© SturmTifo.com
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Mitgliederinformationsabend

Mitgliedsgeschenk

Von einer neuen Seite zeigte sich Sturm Graz am Dienstagabend. Man gab den Anhängern Einblick in Vereinsstrukturen, versuchte sich von der besten Seite zu präsentieren und übte sich in Selbstkritik.

Die Spannung im Vorfeld des Mitgliederinformationsabends in der Raiffeisenlandesbank in Raaba war groß. Geht es etwa um den gerade erst neu bestellten Trainer Franco Foda? Zaubert der Verein nach der für viele unerwarteten Trainerverpflichtung nach wenigen Wochen bereits die nächste Überraschung aus dem Hut? Gibt es eine Fahrplanänderung im sogenannten Drei-Jahres-Plan? Nein. Der Sportklub Sturm veranstaltete einen Abend für seine Mitglieder, bei dem er sich diesen von einer neuen Seite präsentierte. Ziel sei es, so Generalmanager Gerhard Goldbrich im Vorfeld der Veranstaltung, die “Treuesten der Treuen” von jenen Strukturen und Vorgängen im Verein zu informieren, die sie sonst nicht zu sehen bekommen. Außerdem bot man den gut 300 anwesenden Mitgliedern eine angemessene kulinarische Verpflegung mit Wiener Schnitzel, Gulasch und Bier. Die Programmgestaltung wirkte professionell. Durch den langen Abend führte der Fanmanager und Marketingbeauftragte Reinhard Hochegger. Den Bühnenschmuck im großen Saal hatte man dezent gewählt, eine Sturmfahne rechts der Bühne, das Logo rechts, dazwischen ein Rednerpodest und eine Couch, im Hintergrund eine Leinwand mit Live-Saalbild auf der einen, Präsentationsfolien auf der anderen Seite. Den langwierigen Verlauf der Veranstaltung versuchte man mit Videoeinspielungen und Animationen zu verkürzen.

Ehre, wem Ehre gebührt
Der erste Teil des Abends war jenen gewidmet, die dem SK Sturm seit Jahren die Treue halten. All jene Mitglieder, die das 20., 30., 40. oder 50. Jubiläum ihrer Mitgliedschaft feierten, wurden vom Verein geehrt, erhielten je nach Dauer der Mitgliedschaft kleine Präsente wie Anstecknadeln, Weinflaschen oder Trikots bzw. Eintrittskarten für Spiele des Vereins. Geehrt wurden auch jene, die bereits länger als 50 Jahre Vereinsmitglied sind. Das älteste Mitglied, Hans Schabus, 93 Jahre alt und zudem auch noch der älteste noch lebende Spieler des Klubs, fehlte allerdings, musste  absagen. Insgesamt ehrte der Verein 85 Personen für ihre jahrelange Treue. Stolz war der Präsident, dass es in den letzten Monaten einen Zuwachs von 300 Mitgliedern gab, womit der Sportklub Sturm nun insgesamt 1.700 eben dieser verzeichnen darf.

Selbstreflexion des Präsidenten
Die weitere Gestaltung gliederte man wiederum in drei Abschnitte. Zuerst ergriffen Präsident Christian Jauk und der Vorstand das Wort. Jauk zog sein Resümee über gut zwei Jahre Präsidentschaft, sprach davon, dass sich einiges verändert hat. Viele Herausforderungen und eine hohe Erwartungshaltung hätte es gegeben und man habe nicht die sportlichen Ziele erreicht, die man sich gesteckt hatte. Oft wäre nicht nur Gegenwind sondern “Gegensturm” vorhanden gewesen. Die Zeit sei keine einfache gewesen, meint der Präsident, räumt zeitgleich auch Selbstkritik ein. Auch einige Fehlentscheidungen hätte es gegeben:

