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Spielercheck

Djuricin - nicht mehr, nicht weniger

Es war ein offensiver Dauerlauf in schwarz-weiß, den man gestern in Liebenau in Hälfte zwei sah. Statt einem 1:0 hätte aber durchaus ein 2:0 oder 3:0 auf der Ergebnistafel stehen können. Torschütze Djuricin ist als Protagonist des Grazer Offensivspiels Blacky of the Match.

“Nicht mehr und nicht weniger” als ein Sieg ist gestern Abend gelungen, verkündete Franco Foda während der Pressekonferenz nach dem Spiel gegen den SV Grödig. Die ersten 90 Minuten auf der Trainerbank sind für den Rückkehrer somit geschlagen und weitere drei Punkte auf dem Konto der Schwarz-Weißen. System-Änderungen gab es zum Auftaktspiel keine, drei Personalwechsel nahm Foda dafür vor: David Schloffer übernahm die Position des gelbgesperrten Daniel Beichler auf der rechten Seite, Christian Gratzei stand anstelle des zuletzt eher schwachen Benedikt Pliquett im Tor der Grazer (und sollte sich der Leistung des Deutschen anpassen) und Martin Ehrenreich gab nach 25 verletzungsbedingt verpassten Spielen sein Comeback.

Im Angriff gab es keine Personalrochade. Marco Djuricin lief auch unter Foda als Solospitze auf und half tatkräftig mit, eine unspektakuläre erste Halbzeit durch eine Torjagd in der zweiten wettzumachen. Gelungen. Er schoss das 1:0 in Minute 83. Damit bleibt er auch nach der Ära Darko Milanic die Grazer Lebensversicherung. Nicht mehr und nicht weniger.

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Marco Djuricin
Der Stürmer ist aber nicht nur aufgrund seines Siegtreffers unser Blacky of the Match. Denn bekommt die Grazer Nummer neun einen Ball zugespielt, kreiert sie meist eine Torchance. Allerdings agierte Djuricin bei neun seiner insgesamt zehn Schüsse Richtung Tor (damit stellt er den besten Wert sämtlicher Spieler am Feld) zu unpräzise. Der 21-Jährige hätte durchaus schon früher treffen können oder sogar müssen. In der zweiten Halbzeit, in welcher das Offensivwerkel bei Sturm endlich funktionierte, war Djuricin mit viel Selbstbewusstsein an beinahe jeder Torszene maßgeblich beteiligt. Nach Zuspiel von Thorsten Schick etwa zeigte der Stürmer seine technischen Qualitäten mit einer filigranen Drehung, um seine Gegenspieler zu vernaschen. In Eins-gegen-Eins-Situationen hat Djuricin aufgrund seiner technischen Fähigkeiten meist einen Vorteil. Der 21-Jährige zeigte sich reaktionsschnell und mit viel Einsatz und belohnte seine Bemühungen mit dem späten Treffer.

David Schloffer
Schloffer könnte Werbung für Duracell machen, denn seine Batterie geht einfach nicht aus. Kilometer um Kilometer spulte der 22-Jährige ab und machte in der kollektiv eher schwachen ersten Halbzeit Dampf über seine rechte Seite. Er zog wie sein Pendant Schick oft in die Mitte und vernaschte dabei den ein oder anderen Gegenspieler. In Minute 75 nahm in Foda vom Feld, der Duracell-Hase hatte sich dann doch leer gelaufen. Bezeichnend für ihn ist aber, trotz Müdigkeit weiter Gas zu geben. Eine Alternative für die rechte Seite und Konkurrenz für Daniel Beichler ist er auf jeden Fall.

Anel Hadzic
Wieder war Anel Hadzic meist etwas höher positioniert als sein Pendant Daniel Offenbacher. Der zentrale Mittelfeldspieler ackerte defensiv gut mit und versuchte nach vorne für Impulse zu sorgen. Beim Freistoß-Trick bewies Hadzic enorme Übersicht, als er zur zweiten Stange hechtete und per seitlichem Kopfball Djuricin ideal bediente. Mit 61 Ballkontakten war der 25-Jährige eine beliebte Anspielstation, auch seine Passquote liest sich ok: 45 angekommenen Zuspielen stehen 17 Fehlpässe gegenüber. Allerdings ist seine Zweikampfstatistik mehr als ausbaufähig, fünf gewonnene zu acht verlorenen direkten Duellen sind zu wenig. Trotzdem eine sehr engagierte Leistung, die der bosnische Nationalspieler mit seinem Assist zum 1:0 belohnt hat.

Daniel Offenbacher
Daniel Offenbacher spielte 57 Pässe und brachte dabei 75 Prozent an den eigenen Mann – 85 mal hatte er dabei Kontakt mit dem Ball. Der Zentrumspieler war gestern die Schaltzentrale in Sturms Spielaufbau. Die meisten Angriffe hatten ihren Ursprung bei Offenbacher, der sich häufig zwischen die beiden Innenverteidiger fallen ließ, um das Spiel zu eröffnen. Im Angriffsspiel schaltete und waltete meist der höher positionierte Anel Hadzic. Offenbacher war mit mehr Defensivaufgaben betraut. Er lief Passwege zu, stopfte Löcher und verhinderte so mehrmals, dass Grödig in Strafraumnähe kommt.

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Thorsten Schick
Abermals präsentierte sich der Neuzugang laufstark und voller Tatendrang. Die Nummer 44 ist wie ein Motor mit vollem Tank: Er geht nie aus. Bediente bereits im ersten Durchgang – trotz einer kollektiv eher schwachen Leistung – Djuricin per gutem Pass. Auch in Hälfte zwei bewies Schick seine Assist-Qualitäten und beteiligte sich an einigen Offensivaktionen. Er machte über das gesamte Spiel einen recht ballsicheren Eindruck und zog immer wieder in die Mitte, um für Verwirrung in der Grödiger Hintermannschaft zu sorgen.

