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SK Sturm Graz - NK Lokomotiva Zagreb

Starker Test gegen schwache Kroaten

Zum wiederholten Male nutzte der SK Sturm eine Länderspielpause um ein Testspiel auszutragen. Gegen Lokomotiva Zagreb gewann man souverän mit 3:0. Franco Foda probierte dabei einige Dinge aus.

Obwohl man sich höllisch über die Kartenpreise aufgeregt hat, war das Testspiel der Österreichischen Nationalmannschaft gegen Brasilien binnen 28 Stunden ausverkauft. Rund 50.000 Fußballverückte wollen sich Neymar und Co. nicht entgehen lassen. Ganz anders hier in Messendorf. Nicht ganz so groß war freilich der Andrang zum heutigen Testspiel des SK Sturm in Messendorf, dennoch war das Trainingszentrum gut besucht. Der heutige Gegner heißt NK Lokomotiva Zagreb und wurde in der abgelaufenen Saison Tabellenfünfter in Kroatiens erster Liga. Auch aktuell findet sich der Verein, der als “Ausbildungsfiliale” von Dinamo Zagreb fungiert, auf dem fünften Tabellenrang wieder. Sturms neuer alter Chefcoach Franco Foda kann und wird mit seiner Mannschaft dieses Spiel nutzen, um nach einer Trainingswoche erstmals einen Teil seiner Spielphilosophie umzusetzen.

Auf keinen Fall “Part of the Game” ist heute Anel Hadzic. Der WM-Teilnehmer stand gestern mit Bosnien-Herzegowina als Innenverteidiger Wales mit Superstar Gareth Bales gegenüber und holte ein 0:0. Auch Sandi Lovric, der beim U17-Team im Einsatz ist, Benedikt Pliquett, der heute bei einem Abschiedsspiel eines Freundes in St. Pauli verweilt und Marko Stankovic der zuletzt immer wieder Probleme mit seiner Zehe hatte, fallen heute aus. Michael Madl, im nächsten Bundesligaspiel gesperrt, bleibt zu Beginn auf der Bank.

Viele Chancen, keine Tore
Vor den Augen von Jahrhunderttrainer Ivan Osim eröffnet Lokomotiva kurz nach 17 Uhr diese Testpartie. In Minute drei bekommt Sturm Graz bereits einen Freistoß zugesprochen, nach Flanke von Daniel Offenbacher wird diese Chance jedoch zu leichtfertig vergeben. In einer anfangs ruppig geführten Partie kommt Sturm erstmals in Minute neun zu einer guten Chance. Marco Djuricin wird im Strafraum völlig allein stehend angespielt, sein Schuss fällt aber viel zu schwach aus, um Tormann Simon Sluga zu überwinden.

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Nach gut 20 Minuten die nächste dicke Möglichkeit für die Grazer, doch sowohl Daniel Beichler als auch David Schloffer im Nachschuss scheitern nach Vorlage von Aleksandar Todorovski am bislang starken Goalie der Gäste. Die Kroaten hingegen haben es bisher noch nicht geschafft, gefährlich vor das Tor von Christian Gratzei zu kommen. Und nur kurz darauf gibt es den nächsten schönen Angriff der Heimmannschaft, Beichler gibt per Ferse auf Thorsten Schick ab, seine Flanke wird jedoch geklärt. Erst in Minute 28 erfolgt der erste Torschuss der Zagreber. Loks Nummer drei, Mario Musa, haut den Ball aus etwa 20 Metern aber über das Tor.

Und praktisch im Gegenzug fast das 1:0 für Sturm. Offenbacher überhebt die gesamte Abwehr, Djuricin startet richtig und auch er probiert es mit einem Heber. Dieser geht zwar über den Torhüter der Kroaten hinweg, landet aber knapp neben den Kasten. Jetzt geht es Schlag auf Schlag, Mirko Maric’ flacher Schuss verfehlt das Tor von Gratzei aber um Zentimeter. In Minute 40 geht Simon Piesinger nach einem Luftzweikampf zu Boden und hält sich das Gesicht. Das Cut wird einige Zeit lang behandelt aber er kann danach weitermachen.

Die Rückkehr des 4-4-2
Nach etwas mehr als 45 Minuten pfeift der Schiedsrichter zur Pause. In einer Partie, die für ein Testspiel, vor allem von Seiten der Gäste, recht hart geführt wird, ist Sturm Graz in den ersten 45 Minuten überlegen, einzig und allein der Führungstreffer fehlt. Von der Spielanlage her hat Foda gegenüber Darko Milanic noch nicht allzu viel verändert, seine Mannschaft probiert es jedoch vermehrt mit Kurzpassspiel und schnellen Kombinationen zum Torerfolg zu kommen. In Abwesenheit von Anel Hadzic hat Simon Piesinger  quasi den Posten der Solosechs inne, Daniel Offenbacher übernimmt den klar offensiveren Part und spielt meist neben Daniel Beichler. Franco Foda setzt heute in der ersten Halbzeit also auf ein 4-1-4-1 und nicht auf 4-2-3-1.