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Auf der anderen Seite zog Jauk aber auch eine positive Bilanz. Vor allem auf die Jugendarbeit und insbesondere die Sturm Amateure könne man stolz sein. Zudem unterstrich er die erhöhte Internetpräsenz des Klubs in den vergangenen beiden Jahren und lobte die, wie er selbst sagt, vorbildliche Struktur des Vereines. Künftig wolle sich die Bundesliga am SK Sturm orientieren, und diese Strukturen für alle Vereine in der obersten Spielklasse vorschreiben. Diese erläuterte sodann Vorstandsmitglied Gerhard Poppe dem Publikum. Da gäbe es auf der einen Seite die SK Sturm Wirtschafsbetriebe GmbH und die SK Sturm Sportbetriebe GmbH, die sich in vollem Besitz des Vereines befinden und auf der anderen Seite die Fußball Akademie Steiermark – Sturm Graz GmbH, welche man sich mit dem Land Steiermark teilt. Poppe war es auch, der der Anhängerschaft die finanzielle Lage näher brachte. Explizit führte er aus, dass Sturm keine Bankverbindlichkeiten habe und einen operativen Cash Flow von -100.000 Euro im letzten Jahr aufzuweisen hatte. Für das kommende Jahr besitzt man ein Budget von elf Millionen Euro, womit man wiederum ausgeglichen bilanzieren will. Während sich Ernst Wustinger wiederum kurz hielt und davon sprach, die von der Mitgliederversammlung auferlegte Aufgabe, das Logo aus dem Vereinswappen zu entfernen, erfolgreich erfüllt zu haben, bekräftigte das der Präsident noch einmal und räumte ein, dass das möglicherweise noch nicht das Ende war:

Tor zur Stadt gescheitert?
Danach bat man Peter Schaller zu Wort. Er berichtete über das bekanntlich schnell renovierungsbedürftig gewordene Stadion Liebenau. Noch einmal projizierte er die Pläne des “Tors zur Stadt” auf die Leinwand. Seitens des Grazer Bürgermeister hätte man nun die Zusage, das Stadion zu renovieren, die Umgestaltung des Vorplatzes werde aber erst “mittelfristig” realisiert werden. Zwischen den Zeilen heißt das also wohl, dass dieses Projekt gescheitert ist. Vor zwei Wochen allerdings gab es einen “Stadiongipfel” mit den höchsten Vertretern der Stadt- und Landespolitik. Zugesagt wurde eine generelle Sanierung der Arena (Dach, Rasen, Sitze, Sanitäranlagen usw…), eine Modernisierung (Aufwärmzonen, WLAN im gesamten Stadionbereich, Fansektor mit Stehplatztribüne), eine Erhöhung der Stadiontauglichkeit für Spiele der Kategorie vier und Länderspiele sowie eine Erweiterung der Sicherheitsmaßnahmen im und um die Arena. Die Kosten wollen sich Stadt und Land teilen, noch heuer soll es diesbezüglich einen Beschluss geben. Eine Zusage der Stadt gäbe es aber auch, in das gesamte Areal rund um die Eishalle und das Stadion zu investieren. Dementsprechend sei die Notwendigkeit der Stadionsanierung in nächster Zeit umso mehr hervorzuheben. Immerhin wolle man den Stadionbesuch wieder zu einem Erlebnis machen. Und dabei wünscht sich vor allem der Präsident noch einiges:

Der Jugend soll die Zukunft gehören
Danach übernahm der Generalmanager das Mikrofon. Seine Aufgabe war es vor allem zu erklären, wie sich der Verein nun sportlich präsentieren will. Ganz klar möchte man einen Fußballklub haben, der Offensivfußball zeigt und  dessen Herzstück die Jugend bildet. Hierbei unterstrich er die Worte Miteinander, Teamgeist, Fairness. Kam er zwar hie und da von der eigenen Jugendarbeit ins Schwärmen, bekräftigte er zwischendurch aber auch: “Es ist ein Irrglaube, zu sagen, ein Amateurspieler könnte ohne weiters in der Kampfmannschaft spielen. Das ist ein Riesenschritt”. Mit Franco Foda meinte er aber, genau jenen Mann gefunden zu haben, der all diese Forderungen zu einem Ganzen vereinen soll. Und er habe einen Traum:

