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Austria Salzburg vs. Sturm Graz

Fünf auf alte Zeiten

Sturm siegt im Cupspiel gegen Austria Salzburg mit Günther Neukirchner als Interimstrainer souverän mit 5:0. Die Grazer dominierten den Regionalligisten über die gesamten 90 Minuten. Marco Djuricin war an allen Treffern beteiligt.

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Wie froh sind Sie denn, dass der Schiedsrichter abgepfiffen hat? Eine Frage, die Günther Neukirchner kaum erfreute. Als ihn der Premiere-Reporter nach der 0:4-Niederlage im Derby gegen den GAK dann auch noch fragte, ob Neukirchner Angst vor einer noch höheren Niederlage gehabt hätte, purzelte ihm endgültig die aufgestaute Wut aus dem Mund. „Des is‘ die nächste depperte Frog!“ Heute gab Neukirchner seit langem wieder ein Flash-Interview nach einem Fußballspiel. Dieses Mal nachdem er die 90 Minuten nicht rund um den eigenen Strafraum tackelte, sondern in der Coachingzone auf- und abspazierte. Neukirchner übernahm nach dem Überraschungs-Wechsel vergangene Woche von Darko Milanic interemistisch den Trainerposten. Für das heutige Cup-Duell mit Austria Salzburg in der 2. Runde des ÖFB-Cups konnten/wollten die Sturmverantwortlichen noch keinen Nachfolger die Mannschaft aufs Feld schicken lassen. Ob Neukirchner auch am Samstag gegen Altach noch auf der Trainerbank sitzen wird, ist noch nicht entschieden – das hängt davon ab, wie schnell sich das Trainerkarussel in Graz dreht. Der Ultra-Kurzzeittrainer hielt seine Handschrift erwartet sehr zurück. Neukirchner stellte alle elf Mann auf, die Darko Milanic mit dem späten 1:0-Sieg in Ried ein Last-Minute-Abschiedsgeschenk bereiteten und behielt das 4-2-3-1 seines Vorgängers bei. Dass der Schiedsrichter abgepfiffen hat, erfreute Neukirchner sicher schon einmal mehr, als nach den heutigen 90 Minuten.

Sturm startet im Vöcklabrucker Stadion, wie ein Erstligist, der bei einem Regionalligisten zu Gast ist. Die Grazer bauen kontrolliert das Spiel auf und spielen sich unbeschwert in die gegnerische Hälfte vor. Dort findet Sturm jedoch anfangs kaum ein Durchkommen. In der 6. Minute zieht Marko Stankovic in die Mitte, sieht jedoch den in die Tiefe laufenden Daniel Beichler zu spät und wird – anstatt abzuspielen – gefoult. Daniel Offenbacher schießt den anschließenden Freistoß in die Mauer. Sturm drückt ab dieser Szene zwar inständigst, kann jedoch weiterhin kaum gefährlich werden. Austria Salzburg hingegen hat selten den Ball und der Klassenunterschied ist den Violetten anzusehen. Es fehlt an spielerischer Qualität, um bei Ballbesitz vor das Tor von Bendikt Pliquett zu kommen. Die Salzburger spielen den Ball aus dem Mittelfeld meist hoch auf die Seiten, um dort in Flankenposition zu kommen. Von den Seiten kann jedoch nur Sturm Gefahr erzeugen – durch gepflegtes Kurzpassspiel. In der 17. Minute steht nach einem Stanglpass von Christian Klem plötzlich Marko Stankovic in Einschussposition. Der Zehner stoppt sich den Ball jedoch und vertändelt. Anders macht das Marco Djuricin. Vier Minuten später köpft die Speerspitze ins Kreuzeck von Austria-Tormann Stefan Ebner – der Schlussmann ist machtlos. 1:0 für Sturm. Thorsten Schick hatte zuvor aus dem Halbfeld mit einer Zuckerl-Flanke mustergültig vorbereitet. Es ist die verdiente Führung für Sturm.

