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Spielercheck

Ungenügend

Halbzeit eins in Ordnung, Halbzeit zwei schlecht. Vor allem Sturms Offensivabteilung ließ gestern einiges vermissen. Dies spiegelt sich auch in den Bewertungen des Spielerchecks wider. Blacky of the Match ist ein gestern auffälliger Außenverteidiger.

 

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Der Angstgegner war wieder einmal stärker. Sturm Graz schaffte es nach einer starken ersten Halbzeit nicht, gegen Admira Wacker zu punkten. Die Mannschaft von Darko Milanic zeigte sich im Offensivspiel von Beginn an stark, spielte in Ansätzen ansehnlichen Fußball und scheiterte in den ersten 30 Minuten nur an der eigenen Chancenverwertung. Und so kam es wie es kommen musste: Wer die Tore nicht macht, bekommt sie. Alte Floskel mit viel Wahrheitsgehalt dahinter. Danach zeigte sich einmal mehr eine nahezu schon charakteristische Symptomatik: Nach einem Rückstand gibt es stets hängende Köpfe. Die Blackys konnten an ihre starke Leistung des ersten Durchganges nicht mehr anknüpfen und verharmlosten in weiterer Folge. Das vorentscheidende 2:0 war dann einem schlechten Abwehrverhalten geschuldet, wie man es in dieser Saison bereits einige Male beobachten konnte. Wenn das Spiel, das unter sehr schwierigen Platzverhältnissen ausgetragen wurde, auch nicht das gewünschte Ergebnis brachte, so darf sich der Stadiongeher zumindest in Phasen wieder über guten Fußball freuen.

Spielercheck_neu_Note_3,5

Aleksandar Todorovski
Beide Außenverteidiger waren im Vergleich zum Salzburg-Spiel klar offensiver eingestellt. Dass man sich gegen die Niederösterreicher mehr trauen kann, hat der Spielverlauf auch gezeigt. Gerade Todorovski gelang es im ersten Durchgang mehrmals sich auf seiner rechten Seite durchzusetzen und bedrohliche Zuspiele in den Strafraum zu bringen. Am Ball wirkte er wesentlich sicherer als man es gewohnt ist, im Zweikampf scheute er keine Mühen. Anzukreiden ist ihm sein Abwehrverhalten beim 1:0 als er an der Outlinie das entscheidende Duell verlor, das das 1:0 vorbereiten sollte. Beim Stangenschuss von Auer hatte er seine liebe Not, dem Admiraner nachzukommen. Im Zusammenspiel mit Vordermann Schick harmoniert der Mazedonier gut, konnte den Neuzugang des Öfteren gut in Szene setzen. Am Ende steht das bisher beste Saisonspiel von Aleksandar Todorovski – er ist an diesem nassen Sonntag unser Blacky of the Match.

Spielercheck_neu_Note_3

Benedikt Pliquett
Der Hamburger war einmal mehr ein großer Rückhalt, konnte sein Team aber auch nicht vor den beiden Gegentoren bewahren. Noch Sekunden vor dem 1:0 glänzte er gleich drei Mal mit spektakulären Paraden, durch jede Menge Pech fand der Ball aber trotzdem den Weg in sein Tor. Kritisieren muss man, dass er Bälle nicht nach vorne abwehren darf – wie vor dem 0:1 geschehen. Wenn der Deutsche auch gut zwei Meter groß ist, ein platzierter Schuss ins Kreuzeck ist nahezu unmöglich zu parieren und so gab es auch beim zweiten Treffer der Admira nichts mehr zu tun für den Hünen. Seinen Meister hätte er zuvor bereits fast in Stefan Auer gefunden, der nach sehenswertem Lochpass auch noch den Sturm-Goalie ausstieg und schlussendlich nur am Aluminium scheiterte. Nach so einem Abend kann einem auch einmal der Tormann leid tun.

Michael Madl
Der Blacky mit den meisten Ballberührungen und der höchsten Passquote. Allein aufgrund der Statistik gibt es hier nichts zu bemängeln. Er spielte eine solide Partie, kommt auch mit Barbaric als Spendlhofer-Ersatz einigermaßen gut klar, hätte aber auch nach einer Halbzeit schon in der Kabine sitzen können. Schiedsrichter Robert Schörgenhofer erwies sich bei seinem Torraub-verdächtigem Foul aber gnädig und zeigte dem Obersteirer nur gelb. In der Folge spielte Madl fair, lieferte dafür einige schöne Tackles. Abstimmungsschwierigkeiten erkannte man, als er und Todorovski beim Lochpass von Bajrami zu weit auseinander standen, woraufhin Auer plötzlich alleine vor Pliquett stand. Beim zweiten Gegentreffer standen er und die gesamte Viererkette zwar in Reih und Glied, aber dennoch zu weit vom Gegner weg, was folgte war abermals ein Weitschuss-Gegentor.

