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Austria Wien vs Sturm Graz

Die Wende im dritten Akt

Gibt es für Sturm in der Wien-Woche ein Drama in drei Akten anstatt eines Festspiels mit tosendem Beifall? Diese Frage lag im Vorfeld der Partie wohl einigen Sturm-Anhängern schwer im Magen. Es kam, wie keiner es erwartete. Zuerst gibt es…

Gibt es für Sturm in der Wien-Woche ein Drama in drei Akten anstatt eines Festspiels mit tosendem Beifall? Diese Frage lag im Vorfeld der Partie wohl einigen Sturm-Anhängern schwer im Magen. Es kam, wie keiner es erwartete. Zuerst gibt es aber auch noch einige positive Dinge zu erwähnen: Die Ticketpreise des Auswärtssektors wurden gesenkt, gut 700 Grazer Fans sind mit dem Zug nach Wien-Favoriten angereist und mit 9.000 Zusehern ist die Partie für die kalten Temperaturen auch gut besucht. Außerdem ist Anel Hadzic wieder zurück in der Startelf und soll im Laufe der Partie eine tragende Rolle spielen.

Mit Glück auf die Siegesstraße
Franco Foda hat im Vergleich zum Cup-Duell mit Rapid Wien am vergangenen Mittwoch nur wenig verändert. Anel Hadzic ist wieder im defensiven Mittelfeld im Einsatz, Marko Stankovic darf wieder anstatt Andreas Gruber ran. Ankick in Hälfte eins hat Sturm. Wie schon in Wien-Leopoldstadt kommt auch hier der erste Angriff des Gegners über rechts, führt zu einem Eckball. Und dann schon die erste Schrecksekunde bei Sturm. Fataler Fehlpass von Anel Hadzic im Mittelfeld und Ex-Blacky Daniel Royer läuft alleine auf Christian Gratzei zu. Der wartet ab und bleibt lange stehen, wehrt den Ball zur Mitte ab und Sturm kann sich befreien. Und damit beginnt die Austria zu drücken. Sturm wirkt verunsichert, kommt in den ersten Minuten kaum aus der eigenen Hälfte. Der erste Angriff über Daniel Beichler und Marko Stankovic bringt keinen Torerfolg. Dann schon wieder Royer, tankt sich über links durch, schließt ab, doch Gratzei hat den Ball sicher. Sturm kann sich einfach nicht befreien, auf einen Angriff folgt die nächste Ecke und so geht es in diesen Minuten auch weiter. Franco Foda ist von Beginn weg sichtlich unzufrieden, die Mannschaft hat hinten mit Problemen zu kämpfen, kommt vorne nicht zum Abschluss. Taktisch agiert Fodas Team wie schon im Happel-Stadion. Von einem 4-4-2-Verbund in der Defensive versucht man im Angriffsspiel auf ein System mit zwei Stürmern umzuschalten, wobei sich Daniel Beichler und Marko Stankovic abwechseln. Auf einmal alles anders: Hadzic macht wieder alles gut, erkämpft einen wichtigen Ball, schickt Marco Djuricin auf den Weg. Der scheitert an Lindner, Hadzic mit dem Nachschuss, erneute Abwehr und plötzlich steht Stankovic vor dem leeren Tor und haut den Ball volley in die Maschen – 1:0 für die Blackys.

