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Sturm Graz vs. SCR Altach

Standardmäßig

Sturm trennt sich im Duell mit Altach 2:2 – alle vier Treffer fielen aus Standards. Ein Unentschieden, dass nach einer spielbestimmenden, aber dennoch mäßigen Leistung im eigenen Stadion gegen den Aufsteiger in Ordnung geht.

(c) SturmTifo.com
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Pragmatisch. Praktisch. Gut? Günther Neukirchner änderte genau nichts. Der Interimscoach setzte in seinem zweiten und wohl letzten Spiel auf genau die gleichen elf Spieler, die unter der Woche in Vöcklabruck ein klares 5:0 im Nostalgie-Duell gegen Austria Salzburg erreichten und in der Runde zuvor Darko Milanic mit einem späten 1:0-Sieg in Ried verabschiedeten. Mit dieser – je nach Interpretation – zurückhaltenden oder konstanten Aufstellungsvariante sollte der siebte Streich gelingen. Die letzten sechs Heimspiele gegen den heutigen Gegner Altach gewann Sturm. Doch die Vorarlberger blieben ihrerseits in den vergangenen drei Runden ungeschlagen und erwiesen sich als unangenehmer Gegner in einem unangenehmen Spiel.

Anfangsszenenbild: Hollywood
Fünf Minuten sind gespielt und es passiert das, was im Cupspiel gegen Salzburg über 90 Minuten nicht zu sehen war. Günther Neukirchner steht in seiner Coachingzone und schreit erbost. Seine Spieler traben zum Mittelkreis, Altach jubelt. Hannes Aigner hat nach einem Eckball, der aus einem Ballverlust mit anschließendem Konter der Gäste resultierte, per Kopf das 1:0 erzielt. Vollkommen unbedrängt konnte der Altach-Stürmer einnicken: Prekär verteidigt von Sturms Hintermannschaft. Die Altacher Viererkette ist von Anbeginn an tief in der eigenen Hälfte postiert und setzt auf schnelle Gegenstöße. Sturm gelingt dennoch umgehend der Ausgleich – wieder aus einem Standard. In der 14. Minute schießt Daniel Offenbacher in die Mauer, der Ball senkt sich durch ein Altacher Bein abgefälscht unhaltbar ins lange Eck. Ein zu dieser Zeit immens wichtiger Treffer für Sturm. Wer weiß, wie lange die Hausherren gegen die defensiv orientierten und geordnet formierten Vorarlberger anrennen hätten müssen, um aus dem Spiel heraus ein Tor zu schießen. Nach dem Ausgleich gelingt es den Grazern befreit Druck aufzubauen. In der 18. Minute verpasst Daniel Beichler nur knapp einen Stanglpass von Marco Djuricin. Sturm ist zwingend dran am Führungstreffer. In der 20. Minute gelingt dieser dann. Wieder aus einem Standard. Anel Hadzic tritt aus rund zwanzig Metern zum Freistoß an, schießt scharf und Martin Kobras kann den Flatterball nur von seinen Handflächen abklatschen lassen. Daniel Beichler drückt im Nachschuss den Ball per Aufsitzer über den Altacher Tormann – das verdiente 2:1. Vor allem, weil Sturm Altacher Tugenden beweist und gegen das Standard-stärkste Team der Liga brandgefährlich nach ruhenden Bällen ist.

Schablonen
Gefällig, geradlinig, geschickt – Sturm zeigt ab der 20. Minute, wie attraktiv die Mannschaft theoretisch Fußball spielen könnte. Die Hausherren starten Angriffe auf das Tor der Gäste wie man sie in ihrer Regelmäßigkeit und Effizienz selten in Liebenau sieht. Altach hingegen patzt. In der 25. Minute verlieren die Vorarlberger im Zentrum der eigenen Hälfte den Ball, Offenbacher zieht aus gut 25 Metern ab und Kobras kann den Ball mit den Fingerspitzen gerade noch um die Stange drehen. Im Anschluss setzt Lukas Spendlhofer eine Eckballflanke von Offenbacher eine Handbreite über das Tor. Die Gäste sind schwache zwanzig Minuten gänzlich chancenlos. Erst ab der 35. Minute kann insbesondere ein Mann Gefahr für die Altacher erzeugen: Benedikt Pliquett. Sturms Tormann verliert nach einem unnötigen Doppelhaken beinahe den Ball an den heranstürmenden Louis Clement Ngwat-Mahop und fährt nach dem anschließenden Eckball mit seinen Händen an der Flanke vorbei, die sich knapp neben der Stange ins Torout senkt. Nach dieser Aktion in den Schlussminuten der ersten Halbzeit, kann sich Altach plötzlich aus der Umklammerung befreien und eigenständig torgefährlich werden. Sturm präsentiert sich aus dem Nichts heraus nervös und kassiert beinahe noch den unnötigen Ausgleich. Hannes Aigner verschießt alleinstehend vom Sechzehner nur um Zentimeter. Es bleibt zur Halbzeitpause somit beim glücklichen 2:1 für Sturm.