Thorsten Schick
Gerade in der ersten Halbzeit war Thorsten Schick einer der großen Grazer Lichtblicke. Immer wieder war es vor allem die rechte Angriffsachse Todorovski/Schick, die mit den Abwehrreihen von Schicks Exverein Katz und Maus spielten und dem Heimpublikum einige sehenswerte Kombinationen auf die Netzhaut lieferten. In weiterer Folge entstanden dadurch durchaus auch brauchbare Überzahlsituationen, Abschlussmöglichkeiten oder gefährliche Flanken – doch letztlich zählbare Aktionen konnten bekanntermaßen nicht erarbeitet werden. Schon gar nicht mehr in der zweiten Halbzeit, als die gerade positiv hervorgehobenen Momente zur absoluten Mangelware wurden und Thorsten Schick vom Grazer Offensivspiel mehr oder weniger ausgeschlossen wirkte. Warum auch immer.

Spielercheck_neu_Note_2,5

Tomislav Barbaric
Es ist inzwischen nicht mehr auszuschließen, dass es Tomislav Barbaric sehr schwer haben wird in Graz. Der Kroate zeigte sich gestern wie schon in den bisherigen Spielen angedeutet von einer schwachen, langsamen, ja gar mutlosen Seite. Nur zu oft scheute er den Zweikampf mit einem der vier Offensiv-Admiranern, agierte wenn gefordert zögerlich, behäbig, matt. Seine Zweikampfwerte lesen sich einigermaßen schauderhaft. Und das gar nicht so sehr, weil er die Zweikämpfe nicht gewonnen, sondern, weil er sie erst gar nicht gesucht hat. Auch die Spieleröffnung scheint keine Stärke des Tomislav Barbaric zu sein. In Drucksituationen, die der erstgereihte Lukas Spendlhofer in den vergangenen Wochen oft gut bis hervorragend gelöst hat, bevorzugt er es zumeist, die Kugel zu seinem Nebenmann Michael Madl zu schieben. Sehr schwach.

Christian Klem
Wenn er auch optisch offensiver als zuletzt zu beobachten war, ging dem Linksverteidiger am Samstag nach vorne kaum etwas auf. Zwar stand er meist hoch, kam aber kaum zur Gelegenheit, einen Sprint zum Hinterlaufen anzusetzen und musste zudem einige Male nach einem missglückten Sturm-Angriff wieder zurücklaufen um hinten dicht zu machen. Beim Gegentreffer zum 2:0 trägt er Mitschuld als er nach einem weiten Ball von Markus Katzer das Kopfballduell gegen einen Admiraner verliert, woraufhin der Gegner den halben Sechzehner entlang laufen kann um schließlich sein Tor zu erzielen. Es gilt aber zu erwähnen, dass Klem mit 49 Ballkontakten wie gewohnt viele Ballberührungen hatte und immerhin eine Passquote von 75% aufwies.

Daniel Offenbacher
Aus dem Mittelfeldzentrum kam gestern kaum Initiative nach vorne. Daniel Offenbacher und Simon Piesinger standen meist nahe der eigenen Viererkette und waren nur selten im Angriffsdrittel aufzufinden – Anel Hadzic fehlte am gestrigen Abend. Es stellt sich die Frage, wieso Offenbacher vor allem nach dem 2:0 nicht schlagartig auf Turbo-Offensive umschaltete. Darko Milanic, der auf 4-4-2 umstellte, dürfte ihm das damit wohl verwehrt haben. Denn Offenbacher agierte weiterhin zutiefst defensiv. So konnte Sturm kaum Angriffe auf das Tor der Admira liefern und drückte nicht annähernd auf das 2:1. Im Zweikampfverhalten war die Leistung in Ordnung. Die Standards waren alle ungenau.

Simon Piesinger
Der Weg zu guten Leistungen ist ein schwieriger. Im Vergleich zu den letzten Partien war aber eine klare Steigerung zu erkennen. Der gebürtige Oberösterreicher stand seinen Mann und ging beherzt in die Zweikämpfe, hatte zudem mit 59 Ballkontakten die zweitmeisten in der Mannschaft, wobei aber die Passgenauigkeit noch einiges an Luft nach oben zulässt. Im Spielaufbau aber wirkte er wesentlich offensiver als Daniel Offenbacher, wobei es zu bedenken gilt, ob dies nicht eine taktische Überlegung des Trainers war, um hinten nicht zu offen zu sein. In Hälfte zwei hatte der Mittelfeldspieler nach einem Eckball eine gute Kopfballmöglichkeit, brachte den Ball aber nicht im Tor unter.

