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Franco Foda ist zurück

Der König ist tot, es lebe der König

Zeit für Amtszeit drei. Franco Foda wurde heute Nachmittag in Messendorf als Nachfolger seines Freunds Darko Milanic vorgestellt. Die Pressekonferenz stand ganz im Zeichen der Schlagworte Nachhaltigkeit, Langfristigkeit und schlussendlich Erfolg.

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Dreiervorschlag hin, Anforderungsprofil her – Franco Foda ist wieder in Graz. Als Sturm-Trainer wohlgemerkt, denn Foda weilte nach seinem Rausschmiss bei Kaiserslautern bereits seit längerem an seiner alten Wirkungsstätte. Nichts wurde aus den anfänglich kolportierten Kandidaten wie Peter Schöttel, Werner Gregoritsch, Heiko Vogel, Roland Vrabec oder Michael Wiesinger. Nachfolger des nach Leeds abgewanderten Darko Milanic wird dessen ehemaliger Verteidiger-Kollege und Meistertrainer aus dem Kalenderjahr 2011. Heute um 13 Uhr wurde Foda ein drittes Mal bei Sturm angelobt.

“Die richtigste Entscheidung”
Ziele, Nachhaltigkeit, Erfolge – das sind die drei Worte dieses Nachmittags. Die Erfolge hätten Franco Foda aus dem Pool der 17, 18, 19 Trainerkandidaten hervorstechen lassen, die gemeinsamen Ziele hätten die Vereinbarung möglich gemacht und die Nachhaltigkeit soll mit seiner Erfahrung und einem frischen Zweidreivierteljahresvertrag gesichert werden – selbiges gilt für seinen altbekannten Co-Trainer Thomas Kristl. “Wir haben uns die Trainersuche nicht leicht gemacht. Wir wollten das Beste für Sturm. Wir haben uns sehr viele Namen angesehen und die Entscheidung fiel auf Franco Foda und Thomas Kristl. Die richtigste Entscheidung kann nur dieses Trainerteam sein”, zeigte sich Gerhard Goldbrich bei der heutigen Antrittspressekonferenz vollends überzeugt vom neuen Trainergespann. Foda kenne die Mannschaft bestens, da er sie in seinem “Freijahr” intensiv verfolgte und das sei ein wesentlicher Grund für die Entscheidung zu seinen Gunsten gewesen, so Goldbrich. Foda unterzeichnete am Montag seinen neuen Vertrag. Den Erstkontakt initiierte Christian Jauk, der endgültige Beschluss fiel im Präsidium einstimmig. “Wir wollen den Dreijahresplan bis 2017 weiterführen”, erklärte der General Manager. Neuer Trainer, neuer Dreijahresplan also. Ob mit weiterführen der 2012er-Zweiijahresplan vor Peter Hyballa oder der 2013er-Dreijahresplan mit Darko Milanic gemeint ist, ist fraglich.

“Viele wundern sich”

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“Ich glaube, Trainerentscheidungen sind nie falsch, oder ganz richtig”, entgegnete Jauk auf die polarisierenden Reaktionen im Fan-Lager angesprochen. Für viele wirkt die Ära “Foda Neu” innovationlos, andere wiederum halten die Entscheidung aufgrund der Erfolge, die Foda mit Sturm feierte, für die klar richtige. Der erneute Amtsantritt von Foda ist jedoch vor allem eines: überraschend. “Viele wundern sich, nachdem du unter meiner Präsidentschaft vor zwei Jahren beurlaubt wurdest. Deshalb war es wichtig, dass wir Gespräche führen. Es waren richtige Männergespräche. Wir sind zu dem Punkt gekommen, dass wir gesagt haben, dass wir uns das zutrauen, den Weg zu gehen”, hieß Jauk in seinem Eingangsstatement Foda in Messendorf willkommen.

