© SturmTifo.com
© SturmTifo.com

Spielercheck

Schick.

Rapid scheint ihm zu liegen. Wie auch schon in seinem ersten Saisonaufeinandertreffen mit der Rapid durfte sich auch gestern Thorsten Schick als einziger Spieler seiner Mannschaft in die Torschützenliste eintragen. Auch sonst zeigte der Flügel Antrieb, Akzente und Aktionen. Der Blacky of the Match ist “Schick.”

© SturmTifo.com
© SturmTifo.com

Sturm Graz 1, Rapid Wien 3. Das Spitzenspiel zum Auftakt hielt über weite Strecken sogar, was es versprach. In einer verhältnismäßig extrem schnell geführten Bundesligapartie wurde beiderseits gerannt, getroffen, gekämpft. Im imposant gefüllten, weil auch ein bisschen Auswärtsfans- und Sumsi-Club geschwängerten Liebenauer Stadion, matchten sich die beiden Traditionsvereine weitestgehend auf Augenhöhe. Das glücklichere und sicher nicht unverdiente Ende fanden aber die Grünen aus der Hauptstadt in einem 3:1-Auswärtssieg. Aufseiten von Sturm konnte man spielerisch das vielleicht beste Heimspiel seit längerem sehen – die personellen Lichtblicke waren trotzdem weder besonders zahlreich, noch besonders hell. Am ehesten hervor stach ein Offensiver, ein Flügelmotor, der einzige Torschütze. Thorsten Schick ist unser Blacky of the Match.

 

Spielercheck_neu_Note_35

Thorsten Schick
Thorsten Schick ist nicht der beste Techniker im Kader der Schwarz-Weißen. Genauso wenig ist er der Schnellste, hat die beste Schussqualität, eine herausragende Spielübersicht, oder den größten Zug zum Tor. Und doch wusste Thorsten Schick (nicht nur) in der Partie gegen Rapid über weite Strecken zu gefallen. Immer wieder konnte er aus den (zugegebermaßen nicht gerade zahlreichen) Zuspielen attraktive Offensivaktionen zu kreieren. Insbesondere beim einzigen Tor der Gastgeber spielte er seine überdurchschnittliche, nicht überragende Schnelligkeit aus und schob den Ball einigermaßen abgebrüht ins lange Eck ein. Und obwohl sein Energiepensum wie in eigentlich allen seiner Sturmspielen nicht wirklich bis zum Schlusspfiff reichen sollte, reichte das davor Gezeigte diesmal zum Blacky of the Match.

 

Spielercheck_neu_Note_3

Martin Ehrenreich
Abfahrt: Eckfahne Süd, Ankunft: Eckfahne Nord, Frequenz: Ab 16 Uhr im Zwei-Minuten-Takt. Martin Ehrenreich zeigte gestern eine sehr couragierte und ansehnliche Leistung. Immer wieder schaltete er sich im Spiel nach vorne ein – zuweilen wirkte er sogar an allerallervorderster Front – und konnte so auch einige gute Chancen erarbeiten respektive gute Ansätze zeigen. Auch defensiv war die Leistung nicht katastrophal, aber ausbaufähig. (Zu) oft ließ er seine Gegner zu leicht passieren, sein direkter Gegenspieler Florian Kainz kam dennoch nicht übermäßig oft zum Stich. Doch steht außer Frage, dass er ebendiesen insbesondere beim 1:0 für Rapid aller Wahrscheinlichkeit nach viel energischer hätte attackieren müssen.

Josip Tadic
Zeigte in Ansätzen, wie wichtig eine echte Spitze für diese Mannschaft ist, nachdem Stankovic und Beichler als echt falsche Neun wenig ausrichten konnten. Machte der Rapid-Abwehr immer wieder Probleme und zeigte sich bisweilen sogar mannschaftsdienlicher, als es Marco Djuricin manchmal sein kann. Am meisten gedient hätte er der Mannschaft allerdings mit einem Tor und diese erzielt dann doch eher der eben genannte Spieler mit der Nummer 9. Tadic brachte jedenfalls einigen Schwung in die Partie und hatte auch eine riesige Ausgleichsmöglichkeit. Doch verbiss er sich zumeist im bärenstarken Mario Sonnleitner. Trotz alledem: Sollte Djuricin – Gott bewahre – bald wieder ausfallen, gibt es gute Gründe, dass Josip Tadic für Franco Foda die erste Adresse sein sollte.

