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Wiener Neustadt vs. Sturm

Festgesperrt im Mittelmaß

Zweites Pflichtspiel unter Franco Foda, erstes Remis. Sturm trennt sich gegen Wiener Neustadt leistungsgerecht 0:0. Die Grazer verpassen die große Chance als ein Gewinner der Runde hervor zu gehen. Symptomatisch für das Spiel: Marco Djuricin holt sich eine unnötige fünfte Gelbe Karte und ist im Schlager gegen Rapid Wien gesperrt.

Sturm Graz gastiert unter Franco Foda im Oktober 2014 beim SC Wiener Neustadt. Obwohl dieses Szenario nach seinem Rauswurf vor zwei Jahren wohl nicht viele für möglich hielten, sollte es am Nachmittag des 19. Oktober, einem lauen Herbst-Sonntag, eintreten: Franco Foda und Sturm waren beim traditionellen Abstiegskandidaten Nummer eins zu Gast. Mit Neustadt ging es gegen einen Gegner, der für den Mainzer und alle Sturm-Fans untrennbar mit positiven Erinnerungen verbunden ist, die jüngste ergebnistechnische Vergangenheit war gegen die Truppe von Heimo Pfeifenberger aber wenig rosig. Das wussten auch die Niederösterreicher, die im Vorfeld der Partie ihre Gegner, mir nix dir nix, auf der hauseigenen Homepage in drei Gruppen einteilten: In Klubs, die ihnen gar nicht liegen, Duelle mit ungewissem Ausgang und Teams, gegen die man „ausgesprochen viele Erfolge“ feiern durfte. „Und zu dieser letzteren Gruppe gehört erfreulicher Weise auch unser aktueller Gast, der SK Sturm Graz“, durfte man da lesen. Gänzlich Unrecht hatte der Autor dieser Zeilen damit nicht, denn von den vergangenen sieben Ligaspielen gegen die Blauen konnte Sturm lediglich zwei gewinnen, nie ging eine Partie Unentschieden aus. Statistik-Vorteil für Neustadt also.

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Im Vergleich zum Heimsieg gegen Grödig würfelte Foda seine Stammformation – gezwungenermaßen – ziemlich um und entschied sich für die wahrscheinlich naheliegendste Aufstellungsvariante. Michael Madl und Marko Stankovic fehlten gelbgesperrt, an ihrer Stelle liefen Tomislav Barbaric und der zuletzt gesperrte Daniel Beichler auf. Simon Piesinger ersetzte den erkrankten Daniel Offenbacher in der Mittelfeldzentrale. Für Taisuke Akiyoshi, der sich beim Test gegen Lokomotiva Zagreb mit einer starken Halbzeit empfahl, blieb wie für Sandi Lovric anfangs wieder einmal nur der Platz auf der Bank.

Unter Druck
“Wiener Neustadt ist besser als es der Tabellenplatz zeigt”, sagte Franco Foda beim Mediabriefing am Freitag. Der Deutsche schwang mit dieser Hommage mutmaßlich nur die „Respekt für den Gegner“-Keule, in Wiener Neustadt kennt man diese Form des Anstands nicht. Das Kellerkind der Liga beginnt wenig gastfreundlich, sogar ziemlich despektierlich, Herbert Rauter prüft nach nur vier Minuten mit einem zentralen Schuss Sturm-Goalie Christian Gratzei. Minuten später vergibt der umtriebige Rauter, nachdem Barbaric übermütig den Ball vertändelt, die große Chance auf das 1:0. Sein Rechtsschuss von der Strafraumgrenze streicht knapp einen Meter am linken Pfosten vorbei. Zuvor sahen die mitgereisten Sturmfans den ersten ernstzunehmenden Angriff der Blackys: Thorsten Schick wird von Daniel Beichler mit einem schönen Lochpass in Szene gesetzt, doch der Rechtsaußen, der immer wieder mit seinem Pendant David Schloffer die Seiten wechseln sollte, wird richtigerweise wegen Abseits zurück gepfiffen. Einem kurz abgespielten Eckball von Wiener Neustadt überzuckert Marco Djuricin und leitet damit den schnellen Konter ein, doch jener wird zu wenig präzise fertiggespielt und verendet bei Goalie Thomas Vollnhofer.

