© Sieglinde Schausberger

Frau Doktor und ihre Fandamen

In guten wie in schlechten Zeiten

Siegi, Maria und Maria verbindet eines – die Liebe zum SK Sturm. Seit vielen Jahren feuern die drei Damen die Schwarz-Weißen an, ob zu Hause in Graz oder in Charkiw spielt dabei keine Rolle. Sturm12.at traf das Drei-Mäderl-Haus zum Gespräch.

Im Partnerlook in schwarzer Weste mit wohl bekanntem weißen Schriftzug und dem dazu passenden Schal erscheinen Maria Derler und Sieglinde Schausberger am Samstag Nachmittag, knapp zwei Stunden vor Spielanpfiff, zum Gespräch mit Sturm12.at. Um Sieglindes Hals baumelt eine goldene Kette mit dem Logo des SK Sturm. Die dritte im Bunde, Maria Seidl, fehlt an diesem Tag. “Dabei ist sie fast die Verrückteste von uns. Maria ist Ärztin und tauscht ihre Dienste für ein Sturm Spiel, damit sie nichts verpasst”, erzählt Sieglinde. Sie lebt in Bad Hall in Oberösterreich, Maria Derler in Graz und Maria Seidl in Murau. Was die drei Damen eint, ist, wie man unschwer an ihrem Outfit erkennen kann, die Liebe und Euphorie zu Sturm. “Wir sind wirklich bei jedem Spiel dabei”, lacht Maria Derler.

© Sieglinde Schausberger
© Sieglinde Schausberger

Bereits im Kindesalter entdeckten die drei ihr Interesse am Fußball. Sieglinde wuchs quasi am Fußballplatz auf, denn ihr Vater war Zeugwart beim örtlichen Verein. Sturm-Fan wurde sie als eine Freundin einen Grazer heiratete und der das Sturm-Fieber so nach Oberösterreich brachte. Seit mehr als 15 Jahren reist sie der Mannschaft hinterher und war sogar als einziger Fan im diesjährigen Trainingslager in Belek mit dabei. Während Sieglinde erst im Erwachsenenalter zu den Blackies fand, schlägt Maria Derlers Herz bereits seit Kindertagen für die Grazer. Schuld daran trug ihr Bruder Rudi, der sie immer mit ins Stadion genommen hat. Auch Maria Seidl begann sich schon als Kind für den Sport zu interessieren. Als sie zum Studieren von Murau in die steirische Landeshauptstadt zog, schlug ihr Interesse letztendlich in Begeisterung um. Kennengelernt haben sie sich bei einer Wallfahrt nach Mariazell im Jahr 2007 und seither besuchen sie jedes Spiel gemeinsam als Drei-Mäderl-Haus. “Wir brauchen keine Männer, wir haben eh die Fußballer!”, ist sich Sieglinde sicher.

Erlebt haben die Damen auf ihren Reisen freilich schon allerhand. Als die schönsten Momente nennen sie den Sieg in Charkiw unter Franco Foda und den damit verbundenen Aufstieg in die Gruppenphase der Europaleague. In jüngerer Zeit waren sie natürlich sehr vom Sieg gegen Meister Red Bull Salzburg angetan. “Wir hoffen immer, dass Sturm einen Europacup Startplatz erreicht, damit wir mitfliegen können. Wir verbinden das dann gleich mit einem Urlaub und schauen uns das Land und die Städte an. Das Highlight ist dann natürlich, wenn am Abend Sturm spielt”, erzählen Maria Derler und Sieglinde Schausberger. Wenn es, wie dieses Jahr keinen internationalen Startplatz für die Blackies gibt, reisen die drei mit der Nationalmannschaft mit. Als nächstes Reiseziel ist Moldawien und das EM-Qualifikationsspiel geplant.

© Sieglinde Schausberger
© Sieglinde Schausberger

Neben dem Sieg in Charkiw ist Maria Derler von damals auch noch etwas anderes ganz besonders in Erinnerung geblieben: “Zu Spielbeginn waren alle sehr nervös. Ich habe Notfalltropfen dabei gehabt. Alle großen, starken Männer sind mit offenem Mund dagestanden und ich habe sie ihnen in den Mund getropft. Und dann hat Gott sei Dank Daniel Beichler in der 30. Minute das Tor geschossen.” Zu einem Ritual für die drei wurde das Beten und das Kerzen anzünden vor jedem Auswärtsspiel in der jeweiligen Kirche. Auch in Istanbul wollten sie in der Moschee für die Spieler und einen Sieg beten und als Kopftuch diente damals der Sturm-Schal. Ein besonderes Erlebnis hatte auch Maria Seidl als sie auf dem Weg zum Spiel nach Altach war. In Innsbruck platzte ihr Autoreifen und sie musste den ganzen Weg zurück nach Graz mit dem Reserverad fahren. “Natürlich ist jede Niederlage schmerzhaft. Aber die Mary (Anm. Maria Seidl) ist ganz beleidigt, wenn Sturm verliert. Oft kommen ihr sogar die Tränen”, erzählt Sieglinde. Die beiden bezeichnen sich selbst als die Realisten, während Maria Derler als die Optimistin gilt.

Auch das aktuelle Geschehen im und um den Verein wird von den Damen natürlich diskutiert, eine gemeinsame Antwort auf die brennendste der “deppaten Frogn”, nämlich wer Interims-Coach Günther Neukirchner als neuer Übungsleiter bei den Schwarz-Weißen folgen wird, haben die Damen nicht: “Ein Österreicher würde uns freuen!”