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Sturm Graz - Admira

Rückstandsstarre

Geht Sturm daheim in Rückstand, fällt es den Grazern schwer, das Spiel zu drehen. So auch heute. Nach einer guten ersten Halbzeit gegen die Admira und einem unverdienten Rückstand brechen die Schwarz-Weißen ein und verlieren.

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Bestätigung. Danach strebte der SK Sturm heute in Liebenau gegen Admira Wacker Mödling. Nach dem schon recht sensationellen 3:2-Sieg vor zwei Wochen in der Bullendisco wollten sich die Grazer stiernackig präsentieren. Mit drei Punkten wollte man aus der Länderspielpause zurückkehren. Der Überraschungs-Coup in Wals-Siezenheim sollte nicht – wie in der vergangenen Saison so oft nach guten Darbietungen – aufgrund einer schwachen Anschlussleistung als Ausrutscher nach oben dastehen. Es gelang wieder nicht.

Darko Milanic veränderte das “Winning-Team” aus Salzburg gezwungenermaßen nur an zwei Positionen. Simon Piesinger durfte für den gelbgesperrten Anel Hadzic auflaufen. Lukas Spendlhofer verletzte sich im U21-Spiel gegen Spanien ein bisschen und nahm nur auf der Bank Platz. Für ihn stand Tomislav Barbaric neben Michael Madl in der Innenverteidigung.

Es ist, wie Stadionsprecher Ludwig Krentl nach seinen Begrüßungsworten anmerkt,“ein feuchter Samstagabend in Liebenau”. Dementsprechend holprig präsentiert sich der nicht gerade belastungsresistente Liebenauer Rasen. Entgegen dem Regen starten beide Mannschaften verhalten ins Spiel. Sturm drängt in der ersten Minuten nicht so sehr nach vorne wie beispielsweise beim Unentschieden gegen Austria Wien. Die Viererkette steht zwar sofort hoch, doch die gegnerische Abwehrreihen lassen die Schwarz-Weißen bis zehn Meter vor der Mittellinie walten. Im Einklang mit dem Wetter starten die Schwarz-Weißen dann den Fußballabend in Liebenau – erst als in der 9. Minute der letzte Tropfen gefallen ist, erhöht Sturm langsam den Druck. Marco Djuricin zieht vom Sechzehner ab, Admira-Tormann Andreas Leitner wehrt den leicht abgefälschten Schuss jedoch trocken ab. Zwar ist Sturm ab dieser Szene klar spielbestimmend, doch die Südstädter verstehen es, mit ein bisschen vorhandenem Platz und Unordnung umgehend gefährlich zu werden: Marko Stankovic wird nahe der Mittellinie gefoult, Schiedsrichter Robert Schörgenhofer lässt weiterlaufen, Lukas Thürauer spitzelt den Ball durch die Beine von Tomislav Barbaric und läuft alleine auf das Grazer Tor zu. Michael Madl bremst in letzter Not mit einer Grätsche und sieht dafür Gelb. Eine strittige Entscheidung, Sturms heraneilende Hintermannschaft hätte, der Zeitlupe nach zu urteilen, nicht mehr eingreifen können, das Foul hätte auch als Torraub gewertet werden können. Allerdings hätte es aufgrund des vorangehenden Fouls an Stankovic auch nicht zu der Szene kommen dürfen.

Die Folge dieses “Schocks”: Sturm spielt munter weiter und drängt nahezu auf das 1:0 . In der 16. Minute dreht sich Djuricin am Admira-Fünfer um die eigene Achse, lässt seinen Gegenspieler damit ins Leere laufen und bringt den Ball zur Mitte – doch den Stanglpass nimmt einzig ein Admiraner ab, der ins Seitenout klärt. Es geht in dieser Tonart im Minutentakt weiter: Aleksandar Todorvski bricht nach einem Haken auf rechts bis zur Cornerlinie durch, seine Flanke verfehlt nur knapp Daniel Beichlers Kopf, der nur mehr einzunicken hätte brauchen; Thorsten Schick zieht nach Zusammenspiel mit Todorovski auf rechts in den Strafraum, seinen Stanglpass blockt ein Admiraner neben die Torstange ins Out. Der Führungstreffer wäre zu diesem Zeitpunkt nicht unverdient gewesen.

An Tagen wie diesen
Als bereits eine halbe Stunde gespielt ist, begrüßt Ludwig Krentl einen besonderen Ehrengast. Ivan Osim, der zurzeit in Graz weilt, wird von Krentl und mit Sprechchören der Nordkurve Willkommen geheißen. Die Trainer-Ikone sieht Sturm weiter angreifen, doch auch die Admira wird ein zweites, drittes und viertes Mal gefährlich – mit mehr oder weniger einer Aktion. Eldis Bajrami kann nach einem Doppelpass vom rechten Strafraumeck abschließen, Pliquett wehrt zum Eckball ab. Nach der Hereingabe tümmelt es sich im Grazer Strafraum und plötzlich steht es nach 40 Minuten 1:0 für die bisher eher unterlegenen Gäste. Stephan Zwierschitz verwertet einen Abpraller nach einem sehenswerten Pliquett-Reflex zur Führung. Freunde der Stammtisch-Rhetorik würden sagen: “Das ist Fußball.” Ist er. Und so geht Sturm nach einer sauberen ersten halben Stunde mit einem schmutzigen Rückstand in die Kabine.