Der Tabellenletzte bestätigt in der ersten Viertelstunde Franco Fodas Einschätzung irgendwie doch, denn die Niederösterreicher präsentieren sich keinesfalls wie ein Ligaschlusslicht, sind in den ersten Minuten giftig und in den meisten Aktionen einen Schritt schneller. Sturm wird am fremden Platz weit in die eigene Hälfte hineingedrückt, ist meist nur am Reagieren. Der Plan von Heimo Pfeifenberger, Sturm mit den schnellen Flügeln Osman Ali und Kristijan Dobras unter Druck zu setzen, geht auf. Die Grazer haben mit dem schnellen Umschaltspiel ihre Liebe Not.

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0:0 für Sturm
In der 22. Minute trägt Sturm nach einer Abseits-Position von Wiener Neustadt einen Angriff blitzschnell mit One-Touch-Fußball vor, der “Badboy” der Fußball-Bundesliga, Dennis Mimm, rettet kurz vor dem wahrscheinlich durchbrechenden Marco Djuricin. Und während auch in der Folge eine klare spielerische Linie von Sturm nicht erkennbar ist, begnügen sich die Blauen mit einfachem, schnörkellosem Spiel im Rahmen ihrer bekannten Möglichkeiten. Doch dies reicht aus, um in Halbzeit eins die weit gefährlichere Mannschaft zu sein. Und gerade als Solostürmer  Djuricin zunehmend unruhig wird, weil von seinen Nebenleuten nicht gerade viel kommt, lupft der aus dem Nationalteam-euphorisierte Anel Hadzic den Ball gefühlvoll aus dem Halbfeld in die Spitze auf Djuricin, der seinen schönen Volleyschuss knapp eine Handlänge über die Latte setzt. Während Hadzic sich zeitweise im Stile eines David Alaba im Nationalteam zwischen die Innenverteidiger fallen lässt, um das Spiel zu eröffnen, feiert Christian Gratzei eine gelungene Imitation von Alabas Bayern-Kollegen Manuel Neuer: Gratzei kommt auf Connor O’Briens Flankenball aus seinem Gehäuse und grätscht Osman Ali den Ball gerade noch so weg.
Wiener Neustadts Anfangseifer verpufft gegen Halbzeitende zunehmend und so kommt Sturm ein wenig auf, ohne jedoch richtig gefährlich zu werden. Die Niederösterreich verhindern das von der Idee her schnell in die Tiefe ausgelegte Grazer Angriffsspiel jedoch großteils geschickt und verzeichnen ihrerseits die letzte gefährliche Aktion in Halbzeit eins: Dobras zieht aus relativ spitzem Winkel aus knapp 20 Metern schlitzohrig ab, der Ball tropft von der Außenstange der Querlatte ins Toraus und Sturm wähnt sich glücklich, zur Pause im Stadion Wiener Neustadt nicht zurück zu liegen.

Bemühen
Apropos Stadion Wiener Neustadt: Dort hat man am Mittwoch Pläne für einen Neubau vorgestellt. Der zuständige Sportstadtrat rechne mit Investitionskosten von etwas mehr als 14 Millionen Euro. Aber das nur am Rande, denn nach Wiederbeginn nimmt das träge Offensivspiel von Sturm ein wenig Fahrt auf: Thorsten Schick zirkelt den ersten Eckball für Sturm schön auf die kurze Stange, wo Barbaric mit dem Kopf zur Stelle ist, seinen Aufsetzer jedoch hauchdünn an der rechten Stange vorbeisetzt. Wie so oft in jüngster Zeit, folgt aus einer Standardsituation die bis dahin beste Sturm-Chance des Spiels. Wenig später folgt der erste Schockmoment aus schwarz-weißer Sicht: Djuricin versucht sich im Laufduell mit Mimm regelwidrig mit dem Ellbogen einen Vorteil zu verschaffen und sieht zum fünften Mal in dieser Saison Gelb. Der sechsfache Ligatorschütze fehlt damit im Schlager gegen Rapid Wien. Sturm arbeitet danach fieberhaft an einem Grödig-Revival, man ist sichtlich bemüht einer schwachen ersten Hälfte eine bessere zweite folgen zu lassen. Erst streicht ein Schuss von Anel Hadzic über die Latte, wenig später tut es ihm Daniel Beichler gleich. Djuricin hatte sich schön in den Strafraum gedribbelt und auf Daniel Beichler quergelegt. Auf der Gegenseite präsentiert sich der völlig allein gelassene Rauter ebenso abschlussschwach und haut die Kugel aus 17 Metern mit links meterweit über das Tor.