Zur Pause wechselt der Trainer der Blackies zweimal, bringt Josip Tadic und Taisuke Akiyoshi statt David Schloffer und Aleksandar Todorovski. Damit stellt Franco Foda, der Schick in die Viererkette beordert, auf ein 4-4-2 um. Somit hat Sturm mit Christian Klem und Thorsten Schick zwei technisch starke Außenverteidiger die den Flügel abgrasen. Akiyoshi und Beichler ziehen viel in die Mitte, Tadic und Djuricin bauen sich als Sturmduo gut ins Passpiel ein und so kann man Ähnlichkeiten mit der Auslegung des 4-4-2 erkennen, wie es bei Atletico Madrid oder auch Red Bull Salzburg praktiziert wird.

Sturm will jetzt unbedingt den Führungstreffer. Nach 50 Minuten gibt es dann zwei richtig dicke Torgelegenheiten für die Grazer. Zuerst scheitert Offenbacher nach wunderschöner Vorarbeit von Djuricin mit einem Schuss aus der Distanz. Den darauf folgenden Eckball köpfelt ein Grazer an die Latte, Tadic bringt den Ball nach einem Gestocher nicht über die Linie. Kurz darauf die nächste Möglichkeit für die Gastgeber, abermals bringt Offenbacher einen Schuss aufs Tor, der Torhüter kann nur schlecht abwehren. Beim Nachschussversuch von Beichler wird auf Abseits entschieden. Als nächstes folgt wohl die Überraschung des heutigen Abends: Der etatmäßige Abwehrchef Michael Madl kommt anstelle von Daniel Offenbacher und bildet mit Simon Piesinger die Doppelsechs. Im Publikum wird bereits spekuliert, ob Foda Madl nun auch in Bewerbsspielen im Mittelfeld einsetzen wird, wo er ja schon unter Peter Hyballa meist spielte.

Ein Elfer, zwei Köpfler, drei Tore

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Nach diesem Wechsel klappt es endlich auch mit dem Tor. Nach einer Stunde zeigt der Schiedsrichter auf den Punkt, nachdem Klem einem Kroaten den Ball an die Hand geschossen hat. Marco Djuricin tritt an und trifft staubtrocken ins linke Eck. Das längst fällige 1:0 ist da. Der darauf folgende Applaus gilt erst einmal dem Treffer der Nummer 9, geht dann aber über in Applaus für Ivan Osim, der soeben vom Platzsprecher angekündigt worden ist. Nach diesem Tor versuchen die Blau-Weißen den Druck zu erhöhen und rücken weiter heraus, doch es sind die Schwarz-Weißen die nachlegen. Acht Minuten nach der Führung schlägt Beichler eine punktgenaue Flanke auf den langen Pfosten und der zur Pause eingewechselte Taisuke Akiyoshi köpft ein. Die Kroaten haben den kleinen Japaner in ihrem Rücken sträflich alleine gelassen.

Sturm ist weiter die klar stärkere Mannschaft und die Kroaten haben, wie eigentlich über die gesamte Spielzeit, nichts entgegenzusetzen, außer ihre wuchtigen Körper. Simon Piesinger feuert zehn Minuten vor Schluss einen von ihm selten gesehen Schuss auf das Gehäuse von Sluga, der diesen nur mit Mühe parieren kann. Auch der anschließende Eckball birgt Gefahr, Beichlers Schuss aus dem Rückraum wird aber geblockt. Akiyoshis Treffer sollte dennoch nicht der letzte am heutigen Abend bleiben, denn nach einem Eckball von Thorsten Schick steigt der mit einer Größe von 1,92 Metern gesegnete Piesinger am höchsten und wuchtet den Ball per Kopf ins Netz. Bis zum Schlusspfiff tut sich nichts mehr. Sturm kombiniert weiter schön und streut einige Gustostückerl ein, die Kroaten haben bereits resigniert. Michael Madl muss wenige Sekunden vor Ende noch mit Nasenbluten vom Feld, dann pfeift der Schiedsrichter auch schon ab.

Am Ende gewinnt Sturm Graz dieses Testspiel gegen selten gefährlich werdende Kroaten und konnte sich mit der ein oder anderen sehenswerten Aktion Szenenapplaus sichern. Franco Foda feiert nach seinem Comeback seinen zweiten Sieg im zweiten Spiel und hat doch für die eine oder andere kleine Überraschung gesorgt, etwa Michael Madls Auftritt als Sechser oder Thorsten Schick in der Abwehr. Und auch vor der Pause hatte Foda Offenbacher offensiver ausgerichtet als sein slowenischer Vorgänger, dieser dankte es ihm mit einer starken Leistung. Zum drüberstreuen konnte Christian Gratzei zum zweiten Mal in Folge ohne Gegentreffer bleiben, wurde allerdings auch nie wirklich gefordert. Alles in allem ein hochverdienter Sieg der Blackies, nun heißt es, im Auswärtsspiel gegen den Tabellenletzten SC Wiener Neustadt nachzulegen. Die Trikotfarben würden passen, gegen ein Déjà-Vu gäbe es nichts einzuwenden.

SK Sturm Hz. 1:
Gratzei – Todorovski, Barbaric, Spendlhofer, Klem – Piesinger- Schick, Offenbacher, Beichler, Schloffer – Djuricin

SK Sturm Hz. 2:
Gratzei – Schick, Barbaric, Spendlhofer, Klem – Akiyoshi, Piesinger, Offenbacher, Beichler – Tadic, Djuricin