djuricin salzburg
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Spielercheck

Das Cupital

Wenn ein Spieler in einem Spiel drei Tore schießt und zwei Assists liefert, braucht man einen Man of the Match nicht lange zu suchen. Und wenn bei Sturm ein Spieler drei Tore schießt und zwei Assists liefert, dann heißt er Marco Djuricin. Der Spielercheck zur Nostalgie-Watschn:

(c) SturmTifo.com
(c) SturmTifo.com

Das Spiel des Jahres ist Geschichte. Nach dem lockeren Cupauftakt im Tiroler Juli schießt sich Sturm gestern mit einem 5:0 gegen die Austria aus Salzburg ins Achtelfinale des ÖFB-Cups. Die Leistung der Gäste war an dem bitterkalten Frühherbstabend “schwer in Ordnung”, sagte Günther Neukirchner, der Sieg ein absolut ungefährdeter. Im atmosphärisch hochgeladenen Duell der alten Rivalen wird der Klassenunterschied für beide Lager spürbar. In allen Teilen des Spielfelds zeigt Sturm – hinten dicht und vorne eiskalt – dem Drittligisten seine Grenzen auf. Nur ein Mann überragte die gute Mannschaftsleistung noch einmal um ein Stück. Der Mann, der nach zwei Cupspielen bei bereits sechs Treffern hält. Unser Blacky of the Match ist – wie könnte es anders sein – Marco Djuricin.

Spielercheck_neu_Note_4,5

Marco Djuricin
Marco Djuricin schoss gestern drei Tore und gab zwei Assists. Was soll man dazu eigentlich noch groß sagen? Die Nummer Neun spielte seine Qualitäten gestern in vollstem Umfang aus. Startete immer und immer wieder in die Tiefe der gegnerischen Räume, war schneller, klüger und bissiger als seine Verteidiger zusammengerechnet und sorgte so für neunzig Minuten Marco-Dauerfeuer. Im Torabschluss zeigte er sich gestern eiskalt – und wenn es besser war abzuspielen, tat er das. Eine Freude, einen Stürmer so spielen zu sehen, ein Blacky of the Match, wie er leichter selten zu finden ist.

Spielercheck_neu_Note_4

Anel Hadzic
Man möchte dabei gewesen sein, bei dem, was Günther Neukirchner Anel Hadzic im Abschlusstraining mit auf den Weg gegeben hat. Der bosnische Nationalteamspieler zeigte sich gestern von einer Seite, die man in Graz bisher ja nie zu sehen bekam. Weil er durfte. Anel Hadzic agierte gestern permanent zehn Meter vor dem eher als Solosechs zu verstehenden Daniel Offenbacher und packte dort so einiges aus dem vergessen großen Hadzic-Fundus aus: Offensives Kombinationsspiel, Torgefahr, Spielübersicht einer echten Zehn. Er war in die allermeisten der großen Sturmchancen federführend eingebunden und zeigte, was alles drinsteckt in der “Dame im Schachspiel Günther Neukirchners”.

Christian Klem
Christian Klem ist schnell. In allen seinen Bewegungen. Extrem beweglich spielte er sich gestern ein ums andere Mal an seiner Flanke entlang, sorgte mit Marko Stankovic für permanenten Wirbel auf seiner Außenbahn. Der Human Joystick und gestern im öffentlich-rechtlichen Fernsehen einmal als Daniel bezeichnete Klem hatte seine Freude mit den Mitspielern, tankte sich oft feierlich bis zur Toroutlinie durch und spielte sogar recht ansehnliche Flanken. Auch im Verteidigunsspiel war er, wenn gefordert (eher selten), souverän und ließ auf seiner Seite nichts zu. Kurz: Ein Christian Klem von seiner Zuckerseite.

Spielercheck_neu_Note_3,5

Daniel Offenbacher
Auch Daniel Offenbacher wusste gestern einigermaßen zu überraschen. Der meist als alleinige Zentrale arbeitende Sauger zeigte, was so eine Bundesliga-Sechs gegen eine Regionalliga-Offensive alles bewirken kann. In Sachen Körperstärke, Konsequenz und Härte lagen da in der Tat Klassen zwischen ihm und seinen Gegenspielern. Er war einer der Hauptgründe, warum die Salzburger Angriffsfraktion praktisch nie ins Grazer Verteidigungsdrittel vorzustoßen vermochte. Doch auch im Spiel nach vorn zeigte Daniel Offenbacher gestern gute Impulse, war passsicher und spielkreativ. Ein gutes Spiel.

Benedikt Pliquett
Hätte Benedikt Pliquett gestern keine Handschuhe getragen, hätte er sich an diesem frühherbstlichen Abend ernsthafte Sorgen um Extremitätenerfrierung machen müssen. Über weiteste Strecken des Spiels blieb der deutsche Hüne gestern höchstgradig beschäftigungslos. Die wenigen Aufgaben, die er gestellt bekam, löste er gut auf: Die wenigen Fernschüsse und ein oder zwei Kopfbälle sollten für einen Profitorwart aber auch wirklich kein Problem darstellen. So fristete er vor allem nach der roten Karten von Nicholas Mayer ein einsames Dasein 20 bis 30 Meter vor seinem Kasten. Nach dem gegentorreichen Saisonbeginn blieb Pliquett jetzt zweimal in Folge zu Null. Gut so.

