Hadzic_Neustadt
© SturmTifo.com

Spielercheck

Antreiber in Ausbildung

Torlos in Wiener Neustadt, dazu in Hälfte eins ziemlich unter Druck. Sturm Graz konnte die Länderspielpause nicht für eine Leistungssteigerung nutzen. Der Spieler des Tages ist ein Akteur, der keine Pause hatte.

Ein 0:0 der mageren Sorte lieferte Sturm Graz am gestrigen Sonntagnachmittag in Wiener Neustadt ab. Trotz der zweiwöchigen Länderspielpause war die gestrige Leistung der Schwarz-Weißen gegen den Tabellenletzten kollektiv schwächer als jene beim Heimspiel gegen den SV Grödig. Aufgrund der Leistung und der fehlenden Disziplin – Stichwort unnötige Gelbe Karten –  war es schon einmal leichter, einen Blacky of the Match zu küren. Die Wahl fiel letztendlich auf den einzigen Akteur, der keine Pause hatte und in diesen zwei Wochen pflichtspielmäßig unterwegs war: Anel Hadzic. Mit dem bosnischen Nationalteam tankte der 25-Jährige als Innenverteidiger Selbstvertrauen und sollte jenes auch – vor allem zu Beginn – gegen Wiener Neustadt in der gewohnten Sechser-Position unter Beweis stellen. Das Spiel wirklich an sich reißen konnte jedoch auch Hadzic nicht, mangels Alternativen reicht eine solide Leistung dennoch zum besten Sturm-Spieler.

Spielercheck_neu_Note_3

 

Anel Hadzic
Kam mit viel Selbstvertrauen vom bosnischen Nationalteam zurück und wird immer mehr zum Antreiber im Grazer Spiel. Man merkte ihm die Unzufriedenheit über die magere Leistung an, lieferte sich zudem ein hitziges Wortgefecht mit Neustadt-Stürmer Daniel Maderner und brachte damit ein wenig Emotion ins ansonsten Adrenalin- arme Spiel. Ließ sich manchmal im Stile von David Alaba im Nationalteam zwischen die Innenverteidiger fallen, um das Grazer Spiel zu eröffnen. War dann plötzlich wieder offensiv zu finden, wie kurz vor der Halbzeitpause, als er Djuricins Knapp-drüber-Volleyschuss vorbereitete und den Ball gefühlvoll aus dem Halbfeld in die Spitze chippte. Er könne aber noch viel mehr, als das bisher im schwarz-weißen Trikot gezeigte, meinte Franco Foda. Das meinen wir auch. Sehnt sich bereits wieder Nationalteamzeiten herbei, postet auch am Montag noch immer Fotos auf Facebook davon.

Lukas Spendlhofer 
Der 21-Jährige wirkte nicht so souverän wie in den vergangenen Partien, was vermutlich auch an seinem Nebenmann lag. Seine Fehlerquote war gestern ein weniger höher, Spendlhofer war jedoch gemeinsam mit Hadzic praktisch der Alleinunterhalter im Grazer Spielaufbau. Spielte die Partie ohne gröberen Schnitzer runter. Die Leihgabe von Inter Mailand kann momentan dennoch zufrieden sein, ist doch momentan ganz klar einer der beiden besten Innenverteidiger im Grazer Kader. Verlor keinen seiner sieben Zweikämpfe, sah deshalb keine Gelbe Karte.

Christian Gratzei
Nahm in der ersten Hälfte bei einem Ausflug volles Risiko, und grätschte O’Briens Flankenball gerade noch vor den Füßen von Osman Ali weg. Feierte dadurch eine gelungene Imitation von Welttorhüter Manuel Neuer. Weil die Wiener Neustädter Angreifer vor allem in Hälfte eins zwar viel Offensivdruck entwickelten, jedoch ungenügend zielten, musste Gratzei nicht oft entscheidend angreifen. Abschläge üben sollte dennoch auf der täglichen To-Do-Liste stehen.

Spielercheck_neu_Note_2,5

 

Martin Ehrenreich
Stand nach zehneinhalb Monaten zum zweiten Mal wieder in einem Pflichtspiel auf dem Platz. Die fehlende Spielpraxis merkte man ihm an, der 31-Jährige hatte vor allem zu Beginn mit dem quirligen Osman Ali so seine Probleme, stellte denselben mit Fortdauer der Partie mit körperlicher Präsenz kalt. Spielte dennoch gegen Grödig besser und damit allen Anschein nach Aleksandar Todorovski aus der Startelf. Franco Foda stellte trotzdem gegenüber Sky klar: „Bei mir gibt es keinen Bonus.“

Christian Klem
War wie die gesamte Sturmmannschaft in Hälfte eins defensiv nicht immer im Bilde, unter seinen vier verlorenen Zweikämpfen (von 13 geführten) war kein entscheidender dabei. Das Bemühen ist dem Christian Klem ja immer anzumerken, schaltete sich ab und an relativ glücklos in die Offensive ein, hatte jedoch schon einmal einen stärker aufspielenden Vordermann.

