Glanzparade

Shiny Happy Faces

Vor etwas mehr als zwei Wochen wurde Franco Foda als neuer Sturm-Trainer präsentiert. Doch noch bevor vollste Konzentration auf das Sonntagsspiel gegen Wiener Neustadt gerichtet werden sollte, wirft eine Geschichte im Weekend-Magazin doch so einige Fragen auf.

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© Sturm12.at

Foda, die Dritte! So würde es im Kinojargon heißen. Und nach dem hart erkämpften Sieg gegen den SV Grödig klappte es mit dem Trainereffekt insofern, als dass die Heimfans endlich wieder über drei Punkte jubeln konnten. Neo-Leeds-Trainer Darko Milanic konnte in der Ferne ansprechendere Leistungen ercoachen als in Liebenau – doch da macht Sturm ja bekanntlich die Kohle. Foda war immer eher ein Heimcoach, dementsprechend erfreulich endeten auch Stadionbesuche, die Fans kamen in ordentlichen Portionen Sturm schauen. Bis zu dem Zeitpunkt als gar nix mehr lief, der Meistertrainer vor die Tür gesetzt wurde und Thomas Kristl Interimscoach spielen musste. Der Rest ist Geschichte. Was nun folgte, war eine Comeback-Story wie sie Reverend George Foreman nicht besser hätte schreiben können.

Nun ist er also zurück – ob man das gut findet oder nicht. Doch bevor der Sturm-Bus in Richtung Wr. Neustadt rollt und der Sport wieder das Hauptthema sein darf, rückt die Art und Weise der Trainerbestellung nochmal in den Fokus. Denn jenseits der doch eher lustigen Versprecher und widersprüchlichen Verbaltölpeleien der Sturmfunktionäre bezüglich der Foda-Bestellung, stellte das Weekend-Magazin am gestrigen Mittwoch eine Geschichte zur Trainerbestellung online. Und in der raschelt es ordentlich. Natürlich kommt die Frage auf, wieviel davon für bare Münze zu nehmen ist. Es ist auf alle Fälle bedenklich, dass es jenseits der shiny happy faces bei der Foda’schen Pressekonferenz zum Amtsantritt, hinter den Kulissen offensichtlich weit weniger “einstimmig” zuging, als dort verlautbart wurde.

Extrem auffällig dabei: Wenn nur Teile davon stimmen, wie von Herrn Eichenauer beschrieben, ist das Gesprächsverhältnis hinter verschlossenen Türen doch eher unterkühlt als einstimmig. Ach ja, verschlossene Türen. Eichenauer stellt Aussagen diverser Vorstandsmitglieder per Zitat in seine Story, wie die von Neo-Vorstand Robert Adam, zufällig auch Sponsor von Franco Foda, der eben auch diesen als Coach vorgeschlagen haben soll. Entweder hat Eichenauer gute Kontakte bis in den Vorstand hinein oder vieles daran ist unwahr. Die Konsequenzen könnten dann auch für das Weekend-Magazin unangenehm sein. Und dass es sich lediglich um einen der schlechten Wirtschaftslage von Printmedien geschuldeten medialen Querschuss handelt, bei dem man sich später auf Werbeebene ausgleichend einigen könnte, ist nur wage Vermutung. Der Verein hat bisher auf alle Fälle keine Stellungnahme zu der Story abgegeben: “Das Weekend Magazin gab Generalmanager Gerhard Goldbrich und Präsident Christian Jauk die Gelegenheit zur Stellungnahme. Beide dementierten.” Auch das darf man zumindest als eigenartig einstufen.

Politisch betrachtet weht weiterhin auf alle Fälle ein rauer Ton in Messendorf. Das Kartenhaus von Christian Jauk steht am Rande des Spieltisches einer Gruppe hyperaktiver Dreijähriger. Eine mögliche Folge daraus: Gerhard Goldbrich könnte zukünftig eher “generell” Manager sein, sich zunehmend um Alltagsangelegenheiten, um “Allgemeines”, kümmern. Auch wenn das Spekulation ist, steht fest: Foda ist viel zu akribisch und konsequent, dass er Wurschteleien und Phrasendrescherei duldet. Auch viel zu erfolgsorientiert. Keine schlechte Eigenschaft, möchte man meinen, doch wenn daraus dann wieder das klassische Foda’sche Machtvakuum entsteht, wird es eng für den Generalmanager. So gesehen fürchte ich für ihn, dass aus seiner Sicht die Bestellung Fodas ein Schuss ins Knie war. Inwiefern Foda zum Teamplayer gereift ist, bleibt abzuwarten.

Man darf es ihm gar nicht so übel nehmen, dass er in seiner zweiten Amtszeit bei Sturm viele Kompetenzen an sich gerissen hat. Das war anscheinend notwendig, um erfolgreich zu sein. Und Meister ist er geworden, aber auch danach zerschellt als es nimmer lief. Dass aber nach dem versuchten Umbruch im System des Vereins wieder ein derartiges Machtvakuum riskiert wird, kann nur zwei Dinge bedeuten: Entweder wird Foda Glauben geschenkt und er hat sich um sich 180 Grad gedreht, glaubt an die vorhandenen Kompetenzen im Verein und ist bereit kooperativ zu sein. Oder der Verein rund um Jauk hat in Bezug auf sein Führungspersonal prophylaktisch resigniert und akzeptiert das Comeback des Machtvakuums und des Patriarchendenkens.

Am kommenden Sonntag kehrt Franco Foda mit Sturm also nach Wr. Neustadt zurück. Dorthin, wo 2011 eigentlich klar wurde, dass Sturm nur durch eine Verkettung von unglückseligen Zufällen in Graz, den Titel gegen Innsbruck noch verspielen wird können. Nach Wr. Neustadt, wo Ex-Sturmkicker Edin Salkic “die Hand Gottes” ausfuhr und Samir Muratovic den folgenden Elfmeter ungefährdet zum 2-1 einnetzte. Dort, wo tausende Sturmfans hinpilgerten, um das unverhoffte Wunder Meistertitel zu ermöglichen. Dort soll Foda den SK Sturm in eine vom System her moderne, mutige Ära führen. Hat man uns versprochen! Vom spielerischen Potential ist das sicherlich möglich, und der Test gegen Zagreb zeigte auch, dass er gute Optionen in der Hinterhand hat. Positives Denken ist angesagt. Positives Denken, das einem im Bezug zu den Leitfiguren im Verein fast vollständig abhanden gekommen ist. Viel Glück, Kraft, Ausdauer und Geduld für ihre dritte Sturmcoach-Ära wünsche ich Ihnen von ganzem Herzen, Herr Foda. Ich fürchte, sie werden all das brauchen können!