Lukas Spendlhofer
Ein Gustostückerl von einem Pass. Maßgeschneidert legte Lukas Spendlhofer in der 36. Minute in die Schnittstelle der Salzburger Defensivereihe. Marco Djuricin brauchte sich den Ball nur mehr vor das Tor der Austria mitnehmen und zum 2:0 einschießen. Es war dies nicht die einzige Szene am gestrigen Abend, in der Spendlhofer mit Offensivarbeit glänzte. Der Innenverteidiger bewies ein ums andere Mal ein gutes Auge in der Spieleröffnung und brachte seine Zuspiele weitgehend bombensicher an seine Mitspieler. In der Defensive hatte Spendlhofer wie die gesamte Grazer Hintermannschaft gestern wenig abzuarbeiten. In den wenigen Angriffen der Salzburger agierte er zweikampfsicher und kopfballstark – eine sehr gute Leistung.

Michael Madl
Was für Lukas Spendlhofer gilt, trifft auch auf Michael Madl zu. Der Kapitän war gegen den Regionalligisten genauso wenig gefordert wie sein Kollege in der Innenverteidigung. Die wenigen Angriffe der Salzburger entschärfte Madl souverän. Meist kamen die Mannen in Violett jedoch nicht einmal bis zur Grazer Innenverteidigung, weil das Grazer Mittelfeldzentrum die meisten Konter im Keim erstickte. In der Spieleröffnung konnte sich Madl gestern genauso grundsolide präsentieren. Es muss jedoch auch angemerkt werden, dass es leicht fällt, klug nach vorne zu spielen, wenn man dabei nicht so attacktiert wird wie in der Bundesliga. Gleiches gilt für seinen Fallrückzieher zu Beginn der ersten Halbzeit, der leider nicht fruchtete. Alles in allem also ebenfalls eine starke Leistung von Madl – gegen einen Regionalligisten.

Thorsten Schick
Vor allem in Halbzeit eins war Thorsten Schick ein fast Hyperaktivposten im Grazer Offensivspiel. Ob entlang der Flanke oder mit Zug zur Mitte – der Neuzugang rannte und arbeitete und spielte wie von Dani Alves gebissen. Mit einem Assist, einem Tor und vielen weiteren guten Flanken und Vorstößen steht am Ende so einiges Gutes am Leistungsbogen des Grazers. Doch erstickte dieses Feuer mit Fortdauer des Spiels wie auch in vergangenen Spielen gesehen nach und nach ein wenig. Aber wenn er diesen Schick der ersten Halbzeiten ein bisschen länger rauslassen kann – dann tut er jeder Defensive des Landes nachhaltig weh.

Spielercheck_neu_Note_3

Aleksandar Todorovski
Aleksandar Todorovski konnte gestern nicht so sehr Betrieb machen wie sein Mitspieler auf der gegenüberliegenden Seite. Der Rechtsverteidiger war selten im Angriffsdrittel der Salzburger zu finden und konnte dort – manchmal durch Pech, manchmal durch technische Differenzen mit dem Ball – kaum Akzente setzen. Die Flankenarbeit verrichtete meist Vordermann Schick. In der Defensivarbeit gab es für Todorovski gestern beinahe nichts zu tun.

Marko Stankovic
Marko Stankovic präsentierte sich gestern abermals von seiner schwächeren Seite. Am linken Flügel konnte Stankovic im Vöcklabrucker Stadion kaum Impulse im Grazer Angriffsspiel setzen. Ein paar Flanken, aus denen nichts resultierte, und zwei Strafraumszenen, in denen er unter Bedrängnis den Ball unzureichend stoppte – das war es auch schon, was Stankovic gestern an Gefahr ausstrahlte. Zum dritten Mal lief der Zehner mit einer angeschlagenen Zehe auf – eventuell der Grund für seine unterdurchschnittliche Leistung.

Daniel Beichler
Daniel Beichler zeigte gestern keine schlechte Leistung. Aber sicher auch keine Gute. Von seinen Anlagen her ist der Mittelfeldmann mit Sicherheit einer der Spieler im Sturm-Kader, die unausrechenbare Aktionen liefern können. Was ihm dabei in der Liga selten gelingt, konnte er gestern wenigstens in gelegentlichen Momenten unter Beweis stellen. Mit Haken, Ferserln und klugen Pässen im Zusammenspiel mit seinen Offensiv-Kollegen konnte Beichler sogar an einigen Torchancen mitwirken. Als Lohn für die passable Leistung stand der Treffer zum 4:0 in der 75. Minute, als Beichler nach einem zuckersüßen Außenrist-Pass von Djuricin alleine auf das Salzburger Tor zulief und nur mehr zu vollstrecken brauchte. Auf der Negativseite steht eine auch gegen den Regionalligisten sichtbar gewordene Körperschwäche und eine weitere gelbe Karte für eine Schwalbe.

Zu kurz eingesetzt: Andreas Gruber (ok), Simon Piesinger (eine herausragende Spieleröffnung) und Tomislav Barbaric (unbeschäftigt)

Anmerkungen
Die Leistung der Sturm-Spieler wird anhand von Bällen bewertet. Die höchste Bewertung sind dabei fünf Bälle, die niedrigste Bewertung ist ein Ball. Eine durchschnittliche Leistung ist mit drei Bällen gleichzusetzen, die auch den Ausgangs- bzw. Basiswert darstellen. Das Ergebnis ergibt sich dabei aus der gemeinsamen Diskussion der Sturm12.at-Redakteure, bleibt aber letztlich subjektiv.