Folgeschwere Gelbe
Sturm Graz hat in dieser Phase zwar leichte spielerische Vorteile, dies liegt neben einer kleinen Steigerung aber wohl hauptsächlich daran, dass die heuer traditionell wenig konstanten Neustädter zunehmend ihrem Tabellenplatz angemessen spielen. Hochkarätige Chancen sieht Präsident Christian Jauk auf der Tribüne weiterhin nicht, jedoch eine weitere gelbe Karte – die insgesamt fünfte – für David Schloffer. Ob der blassen Vorstellung erscheint seine Sperre jedoch weit weniger schmerzvoll, als jene von Djuricin. In der 72. Minute wird Schloffer von Wandervogel Josip Tadic ersetzt, Beichler rückt auf den rechten Flügel. Am vor sich hin plätschernden Spielgeschehen ändert das wenig, eine leistungstechnische Steigerung wie gegen Grödig bleibt diesmal aus. Weil Lukas Spendlhofer in der 81. Minute Christian Klem den Ball an den angelegten Oberarm spitzelt, reklamieren die Niederösterreicher einen Strafstoß, den ihnen Schiedsrichter Dietmar Muckenhammer zu Recht verweigert. In der 84. Minute vergibt Djuricin jene Art von Chance, die man verwerten muss, um in einem über weite Strecken mauen Auswärtsspiel trotzdem siegreich vom Platz zu gehen: Nach Schicks Eckball kommt der Ball über Umwege und Mimms karges Haupthaar in den Rücken des Goalgetters, der die Kugel aus der Drehung am rechten Eck vorbei haut. In der 88. Minute kommt noch Taisuke Akiyoshi zu einem kurzen Ligadebüt gegen das im Finish körperlich taumelnde Tabellenschlusslicht, wenig später verdient sich Sandi Lovric noch ein wenig Punkteprämien-Taschengeld und ersetzt Daniel Beichler. Zu allem Überfluss verliert Hadzic relativ unnötig den Ball , der bereits verwarnte Barbaric lässt Gegenspieler Tieber auflaufen und schleicht mit hängenden Schultern vom Platz. Sein Ausschluss reiht sich nahtlos in sein bis dato völlig verunglücktes Sturm-Engagement ein. Am Ende steht eine verdiente Punkteteilung zweier Teams auf Augenhöhe, über das sich Wiener Neustadt mehr freuen kann als Sturm. Die Grazer hingegen verpassen aufgrund einer schwachen Offensivleistung die große Chance, mit einem Auswärtssieg neben den Salzburger Teams als großer Gewinner der Runde hervor zu gehen und müssen im Schlager gegen Rapid auf ihren einzigen Torjäger verzichten.

Wiener Neustädter Stadion 12. Runde Zuschauer: 3.150

SC Wr. Neustadt
19.10.2014, 16:30 Uhr
0:0
(0:0)

SR: Dieter Muckenhammer

Sturm Graz
Spieler Karten Spieler
Tomislav Barbaric (Gelb)33. Minute
Simon Piesinger (Gelb)48. Minute
David Schloffer (Gelb)69. Minute
75. MinuteDaniel Maderner (Gelb)
79. MinuteLukas Denner (Gelb)
Anel Hadzic (Gelb)86. Minute
Tomislav Barbaric (Gelb/Rot)90. Minute
Spieler Aufstellung Spieler
Tormann - Thomas Vollnhofer   Christian Gratzei - Tormann
Abwehr - Dennis Mimm   Martin Ehrenreich - Abwehr
Abwehr - Matthias Sereinig   Christian Klem - Abwehr
Abwehr - Mario Pollhammer   Lukas Spendlhofer - Abwehr
Mittelfeld - Conor O\'Brien   Tomislav Barbaric - Abwehr
Mittelfeld - Abd Al Rahman Osman Ali   Simon Piesinger - Mittelfeld
Mittelfeld - Kristijan Dobras   David Schloffer - Mittelfeld
Mittelfeld - Lukas Denner   Daniel Beichler - Mittelfeld
Mittelfeld - Christoph Freitag   Thorsten Schick - Mittelfeld
Angriff - Daniel Maderner   Anel Hadzic - Mittelfeld
Angriff - Herbert Rauter   Marco Djuricin - Angriff
Spieler Wechsel Spieler
Josip Tadic für David Schloffer 72. Minute
73. Minute Daniel Schöpf für Abd Al Rahman Osman Ali
80. Minute Reinhold Ranftl für Christoph Freitag
86. Minute Michael Tieber für Daniel Maderner
Taisuke Akiyoshi für Marco Djuricin 89. Minute
Sandi Lovric für Daniel Beichler 91. Minute