12 Meter

Die Sechserfrage

In der österreichischen Nationalmannschaft spielen David Alaba und Julian Baumgartlinger im 4-2-3-1 auf der Doppelsechs. Natürlich ist man beim SK Sturm Graz weit davon entfernt, Spieler dieser Klasse dort aufweisen zu können. Nichtsdestotrotz kann man hinsichtlich der Aufgabenverteilung die eine oder andere Querverbindung zu den Blackys herstellen. Es stellt sich die Frage: Ist die Paarung Anel Hadzic und Daniel Offenbacher die richtige in der Defensivzentrale?

© Sturm12.at
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Schaut man David Alaba und Julian Baumgartlinger im Nationalteam neunzig Minuten lang auf die Beine, zeigt sich ein sehr gut abgestimmtes Duo im zentralen, defensiven Mittelfeld. Der offensiver orientierte Alaba mit sehr vielen Freiheiten wird im bestmöglich gemeinten Wortsinn vom kampfstarken Baumgartlinger sekundiert und hält den Laden vor der Innenverteidigung zusammen. Die Arbeitsteilung funktioniert und in der Vorwärtsbewegung bringt sich der Bayern-Star mit viel Freiheiten in die offensive Mittelfeldreihe ein und das System switcht zu 4-1-4-1. Beide Protagonisten erfüllen einen Part, der ihren Stärken entspricht.

Beim SK Sturm, der seit heuer von der Grundformation das gleiche System wie die Nationalmannschaft praktiziert, ist das leider nicht ganz so austariert. Anel Hadzic und Daniel Offenbacher bilden den Stamm auf der Doppelsechs, aber selbst Trainer Darko Milanic hat bei diversen Medienauftritten schon gesagt, das sei nicht die optimale Paarung. Dem ist nichts entgegenzusetzen. Außer, dass es offenbar wieder ein bisschen an der Courage fehlt, hier etwas anderes auszuprobieren. In der derzeitigen Besetzung spielen zwei Spieler einen Part, den sie nicht gerne spielen und auch nicht wirklich gut können.

Offenbacher und Hadzic sind von ihrer Spielanlage offensiver ausgerichtete Akteure. Beide spielen aber gezwungenermaßen einen eher konservativen Sechser – den Part von Baumgartlinger, wenn man wieder das Nationalteam als Vergleichsobjekt bemüht. Beide haben allerdings nicht die Voraussetzungen und die Fähigkeiten des Baumgartlinger, sie sind in der Konstellation eine Fehlbesetzung. Daniel Offenbacher etwa ist hinsichtlich seiner Defensivarbeit eine Vorgabe, immer zu spät dran, seine vielen gelben Karten sind eine logische Folge. Nach vorne, wo er seine Qualitäten hat, ist er beschnitten, weil im starren Konzept hinten festgekettet. In abgeschwächter Form gilt Ähnliches für Hadzic.

Als im Heimspiel gegen die Austria Simon Piesinger mit Anel Hadzic auf der angesprochenen Position aufgelaufen ist, war da plötzlich eine neue Situation zu sehen. Piesinger spielte – innerhalb seiner Möglichkeiten – den Abräumer, Hadzic brachte sich öfter als sonst in die Offensive ein. Das war zumindest in diesem Mannschaftsteil auf einmal viel stimmiger und es ruft den Wunsch hervor, nicht weiterhin dauernd stur an Offenbacher und Hadzic im Duo festzuhalten, auch wenn sie im Grunde die besseren Einzelspieler sind. Und der Transfer von Piesinger hätte plötzlich auch einen Sinn bekommen. Vielleicht würde er sich dadurch auch steigern können. Stefan Ilsanker, heute bei Red Bull gesetzt und Nationalspieler, hat seinerzeit bei Mattersburg als “Jungsechser” auch nicht so eine Figur gemacht wie heute.

Das Spiel der Grazer würde sich bei einer Aufgabenteilung wie im Team außerdem variantenreicher gestalten. Die Möglichkeit zu haben, dass sich einer der Sechser immer wieder vorne einschaltet, weil er hinter sich einen Backup weiß, wäre einen Versuch wert. Man könnte den Angriff zwischenzeitig überladen und eine Überzahl herstellen. Die derzeitige starre Variante mit zwei gleich ausgerichteten Spielern, die noch dazu dort nicht gut sind, ist wenig zielführend. Außerdem könnten Offenbacher oder Hadzic sich in der neu definierten Position in einer Rolle wiederfinden, die ihren Fähigkeiten entspricht. Also, ein weiteres Mal sei festgehalten: Mehr Mut, Darko!