 “Kein Harry Potter”
“Es fühlt sich gut an, wieder hier in Graz zu sein”
, sagte der “Mann des Tages” am Messendorfer Medientablett und dass die Freude “riesig, riesig” sei, heute um 17 Uhr wieder am Grazer Trainingsplatz zu stehen. “Für mich waren diese Gespräche sehr sehr wichtig. Wir haben alles aus der Welt geräumt. Wir blicken in die Zukunft und wollen gemeinsam erfolgreich sein”, gibt Foda einigermaßen standesgemäß zu Protokoll und bewertet den Status Quo und das Team, dass ihm sein “guter Freund” und Vorgänger hinterlassen hat: “Darko Milanic hat eine intakte Mannschaft hinterlassen. Sie hat gezeigt, dass sie Qualität hat, es fehlt einfach an der Konstanz im Spiel.” Aber am liebsten spricht Franco Foda über Ziele. Und derer hat er genug mitgebracht: “Erstmal versuchen, wieder eine Heimmacht zu werden”, dann “versuchen, im nächsten Jahr wieder international zu spielen” und letztlich “in den nächsten zwei, drei Jahren einen Titel in die Steiermark holen”, lässt der Meistertrainer wenig Luft nach oben. Die Sturmfans wird das freuen. Man denkt nicht gerne klein in Graz. Auch wenn Foda später die funkelnden Cupsieger-und-Meister-Augen vor dem Youtube-Stream trübt: “Ich bin zwar kein Harry Potter, zaubern kann ich nicht, aber ich garantiere, dass wir 24 Stunden am Tag alles für den Verein tun werden.”

“Dass es länger wird”
Wie lange werden Foda und Kristl alles tun? “Bis 2017. Ich hoffe, dass es länger wird”, lächelt Franco Foda und verweist auf seine erste schwarz-weiße Trainerperiode, die insgesamt sechs Jahre andauerte. Foda unterschrieb zu den gleichen Konditionen wie Milanic. Er übernimmt somit den Vereinsrekord seines Vorgängers: Er ist der bestbezahlte Übungsleiter in Schwarz-Weiß. Ob auch die zuletzt gültig gewordene Ausstiegsklausel aus dem Vertrag Darko Milanics in Fodas Vertrag übernommen wurde, ist unbekannt. Obwohl die Verantwortlichen am Rednerpult einander im Minutentakt Worte wie Nachhaltigkeit, Stabilität und Langfristigkeit überreichten, wollte keiner die Frage nach einer möglichen Buy-Out-Klausel beantworten.

“Sie verkennen etwas die Situation”
Nicht zurückhaltend, sondern eher zerknirscht gab sich Jauk auf die Frage, ob es vom Aufsichtsratvorsitzenden Hans Rinner richtig gewesen sei, über Sturm12.at zu vermelden, dass die Entscheidung auf Franco Foda fiel: “Hans Rinner hat das schriftlich dementiert.” Und doch schrieb Rinner gestern um 20 Uhr 31 einem Sturm12.at-Redakteur auf die Frage, ob er Foda forciert habe, die SMS: “Ich meine sie verkennen etwas die Situation, es ist eine Entscheidung des gesamten Präsidiums und nicht nur meine!! Wohlgemerkt ich es unterstützte. LG” Das aber nur am Rande. Die Entscheidung kam insbesondere aufgrund des unschönen Abgangs von Foda im Frühjahr 2012 sehr überraschend. Noch Stunden bevor die Meldung rund um die Foda-Neu-Ära aus dem Internet schwappte, galt außerdem Michael Wiesinger als auserkorener Nummer-Eins-Kandidat auf den Trainerstuhl bei Sturm. Foda ist somit der ausgewählte Kandidat für einen Trainerposten, dessen Anforderungsprofil Gerhard Goldbrich gegenüber Sky mit folgenden Stichworten definierte: “Ein Teamplayer, der ganz klar auf die eigene Sturmjugend setzt; ein modernes Fußballsystem denkt, lebt und trägt; viel Fokus auf Ballbesitz und schnelles Umschalten legt und auch hohe soziale Kompetenzen hat.”