Fußball zum Zungeschnalzen
Einer sticht jetzt besonders hervor: Anel Hadzic. Er reißt das Spiel an sich, erkämpft enorm viele Bälle und versorgt die Sturm-Offensive mit schönen Pässen. Die feine Klinge wird ausgepackt, 30 Meter-Pass von Hadzic hier, Ferserl von Stankovic dort, perfekte Flanke von Ehrenreich gleich ein paar Meter weiter. Die Austria-Fans verziehen die Miene und das merkt auch der mitgereiste Sturm-Anhang. “Und schon wieder keine Stimmung Austria Wien”, klingt es aus dem Auswärtssektor. Bei den Wienern sticht vor allem einer hervor: Vanche Shikov, früh verwarnt wirkt er verunsichert, hat mit Beichler und Djuricin seine liebe Not. Auf der Gegenseite kommt indes Christian Klem unbedrängt aus gut 25 Metern zum Abschluss, verfehlt nur knapp das lange Eck. Eine Top-Partie von beiden Seiten gibt es hier zu sehen. Stankovic überhebt die Austria-Abwehr, Schick läuft alleine auf Lindner zu, Salamon grätscht im letzten Moment dazwischen, die Querlatte vibriert. Und im Gegenzug die Riesenchance auf den Ausgleich: Ein Violetter tankt sich auf rechts durch, seinen Querpass kann die Grazer Abwehr nur mühsam abwehren – Nachschuss und die Grazer Nummer eins wehrt sehenswert zur Ecke ab. Beim darauffolgenden Eckball ist er erneut der Protagonist, denn nachdem ein Blacky angeschossen wird, legt er einen Sprint hin und bewahrt Sturm mit einem Hechtsprung vor einer weiteren Ecke. Eine wahre Gusto-Partie gibt es hier zu sehen, da wird selbst dem größten Liga-Kritiker warm ums Herz. In hohem Tempo wechselt der Ball laufend den Besitzer und wiederum ist es in Minute 38, die Austria, die über einen Grünwald-Weitschuss nur knapp am Ausgleich vorbeischrammt. Kein gutes Auge beweist eine Minute später Schiedsrichter Oliver Drachta, der zwar sieht, wie Madl mit hohem Bein gegen einen Wiener in den Zweikampf geht, aber dafür keine Karte zeigt. Gut 8.500 andere Menschen im Stadion hatten es gesehen.

Plötzlich kocht es so richtig im Gästesektor. Nach einem kapitalen Fehlpass im Spielaufbau der Austria ist plötzlich Hadzic am Ball, der könnte schießen, doch schickt uneigennützig Djuricin ins Loch, der wiederum umkurvt in Mario Haas-Manier zwei Abwehrspieler und lässt Tormann Lindner mit einem platzierten Schuss nicht den Hauch einer Chance. Fußball zum Zungeschnalzen und die Sturmfans zünden erstmals Pyrotechnik, feiern ihre Jungs wie schon lange nicht. Im Rest des Stadions hallt es Pfiffe, der violette Anhang ist empört, verschwindet teils schon vor der Halbzeit von den Tribünen. Pausenpfiff, hinter der Pressetribüne verzieht Markus Kraetschmer das Gesicht, bei den Toiletten spricht man von einer Wiener Schülermannschaft. Die Bilanz einer hochkarätigen Partie in Hälfte eins: Großchancen für beide Vereine und Sturm mit dem glücklichen 1:0. In der Folge sind es ein starkes Kollektiv und ein in Hochform agierender Anel Hadzic, die Hälfte eins für Sturm entscheiden. Defensiv ist es wiederum ein sehr souveräner Michael Madl, der nicht nur einmal schöne Tacklings zeigt. Anzumerken gilt es aber, dass man zwar von beiden Seiten eine schöne Offensivpartie sieht, die Austria defensiv aber total indisponiert und verunsichert ist. Da kann auch Heinz Lindner nicht viel machen. Sturm spielt das natürlich in die Hände.

Baumgartner ratlos
Bei der Austria reagiert Trainer Gerald Baumgartner, nimmt in der Halbzeit Florian Mader runter und bringt Alexander Gorgon. Die erste nennenswerte Gelegenheit hat aber wiederum Sturm. Djuricin im Laufduell mit einem Verteidiger, er wird gerempelt und reklamiert Elfmeter – Die Pfeife bleibt stumm. Nur zwei Minuten ist es Beichler, der mit einem Schussversuch an Lindner scheitert. Die Grazer Nummer 28 wirkt zum einen spritziger als noch in den beiden Partien zuvor, ist zum anderen auch besser ins Angriffspiel integriert. In Minute 54 hat man in der Austria-Kurve dann bereits “die Schnauze voll”. Stankovic packt einmal mehr die feine klinge aus, schickt Djuricin ins Loch und der lässt nach einem 40 Meter-Sprint Goalie Lindner keine Chance – 3:0 für den SK Sturm. Trainer Baumgartner ist einstweilen an der Seitenoutlinie eingefroren, bringt mit Martin Harrer bereits den nächsten Wechsel. Und Daniel Offenbacher holt sich nach einem verbalen Duell mit Alexander Grünwald die nahezu bereits obligatorische gelbe Karte. Die Austria müht sich, Sturm probiert es einen Gang gemütlicher. Kaum zu glauben, was die Gastgeber hier seit der dreißigsten Minute produzieren: Ideenlosigkeit, Nervosität in der Abwehr, kaum ein gefährlicher Angriff. Sturm hat leichtes Spiel, verlagert sich aufs Kontern, kommt immer wieder zu guten Möglichkeiten.