Spielercheck_neu_Note_2

Marko Stankovic
Der Heimkehrer gibt sich immer mehr in der Rolle des Spielmachers. Gerade in den ersten 30 Minuten versuchte er das Spiel an sich zu reißen, fungierte als die zentrale Schaltfigur im Angriffsspiel der Hausherren. Dabei fanden seine Pässe jedoch kaum einen anderen Abnehmer als einen Spieler in neonorange. Gute Angriffsszenen konnten so nicht fertiggespielt werden. Außerdem konnte Stankovic von zehn Zweikämpfen nur drei für sich entscheiden. In Hälfte zwei ließ er sich dann zu sehr fallen, wurde früh ausgewechselt. Seine stark bemühte Anfangsphase lässt Hoffnung auf mehr zu.

David Schloffer
Schloffer spulte ab seiner Einwechslung in Minute 59 viele Laufmeter ab – größtenteils jedoch vergeblich. Er kam in Minute 59 für Marko Stankovic und versuchte, etwas Schwung in das Spiel der Grazer zu bringen. Der Glaube, das Spiel in eine andere Bahn lenken zu können, kann ihm nicht abgesprochen werden. Ihm fehlen in Ballbesitz die Ideen, und trotz seiner Schnelligkeit konnte er in keiner der dreißig Minuten für Gefahr sorgen.

Josip Tadic
Nach seiner Einwechslung hatte Josip Tadic dreißig Minuten Zeit, ein Tor zu schießen. Es gelang ihm nicht. Der Stürmer kam zu zwei Halbchancen per Kopf, die beide in den Händen von Admira-Tormann Leitner endeten. Mehr Gefahr ging von ihm nicht aus. Das ist vor allem darauf zurückzuführen, dass Sturm wie erwähnt nicht alles noch vorne warf bzw. nicht dazu in der Lage war. Das Mittelfeld konnte nicht nach vorne drängen und die Stürmer Tadic und Djuricin hingen dementsprechend in der Luft. Ob Josip Tadic ein guter Stürmer ist, konnte man nach dem gestrigen Einsatz wieder nicht beurteilen, dafür braucht es noch mehr Zeit.

Spielercheck_neu_Note_1,5

Daniel Beichler
Es war dies sowas von überhaupt gar nicht das Spiel des Daniel Beichler. Der zentrale, offensive Mittelfeldspieler ließ gar alle Kompetenzen, die dieser Position zugrunde liegen, über weiteste Strecken vermissen. Oft war sein Spiel körperlos, durchsichtig, einfach schwach. Aus dem Spiel konnte er kaum gefährliche Aktionen generieren, bei Standards verhielt er sich traditionell durchsichtig. Obendrein verlor Daniel Beichler zwölf von 14 Zweikämpfen und fünf von sechs Kopfballduellen. Ein Spiel zum Wegschauen – eine Zehn, die dieser Beschreibung spottet. Es dürfte dies die schlechteste Saisonleistung eines Sturmspielers auf dieser lebenswichtigen Position gewesen sein. Bleibt die Frage, wie Darko Milanic in den kommenden Spielen auf diesen Umstand reagiert.

Marco Djuricin
Auch Marco Djuricin präsentierte sich gestern nicht gerade von der Muse des Spiels geküsst. Zwar sei vorweg gesagt, dass er über weite Strecken des Spiels vor allem vom schwachen Mittelfeldzentrum einigermaßen in Stich gelassen wurde – die Ballversorgung, die ein Stürmer wie er braucht, kann nur als mangelhaft bezeichnet werden. Doch manchmal kam sie zustande, und auch in diesen Momenten ging von Marco Djuricin gestern praktisch keine Gefahr aus. Weil er technische Fehler machte, wichtige Zweikämpfe verlor oder zumeist mittels viel zu überhasteten Schüssen einfach schlechte Entscheidungen im Angriffsspiel traf. Alles in allem eine – Gott sei Dank – unterdurchschnittliche der Grazer Solospitze.

Anmerkungen

Die Leistung der Sturm-Spieler wird anhand von Bällen bewertet. Die höchste Bewertung sind dabei fünf Bälle, die niedrigste Bewertung ist ein Ball. Eine durchschnittliche Leistung ist mit drei Bällen gleichzusetzen, die auch den Ausgangs- bzw. Basiswert darstellen.

Das Ergebnis ergibt sich dabei aus der gemeinsamen Diskussion der Sturm12.at-Redakteure, bleibt aber letztlich subjektiv.

Ein Spielercheck von Patrick Weißenbacher, Adrian Engel und Lukas Matzinger