Simon Piesinger
Der blonde Riese spielte eine Hälfte lang und musste dann dem Mittelstürmer Josip Tadic Platz machen. Diese dreiviertel Stunde rief in 12.500 schwarz-weißen Seelen höchstgradig gemischte Gefühle hervor. In Summe machte Simon Piesinger in “seiner” Halbzeit defensiv einen soliden Eindruck, holte viele hohe Bälle im Mittelfeld und zeigte, dass er in Sachen Spielaufbau durchaus Ideen hat. Wenn er die Vertikale dem Querpass vorzog, entsprangen aus diesen Ideen aber fraglos zu oft Fehlpässe, die die ansonsten guten Ansätze zunichte machen. Noch immer wirkt der Hüne im Zentrum wie ein langer Fremdkörper im Grazer Verbund – eingespielt ist sicher anders.

Lukas Spendlhofer
Was würde Sturm 2014 ohne Lukas Spendlhofer machen? Auch wenn es gestern drei Gegentore setzte – es gibt Grund zu Annahme, dass es ohne ihn wohl noch mehr gewesen wären. Lukas Spendlhofer war gestern in Sachen Stellungsspiel in der Abwehr der wohl noch beste Akteure bei Sturm und stand auch gestern in vielen brenzligen Situationen richtig. So gesehen kurz vor dem 2:0, jedoch scheiterte in dieser Situation sein Rettungsversuch, wodurch Robert Berics Treffer möglich wurde. Auch im Aufbau des Spiels behielt er gestern das Zepter eher in der Hand, das er praktisch zu Saisonbeginn für Michael Madl unwiederbringlich an sich riss. Solide Leistung von der 23.

 

Spielercheck_neu_Note_25

Christian Klem
Es war kein ganz schlechtes Spiel von Christian Klem – aber beileibe auch kein gutes. Wieder einmal machte es gestern den Eindruck, als würde sich der Linksaußen ohne einen echten “Winger” vor ihm einigermaßen schwer tun. Zwar zeigte er wie gewohnt reichlich Einsatz, Kampfkraft und Schnelligkeit auf der linken Rasenseite, doch wurde wieder einmal augenscheinlich, wie schwer sich Klem gegen körperbetont spielende Mannschaften tut. Alles in allem offensiv mangels eines echten Angriffspartners meist zahnlos bis unbrauchbar, defensiv nicht schlecht, aber oft zu körperlos.

Daniel Beichler
Der Offensivallrounder fiel gestern gewohnt oft. In Halbzeit zwei hätte es – das sei gesagt – durchaus auch einen Elfmeter zu seinen Gunsten geben können, doch für Schiedsrichter Schüttengruber bedeutete Beichler am Boden scheinbar in jedem Fall weiterspielen. Einen Ruf wird man nunmal nicht so schnell los. In der ersten Hälfte war Beichler, abwechselnd mit Stankovic, auf verlorenem Posten als Solospitze. Er konnte Marco Djuricin nicht im Geringsten ersetzen. In Halbzeit zwei, eine Reihe dahinter lief es bei ihm besser, vor allem sein wirklich schöner Assist für Thorsten Schick bleibt da in Erinnerung. Alles in allem taucht Beichler einfach zu oft in den Metagerüsten eines Fußballballspiels ab und lässt nur viel zu selten seine allseits bestätigte fußballerische Klasse aufblitzen.

 

Spielercheck_neu_Note_2

Anel Hadzic
Es war dies gestern ein förmlich anderer Spieler, als der Anel Hadzic unter Günther Neukirchner. Wie festgekettet hielt sich der bosnische Nationalspieler an die defensive Viererreihe. Gerade in der ersten Hälfte agierte er meist zwischen den beiden Innenverteidigern, wo er ein Spiel hätte aufbauen sollen. Sturm kam aber selten in eine Situation, wo er sich weiter nach vorne wagen konnte. Auf etwaige genialische Momente im Stile eines Spielmachers wartete man vergeblich. Defensiv tat er in einem sehr schnellen Bundesligaspiel das, was er kann, offensiv fand Hadzic nicht statt – auch weil er in der prädestinierten Schlussphase verletzt ausgewechselt werden musste. Es sei aber auch gesagt, dass Hadzic von Franco Foda whol gerade nicht die Aufgabe bekommen hat, offensiv zu strahlen.