Defensiv kompakt und vorne mit feiner Klinge
In Hälfe zwei ist es neben Hadzic ein anderer Sturm-Spieler, der dem Spiel seinen Stempel aufdrückt – Marko Stankovic. Als Absicherung der beiden Spielmacher dient der bis auf seine Konfrontation mit Gorgon sehr ruhig agierende Offenbacher. Aber auch die beiden Außenverteidiger spielen an diesem Abend sehr disziplinziert, lassen ihre beiden Innenverteidiger nicht wie am Mittwoch in Stich. Auf der Heimseite geizt man mit Toren, auf der Auswärtsbank mit Wechseln. Laufend wärmen Spieler auf, Franco Foda wartet aber zu, bringt den ersten Wechsel erst in Minute 79. Seine Mannschaft lässt, wie in den letzten Jahren ungewohnt, kaum etwas anbrennen, steht auch in der Schlussphase diszipliniert. Beifall erntet Ex-Austrianer Marko Stankovic bei seinem Austausch, sogar der Austria-Anhang erweist ihm mit Applaus die Ehre – ungewohnte aber nette Geste. Und beinahe legt der eingewechselte Tadic in Minute 87 noch eines drauf, doch sein Schussversuch wird abgeblockt. Bei der Austria bringt selbst der Versuch einer Schlussoffensive nichts mehr ein, die Sturm-Abwehr steht auch im Finish sicher.

Sturm lässt am heutigen Abend trotz zweier Niederlagen gegen Rapid im Favoritener Stadion nichts anbrennen und zeigte schönen Fußball, wie schon länger nicht mehr gesehen. Zwar präsentierte sich die Austria defensiv über das ganze Spiel schwach, in Wien muss man aber auch erst einmal gewinnen. Die Schwarz-Weißen zeigten gefälligen Fußball und ließen durch eine starke Defensivleistung rund um einen hart agierenden Michael Madl kaum Chancen zu und wenn, war Tormann Gratzei zur Stelle. An solchen Tagen gibt es kaum Bemängelungen festzustellen, einzig die Mannschaft selbst ärgert sich selbst über die Chancenauswertung. Nach dem Spiel übt man sich aber auch in Demut, denn vor dem schweren Spiel, kommende Woche im Wörthersee-Stadion will man auf der Hut sein.

Stadion Favoriten 14. Runde Zuschauer: 9.052

Austria Wien
01.11.2014, 16:00 Uhr



SR: Mag. Oliver Drachta

Sturm Graz
Torschütze (Vorlage) TORE Torschütze (Vorlage)
Marko Stankovic (-) 15. Minute
Marko Stankovic (Anel Hadzic) 42. Minute
Marco Djuricin (Marko Stankovic) 54. Minute
Spieler Karten Spieler
14. MinuteVanche Shikov (Gelb)
22. MinuteAlexander Grünwald (Gelb)
Martin Ehrenreich (Gelb)58. Minute
61. MinuteAlexander Gorgon (Gelb)
Daniel Offenbacher (Gelb)61. Minute
82. MinuteMarco Meilinger (Gelb)
Spieler Aufstellung Spieler
Tormann - Heinz Lindner   Christian Gratzei - Tormann
Abwehr - Lukas Rotpuller   Michael Madl - Abwehr
Abwehr - Thomas Salamon   Christian Klem - Abwehr
Abwehr - Fabian Koch   Martin Ehrenreich - Abwehr
Abwehr - Vanche Shikov   Lukas Spendlhofer - Abwehr
Mittelfeld - James Holland   Daniel Beichler - Mittelfeld
Mittelfeld - Alexander Grünwald   Anel Hadzic - Mittelfeld
Mittelfeld - Daniel Royer   Daniel Offenbacher - Mittelfeld
Mittelfeld - Florian Mader   Thorsten Schick - Mittelfeld
Mittelfeld - Marco Meilinger   Marko Stankovic - Mittelfeld
Angriff - Omer Damari   Marco Djuricin - Angriff
Spieler Wechsel Spieler
Sandi Lovric für Marco Djuricin 9. Minute
46. Minute Alexander Gorgon für Florian Mader
58. Minute Martin Harrer für Alexander Grünwald
78. Minute Jens Stryger Larsen für Fabian Koch
Simon Piesinger für Daniel Offenbacher 79. Minute
Josip Tadic für Marko Stankovic 84. Minute