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Spielercheck

Debütantenbonus

Aus einer schwachen Mannschaftsleistung stachen gestern zwei Spieler ein wenig, nicht meterhoch, aber doch, hervor. Bei den beiden ex aequo in der Poleposition befindlichen Kickern für den Blacky of the Match, haben wir das Senioritätprinzip umgedreht. Der Debütant bekam den Vorzug gegenüber dem Oldie. All das ändert aber nichts an einem sehr schwachen Spiel des SK Sturm, gleichbedeutend mit dem Vergeben der letzten Titelchance in dieser Saison.

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Zu kaum einer Chance kam der SK Sturm gestern im ÖFB-Cup-Achtelfinale gegen Rapid Wien vor sehr magerer Kulisse im Wiener Ernst-Happel-Stadion. Zwar hätte man bereits in Minute zwei die Führung erzielen können, Daniel Beichler vergab kläglich, kam in Folge aber trotz Rückstand zu fast keinen Torgelegenheiten mehr. Zu viele Fehlpässe im Spielaufbau und sehr schwaches Zweikampfverhalten in der Abwehr ergaben insgesamt einen ebenso schwachen Auftritt der Franco Foda-Elf. Dieser sah nichtsdestotrotz vor allem in der zweiten Halbzeit ein “sehr gutes Spiel” seiner Mannschaft, nur die Ergebnisse würden derzeit eben nicht stimmen. Der Mainzer wird zur Kenntnis nehmen müssen, dass es hierzu auch die eine oder andere abweichende Meinung gibt.

Neben dem sehr ineffektiven Spiel der Schwarz-Weißen kam nämlich außerdem hinzu, dass in keiner Phase ein wirkliches Aufbäumen gegen die Niederlage zu sehen war. Rapid kontrollierte das Spiel in nahezu jeder Phase, bei Sturm lief viel ins Leere, vor allem den letzten Pass anzubringen gelang so gut wie nie. Da half auch eine Großchance in der Nachspielzeit nichts mehr. Schlussendlich vergab man gestern die letzte Möglichkeit auf einen Titel in dieser Saison sang- und klanglos. Das internationale Geschäft gibt es nur mehr über die Meisterschaft und Sturm steht außerdem nach dem zweiten von drei Teilen der Wienwoche noch immer ohne Erfolg da. Die Entscheidung für den Blacky of the Match ergab in der internen Diskussion ein Unentschieden zwischen Andreas Gruber und Christian Gratzei, der gestern nach einigen schwachen Auftritten fehlerlos blieb und sogar die eine oder andere Chance der Rapidler entschärfen konnte. Der Debütanten-Bonus ergab den Ausschlag zugunsten des Youngsters.

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Andreas Gruber
Bei seinem Debüt von Beginn an zeigte der 19-Jährige eine engagierte Leistung, auch wenn ihm bei weitem nicht alles gelang. Vor allem in der Defensive gibt es für den Flügelspieler noch einiges zu tun. In einigen Angriffen ließ er aber sein Potential aufblitzen. Es gefällt außerdem seine Unbekümmertheit und dass er sich offensichtlich auch zutraut, Teil dieser Mannschaft zu sein. Gruber war einer der Aktivposten in einem insgesamt schwachen Offensivgefüge und hätte er in der ersten Halbzeit bei einer Aktion am gegnerischen Sechzehner noch den Mut zum Abschluss gehabt, er hätte sein Startelfdebüt mit einem Tor krönen können.

Christian Gratzei
Eine hundertprozentig souveräne Partie lieferte auch er nicht ab, hielt die Grazer aber dennoch über 90 Minuten im Spiel. Beim platzierten Stefan Schwab-Kopfball war er chancenlos, in der Folge rettete er aber nicht nur einmal in höchster Not vor einem Rapidler. Er parierte Schüsse von Robert Beric und Dominik Starkl. Wieder einmal wenig konzentriert wirkte er bei seinen Abschlägen, wobei einer davon direkt ins Out ging. Ein Schwachpunkt, der sich durch seine komplette Karriere zieht obwohl er stets beteuert gerade daran zu arbeiten. Im Endeffekt hätte es ohne ihn gestern aber durchaus eine höhere Niederlage geben können.