Marko Stankovic
Führungsspieler geht anders. Der Mann, der überall spielen kann, “außer in der Viererkette”, spielte gestern überall, außer eine tragende Rolle in den meisten gefährlichen Aktionen der Grazer. Anstelle des kreativen Spiels mit Auge und Hirn traten gestern zu oft ziellose Dribblings, schwache Abspiele und halbernstgemeinte Fersenpässe. Insbesondere im Direktvergleich zur Leistung eines Stefan Schwab am gestrigen Nachmittag verschwand Marko Stankovic zunehmend. Viele erwarten sich wohl mehr vom Grazer Zehner.

Michael Madl
Wer ohne Fehler ist, werfe den ersten Stein. Michael Madl hatte gestern nicht viel zu werfen. Die zentrale Verteidigungszone wurde über weite Strecken des Spiels zum anarchischen Niemandsland erklärt. Viel zu liberal verteidigte Michael Madl diverse Torraumszenen. Zwar kann man ihm das kämpferische Moment in all seinem Tun beileibe nicht absprechen, auch klärte er ab und an von den Nöten der anderen – doch wirkte der Kapitän gestern insgesamt alles andere als gefestigt. Am Ende des Tages ist das einfach zu wenig – für einen Michael Madl, für einen Kapitän, für einen Abwehrchef.

Daniel Offenbacher
Machen Sie sich mal die Freude und fragen Sie im Bekanntenkreis nach Szenen, die einem gestern von Daniel Offenbacher in Erinnerung geblieben sind. Das Ergebnis wird bezeichnend ausfallen. Obwohl seine Position offensiver als zuletzt ausgerichtet war, herrschte gerade im Spiel nach vorn der Nummer 20 größtenteils größere Flaute. Die kleinen Lichtblicke seines Spiels waren am ehesten noch die defensiven Szenen, wo er die Zweikämpfe allesamt seriöser gestaltete, als man das von ihm gewohnt ist. Er sah nicht mal eine gelbe Karte. Trotzdem, oder deshalb: Das war unauffällig, viel zu unauffällig, von dem, der Motor sein könnte.

 

Spielercheck_neu_Note_15

Christian Gratzei
Nach zwei Zu-Null-Spielen kassierte die Nummer eins gegen Rapid gleich drei Gegentreffer und zeigte eine einfach schwache Leistung. Gerade bei den vermehrt platzierten Flanken der Gäste war Gratzeis Stellungsspiel oft desaströs – oft war es bloßes Glück, das einen weiteren Gegentreffer vor allem in der Anfangsphase verhinderte. Ob man Christian Gratzei auch an einem der Gegentore wirklich große Schuld zuschreiben kann, kann bezweifelt werden, wenngleich der ein oder andere Ball möglicherweise von einem sehr großen Torhüter an einem sehr guten Tag zu halten gewesen wäre. Doch sind es weniger die Gegentreffer, als die zahlreichen kleinen und großen – letztlich unbestraften – Patzer im eigenen Fünfer, die die schwache Leistung des Tormanns gestern prägten. Überdurchschnittlich gut war Gratzei am gestrigen Nachmittag mit dem Ball am Fuß. Der Leobener, der öfters wegen Schwächen bei Abschlägen und im Passspiel in der Kritik steht, spielte diesmal stets sicher und abgeklärt heraus.

 

Zu kurz eingesetzt: Andreas Gruber (spritzig, fette Torchance), Sandi Lovric (16)

 

Anmerkungen
Die Leistung der Sturm-Spieler wird anhand von Bällen bewertet. Die höchste Bewertung sind dabei fünf Bälle, die niedrigste Bewertung ist ein Ball. Eine durchschnittliche Leistung ist mit drei Bällen gleichzusetzen, die auch den Ausgangs- bzw. Basiswert darstellen. Das Ergebnis ergibt sich dabei aus der gemeinsamen Diskussion der Sturm12.at-Redakteure, bleibt aber letztlich subjektiv.