Rezension - Sturmecho aktuell

Schwarz-weiße Illustrierte

Neben dem schon allseits bekannten Sturmecho, gibt es seit dem letzten Wochenende auch eine zweite Vereinszeitung des SK Sturm. Sturmecho aktuell nennt sich die und so viel vorweg: Mit einer Stadionzeitung, wie im Vorfeld immer wieder zu hören gewesen ist, hat das ab sofort sechs Mal im Jahr erscheinende Heft nichts zu tun. Aktuelles rund ums Sportliche sucht man vergeblich. Wir haben ein wenig darin geblättert und besprechen das Gesehene. Das reguläre Sturmecho wird nach einigen Unstimmigkeiten im Sommer in dieser Saison weiterhin vom bisherigen Team rund um Herbert Troger gestaltet werden. Drei Ausgaben sind geplant.

© SK Sturm
© SK Sturm

Diesen Sommer hat es einiges an Turbulenzen rund um das allseits bekannte und geschätzte Sturmecho gegeben. Das seit Jahren federführende Team des Vereinsmagazins, Herbert Troger, Martin Behr und Christian Wiedner, sah sich unter den vorherrschenden Rahmenbedingungen nicht mehr in der Lage diese großteils ehrenamtliche Arbeit in gewohnter Weise zu machen. Die Differenzen mit dem Ansprechpartner beim SK Sturm, General Manager Gerhard Goldbrich, schienen unüberbrückbar geworden. Dieser soll stark abweichende Vorstellungen von einem Vereinsmagazin haben, weg von Qualitätsinhalten und Hintergrund, hin zu Vermarktung und Reichweite. Die Sturmecho-Masterminds informierten die Vereinsführung und die eigenen Mitarbeiter bereits davon, nicht mehr zur Verfügung zu stehen.

Präsident Christian Jauk höchstpersönlich musste ausrücken und einen runden Tisch einberufen. Er konnte die Wogen glätten, sprach außerdem ein eindeutiges Bekenntnis zum derzeitigen Magazin aus und Troger, Behr und Wiedner erklärten sich bereit diese Saison weiterzuarbeiten. Sie werden drei Ausgaben produzieren, die nächste erscheint im Dezember 2014. Im Anschluss soll der Zustand erneut evaluiert und die weiteren Schritte vereinbart werden. Es wurde außerdem veranlasst, dass anstelle von Goldbrich nun die wirtschaftliche Geschäftsführerin Daniela Friedl die Ansprechpartnerin für das Sturmecho-Team sein soll. Ersten Erfahrungsberichten zufolge habe sich die Zusammenarbeit dadurch auch bereits eindeutig in eine positivere Richtung entwickelt.

Sturmecho aktuell: der kleine Boulevard-Bruder
Nichtsdestotrotz blieb der Wunsch des General Managers nach einem an ein breiteres Publikum gerichtetes Produkt. Ein Gedanke, dem man per se durchaus auch etwas abgewinnen kann. Immer wieder hörte man von dem Wunsch von Gerhard Goldbrich nach einer Stadionzeitung. Neben der Neuausrichtung der Zusammenarbeit beim Sturmecho liefen also parallel die Planungen zu einem zweiten Magazin aus dem Hause SK Sturm an. Seit diesem Wochenende liegt ein solches auch vor: Sturmecho aktuell, konzipiert von Gerhard Goldbrich, umgesetzt von den Vereinsmitarbeitern Alexander Fasching, Hannes Machinger und Denis Vesnic. Vom regulären Sturmecho hat man sich außerdem noch Philipp Braunegger als Autor ausgeborgt. Im Gegensatz zum bisherigen Magazin, gibt es das neue Heft nicht gratis für die Vereinsmitglieder. Das “alte” Sturmecho erhalten diese weiterhin.

© SK Sturm
© SK Sturm

Optisch erinnert das Heft-Cover durchaus ein wenig an das allseits bekannte Echo. Inhaltlich hat man so gut wie gar nichts gemeinsam, was wohl auch der Anspruch war. Viele Fotostrecken (vor allem aus dem VIP-Club), kurze, knackige Beiträge, einiges an Anzeigen, Modegeschichten und Gewinnspiele kommen sehr dicht daher. Außerdem gibt es viele Inhalte, die so schon davor auf sksturm.at erschienen sind, wie die Spieler-Kochrezepte oder die eine oder andere Meldung aus dem Verein und dem Jugendbereich. Erwähnenswert eine durchaus gelungene Zahlen und Fakten-Seite und eine interessante Doppelseite zu den Talenten aus dem Nachwuchs. Nicht zuletzt finden sich drei redaktionelle Eigengeschichten im Echo aktuell. Regelkunde mit Schiedsrichter Alexander Harkam und die Story mit Sportarzt Jürgen Mandl zu Kreuzbandverletzungen bringen einen informativen Mehrwert. Die Cover-Story zu Franco Fodas Jahr im Exil geht gerade noch so durch, die “Kumpel Jürgen Klopp“-Ausführungen kratzen aber dann doch an der Peinlichkeitsgrenze. Und an den Freisteller-Zitaten könnte das Lektorat noch ein wenig feilen: “Während der Trainerausbildung mit Jürgen Klopp hatte ich eine Fahrgemeinschaft” ist nun wahrlich nicht sehr ausgereift.

Kleine Auflage, stolzer Preis
Sechs Mal im Jahr soll das Sturmecho aktuell erscheinen. Die erste Nummer wurde noch von der Sturmjugend gegen eine freiwillige Spende vor dem Heimspiel gegen Rapid verteilt (warum passiert das eigentlich nie mit dem regulären Sturmecho?), ab Ausgabe Nummer zwei gibt es den Fixpreis von zwei Euro pro Heft, ein recht stolzer Preis für knapp über 30 Seiten. Zunächst einmal soll sich die Auflage im Bereich zwischen 6.000 und 7.000 Stück bewegen. Man beginnt also vorsichtig und bäckt recht kleine Brötchen. Es bleibt auch abzuwarten, wie das Produkt angenommen wird. Was das Sturmecho aktuell nämlich definitiv nicht ist, ist eine Stadionzeitung. Es gibt keinerlei Inhalte zu bevorstehenden Partien und zur aktuellen sportlichen Situation. Das verwundert doch etwas, wenn man allerdings nur sechs Ausgaben pro Jahr herausgeben möchte, ist der Stadionzeitungszugang wohl auch nur schwer möglich. Sturmecho aktuell, ist eine ganz ordentlich gelungene, wenn auch etwas dünne, “Klatsch & Tratsch-Zeitung” rund um den Verein. Es bleibt die Frage, ob man damit das am eigentlichen Spiel interessierte Stadionpublikum auch abholen kann? Das vorliegende Heft lässt den Betrachter ein wenig ratlos zurück, insbesondere hinsichtlich der Frage wohin die Reise gehen soll und vor allem ob es eine ausreichend große Zielgruppe dafür gibt. Sturmecho aktuell, nicht Fisch, nicht Fleisch, fällt einem ein, wenn man die Lektüre beendet hat.