Lukas Spendlhofer
Der Leihspieler bewies sich einmal mehr als Gewinn. In der Innenverteidigung agierte Lukas Spendlhofer konstant ruhig und lieferte gemeinsam mit Michael Madl ein solides Spiel, wobei der 21-Jährige gestern mehr überzeugen konnte als der Mannschaftskapitän. Über 90 Minuten hinweg hielt er seinen Grödiger Gegenspieler Yordy Reyna in Schach, der nun ob des ständigen Einsatzes des Innenverteidigers auch nur zu einem Schuss auf das Tor kam. Insgesamt 22 klärende Aktionen sprechen für die starke Defensive.

Michael Madl
Madl tat gestern das, was ein Innenverteidiger tun muss. Er ließ sich wenig bis nichts zu Schulden kommen, sieht man von ein paar Unsicherheiten ab. Das Innenverteidiger-Duo verstand es gestern gut, die Defensive zu koordinieren. Madl als Chef dieses Duos agiert durchaus souverän, eine Erfolgsquote von 76,5 Prozent angekommenen Pässen macht ihn auf dem Statistik-Papier zu einem der besten Grazer. Nach der Länderspielpause wird der Kapitän jedoch gelbgesperrt fehlen.

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Marko Stankovic
Verbal präsentierte sich Marko Stankovic abermals sehr aktiv (Stichwort: Leithammel), gab er doch schon im Neuzugangs-Interview gegenüber Sturm12.at bekannt, dass er gerne die Führung übernimmt. Davon abgesehen war die gestrige eindeutig nicht die beste Partie des 28-Jährigen. Die Pässe aus dem Mittelfeld waren zwar sehr schön anzusehen, doch verlor Stankovic gegen den SV Grödig viel zu leicht den Ball. Auch die Passgenauigkeit – die Quote der richtig angekommenen Pässe lag diesmal bei nur 51,4 Prozent – war in vorangegangenen Spielen weitaus besser. Die Täuschung zur Ausführung des Eckballs, der schlussendlich zum 1:0 durch Marco Djuricin führte, gelang ihm jedoch sehr gut. Prognose für das kommende Spiel: gleichauf mit Madl, gelbgesperrt.

Martin Ehrenreich
Martin Ehrenreich stand gestern seit zehneinhalb Monaten wieder in der Startelf. Dabei zeigte der Rechtsverteidiger eine solide Leistung. Sein Stellungsspiel war weitgehend geordnet – über rechts konnte Grödig kaum gefährlich werden. Ehrenreich schaltete sich auch weitgehend regelmäßig in die Offensive ein, versprühte dort aber selten Gefahr. Zwar konnte er an ein paar Torchancen mitwirken, allerdings nur mit ein paar selbstverständlichen Pässen. Die entscheidende Vorarbeit leistete meist sein Vordermann Thorsten Schick. Alles in allem: brav.

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Aleksandar Todorovski
Aleksandar Todorovski spielte am gestrigen Abend nicht auf “seiner” rechten Seite. Er lief auf der für ihn ungewohnten linken Seite für den verletzten Christian Klem auf. Das merkte man. Der nominelle Rechtsverteidiger hatte auf links seine liebe Not. Besonders der umtriebige Philipp Huspek enteilte ihm in brenzliger Regelmäßigkeit. Sturms Angriffsspiel fand gestern beinahe gänzlich über die rechte Seite statt. Denn Todorovski verlor wichtige Eins-Gegen-Eins-Duelle, reihte einen Stellungsfehler an den anderen und konnte ob der Überforderung in der Defensive auch für keine Impulse in der Offensive sorgen.

Christian Gratzei
Der Leobener bekam den Vorzug gegenüber Benedikt Pliquett und blieb ohne Gegentreffer. So richtig viel zu tun bekam er aber nicht. An einem Pfostenschuss von Grödigs Philipp Huspek in der ersten Halbzeit wäre der Tormann wohl dran gewesen. Doch im zweiten Durchgang schockierte Gratzei mit einem Ausflug aus dem Tor, als Grödig Reyna schickte und Sturms Hintermannschaft überrascht war. Der 33-Jährige kam zu spät aus dem Tor und hechtete daneben. Glück für ihn, denn Reyna schoss daneben. Und gegen Spielende wollte Gratzei den heraneilenden Matthias Maak tackeln, erwischte ihn aber unmotiviert an den Füßen. Wiederum Glück für ihn, dass sich Maak nicht fallen ließ. Dann hätte Schiedsrichter Oliver Drachta wohl Elfmeter geben müssen.

Zu kurz eingesetzt: Andreas Gruber (sehr talentiert, ohne Diskussion), Simon Piesinger (groß), Josip Tadic (athletisch)

Anmerkungen
Die Leistung der Sturm-Spieler wird anhand von Bällen bewertet. Die höchste Bewertung sind dabei fünf Bälle, die niedrigste Bewertung ist ein Ball. Eine durchschnittliche Leistung ist mit drei Bällen gleichzusetzen, die auch den Ausgangs- bzw. Basiswert darstellen. Das Ergebnis ergibt sich dabei aus der gemeinsamen Diskussion der Sturm12.at-Redakteure, bleibt aber letztlich subjektiv.

Ein Spielercheck von David Baumgartner, Adrian Engel, Alexandra Polič und Katharina Siuka.