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Sturm Graz vs. Rapid Wien

Sturm drängt, Rapid trifft

Sturm Graz verliert gegen Rapid Wien mit 1:3. Seit langem sahen in Liebenau wieder über 14.000 Leute zu. Sie sahen Sturm über weite Strecken mit Angriffsdrang spielen, aber auch ineffizient in der Offensive und inkonsequent in der Abwehr. Franco Foda sah die beste Leistung seit seiner Rückkehr. Es hat nicht gereicht.

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“Schön, dass sie heute wieder den Weg zu uns gefunden haben,” begrüßt Stadionsprecher Ludwig Krentl seit nahezu immer die Besucher im Stadion Liebenau. Heute hatten diese Worte einprägenden Charakter. Seit nahezu immer spielte Sturm wieder zwischen vollen Heim-Rängen. 14.349 Leute sahen heute beim Spiel gegen Rapid Wien zu. Viel strapazierte Fahnen, sektorüberspannende Choreo, rauchschwadene Luft – ein würdiges Schlagerspiel in Liebenau. Lange war es herbeigesehnt. Das letzte ausverkaufte Ligaspiel war das Meistertitel-Spiel 2011 gegen Wacker Innsbruck.

Franco Foda entschied sich in diesem Schlager für eine naheliegende Formation. Die gegen Wiener Neustadt Gelbgesperrten Marko Stankovic und Michael Madl rückten wieder in die Startelf. Marco Djuricin und David Schloffer (beide gelbgesperrt) und  Tomislav Barbaric (Last-Minute-Gelb-Rot gegen Wiener Neustadt) nahmen auf der Tribüne Platz. An Stelle von Djuricin stürmte Daniel Beichler. Der nominelle zweite Stürmer im Sturm-Kader, Josip Tadic, startete auf der Ersatzbank in die Partie.

Brisanz
Das Spiel beginnt beinahe so, wie es sich einige Anhänger im Stadion nicht schlimmer vorstellen können. In der 6. Minute geht Florian Kainz aus einem Chaos im Grazer Strafraum hervor, umkurvt Christian Gratzei und schießt an die Stange. Kein Tor vom Ex-Schwarz-Weißen – und Abseits noch dazu. Die Nordkurve pfeift dennoch gellend und ruft dem Rückennumer 14 in Grün-Weiß kollektiv Beschimpfungen zu. Nicht zum letzten Mal an diesem Fußballnachmittag in Liebenau. Auch die zweite Torraumszene spielt sich vor der Nordkurve ab. In der  8. Minute kann Stefan Schwab eine Eckball-Flanke zum Tor nur per Hinterkopf übers Tor köpfen. Genauso brenzlig wird es kurz darauf, als Christian Gratzei nach einer Flanke instanzlos aus dem Tor kommt und die Sturm-Hintermannschaft den Ball vor dem leeren Tor mehrmals geradlinig in die Höhe köpft und den Ball schlussendlich doch wegbringt. Die Anfangsphase beherrscht klar Rapid. Sturm kommt nur spärlich in die Offensivbewegung und muss wenn im Angriffsdrittel abbremsen –  die Heimmannschaft findet keinen Weg in die Tiefe.  Rapid ergeht es in vielen Angriffen zwar gleich, wird aber vor allem durch Standards gefährlich. In der 20. Minute senkt sich ein Freistoß von Steffen Hofmann prekär in den Grazer Fünfer – Christian Gratzei hält den unabgefälschten Aufsitzer fest.

Hektik
Wenn es einer der beiden Mannschaften gelingt, durch die Abwehrreihe zu kommen, dann steht ein Spieler meist im Abseits oder handelt hektisch. Ab Minute 25 ist das bei Sturm der Fall. Die Heimmannschaft findet Zugriff und kann sich mehrmals nach ganz vorne durchspielen. Doch dort steht einmal Daniel Beichler vor seinem Abschluss im Abseits, zweimal handelt Martin Ehrenreich ungeschickt. In der 28. Minute kann der Rechtsverteidiger nach gelungenem Außenrist-Pass von Simon Piesinger in die Schnittstelle der Rapid-Abwehr sprinten – doch er läuft sich unkontrolliert fest. Kurz darauf flankt Ehrenreich aus aussichtsreicher, unbedrängter Position in die Füße eines Gegenspielers. Rapid erweist sich  in solchen Situationen effizienter. Und geht daher in einer Halbzeit, die sich nach der tendenziösen Anfangsphase mittlerweile offen gestaltet, in Führung. In der 36. Minute übernimmt Stefan Schwab eine Flanke von Thomas Schrammel aus dem linken Halbfeld mit dem Kopf – der Ball senkt sich für Gratzei unhaltbar ins Kreuzeck. Sturm zeigt zwar eine Reaktion, kann aber in Halbzeit eins nicht mehr ausgleichen. Thorsten Schick entscheidet sich im Rapid-Strafraum für den Haken, anstatt zu schießen, Stankovic schießt den vor seine Füße abgeblockten Ball gute zwei Meter am Tor vorbei. Weil Rapid abermals in einer Strafraumszene konzentrierter vorgeht und Sturm wie schon beim 1:0, als sich Schwab gegen vier Verteidiger durchsetzen konnte, zögerlich verteidigt, kommt es sogar noch dicker. Robert Beric setzt sich nach einer hohen Flanke zuerst am Sechzehner gegen den fallenden Lukas Spendlhofer durch und kann dann auch noch nach unkreativem Zweikampf mit Michael Madl ins lange Eck abschließen. Nach seinem Treffer greift sich der Slowene mit beiden Händen an die Ohren und wendet sich der Nordkurve zu. Für die Provokation gibt es Gelb von Schiedsrichter Manuel Schüttengruber.