Der Gegentreffer scheint Sturm zu belasten. Nach Wiederankick spielen plötzlich die neon-orangen Südstädter auf, bei denen nun Richard Windbichler für Daniel Toth im Mittelfeldzentrum spielt. In der 49. Minute schließt der äußerst umtriebige Bajrami wieder einmal einen Angriff der Admira ab, scheitert jedoch an Pliquett. Christian Klem kann eine Minute später eine Flanke vor Rene Schicker wegköpfen. Sturm ist nun in die Defensive gezwungen und kann sich kaum befreien. Einzig Stankovic kann einmal auf das gegnerische Tor schießen – mehr als harmlos. Im Anschluss an diesen Angriff muss es dann 2:0 für die Admira stehen. Wieder ist es Bajrami, der es im Grazer Strafraum brennen lässt. Nach einem grandiosen Lochpass des 27-ers steht Stephan Auer alleine vor Benedikt Pliquett, umkurvt Sturms Tormann und trifft anstatt des leeren Tores nur den Pfosten – Riesenglück für Sturm. Darko Milanic reagiert auf den plötzlichen Einbruch seiner Mannschaft und bringt in der 59. Minute Josip Tadic für Beichler und David Schloffer für Stankovic ins Spiel. Beide gehen eine Minute später mit der Mannschaft 2:0 in Rückstand, anstatt für den Ausgleich sorgen zu können. Lukas Thürauer schießt aus zwanzig Metern ins rechte Kreuzeck. Ein Traumschuss, der für Pliquett nicht zu halten war.

Die Bürde des Rückstands
Auf den Zwei-Tore-Rückstand folgt, was die Zuseher in Liebenau vor allem in der letzten Saison schon öfter nach Zwei-Tore-Rückstanden gesehen haben. Sturm gelingt es nicht, zu reagieren, nachzusetzen. Die Mannschaft von Darko Milanic schafft es nicht auf kompletten Angriff umzuschalten und sich annähernd regelmäßig Torchancen herauszuspielen, um den Anschlusstreffer zu erzielen. Auch das nun auf den Platz gebrachte 4-4-2 trägt nur wenig zum Offensivdrang der Gastgeber bei. Einmal kommt noch Simon Piesinger nach einem Eckball von Thorsten Schick zum Kopfball, der sich (abgefälscht) gefährlich auf das Tor von Leitner senkt. Das sollte es dann aber auch schon gewesen sein, was Sturm in beinahe einer Viertelstunde an Druck erzeugen kann.

Nach dieser Aktion wechselt Milanic ein drittes und letztes Mal. In der 72. Minute ersetzt Sandi Lovric den wenn überhaupt braven Simon Piesinger. Der 16-Jährige agiert ein wenig offensiver als Piesinger. Bis zu seiner Einwechslung standen beide Sechser meistens sehr tief in der eigenen Hälfte. Doch trotz dieser Umstellung von Milanic: Alles-Oder-Nichts-Fußball sieht anders aus. In der 80. Minute setzt Tadic einen Kopfball in die Hände des Admira-Tormannes, acht Minuten später noch einmal. Mehr geht nicht mehr. Die Admira gewinnt mit drei Torchancen in Graz zwei zu null. Sturm spielt eine beherzte und manchmal attraktive erste Halbzeit, geht entgegen des Spielverlaufs in Rückstand und meldet sich von da an gänzlich vom Spielfeld ab. Eine Halbzeit ok, eine viel zu wenig. Am Ende steht eine verdiente Niederlage.

Stadion Liebenau 8. Runde Zuschauer: 6.893

Sturm Graz
13.09.2014, 18:30 Uhr
0:2
(0:1)

SR: Robert Schörgenhofer

Admira Wacker
Torschütze (Vorlage) TORE Torschütze (Vorlage)
40. Minute Stephan Zwierschitz (Markus Lackner)
60. Minute Lukas Thürauer (Eldis Bajrami)
Spieler Karten Spieler
Michael Madl (Gelb)11. Minute
37. MinuteMarkus Lackner (Gelb)
79. MinuteEldis Bajrami (Gelb)
81. MinuteMarkus Katzer (Gelb)
Spieler Aufstellung Spieler
Tormann - Benedikt Pliquett   Andreas Leitner - Tormann
Abwehr - Aleksandar Todorovski   Markus Katzer - Abwehr
Abwehr - Tomislav Barbaric   Christoph Schösswendter - Abwehr
Abwehr - Christian Klem   Patrick Wessely - Abwehr
Abwehr - Michael Madl   Stephan Zwierschitz - Abwehr
Mittelfeld - Thorsten Schick   Markus Lackner - Mittelfeld
Mittelfeld - Daniel Offenbacher   Lukas Thürauer - Mittelfeld
Mittelfeld - Marko Stankovic   Stephan Auer - Mittelfeld
Mittelfeld - Daniel Beichler   Daniel Toth - Mittelfeld
Mittelfeld - Simon Piesinger   Eldis Bajrami - Mittelfeld
Angriff - Marco Djuricin   Rene Schicker - Angriff
Spieler Wechsel Spieler
45. Minute Richard Windbichler für Daniel Toth
Josip Tadic für Daniel Beichler 59. Minute
David Schloffer für Marko Stankovic 59. Minute
61. Minute Benjamin Sulimani für Rene Schicker
Sandi Lovric für Simon Piesinger 73. Minute
80. Minute Wilfried Domoraud für Markus Lackner