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Michael Madl
Er war noch der stärkste Mann in einem insgesamt schwachen Defensivverbund. Er war zumindest einigermaßen präsent in den Zweikämpfen, versuchte die Abwehr zusammenzuhalten und die Löcher zu stopfen. Es waren aber gestern zu viele, um dies bei allen hinzukriegen. Die Abstimmung mit seiner Viererkette funktioniert im Moment außerdem nicht optimal. Die Automatismen greifen nicht. Für die Spieleröffnung blieben deshalb kaum noch Möglichkeiten.

Simon Piesinger
Zunächst war er gemeinsam mit Daniel Offenbacher die Doppelsechs im gestrigen Spiel. Später, nach der Umstellung auf ein 4-1-3-2, gab Piesinger den Solosechser. Und er machte diese Sache nicht einmal so schlecht, wie ihm viele oft attestieren. Sein Manko, auch bei guten Aktionen: Durch seine Größe wirkt er oft unbeholfen, auch ansprechende Dinge sehen nicht sehr stilvoll aus. Er versuchte jedenfalls das Spiel in der Defensivzentrale ein wenig zu ordnen, scheiterte aber an seinen oft nicht ankommenden Pässen und an einer nicht vorhandenen Unterstützung durch seine Mitspieler, vor allem des Totalausfalls Daniel Offenbacher.

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Thorsten Schick
Bemüht, mehr aber auch nicht. Das ist das kurze und knappe Fazit zu seiner gestrigen Leistung. Er versuchte durch rochieren mit Andreas Gruber flexibel und variantenreich zu agieren, blieb aber fast immer ohne Erfolg und Durchschlagskraft. Wie bei seinem Gegenüber an der Seite, war auch seine Unterstützung für den Hintermann Christian Klem nicht immer optimal. Nachdem er im Heimspiel gegen die Grün-Weißen noch einer der Lichtblicke war, muss das gestrige Spiel als Rückschritt gewertet werden.

Martin Ehrenreich
Die Grazer Nummer 17 hatte gestern ihre liebe Not mit den Gegenspielern. Anfänglich von Florian Kainz bereits schwindelig gespielt, gab es nach der Rochade der Rapid-Flügelspieler auch gegen Louis Schaub nicht viel zu holen. Ganz klar hat Ehrenreich das frühe 1:0 mitverschuldet, da er Kainz nicht an der Flanke, die zum Gegentor geführt hat, hindern konnte. Offensiv versuchte sich der 31-Jährige zwar einzuschalten, vernachlässigte dafür aber oft seine Defensivarbeit, womit Michael Madl eine Aufgabe mehr auf rechts abzudecken hatte. Auffällig auch die Zweikampfschwäche, kaum einmal konnte er ein Duell auf seiner Seite für sich entscheiden. Zu seiner Verteidigung sei angemerkt, dass aus dem Mittelfeld wenig Unterstützung bei der Defensivarbeit gekommen ist.

Lukas Spendlhofer
Bei ihm ist seit der Partie in Wiener Neustadt ein leichter Abwärtstrend festzustellen. Waren seine Spieleröffnung, sein Stellungsspiel und seine Stärke in den Zweikämpfen davor sehr positiv aufgefallen, geht Spendlhofer derzeit ein wenig durch ein Wellental. Immer wieder gibt es Unsicherheiten und Konzentrationsfehler, die den Gegner zu Chancen kommen lassen. Auch das Zusammenspiel mit Michael Madl hat schon besser geklappt. Beim Gegentreffer war er im 1-gegen-1 gegen den schnellen Stefan Schwab einen Tick zu langsam. Trotzdem gibt es zu ihm in der Innenverteidigung derzeit wohl keine Alternative.

Christian Klem
Er ist ähnlich zu bewerten wie sein Gegenüber Martin Ehrenreich. Klem hatte unendlich viel Mühe mit Louis Schaub (oder bei Rotation mit Florian Kainz) und es rollten reihenweise Angriffe über die Flügel, bei denen der Linksverteidiger kaum einmal etwas verhindern konnte. Offensiv spielte er da und dort ganz gut mit Andreas Gruber zusammen, alles in allem fügte aber auch er sich in die schwache Abwehrleistung.