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Durch Kopf und Bein
Mit der Führung im Rücken sind die Gäste endgültig drückend überlegen. Phasenweise steht die Viererkette in Weiß sogar zur Gänze in der gegnerischen Hälfte. Trotz der Überlegenheit spielt Salzburg keinen Betonfußball. Die Austria positioniert bei Angriff von Sturm ihre Abwehrreihe rund zwanzig Meter vor dem eigenen Tor und kann sich so gelegentlich aus der Umklammerung befreien. Sturm wiederum findet durch die unzurückhaltende Spielweise der Gegner ausreichend Raum vor, um in die Tiefe zu spielen. In der 36. Minute glänzt genau damit Lukas Spendlhofer. Der Innenverteidiger mit einem weiten Lochpass auf Marco Djuricin. Der Neuner läuft alleine auf das Tor zu und schiebt den Ball abgebrüht am Salzburger Tormann vorbei – 2:0. Sturm dominiert weiterhin, kann jedoch nicht mehr gefährlich auf sich aufmerksam machen. Im Fokus steht in den letzten Minute der ersten Halbzeit nur mehr der mitgereiste Grazer Anhang. Mit einem breiten Spruchband: “Eingepfercht zwischen Bauzaun und Hecke – warum spielen wir nicht gleich im Heustadl um die Ecke?”, beschwert sich der Grazer Anhang über die tatsächlich prekären Absperrungsverhältnisse im Vöcklabrucker Stadion.

Ungefährdet gefährlich
Zurück aus den Kabinen gelingt Salzburg das, was der Mannschaft 45 Minuten lang nicht gelungen ist: ein Torschuss. Pliquett kann den Schuss aus zwanzig Metern sicher abwehren. Die Hausherren legen die ersten Minuten in Durchgang zwei energisch an. Sie versuchen vor allem über die Zweikämpfe sich wieder ins Spiel zu bringen. Auf den Wiederanpfiff folgen mehrer Foulpfiffe von Schiedsrichter Andreas Heiss, der öfters die gelbe Karte zücken muss. Salzburg kann durch die körperbetonte Spielweise jedoch weiterhin kaum das Spiel an sich reißen. Sturm ist weiterhin die gefährlichere Mannschaft: Beichler kann nach einem Ferserlpass von Klem unbedrängt Flanken, Djuricin setzt die etwas zu hoch angetragene Hereingabe über die Latte; Madl schickt Djuricin sehenswert in die Tiefe, seinen Stanglpass kann Stankovic im Rückwärtsfallen nur aufs Tor kullern. Sturm dirigiert sich im Minutentakt vor das Salzburger Tor. Allen voran Anel Hadzic, der außergewöhnlich offensiv orientiert spielt. Zwischen ihm und seinem Nebenmann Daniel Offenbacher klafft oft eine Lücke von 15 Metern, weil Hadzic derart hoch steht. Das Zentrum ist am heutigen Abend der Impulsgeber im Grazer Angriffsspiel. In der 63. Minute lupft Offenbacher den Ball rund dreißig Meter vor dem Tor wie ein Wattebällchen in den Strafraum. Djuricin nimmt den Traumpass mit und läuft wieder einmal alleine auf das gegnerische Tor zu. Er verzieht seinen Schuss dieses Mal zwar – allerdings so glücklich, dass Thorsten Schick am langen Eck den Ball nur mehr ins leere Tor einzuschieben braucht. Ein herrlicher Treffer, der den Spielstand zu Recht erhöht. Die 3:0-Führung geht in ihrer Höhe in Ordnung.

