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Cup-Achtelfinale

Francos sehr gut ist nicht genug

Der SK Sturm ist im Cup gegen Rapid in allen Belangen unterlegen und scheidet aus. Damit vergeben die Grazer die letzte realistische Titelchance in dieser Saison. Franco Foda sieht sich und die Mannschaft trotzdem sehr gut spielen und auf einem guten Weg. Es fehlten nur die Ergebnisse, sprich die Tore. Ein nicht unwichtiges Detail.

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Ein unschöner Nachgeschmack ist von der Bundesliga-Partie vom letzten Wochenende geblieben. “Sohn einer Hure”-Chants gegen die Ex-Grazer Florian Kainz und Robert Beric hallten durch Liebenau. Ein Sauschädl wurde aufgespießt und Trikots abgefackelt. Alles in allem stehen neben der 1:3-Heimniederlage für den SK Sturm gegen den SK Rapid unter dem Strich Erinnerungen an einen der wenig verbliebenen Klassiker der heimischen Liga, wo von den Rängen wenig Klasse zu bemerken war. Sturm distanzierte sich zaghaft von der Wortwahl des eigenen Anhangs und man sei auf der Suche nach jenen Personen die den Tierkopf ins Stadion geschmuggelt haben, hieß es am Dienstag. Ein flammender Appell an besseres Benehmen war das aber nicht unbedingt. Und prompt packt der schwarz-weiße Anhang schon vor dem Anpfiff den “Huren-Chant” wieder aus, “originelle” Maskierungen inklusive (siehe Bild links).

Zurück zum Sport: Es treffen heute die gleichen Mannschaften wie am letzten Samstag aufeinander, die Rahmenbedingungen sind aber doch gänzlich andere. Es heißt zwar auch an diesem Mittwochabend wieder Rapid Wien gegen Sturm Graz, aber es heißt auch ÖFB-Cup statt Bundesliga, weites, nur spärlich besuchtes, Happel-Oval statt eng und voll in Liebenau und nicht zuletzt hat sich personell einiges getan. Zunächst ersetzt Youngster Andreas Gruber im Mittelfeld Marko Stankovic, der vorerst auf der Bank Platz nimmt. Anel Hadzic, schon gestern wegen einer Rippenverletzung fraglich, wurde nicht fit und ist nicht im Kader. Allen voran ist beim SK Sturm aber Goalgetter Marco Djuricin wieder mit von der Partie. Blackies-Coach Franco Foda versuchte seine Bedeutung beim Mediabriefing zwar bewusst ein wenig herunterzuspielen, regelmäßige Beobachter der Schwarz-Weißen in dieser Saison wissen aber um seine Relevanz im Grazer Spiel ohnehin Bescheid. Bei Rapid ersetzt als einzige Umstellung Maximilian Hofmann den angeschlagenen Christopher Dibon in der Innenverteidigung.

Beichler in die Wolken, Schwab ins Tor
Gleich nach Spielbeginn eine erste Riesenchance für die Grazer, die heute im 4-4-2 mit Daniel Beichler als zweiter Spitze auflaufen. Marco Djuricin geht rechts durch, schießt, und den Abpraller knallt eben Beichler aus kürzester Distanz über das Tor. Das wäre ein Auftakt nach Maß gewesen. Den legt dann allerdings Rapid hin. Der viel geschmähte Florian Kainz über links, er flankt perfekt auf den Kopf von Stefan Schwab und der trifft wie schon in Graz. Bis auf die Auftaktchance Sturm dann die erste Viertelstunde komplett abgemeldet. Die Wiener spielerisch besser und mit einigen guten Angriffen. Sturm versucht es variantenreich, Thorsten Schick und Andreas Gruber tauschen immer wieder die Seiten, nur zu viele Fehler im Spielaufbau machen die Bemühungen zunichte.

Erst nach einer halben Stunde wieder ein wirkliches Lebenszeichen der Gastmannschaft. Andreas Gruber, der sehr agil in der Vorwärtsbewegung ist, nach hinten allerdings einige Defizite aufweist, kommt am Sechzehner zum Ball, er verpasst allerdings den guten Moment für den Abschluss und vertändelt. Die Gastgeber sind, auch wenn die Partie nun ein wenig abflaut, vor allem über die Flügel, namentlich durch Florian Kainz und Louis Schaub, immer wieder gefährlich. Christian Klem und Martin Ehrenreich sind hier oftmals nicht im Bilde, die Hintermannschaft der Grazer hat insgesamt in den Zweikämpfen meist das Nachsehen. Bis auf eine Chance von Robert Beric kurz vor dem Pausenpfiff ebbt das Spiel aber im Laufe der Zeit nach einer flotten Anfangsphase ziemlich ab.