Marco Djuricin
Bereits in Minute zwei startete er den Turbo, prüfte Jan Novota und hätte bereits früh die Führung erzielen können. In der Folge fing er zwar viele Bälle ab, wurde von der Rapid-Verteidigung aber auch ziemlich in die Mangel und aus dem Spiel genommen. Er konnte die Erwartungen nicht wirklich erfüllen, die man vor der Partie in ihn gesetzt hatte. Im Abschluss wirkte er manchmal eigensinnig, wenn es ums Kontern ging und er in Ballbesitz war, kam ihm aber auch kaum jemand zu Hilfe. Manchmal hat man auch das Gefühl, es fehlt ihm ein wenig das Vertrauen in seine Mitspieler, er meint er müsse alle Wege alleine gehen und lieber noch einen Mann mehr über- anstatt abzuspielen.

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Marko Stankovic
Der bisher gesetzte Mittelfeldmotor blieb gestern zu Beginn überraschend auf der Bank, ohne angeschlagen gewesen zu sein. Erst nach einer Stunde brachte ihn Foda gemeinsam mit Tadic um dem Spiel noch eine Wende zu geben. Stankovic konnte aber keine Impulse setzen. Er ließ sich oft weit zurückfallen und versuchte im Stile eines Quarterbacks die Bälle zu verteilen. Er war dadurch aber zu weit weg von der Gefahrenzone und beförderte dadurch nur noch das ohnehin schon um den Strafraum herumkreisende Spiel der Grazer. Vorstöße in die Tiefe und vertikales Spiel konnte er gestern nicht bieten.

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Daniel Offenbacher
Er war auf seiner Position als Sechser wie so oft schon eine Fehlbesetzung. In den Zweikämpfen immer zu spät dran, er holte sich deshalb auch seine schon obligatorische gelbe Karte ab. Nach vorne und im Zusammenspiel mit seinem Nebenmann war er außerdem eine Vorgabe. Er konnte zum Spielaufbau so gut wie gar nichts beitragen und war schon in der ersten Halbzeit gefährdet mit gelb-rot vom Platz zu fliegen.

Josip Tadic
Im Heimspiel gegen Rapid fand er zumindest noch DIE Chance auf den zwischenzeitlichen Ausgleich vor, bevor er abgetaucht ist. Im Auswärtsspiel im Cup-Achtelfinale fügte er sich gleich in zweitere Rolle. Seine Einwechslung ging am Beobachter des Spiels mehr oder weniger spurlos vorüber. Er konnte keine Akzente setzen und blieb in seinen 30 Minuten auf dem Platz unsichtbar. Das wird auf Dauer zu wenig sein, um seine Verpflichtung zu rechtfertigen.

Spielercheck_neu_Note_0,5

 

 

Daniel Beichler
Nicht nur sein konstant schlechtes Spiel ist ärgerlich, auch seine Attitüde ist mehr und mehr zu kritisieren. Daniel Beichler hatte gestern den Führungstreffer vor der Nase und vergab diese Top-Gelegenheit kläglich. Ab da war er pomadig, meckerte wie üblich mit sich, den Mit- und den Gegenspielern. Er müsste mittlerweile mit seiner Erfahrung und seinem Standing in der Mannschaft einer der Leader sein. Beichler ist aber de facto permanent einer der schwächsten in der Mannschaft und ist auch hinsichtlich seiner Persönlichkeit auf dem Platz kein Gewinn für den SK Sturm der Saison 2014/15. Vielleicht wäre es an der Zeit, ihm einmal eine Nachdenkpause zu verordnen.

Zu kurz eingesetzt: David Schloffer (kam in der Schlussphase für Thorsten Schick)

Ein Spielercheck von Jürgen Pucher und Patrick Weißenbacher.

Anmerkungen
Die Leistung der Sturm-Spieler wird anhand von Bällen bewertet. Die höchste Bewertung sind dabei fünf Bälle, die niedrigste Bewertung ist ein Ball. Eine durchschnittliche Leistung ist mit drei Bällen gleichzusetzen, die auch den Ausgangs- bzw. Basiswert darstellen. Das Ergebnis ergibt sich dabei aus der gemeinsamen Diskussion der Sturm12.at-Redakteure, bleibt aber letztlich subjektiv.