Akiyoshi2
© SturmTifo.com

Spurensuche

Der SK Sturm und Japan

Mit Taisuke Akiyoshi hat der SK Sturm zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte einen Japaner verpflichtet. Der SK Sturm weist aber bereits viel länger Überschneidungen mit dem japanischen Fußball auf. Eine Spurensuche ins Land der aufgehenden Sonne.

akiyoshi1
SturmTifo.com

Acht Neue hat der SK Sturm in diesem Sommer geholt. Vier Österreicher, zwei Kroaten, einen Russen und – kaum zu glauben – einen Japaner. Taisuke Akiyoshi ist derzeit der einzige Japaner in der österreichischen Bundesliga. Zuvor gab es nur bei den Salzburger Bullen zwei Spieler aus dem Land der aufgehenden Sonne. Einerseits Tsune Miyamoto und andererseits Alex, der, wie der Name schon vermuten lässt, ein eingebürgerter Brasilianer war. Taisuke Akiyoshi ist also der dritte Japaner im österreichischen Oberhaus-Fußball. Zum Vergleich: In Österreichs höchster Spielklasse spielten immerhin schon fünf Koreaner.

Auch wenn Akiyoshi derzeit der einzige Japaner in der Bundesliga ist, ist er nicht der einzige im österreichischen Profifußball. Der Kapfenberger SV hat mit Tshiro Yatsuzuka und Takeshi Ito in diesem Sommer ebenfalls zwei Japaner geholt, übrigens nicht aus Japan, sondern aus Deutschlandsberg. Sturms Offensivmann kam ebenfalls nicht direkt aus seinem Heimatland zu den Schwarz-Weißen, sondern aus Bosnien, von Zvijezda Gradacac. Bis nach Asien streckt man aus Graz also nicht die Fühler aus, könnte man meinen. Tatsächlich kam aber auch bereits ein Spieler direkt aus Japan zum SK Sturm und das vor gar nicht allzu langer Zeit: Der Siegtorschütze des Cup-Finales 2010, Klemen Lavric, wechselte am letzten Tag der Transferzeit im Sommer 2008 vom Erstligisten Omiya Ardija nach Graz.

Ivo und sein Begleiter
Den umgekehrten Weg, von Graz nach Japan, sind einige gegangen. Pionier war ein gewisser Ivica Vastic. Der langjährige Superstar verließ in der Sommerpause 2002 den damals schon am absteigenden Ast befindlichen SK Sturm und suchte den Weg in den fernen Osten. Sein neuer Verein dort hieß Nagoya Grampus. Wie es bei exotischen Neuzugängen, und das ist ein Austro-Kroate in Japan wohl, oft so ist, wechselte mit Vastic noch ein zweiter Spieler vom SK Sturm zu Nagoya. Es handelte sich um Andrej Panadic, der in Graz zuvor nicht unbedingt für Furore sorgte. Die beiden wechselten in der laufenden Meisterschaft, denn die Saison wird dort im Jahresrhythmus gespielt. Ihre erste Halbsaison beendeten die beiden auf Rang sechs der J-League. Ivica Vastic beendete das Abenteuer bereits nach 27 Partien und 15 Treffern wieder und ging im nächsten Sommer zu Austria Wien. Sein Begleiter Panadic blieb noch länger dort und beendete früh im Jahr 2004 nach 51 Spielen und 3 Toren, seine Karriere.

© Sturm12.at (mp)
© Sturm12.at (mp)

Der Jahrhunderttrainer und der Bomber
Ein halbes Jahr nach Ivica Vastic machte sich auch der zweite Ivica auf den Weg nach Japan. Nachdem Ivica Osim im September 2002 beim SK Sturm als Trainer zurückgetreten war, fand er im darauffolgenden Winter in JEF United Chiba einen neuen Arbeitgeber. Er unterschrieb vorerst nur für das Jahr 2003, der Verein bemühte sich nach dem dritten Rang aber so sehr um seine Dienste, dass er um eine Saison verlängerte. In der Meisterschaft 2004 erreichte der Klub den vierten Rang und Osim unterschrieb – wieder für ein einzelnes, weiteres Jahr. Für die Saison 2005 holte sich Osim Verstärkung: Mario Haas kam zu JEF United nach und gemeinsam holten sie den japanischen Liga-Cup und einen weiteren vierten Platz in der J-League. Auch für das Jahr 2006 könnte die Vereinsführung Osim noch zum Bleiben überreden. Im Juli des Jahres verließ er den Verein aber, denn er war zu Höherem berufen: Ivica Osim wurde der neue japanische Teamchef. Mario Haas blieb noch bis Ende 2006 und wurde unter Osim-Sohn Amar erneut Liga-Pokalsieger. In der Tabelle reichte es nur für einen enttäuschenden elften Platz.