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Foda reagiert, Rapid bleibt ungefährdet
Sturm versucht nach der Pause höher zu verteidigen und mehr Druck auf den Gegner auszuüben. Das schlägt sich aber nur teilweise in erfolgreicherem Spiel nieder. Man hat etwas mehr vom Spiel als vor dem Wechsel, die vielen Fehlpässe im Spielaufbau machen aber alle Bemühungen zunichte. Maximal nach Standardsituationen können die Schwarz-Weißen Halbchancen erarbeiten, wie einen Schuss übers Tor von Michael Madl nach einem Corner in der 59. Minute. Zwingende Gelegenheiten kann Sturm nicht herausarbeiten, obwohl zu Beginn von Durchgang zwei spielbestimmend.

Nach einer Stunde reagiert Franco Foda. Doppeltausch, Josip Tadic kommt für Andreas Gruber, Marko Stankovic für Daniel Offenbacher. Die Grazer nun in einer Offensivvariante mit einem 4-1-3-2, Simon Piesinger als Solosechser, davor ein Dreiermittelfeld mit Beichler, Stankovic sowie Schick und vorne Tadic und Djuricin. Eine Umstellung, die sich zunächst nicht bewährt. Rapid kann die Unordnung zu einigen gefährlichen Kontern nützen. Schaub vergibt einmal nur knapp. Zehn Minuten vor dem Ende hat vor mir der Kollege einer großen Tageszeitung bereits einen Rapid-Siegertitel in sein System getippt. Er scheint richtig zu liegen. Sturm nach dem Doppeltausch noch ineffektiver, Rapid immer wieder mit Kontern. Fodas letzter Wechsel, David Schloffer für Thorsten Schick, bringt auch nichts mehr ein. Auf der Habenseite in Halbzeit zwei neben dem Schuss von Madl noch ein Kopfball von Simon Piesinger.

Das war’s, und das war zu wenig. Der SK Sturm vergibt mit einem schwachen Auftritt in Wien die einzige Chance auf einen Titel in dieser Saison. Die Schwarz-Weißen konnten in keiner Phase des Spiels dem stärkeren Gegner etwas entgegensetzen. In Drangphasen der Hütteldorfer war die Defensive überfordert. Im Angriff waren die Grazer auch mit mehr Ballbesitz nie wirklich gefährlich. Der Trainer sieht das so: “Wir haben in der zweiten Halbzeit sehr gut gespielt, aber nur bis zum Strafraum.” Über das sehr gute Spiel, gibt es auch einige andere Sichtweisen heute hier in Wien. Über den sehr guten Weg, auf dem man sich laut dem Sturm-Coach schon befindet wohl auch. Er spricht auch viel von Effizienz, Zielstrebigkeit und Durchschlagskraft. Das alles hätte gefehlt. Heute und am Samstag. Es wartet jedenfalls noch viel Arbeit, wie Franco Foda selbst gerne zu sagen pflegt.

Ernst-Happel-Stadion Achtelfinale Zuschauer: 7.800

Rapid Wien
29.10.2014, 20:30 Uhr
1:0
(1:0)

SR: Markus Hameter

Sturm Graz
Torschütze (Vorlage) TORE Torschütze (Vorlage)
Stefan Schwab (Florian Kainz) 5. Minute
Spieler Karten Spieler
29. MinuteDaniel Offenbacher (Gelb)
Steffen Hofmann (Gelb)52. Minute
61. MinuteChristian Klem (Gelb)
67. MinuteSimon Piesinger (Gelb)
Spieler Aufstellung Spieler
Tormann - Jan Novota   Christian Gratzei - Tormann
Abwehr - Mario Sonnleitner   Michael Madl - Abwehr
Abwehr - Thomas Schrammel   Martin Ehrenreich - Abwehr
Abwehr - Stefan Stangl   Christian Klem - Abwehr
Abwehr - Maximilian Hofmann   Lukas Spendlhofer - Abwehr
Mittelfeld - Thanos Petsos   Thorsten Schick - Mittelfeld
Mittelfeld - Stefan Schwab   Simon Piesinger - Mittelfeld
Mittelfeld - Steffen Hofmann   Daniel Offenbacher - Mittelfeld
Mittelfeld - Louis Schaub   Andreas Gruber - Mittelfeld
Mittelfeld - Florian Kainz   Daniel Beichler - Mittelfeld
Angriff - Robert Beric   Marco Djuricin - Angriff
Spieler Wechsel Spieler
Mario Pavelic für Stefan Stangl 22. Minute
65. Minute Marko Stankovic für Andreas Gruber
65. Minute Josip Tadic für Daniel Offenbacher
Srdjan Grahovac für Stefan Schwab 66. Minute
Dominik Starkl für Steffen Hofmann 75. Minute
81. Minute David Schloffer für Thorsten Schick