schönen Geschichten mitschreibt, vollendet er an diesem Tag außerdem sein 33. Lebensjahr. Auch wenn er sich selbst und die Mannschaft ihm kein Geburtstagsgeschenk machen konnten – Sturm Graz unterlag dem SC Wiener Neustadt mit 1:2 – blickt Patrick Wolf auf eine schöne Zeit bei den Grazern zurück. Mitte Juni teilt Wolf seinen Fans und dem Verein mit, dass er sich entschlossen habe, seine Profikarriere zu beenden. “Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut… “, beginnt er die Botschaft via Facebook. In Zukunft wird Patrick Wolf im Amateurbereich für den SV Allerheiligen in der Regionalliga Mitte den Fußballschuh schnüren, ließ er damals wissen. 

Heimatnähe und passendes Niveau
Es hätte einige Angebote und Optionen neben dem SV Allerheiligen gegeben, sagt Patrick Wolf heute. Der FC Piberstein Lankowitz, ein Verein der Oberliga Mitte-West in der idyllischen Lipizzaner-Gegend hätte es werden können. Auch ein Verbleib im Profigeschäft und ein Wechsel in die Erste Liga sei zur Wahl gestanden. “Die Angebote haben aber wirtschaftlich nicht gepasst“, fasst Wolf heute gegenüber Sturm12.at kurz zusammen. Zudem würde das Niveau der Regionalliga dem entsprechen, was er sich in seinem Alter vorstelle. Er wollte außerdem nicht weit von zuhause weg kicken. Die zehn Autominuten, die die Fahrt nach Allerheiligen bei Wildon in Anspruch nimmt, kommen ihm sehr gelegen, wie er zugibt.

Der Tapeten- und Ligawechsel waren notwendig, weil Sturm Graz nicht mehr mit Patrick Wolf plante. Auch die Art und Weise, wie es zu Ende ging, missfiel dem Flügelflitzer ein bisschen. “Ein wenig Wehmut ist schon dabei. Ich hätte mir in irgendeiner Form eine Verabschiedung gewünscht.” Die Enttäuschung hinter seiner Stimme ist nicht zu überhören. Doch es ging recht schnell. Man teilte Wolf mit, dass sein Vertrag nicht verlängert wird – und das war es dann auch schon. Trotz der seiner Meinung nach nicht ganz standesgemäßen Verabschiedung blickt er auf eine schöne Zeit bei Sturm Graz zurück. Den Meistertitel aus dem Jahr 2011 zählt er zu den Höhepunkten seiner Karriere, genauso wie den Erste Liga-Titel 2009 mit Wiener Neustadt. Nicht zuletzt hat sich  der 3. März 2010 in sein Gedächtnis eingeprägt – es war der Tag, an dem Wolf für das Nationalteam debütierte. Österreich empfing unter Trainer Didi Constantini das Team aus Dänemark. “Ich wurde in der zweiten Hälfte eingewechselt, und das für meinen Jugendfreund Roman Wallner. Lustig auch noch“, erinnert er sich mit einem Lächeln. Ein zweites und letztes Mal durfte er ein halbes Jahr danach für sein Heimatland spielen, als die Schweiz gastierte und Wolf die ersten 45 Minuten zum Einsatz gekommen ist.

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Wie geht es ihm nun in der dritthöchsten Fußballliga Österreichs? “Wir haben ein Unentschieden, zwei Siege und zuletzt leider drei Niederlage eingefahren.” Die Statistik könnte also etwas schöner sein. Dass ihm drei Niederlagen in Serie zu viel sind, daraus machte er heute auf Facebook keinen Hehl. So jetzt is genug…3 Niederlagen in Folge reichen mir völlig… Also auf 3 Punkte in Kalsdorf…WP33″, heißt es dort auf seiner Seite. Wir haben eine neu zusammengewürfelte Mannschaft. In dieser Saison dürfen wir uns keine zu hohen Ziele stecken“, nennt Wolf aus seiner Sicht die Gründe für die jüngste Negativserie der Südsteirer. Und wie sieht die Zukunft des 33-Jährigen aus? Aktuell arbeitet Wolf an einem Stickeralbum. “Wir gestalten ein Album wie man es von Panini kennt, nur für Fußballvereine im Amateurbereich” – gemeinsam mit Hannes Reinmayr ist er Schirmherr dieser Aktion. Soweit zur nahen Zukunft. Auch langfristig will Wolf den Fußballplatz nicht verlassen. Diesen will er irgendwann einmal mit dem Trainerschein betreten dürfen – momentan absolviert er die notwendige Ausbildung dazu.

Stellt man Patrick Wolf die Frage, ob er einen sportlichen Aufwärtstrend bei seinen ehemaligen Mannschaftskollegen sieht, dann wird seine Stimme ernst. “Nur wegen dem Sieg gegen die Salzburger? Nein!“, hält er klipp und klar fest. Ihm fehle das konstante Punktesammeln. Erst wenn Sturm in der Lage ist, über mehrere Partien hinweg zu siegen oder zumindest zu punkten, dann kann man einer ansteigenden Leistungskurve sprechen. Die Spiele des SK Sturm Graz verfolgt er klarerweise, jedoch nicht, wie man vermuten könnte, im Stadion. “Ich hatte schon lange keine freien Wochenenden mehr. Das ist angenehm, weißt du, das genieße ich“, sagt er, während seine Stimme wieder einen humorvollen Unterton bekommt. Dass er wieder ins Stadion kommen wird, steht aber außer Frage. Zuvor wird er aber vermutlich noch ins Trainingszentrum Messendorf fahren. Und zwar am 10. Oktober, wenn die SK Sturm Graz Amateure den SV Allerheiligen empfangen. “Ein Spiel wie jedes andere.” Ein ehemaliger Profi halt.