Im Winter brach Haas seine Zelte ab und kehrte wieder in Richtung Graz zurück. Spuren hinterließ er nicht nur durch seine elf Tore und seine zwei Cup-Siege, sondern auch durch den Jubel, den er mit nach Japan gebracht hat. Die Welle, die die Spieler nach dem Sieg vor den Fans machen, war vor der Zeit von Mario Haas in Japan unüblich. Unterdessen war Ivica Osim mit dem japanischen Nationalteam vorerst sehr erfolgreich. Souverän qualifizierte sich das Team für den Asien-Cup 2007. Dort scheiterte man allerdings bereits im Halbfinale, woraufhin Osim den Verband für die schlechte Vorbereitung kritisierte. Im November wurde die Trainerlegende als japanischer Teamchef abgelöst, allerdings nicht wegen der Ergebnisse, sondern wegen eines Schlaganfalls, der es ihm unmöglich machte, das Amt weiter auszuüben. Ende des Jahres wurde Osim in Japan noch eine große Ehre zuteil. Sein Konterfei zierte das Cover des Computerspiels „J-League Pro Soccer Club o Tsukurou! 6: Pride of J“.

Noch ein weiterer Ex-Spieler des SK Sturm trug Jahre später das Trikot von JEF United Chiba. Abwehrspieler Eddy Bosnar landete nach den Zwischenstationen Everton, Dinamo Zagreb und Heracles Almelo im Jahr 2008 in der japanischen Großstadt. Bosnar hielt dem damals eher in unteren Tabellenregionen angesiedelten Klub zwei Jahre lang die Treue. Mit dem Abstieg von JEF United zog Bosnar nach 55 Partien und drei Toren weiter zu Shimizu S-Pulse. Beim damaligen Mittelständler machte Bosnar ebenfalls 55 Partien, traf dabei aber ganze acht Mal, darunter auch einige gewohnt spektakuläre Freistöße. Zur Saison 2012 zog Bosnar weiter nach Südkorea, mittlerweile ist er, nach einem Gastspiel in China, zurück in seiner Heimat Australien.

Sturm12.at (mz)
Sturm12.at (mz)

Ein serbisches Duo
Ivica Osim blieb nicht der einzige Ex-Trainer des SK Sturm, der in Japan Karriere machte. Mischa Petrovic ist im fernen Osten ebenfalls ein nicht ganz unbekannter Name. Der Beginn seiner Karriere in Asien war sehr kurios. Petrovic, der als Angestellter von Sturm einen unbefristeten und jederzeit kündbaren Vertrag hatte, kündigte im Sommer 2006 um Trainer des FC Kärnten zu werden. Noch vor Beginn der Saison in Österreich verließ er Kärnten aber in Richtung Asien, denn er hatte ein lukratives Angebot von Sanfrecce Hiroshima vorliegen, das er nicht ablehnen konnte. Als Co-Trainer nahm er mit Ranko Popovic einen alten Bekannten mit, der ihn bereits bei Sturm unterstützt hat.

Nach einem zehnten Platz 2006 und dem knappen Klassenerhalt im Jahr 2007 folgte 2008 der Knalleffekt: Sanfrecce Hiroshima holte unter Coach Mischa Petrovic den japanischen Meistertitel. Nicht mehr an Bord war zu diesem Zeitpunkt Ranko Popovic, der nach der Saison 2007 Japan verließ, um in Serbien Cheftrainer von Spartak Subotica zu werden. Petrovic blieb noch bis 2011 Trainer in Hiroshima und holte dabei einen vierten und zwei siebte Plätze. Für die Saison 2011 lotste Petrovic noch David Mujiri nach Japan. Mujiri verließ den Verein nach einer Saison wieder in Richtung Georgien. Petrovic hingegen war auch 2012 Trainer in Japans erster Liga, und zwar beim Fanmagneten Urawa Red Diamonds.

Damit war er aber nicht der einzige Ex-Blacky in der J-League, denn Ranko Popovic hielt es nicht lange in Serbien. Nach einem Jahr in Subotica und drei Jahren in Japans zweiter Spielklasse, in denen er Oita Trinita und Mechida Zelvia trainierte, durfte Popovic sich 2012 als Coach des Aufsteigers FC Tokyo versuchen. Popovic schaffte es mit seinem Klub 2012 und 2013 auf die Plätze acht und zehn, Mischa Petrovic war erfolgreicher: Er wurde einmal Dritter und einmal Sechster. Das heurige Jahr begann Popovic mit einem Vereinswechsel. Bei seinem neuen Klub Cerezo Osaka bleib er allerdings nur bis Juni Trainer, denn dann wurde er aufgrund von Erfolglosigkeit entlassen und durch Marco Pezzaiuoli ersetzt. Mittlerweile ist auch dieser bereits wieder Geschichte in Osaka. Wesentlich besser geht es hingegen Petrovic. Er ist sieben Runden vor Ende der Saison mit sieben Punkten Vorsprung Tabellenführer und damit am besten Weg, nun auch mit den Urawa Red Diamonds japanischer Meister zu werden.