Thorsten Schick
Der einzige Sommereinkauf, der sich bisher bezahlt gemacht hat. Schick arbeitet viel, wirkt sehr agil, spielfreudig und spritzig. Gestern allerdings weniger. War in Vertretung von Offenbacher der Mann für die ruhenden Bälle, die meist gar nicht schlecht kamen: Wie in Minute 50, als Barbaric beinahe den Vujadinovic gab. Ansonsten  wie der Rest des offensiven Mittelfeldtrios unauffällig, was bei Offensivspielern meist nichts Gutes heißt.

Simon Piesinger
Vertrat den erkrankten Daniel Offenbacher im Rahmen seiner Möglichkeiten. Ihm spielerische Defizite zu attestieren, ist fachlich wohl korrekt, dem Spieler Piesinger gegenüber jedoch unfair: Jeder Fußball-TV-Heavy-User weiß, was Simon Piesinger zu leisten im Stande ist, 192 cm große Dribblanskis gibt es nicht gerade viele. Verlor von seinen 20 Zweikämpfen knapp die Hälfte, überraschte jedoch mit einigen guten Pässen in die Spitze. Sah eine Gelbe Karte.

Marco Djuricin
Hing in der ersten Hälfte ziemlich in der Luft, holte sich die Bälle zunehmend mannschaftsdienlich aus dem Mittelfeld. Hätte in einigen Momenten abspielen können, tat das aber nicht, was weniger mannschaftsdienlich war. Hätte mit dem Verwerten von zumindest einer seiner zwei guten Möglichkeiten wie gegen Grödig für drei Punkte sorgen können. Hätte damit wohl wieder ohne den ganz großen Glanz Blacky of the Match werden können. Setzte im Zweikampf gegen Mimm unnötig den Ellbogen ein und sah daher folgerichtig die Gelbe Karte. Es war seine fünfte, was ziemlich schmerzt. Noch mehr, weil der nächste Gegner Rapid Wien heißt. Meinte nach dem Spiel, dass Fußball so keinen Spaß mache. Ist aber froh, dass man in Graz ungestört in der Nase bohren darf. Agierte nach der Einwechslung von Tadic ein paar Meter hinter demselben.

Spielercheck_neu_Note_2

 

David Schloffer
Sah, wie Djuricin, eine ziemlich unnötige Gelbe Karte. Sah, wie Djuricin, seine fünfte in der laufenden Saison und wird sich daher, wie Djuricin, das Match von der Tribüne aus ansehen müssen. Hat ein Abonnement auf Leistungsschwankungen, absolvierte nach seinem guten Grödig-Match wieder ein schwächeres. Wurde in der 72. Minute von Wandervogel Josip Tadic ersetzt.

Daniel Beichler
Bemüht, im Zweikampf (9 gewonnen, 12 verloren) aufgerieben und im Abschluss – wie bei seiner Großchance in Minute 62 – ohne Konsequenz, so lässt sich Daniel Beichlers Leistung zusammenfassen. Dürfte im Training gegenüber Taisuke Akiyoshi den besseren Eindruck gemacht haben, ob er auch ohne die Sperre des seit Wochen angeschlagenen Marko Stankovic von Anfang an gespielt hätte, kann nicht seriös beantwortet werden. Ortete nach dem Spiel ein mentales Problem und sagte: „Bei uns geht es nur um den Kopf.“ Verzichtete diesmal auf zu ausgefeilte Flugeinlagen, sah deshalb keine Gelbe Karte.

Spielercheck_neu_Note_1,5

 

Tomislav Barbaric
Durch die Gelbsperre von Michael Madl wieder in die Mannschaft gerückt, präsentierte sich der Kroate behäbig und fehlerbehaftet. Verlor in Halbzeit eins völlig dilettantisch den Ball und ermöglichte Herbert Rauter damit eine Riesen-Chance. Ließ nach einem unnötigen Gelbfoul in der Offensivhälfte in Halbzeit eins in der Schlussminute der Partie Neustadts Tieber auflaufen und wurde daraufhin mit Gelb-Rot vom Platz verwiesen. Steigerte sich in Halbzeit zwei laut Foda, die Statistik hält 80 Prozent verlorene Zweikämpfe dagegen. Was haften bleibt, ist sein Ausschluss in der Schlussminute. Reiht sich damit nahtlos in sein bis dato völlig verunglücktes Sturm-Engagement ein. Setzte sich in der 50. Minute bei einem Offensiveckball schön durch, den Ball jedoch hauchdünn am rechten Pfosten vorbei. Bekommt nur deswegen anderthalb Bälle.

Zu kurz eingesetzt: Josip Tadic (unauffällig), Taisuke Akiyoshi (Bundesligadebüt; siehe Zeilenbeginn), Sandi Lovric (siehe Absatzbeginn)

Anmerkungen
Die Leistung der Sturm-Spieler wird anhand von Bällen bewertet. Die höchste Bewertung sind dabei fünf Bälle, die niedrigste Bewertung ist ein Ball. Eine durchschnittliche Leistung ist mit drei Bällen gleichzusetzen, die auch den Ausgangs- bzw. Basiswert darstellen. Das Ergebnis ergibt sich dabei aus der gemeinsamen Diskussion der Sturm12.at-Redakteure, bleibt aber letztlich subjektiv.

Ein Spielercheck von Marc Eder und Katharina Siuka.