© Sturmtifo.com
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12 Meter

Männer lesen kein Internet

Männergespräche gingen der Rückholung von Franco Foda auf die schwarz-weiße Trainerbank also voraus. Überhaupt kommen nun speziell aus der präsidialen Ecke sehr testosteronhaltige Sprüche. Seine letzte Chance lässt Christian Jauk auch sprachlich den 2012 ausgerufenen Paradigmenwechsel über Bord werfen. Zurück in die 1990er-Jahre anstatt zurück in die Zukunft, Internet-Ignoranz inklusive. Ein Stimmungsbild rund um die Franco Foda-Bestellung.

© Sturm12.at
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Das erste Spiel in der neuen Ära ist geschlagen und der Rückkehrer auf der Trainerbank durfte sich über einen mühsamen 1:0-Auftaktsieg gegen den SV Grödig freuen. In dieser ersten Partie war nicht festzustellen, dass ein neuer Mann am Werk ist. Hier ein seriöses Urteil zu fällen ist nach bloß einer Begegnung allerdings nicht möglich. Es gilt einige Runden abzuwarten, um eine etwaige neue Handschrift zu erkennen und zu bewerten. Die Kleine Zeitung erkennt allerdings schon jetzt den “taktischen Feinschliff”, der zum Sieg geführt haben soll. Auch die Idee zur Finte, die beim Eckball zum Siegestreffer geführt hat, wurde vor lauter Jubelberichterstattung gleich dem Trainer zugeschrieben. Das liest sich dann hier bei den Kollegen von sportnet.at doch ein wenig anders. Man mache sich darüber selbst ein Bild.

Heute wollen wir jedenfalls noch einmal zurückblicken. Zurück auf den letzten Dienstag und die Antrittspressekonferenz von Franco Foda. Vier zumindest nach außen sehr zufriedene Herren saßen auf dem Podium neben Pressemann Alex Fasching. Der neue Trainer strahlte gar richtig, so glücklich ist er wieder im Heimathafen gelandet zu sein. Das erste Wort spricht der Präsident. Er schildert seine Kontaktaufnahme zu Franco Foda, wo er in Vieraugengesprächen die Differenzen rund um die Beurlaubung des Mainzers 2012 ausgeräumt haben will. “Richtige Männergespräche” seien das gewesen. Die anderen Herren nicken saturiert dazu. Das Testosteron schwirrt durch den Presseraum von Messendorf.

Ob es schlau gewesen sei, durch Hans Rinner schon am Vorabend auf Sturm12.at die Fixierung des Deals durchsickern zu lassen, fragt ein Journalist. Jauk ist sich nicht zu schade den billigen Bluff, er lese kein Sturm12.at zu bemühen. Dass Rinner ihm gegenüber telefonisch dementiert haben soll, wusste er dann aber schon. Das grenzt natürlich alles an eine Schmierenkomödie. Natürlich liest der Präsident alle Medien sehr genau, zu wichtig ist ihm die Meinung von außen zu seinem Tun. Und natürlich ist Rinners Dementi hinfällig, der Wortlaut der Nachricht von ihm an Sturm12.at ist hier nachzulesen. Der Seitenhieb auf unsere Seite und die “Internetmedien” im allgemeinen kennt man ja bereits zu Genüge vom General Manager, der nichts kommentiert was in irgendeinem dieser Internets steht.

Wann wohl die Herrschaften der alten Schule, die Probleme noch mit Männergesprächen aus der Welt schaffen, beginnen werden im 21. Jahrhundert anzukommen? Oder sind sie es doch schon? Der Sturm-Boss ließ dann nämlich auch noch wissen, wenn man sich die Klicks ansehe, dann merke man: “Wir sind wieder in aller Munde.” Interessante Information und überraschend treffende Wortwahl, wenn man vorgibt gar kein Internet zu lesen. Christian Jauk entlarvt sich selbst das erste Mal an diesem Tage.

Die Männer, die kein Internet lesen, finden es offenbar weiters besonders lustig, eine völlig legitime Frage bei der Pressekonferenz ins Lächerliche zu ziehen. Ein Kollege will, nach sehr vielen übereinstimmenden Gerüchten im Vorfeld, wissen, ob Christian Jauk in den letzten Tagen sein Amt zur Verfügung gestellt hätte. Der wies das als dumme Frage zurück. “Foit ihnen nix Gscheiteres ein?”, fragt der Präsident den Journalisten mit dem Verweis auf ein altes Günther Neukirchner-Wutinterview. Alle Freunde des gedruckten Worts am Podium machen einen auf männliches Stammtisch-Hoho. Er würde solche Gerüchte nicht kommentieren, sagt Jauk außerdem und entlarvt sich erneut. Er legitimiert die Frage selbst, nachdem er sie verunglimpft hat. Er bestätigt die Existenz der Gerüchte. Er hätte auch schlicht und einfach professionell “Nein, das habe ich nicht gemacht” sagen können. Aber dann könnte man ja nicht die Internetportale lächerlich machen, die man angeblich eh nicht beachtet.

Nach all den bisher missglückten Versuchen, die personellen Pläne der Generalversammlung 2012 aus dem Überschriftenstadium in die Wirklichkeit zu transferieren, wählt Christian Jauk für seine allerletzte Chance offenbar die harten Töne. Nur der Erfolg zähle, die Nebenschauplätze seien bisher zu wichtig gewesen, das sei irrelevant, wenn am Ende nicht die erste Mannschaft gewinne – all das ließ der Präsident schon am Abend vor der Präsentation Fodas wissen. Das klingt rein sprachlich wieder ein wenig mehr nach 1990er-Jahre als nach dem mittlerweile totgekauten “Sturm neu”, Männergespräche zur Problemlösung inklusive. Der angekündigte Paradigmenwechsel von damals scheint einen U-Turn hinzulegen. Jauk tritt zu seinem letzten Elfmeter auf die harte Tour an. Er möge danach trachten in dieser Rolle nicht zu verkrampfen, weil dann verschießt es sich besonders leicht.

Und schlussendlich noch eine vage Theorie: Ist es vielleicht gar so, dass der Verein sich ein wenig nach rückwärts wendet und der neue alte Trainer einen Schritt nach vorne gemacht hat? Er hätte sich weiterentwickelt, sagt Franco Foda. Nicht nur im sportlichen Bereich sondern auch persönlich. Er sei nicht mehr so autoritär, der Spaß müsse ebenfalls eine Rolle spielen, lässt der Deutsche wissen. Und nicht zuletzt hätte er gelernt mit kritischen Fragen umzugehen, behauptet er. Ein bisschen schwer zu glauben alles, aber vielleicht überrascht uns ja gerade Foda positiv? Wundern würde einen heutzutage beim SK Sturm ohnehin nichts mehr.