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Zu rechtfertigen versuchte Goldbrich das Scouting des Vereins. Noch vor kurzem hätte es so etwas im Verein in diesem Maße überhaupt noch nicht gegeben. Im Detail erläutert er, dass es mit Imre Szabics, Hannes Reinmayr, Stojan Rajkovic, Josef Jauck und Dietmar Schilcher nun fünf Scouts gäbe, deren Aufgabe es sei, nach einem Punkte-System Talente für den Verein zu sichten. Außerdem komme im Rahmen ihrer Arbeit auch der Gegneranalyse eine enorme Bedeutung zu. Schließlich erzählte er vom gescheiterten Transfer von Andriy Tkachuk, der zwar nach der Punkteskala entsprach, von dem man aber niemals mehr etwas hörte. So sei der Fußball aber eben. Abschließend bekräftigte der Generalmanager noch, dass man bereits jetzt an der Kaderplanung für die nächste und übernächste Saison sei, mit einem Top-3-Platz in der nächsten Saison ein klares Ziel habe und man die angestrebte Philosophie klar erkennbar machen möchte. Und offiziell gäbe es laut einer Studie 300.000 ausgewiesene Sturmfans in der Steiermark, die es zu versuchen gilt, ins Stadion zu bekommen. Dort wird es ab Samstag übrigens ein neues Stadionmagazin geben.

Den Abschluss bildete der wirtschaftliche Überblick durch Daniela Friedl, ehemals Tscherk, die demnächst wegen Schwangerschaft vorerst ihre Tätigkeit beenden wird. Ganz klar sprach sie an, dass der Zuseherrückgang dem Verein weh getan hat. Dennoch sei es in den letzten zwei Jahren gelungen, 20 Partner mehr an Board zu bekommen, außerdem gäbe es insgesamt neun Premiumpartner. Trotz allem habe man 5.000 Abonnenten, man verkaufe 150.000 Karten pro Jahr und erziele mit etwa 600 Fanartikeln einen Umsatz von gut 600.000 Euro. Wichtig ist für sie aber vor allem das Image von Sturm zu erhöhen, Markenbildung zu betreiben und den Bekanntheitsgrad zu steigern. Für die Sponsoren biete man individuelle Pakete an, insgesamt lukriere man an diesen gut fünf Millionen Euro an Einnahmen. Auch für die Spieler sei die Zeit anstrengender als man glaube, hier und da gäbe es Promotion- und PR-Termine. An erster Stelle stünden aber auf jeden Fall Kundenorientierung und vor allem die Fans.

Zu aller letzt bekamen noch die Mitglieder selbst die Möglichkeit, innerhalb einer Fragerunde das Wort zu ergreifen. Dabei gab es auch kritische Fragen zu hören, etwa wann man denn aufhöre endlich immer den sportlichen Weg zu ändern oder warum man denn nicht härter mit strafrechtlich verurteilten Vereinsschädigern ins Gericht ginge. Nachdem die Diskussion einige Lacher mit sich brachte, bei anderen wiederum die Gemüter erhitzte, beendete Moderator Hochegger nach gut drei Stunden die Veranstaltung und entließ die Mitgliedschaft zum Buffet. In Erinnerung dieses Abends bleibt vor allem ein SK Sturm, der sich zum ersten Mal mit einem neuen und ungewohnten Format präsentierte und  offen für Kritik war, respektive auch Selbstkritik übte. Auch danach waren die Verantwortlichen noch von jedermann für Meinungsäußerungen und Gespräche zu erreichen. Man gab sich eben alle Mühe, sich von seiner besten Seite zu präsentieren.