12 Meter

Trainer gesucht. Sportdirektor erwünscht!

Ein gelöster Darko Milanic fliegt morgen nach England. Die Causa Prima ist deshalb derzeit in Graz die Suche nach seinem Nachfolger. Peter Schöttel steht wohl in der ersten Reihe der potentiellen Kandidaten. Der eine oder andere, den man sich dort wünschen würde, wurde nicht einmal kontaktiert. Was außerdem ein mehr und mehr diskussionswürdiger Punkt sein sollte, ist der Gedanke an einen Sportdirektor, der diesen Namen auch verdient.

© Sturm12.at
© Sturm12.at

Am meisten gestrahlt hat heute zu Mittag in Messendorf der, der geht. Darko Milanic wirkte fast ein wenig erleichtert, während neben ihm Gerhard Goldbrich ein bisschen weinen musste. Das Angebot von Leeds United lässt ihn ja auch nicht schlecht dastehen. Er, der bei Sturm am besten Weg zur chronischen Erfolglosigkeit war, steigt nun auf wie der Phönix aus der Asche und bekommt ein – wahrscheinlich außerdem sehr lukratives – Angebot aus England. Auch wenn er wahrscheinlich wirklich alles versucht hat in Graz – vielleicht nicht immer mit den geeigneten Mitteln – und sehr verbissen an einem Turnaround gearbeitet hat, der Ruf aus Leeds kommt natürlich nicht ganz ungelegen. Milanic ist fein raus und kann eine gute Gelegenheit für seine Karriere wahrnehmen. Sturm bekommt aber immerhin Ablöse für ihn, die riesengroße Trauer über diese Entwicklung wird sich auf beiden Seiten, trotz ein paar Manager-Tränchen, in Grenzen halten.

Tatsache ist aber auch, ob nun selbstverschuldet oder nicht, dass der nächste Versuch der Schwarz-Weißen personelle Kontinuität zu generieren, gescheitert ist. Präsident Christian Jauk wirkte wohl auch deshalb einigermaßen zerknirscht bei der heutigen Pressekonferenz. Zudem Darko Milanic seine Erfindung war. Zu gerne hätte er gehabt, dass dieser Trainer den Umschwung bringt, den er dann als seine Erfindung verkaufen kann. Gerhard Goldbrich hatte seinerzeit schon Markus Schopp forciert, der war allerdings durch sein zum Scheitern verurteiltes Himmelfahrtskommando als interimistischer Cheftrainer nach Peter Hyballa zu beschädigt, um mit ihm in die neue Saison zu gehen. Goldbrich wollte auch jetzt wieder Schopp als Cheftrainer, der hält die Mannschaft aber möglicherweise nicht für derart gesund, wie Milanic es bei der Abschieds-PK kundgetan hat. Der Amateure-Trainer hat den Chefsessel vorerst dankend abgelehnt. Er wolle seine Arbeit im Nachwuchsbereich beenden.

Nun wird es einen Dreiervorschlag an das Präsidium geben, aus dem dann der Nachfolger bestimmt wird. Peter Schöttel ist einer dieser drei Herren, er hat intensiven Kontakt zu Sturm bereits bestätigt. Aus dem Vereinsumfeld hat man außerdem den Namen Roland Vrabec gehört – ein 40-jähriger Deutscher, der vor zwei Wochen beim deutschen Zweitligaklub St. Pauli beurlaubt worden ist. Ein paar gefährliche Drohungen a la Werner Gregoritsch kursieren außerdem in diversen Kanälen, genauso wie ein Ex-Trainer der Blackies und heutiger Sky-Experte, der in letzter Zeit als Dauertrainingsgast in Messendorf aufgefallen ist. Eine innovative Lösung wie zum Beispiel Martin Scherb ist auszuschließen. Einerseits weil bekannt ist, wie Gerhard Goldbrich tickt, und andererseits, weil wohl der restlichen Führungsriege die Episode Peter Hyballa noch zu tief in den Knochen steckt. Scherb ließ dann heute am Nachmittag gegenüber Sturm12.at auch schon wissen, dass mit ihm niemand gesprochen hätte. Alles deutet auf eine biedere Lösung hin.

Viel wichtiger als die konkrete Personalie als nächster Cheftrainer ist aber eine andere Sache. Auch wenn es wahrscheinlich unter dem Strich eine Chance ist, dass Milanic auf diese Art und Weise weggelobt werden kann, ändert es nichts an den großen Baustellen des Vereins. Gerhard Goldbrich wirkt als Manager für eh alles weiterhin mehr als überfordert. Es gibt mittlerweile hochrangige Sturmfunktionäre, die sich die Frage stellen, ob es nicht einen reinen Sportdirektor als Unterstützung für den 47-jährigen braucht. Das würde dann auch wieder der eigentlichen Struktur der Generalversammlung von 2012 entsprechen. Eine Doppelspitze in der Geschäftsführung mit Vieraugenprinzip. Diese wurde seit der Installierung von Goldbrich als General Manager schrittweise rückgebaut. Zunächst mit ihm als Chef über den Geschäftsführern Ayhan Tumani und Daniela Tscherk. Später sparte man den sportlichen Bereich überhaupt als eigene Position ein. Rückblickend war das wahrscheinlich ein Fehler.

Ein neuer Trainer, wie auch immer er heißen mag, braucht einen Ansprechpartner auf Augenhöhe. Hinsichtlich Know-how und Zeitressourcen. Markus Schopp scheint seine Hausaufgaben im Amateurbereich zu machen und will sie wie erwähnt auch weiterhin forcieren. Umso wichtiger wäre einer, der auch die bisher mehr oder weniger unsichtbare Scoutingabteilung des Imre Szabics auf Vordermann bringt und eng mit der Akademie kooperiert. Ein starker Sportdirektor, der auch tatsächlich seine ganze Zeit für diesen Bereich nützen könnte, würde die hier teilweise brachliegenden Ressourcen vielleicht besser einsetzen können. Was der neue Mann auf der Bank außerdem brauchen wird, ist ein Ansprechpartner, dessen Wort Gewicht hat. Der Status Quo der letzten Zeit, wo einander General Manager und Präsident in fröhlicher Regelmäßigkeit widersprechen und die jeweiligen Standpunkte gegenseitig konterkariert werden, ist wohl eine denkbar schlechte Voraussetzung.

Der SK Sturm sollte also danach trachten, eine wohlüberlegte Trainerentscheidung zu treffen. Man sollte aber darüber hinaus nachdenken, ob die eigentliche Struktur von vor zwei Jahren nicht mehr denn je umgesetzt werden sollte. Dazu gehört nicht nur ein Vieraugenprinzip in der Geschäftsführung, dazu gehörte außerdem wieder ein Aufsichtsratschef, der nicht zugleich auch Vereinspräsident ist und sich somit selbst kontrolliert.