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“Überfällige Aktion”
Der Verein holt also einen Trainer teilweise wegen Tugenden, für deren Missachtung man ihn rund zweieinhalb Jahre zuvor rausschmiss. Am 12. Mai 2012 endete Fodas sechsjähriges Engagement bei Sturm Graz. Gründe gab es mehrere, Auslöser jedoch einen bestimmten: Es war das peinliche Cup-Aus des Vortages gegen Hartberg, eine 2:4-Niederlage im Viertelfinale. Ein kollektives Versagen, mit dem die wenigsten gerechnet hatten, das aber das Fass zum Überlaufen brachte. Jedoch soll schon länger zuvor das Verhältnis von Foda zur eigenen Mannschaft als auch zur Vereinsspitze kein gepflegtes mehr gewesen sein. Symptomatisch hierfür war die Beurlaubung selbst: Der damalige frisch bestellte sportliche Geschäftsführer Paul Gludovatz teilte gemeinsam mit dem wirtschaftlichen Geschäftsführer, Christopher Houben, dem Trainer am Tag nach dem Cup-Aus mit, dass man eine einvernehmliche Auflösung seines Vertrages anstrebe – diese lehnte Foda aber ab. Daraufhin kam es zur sofortigen Beurlaubung, auf die Christian Jauk bestanden haben soll. Dass der Wunsch nach einer sofortigen Beurlaubung vom Präsidium ausging, bestätigte Foda daraufhin gegenüber den Medien: “Die beiden (Anm. Houben und Gludovatz) haben mir erklärt, sie seien nur Überbringer der Botschaft. Es handle sich um einen Auftrag von Präsident Christian Jauk.” Gludovatz reagierte in den Tagen darauf enttäuscht über die Aussagen Fodas. “Ich war nicht der Überbringer der Botschaft, sondern ein Entscheidungsträger”, war seine erste Reaktion, zudem bezeichnete er die Entlassung des Mainzers als eine “überfällige Aktion”.

“Klare Ansagen”
Was folgte, war ein Engagement bei seinem Jugendklub FC Kaiserslautern. Am 23. Mai 2012 wechselte Foda in den Westen Deutschlands, sein dortiges Trainerdasein war jedoch nicht von langer Dauer. In seiner ersten Saison bei den Pfälzern erreichte er den dritten Platz der zweiten Liga, der zugleich ein Relegationsspiel bedeutete. Das große Ziel, der Wiederaufstieg in die deutsche Bundesliga, war zum Greifen nahe. Das Los war aber ein Hartes, der Gegner hieß Hoffenheim. Das Duell um den Aufstieg in die höchste deutsche Spielklasse, von dem man sich rund um den Pfälzerwald viel erhoffte, verlor Kaiserslautern und musste erneut in der zweiten Liga verharren. In der Folgesaison saß Foda dann nicht mehr lange am Trainersessel. In Runde fünf unterlag Kaiserslautern dem VfR Aalen mit 0:4. In der Folge wird Foda entlassen, der Kicker will wissen, dass dort eher “das zerrüttete Verhältnis Fodas zur Mannschaft” ausschlaggebend war als das Debakel gegen Aalen. “Ich bin schon ein Trainer, der klare Ansagen hat”, räumt Foda heute ein – mit Handbremse: “Aber ich glaube es ist heutzutage nicht angebracht, zu autoritär zu sein.”

“Sehr viel unterwegs”
Das sollte es dann fürs Erste gewesen mit dem Trainer Franco Foda. Seit genau einem Jahr war er nun ohne Mannschaft. “Ich habe eine Pause benötigt, um alles Revue passieren lassen zu können”, sagte Foda noch im Jänner 2014 gegenüber ServusTV. Zwischendurch war er, wie es arbeitslose Trainer gerne tun, als Fernsehexperte beim Bezahlsender sky angestellt. Außerdem hat er im vergangenen Jahr bei den Trainerteams von Bayern, Dortmund und Mönchengladbach hospitiert. “Ich war sehr viel unterwegs, habe versucht mich auch persönlich weiterzubilden.” Auffällig oft wurde der Mainzer aber auch in Messendorf gesichtet. Ob er was von einer baldigen Rückkehr ahnen konnte oder nur seinem Ex-Klub auf die Beine sehen wollte, werden wir nie erfahren. Wie dem auch sei: Eine Geschichte, die 2012 recht unrühmlich endete, wird um zumindest ein Kapitel erweitert. Der Trainer, der nach einem Fast-Konkurs sein Team zu Cup-Sieg und Meistertitel führte, und dabei aus seiner Mannschaft mehr herausholte, als sich viele erwartet hätten, ist wieder da.

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“Nie weg gewesen”
Und es wäre nicht Sturm Graz, würde der Hauptdarsteller der Pressekonferenz nicht reichlich beschenkt. Nach dem Flugticket-Wink an Darko Milanic bekommt Franco Foda heute vonseiten des Vereins das Buch “Jetzt! Die Kraft der Gegenwart”, das “ein Leitfaden zur spirituellen Selbstfindung” ist und ein weißes T-Shirt mit großem, schwarzen “Welcome back”-Aufdruck. Jetzt ist er amtlich wieder da. “Ich fühle mich, als ob ich nie weg gewesen wäre”, sagt er heute. Home sweet home.