Austria Salzburg kommt auch nach dem Entscheidungstreffer nicht mehr vor das Tor der Gäste. Einzig in der 70. Minute fällt ein Kopfball eines Austrianers viel zu zentral aus. Doch das war es auch schon mit der Gefahr in violett, denn Sturm spielt munter weiter. Und weil die Austria weiterhin hart einsteigt, kommt, was kommen musste. In der 65. Minute muss ein Austrianer den Platz verlassen. Nach einem groben Foul an Daniel Beichler sieht Nicholas Mayer Gelb-Rot. Damit sind die Hausherren am Zenit ihres Zerfalls. In der 75. Minute erhöht der am heutigen Abend spielfreudige Beichler auf 4:0. Djuricin schupft den Ball per Außenrist aus dem Mittelfeld über die Abwehrkette, der Mann mit der Nummer 28 startet durch und schließt trocken ab. Selbst der Ehrentreffer bleibt den bemühten Salzburgern verwehrt. Ein von Pliquett entschärfter Schuss in der 77. Minute bleibt die letzte Torchance. Es folgt ein Doppeltausch von Neukirchner: Stankovic verlässt für Andreas Gruber das Feld, Tomislav Barbaric kommt für Aleksandar Todorovski ins Spiel. Die beiden dürfen zusammen mit Simon Piesinger, der kurz vor Schluss Offenbacher ersetzt, noch das 5:0 feiern. Christian Klem schickt den einen Mann in die Schnittstelle zwischen Außen- und Innenverteidigung, der am heutigen Abend von den Salzburgern nicht zu stoppen ist: Marco Djuricin schließt zum dritten Mal unhaltbar ab. Nach Schlusspfiff hat der Neuner also drei Tore geschossen und zwei vorbereitet. Sturm besiegt im Duell der Traditionsvereine Austria Salzburg mit einem glasklaren 5:0 und zieht souverän in die nächste Cup-Runde ein. Marco Djuricin war dabei.

Stadion Vöcklabruck 2. Runde Zuschauer: 4.500

Austria Salzburg
23.09.2014, 20:30 Uhr
0:5
(0:2)

SR: Andreas Heiss

Sturm Graz
Torschütze (Vorlage) TORE Torschütze (Vorlage)
Marco Djuricin (Thorsten Schick) 22. Minute
Marco Djuricin (Daniel Beichler ) 38. Minute
Thorsten Schick (Marco Djuricin) 64. Minute
Daniel Beichler (Marco Djuricin) 74. Minute
Marco Djuricin (Christian Klem) 92. Minute
Spieler Karten Spieler
Daniel Beichler (Gelb)12. Minute
22. MinuteNicholas Mayer (Gelb)
Anel Hadzic (Gelb)33. Minute
47. MinuteAndreas Bammer (Gelb)
52. MinuteFelix Huspek (Gelb)
66. MinuteNicholas Mayer (Gelb/Rot)
Spieler Aufstellung Spieler
Tormann - Stefan Ebner   Benedikt Pliquett - Tormann
Abwehr - Felix Huspek   Christian Klem - Abwehr
Abwehr - Simon Sommer   Michael Madl - Abwehr
Abwehr - Umberto Gruber   Lukas Spendlhofer - Abwehr
Abwehr - Raphael Reifeltshammer   Aleksandar Todorovski - Abwehr
Mittelfeld - Ibrahim Bingöl   Anel Hadzic - Mittelfeld
Mittelfeld - Matthias Öttl   Daniel Offenbacher - Mittelfeld
Mittelfeld - Christopher Mayr   Marko Stankovic - Mittelfeld
Mittelfeld - Nicholas Mayer   Thorsten Schick - Mittelfeld
Angriff - Lukas Katnik   Daniel Beichler - Mittelfeld
Angriff - Andreas Bammer   Marco Djuricin - Angriff
Spieler Wechsel Spieler
65. Minute Elias Kircher für Christopher Mayr
69. Minute Rene Zia für Lukas Katnik
77. Minute Halid Hasanovic für Andreas Bammer
Andreas Gruber für Marko Stankovic 79. Minute
Tomislav Barbaric für Aleksandar Todorovski 82. Minute
Simon Piesinger für Daniel Offenbacher 84. Minute