Spannung
Zu Wiederankick reagiert Franco Foda auf den 2:0 Rückstand. Josip Tadic kommt für Piesinger aus der Kabine. Daniel Offenbacher reiht sich eine Reihe weiter hinten ein – neben Anel Hadzic. Von dort sorgt der Zentrumspieler umgehend für einen mächtigen Impuls. Offenbacher schlägt mit Übersicht eine überlegen Flanke auf Schick, der ins Eins-Gegen-Eins gehen kann. Der flinke Flügel ist schneller als sein Gegenspieler und schießt in der 47. Minute per Innenstange zum 1:2 ein. Alles wieder offen. Der Anschlusstreffer verleiht Sturm sichtlich Auftrieb. Die Heimmannschaft hat nun Spiel und Ball für sich – Rapid widmet sich der schnellen Gegenbewegung. Das Spiel pendelt nun in hohem Tempo zwischen beiden Spielhälften. Die Torgefahr geht dabei von Sturm aus. In der 59. Minute muss Tadic zum Ausgleich treffen. Nach Lochpass von Stankovic läuft der Stürmer alleine auf Rapid-Tormann Jan Novota zu und trifft diesen jedoch am Fuß anstatt ins Tor. Sturm drängt aufs 2:2, doch erfolgreich ist wieder Rapid. In der 67. Minute flattert ein Freistoß aus dem Mittelfeld vor das Grazer Tor, Christopher Dibon setzt sich gegen den überrascht wirkenden Tadic im Luftkampf durch und trifft.

Das aus Sturmsicht unglückliche 3:1 ist die Entscheidung. Nach der erneuten Zwei-Tore-Führung von Rapid zerstückelt sich das Spiel. Viele Unterbrechungen, spannungsgeladene Zwists zwischen den Mannschaften und Pfiffe von den Rängen beherrschen das Geschehen. Sturm kommt kaum mehr vor das gegnerische Tor. Franco Foda bringt noch einmal Offensivkraft von der Bank ins Spiel – Andreas Gruber ersetzt Offenbacher. Die Mannschaft spielt nun im 4-1-4-1. Der neue Mann ist es, der für Gefahr sorgt. Gruber kann nach einem Rapid-Eckball an der Mittellinie energisch gegen seinen Gegenspieler den Ball behaupten, Beichler spielt im schnellen Gegenstoß wieder zu Gruber in die Tiefe. Der linke Flügel kann vor dem heraneilenden Novota den Ball nur an die Stange lupfen. Es ist das die letzte Großchance in diesem Spiel. Dennoch tut sich neben dem Wechsel Sandi Lovric für Hadzic noch etwas auf dem Liebenauer Rasen. Beric sieht in der 86. Minute für einen Ellbogeneinsatz im Kopfballduell Gelb-Rot. Er verlässt unter höhnischen Standing Ovations den Platz. Eine Szene mit Seltenheitscharakter und negativer Höhepunkt einer emotionale Schlussphase. Sturm verliert in einer weitgehend offenen Partie mit 3:1. Die andere Mannschaft war effizienter.

Stadion Liebenau 13. Runde Zuschauer: 14.395

Sturm Graz
25.10.2014, 16:00 Uhr
1:3
(0:1)

SR: Manuel Schüttengruber

Rapid Wien
Torschütze (Vorlage) TORE Torschütze (Vorlage)
36. Minute Stefan Schwab ()
44. Minute Robert Beric ()
Thorsten Schick () 47. Minute
67. Minute Christopher Dibon ()
Spieler Karten Spieler
Simon Piesinger (Gelb)13. Minute
18. MinuteStefan Schwab (Gelb)
27. MinuteStefan Stangl (Gelb)
Thorsten Schick (Gelb)31. Minute
44. MinuteRobert Beric (Gelb)
71. MinuteSrdjan Grahovac (Gelb)
86. MinuteRobert Beric (Gelb/Rot)
Spieler Aufstellung Spieler
Tormann - Christian Gratzei   Jan Novota - Tormann
Abwehr - Lukas Spendlhofer   Christopher Dibon - Abwehr
Abwehr - Christian Klem   Stefan Stangl - Abwehr
Abwehr - Michael Madl   Mario Sonnleitner - Abwehr
Abwehr - Martin Ehrenreich   Thomas Schrammel - Abwehr
Mittelfeld - Marko Stankovic   Steffen Hofmann - Mittelfeld
Mittelfeld - Daniel Offenbacher   Louis Schaub - Mittelfeld
Mittelfeld - Simon Piesinger   Thanos Petsos - Mittelfeld
Mittelfeld - Lois Schaub   Stefan Schwab - Mittelfeld
Mittelfeld - Anel Hadzic   Florian Kainz - Mittelfeld
Mittelfeld - Thorsten Schick   Robert Beric - Angriff
Spieler Wechsel Spieler
Josip Tadic für Simon Piesinger 45. Minute
63. Minute Srdjan Grahovac für Steffen Hofmann
Andreas Gruber für Daniel Offenbacher 78. Minute
85. Minute Dominik Starkl für Louis Schaub
Sandi Lovric für Anel hadzic 86. Minute
90. Minute Mario Pavelic für Thanos Petsos