Netzer
Es sollte anders kommen. In der 51. Minute schießt Altach den zu diesem Zeitpunkt verdienten Ausgleich. Andreas Lienhart dreht einen Freißtoß von Sturms rechter Abwehrseite zum Tor und der Ball fällt von Philipp Netzers Haarschopf in die Maschen. Pliquett macht dabei eine alles andere als gute Figur. Der immens verunsicherte Schlussmann hätte aus seinem Tor herauskommen sollen, ja müssen. Doch Sturm steckt jedoch nicht zurück. Die Grazer spielen sich Torchancen heraus und drängen auf die erneute Führung. Etwas, was etwa gegen die Admira im davor letzten Heimspiel nach dem ersten Gegentreffer überhaupt nicht mehr gelang. Die defensive Spielweise der Altacher kommt der Elf von Neukirchner überraschenderweise zugute. Djuricin tänzelt sich in der 55. Minute im Altacher Sechzehner an zwei Verteidigern vorbei und kann nur aufgrund einer guten Fußabwehr von Kobras nicht ins Tor treffen; drei Minuten später verschießt Schick kläglich aus zehn Metern, nachdem ihm Djuricin eine abgefälschte Hereingabe vor die Füße lieferte.

Und alles verfährt sich
Doch weil Sturm Chancen wie diese nicht verwerten kann, bleibt das Spiel ein weiterhin offenes. Denn auch Altach kommt regelmäßig gefährlich vor das Tor von Sturm. Und in dem steht weiterhin ein nervöser Pliquett. In der 61. Minute kommt Hannes Aigner zum Kopfball, weil Sturms Schlussmann beim Herausspielen zum Gegner passt und Altach einen Angriff gegen einen unsortierte Grazer Defensive fahren kann. Fünf Minuten später fährt Pliquett mit der Faust an einem senkrechten Ball im eigenen Strafraum vorbei. Neukirchner reagiert in dieser Phase des offenen Schlagabtausches von der Bank und bringt ihn der 68. Minute David  Schloffer für Marko Stankovic ins Spiel. Es braucht Schwung in der Offensive. Im eigenen Stadion darf’s gegen den Aufsteiger auch mal ein bisserl mehr sein. Sturm ist in der Schlussphase dran am vermeintlichen Siegtreffer – aber nie nahe genug. Und das obwohl sich Altach dann auch noch selber schwächt. In der 75. Minute bekommt Ngwat-Mahop nach einer Tätlichkeit an Lukas Spendlhofer von Schiedsrichter Grobelnik die rote Karte gezeigt.

Doch trotz dieses Drucks: Sturm kommt kaum zu gefährlichen Torchancen. Die Grazer spielen sich sich regelmäßig bis zum Strafraum der Gäste vor, doch dort verteidigt das Altacher Abwehrbollwerk stilsicher – nur mehr ein bis zwei Mann der Vorarlberger sind noch offensiv orientiert. Schick schließt vom Sechzehner schwach ab, Madl scherzelt in der sechs Minuten langen Nachspielzeit den Ball per Kopf knapp am langen Eck vorbei – viel mehr ward da nicht gewesen. Am Ende steht ein irgendwie auch gerechtes Unentschieden, nach dessen Schlusspfiff leise Pfiffe von den Rängen tröpfeln.

Stadion Liebenau 10. Runde Zuschauer: 6.255

Sturm Graz
27.09.2014, 16:00 Uhr
2:2
(2:1)

SR: Gerhard Grobelnik

SCR Altach
Torschütze (Vorlage) TORE Torschütze (Vorlage)
5. Minute Johannes Aigner ()
Daniel Offenbacher () 14. Minute
Daniel Beichler (Anel Hadzic) 20. Minute
50. Minute Andreas Lienhart ()
Spieler Karten Spieler
Daniel Beichler (Gelb)8. Minute
63. MinutePatrick Seeger (Gelb)
76. MinuteLouis Clement Ngwat Mahop (Rot)
Spieler Aufstellung Spieler
Tormann - Benedikt Pliquett   Martin Kobras - Tormann
Abwehr - Christian Klem   Cesar Ortiz Pentenueva - Abwehr
Abwehr - Lukas Spendlhofer   Andreas Lienhart - Abwehr
Abwehr - Michael Madl   Philipp Netzer - Abwehr
Abwehr - Aleksander Todorovski   Alexander Pöllhuber - Abwehr
Mittelfeld - Daniel Beichler   Ivan Kovacec - Mittelfeld
Mittelfeld - Thorsten Schick   Jan Zwischenbrugger - Mittelfeld
Mittelfeld - Daniel Offenbacher   Emanuel Schreiner - Mittelfeld
Mittelfeld - Anel Hadzic   Patrick Salomon - Mittelfeld
Mittelfeld - Marko Stankovic   Louis Clement Ngwat Mahop - Angriff
Angriff - Marco Djuricin   Johannes Aigner - Angriff
Spieler Wechsel Spieler
0. Minute Patrick Seeger für 60
45. Minute Ismael Tajouri für Alexander Pöllhuber
David Schloffer für Marko Stakovic 70. Minute
80. Minute Ronald Gercaliu für Johannes Aigner
Sandi Lovric für Daniel Beichler 83. Minute