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© SturmTifo.com

Spielercheck

The head and the heart

Das Getriebe der Sturm-Mannschaft lief gegen die Austria wie geschmiert. Einer Reihe an Grazern gelang es gestern, zu überzeugen. Nach 15 Spielminuten rissen sie das Spiel an sich. Der Kopf und das Herz des Sturm-Spiels war die Rückennummer acht.

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Es gibt Spiele, da sticht ein Spieler ganz besonders heraus; es gibt Spiele, da tut man sich schwer überhaupt etwas Positives zu finden und dann gibt es Spiele wie das gestrige Duell des SK Sturm gegen Austria Wien, in jenen sich fast die ganze Mannschaft mit einer hervorragenden Leistung für den Titel Blacky of the Match aufdrängt. Da gäbe es etwa einen Doppeltorschützen oder auch einen Torwart, der einen Bärenanteil am Zu-Null zu verbuchen hat. Wir haben uns für jemand anderen entschieden. Für jemanden, der das Spiel aus dem Mittelfeld heraus geprägt hat und seine Rolle als Führungsspieler voll und ganz ausgefüllt hat.

Spielercheck: Note 4,5

Anel Hadzic
Das Um und Auf, das war Anel Hadzic über Jahre in Ried. Bei Sturm ließ er sein großes Potenzial nur selten aufblitzen, gestern wa es wieder so weit. Der bosnische Nationalspieler war zwischen den beiden Strafräumen überall anzutreffen, stopfte Löcher, leitete Angriffe ein, fing die Spieleröffnungen des Gegners ab und spielte selbst die tödlichen Pässe. Vor dem ersten Tor gewann er einen Zweikampf, trieb er das Spiel an, lief bis zum Sechzehner durch und legte perfekt für Marco Djuricin ab, ehe Marko Stankovic im zweiten Nachschuss traf. Auch das zweite Tor war zum Großteil sein Verdienst. Er fing einen schwachen Pass, verursacht vom starken Pressing der Grazer, ab und setzte Djuricin perfekt im freien Raum ein. Man hat gemerkt, wie er trotz Rippenverletzung die Zähne zusammengebissen hat und wahrlich heiß auf dieses Spiel war.

Marko Stankovic
Am Rücken trägt Marko Stankovic die Nummer zehn ja immer, aber beim Spiel gegen seinen Ex-Klub war er auch der Zehner, den diese Mannschaft braucht. Fast alle Angriffe des SK Sturm liefen über den Ex-Austrianer, Stankovic verteilte die Bälle klug und nutzte den sich bietenden Platz immer wieder für Zuckerpässe. Ein Tor und ein Assist sprechen für sich, ebenso der Applaus der Austria-Fans bei seiner Auswechslung. Was auffällt, ist, dass er meist in einer Hälfte stärker spielt, in der anderen weniger. Dem war gegen die Austria nicht so. Sehenswert waren vor allem sein platzierter Volleyschuss beim 1:0 und der Traumpass vor dem 3:0. Einmal setzte er Marco Djuricin gar per Ferse in Szene, der aber stand knapp im Abseits.

Marco Djuricin
Die Nummer neun des SK Sturm hat ihren Job voll und ganz erfüllt. Marco Djuricin hat zwei Tore erzielt und dann bis zu seiner Auswechslung immer wieder für Entlastung gesorgt. Auffällig sind immer wieder seine schnell Antritte und die Tempowechsel im Sprint. Selbst wenn er bereits voll im Lauf ist hat man immer noch das Gefühl, dass er noch Reserven hat. Die Abwehr der Wiener konnte ihn kaum aufhalten, dafür das ein oder andere Mal der Linienrichter. In der Torschützenliste hat Djuricin mit seinem Doppelpack auch zu Robert Beric aufgeschlossen. Was fehlt bei ihm letztlich zum Blacky of the Match? Ein dritter Treffer – Chancen dazu hätte es genügend gegeben. Seine Körpersprache sagt ganz klar, er will mehr, ein drittes, ein viertes Tor. So ist er auch manchmal verleitet, eigensinnig zu sein.

Christian Gratzei
Die Nummer eins des SK Sturm hat heute endlich wieder gezeigt, wieso er ganze zehn Mal das Tor des Nationalteams hüten durfte. Christian Gratzei hielt, was zu halten war, fing, was zu fangen war, faustete, was zu fausten war und blockte was zu blocken war. Kurz gesagt, er hielt seinen Kasten trotz zahlreicher Chancen der Austria, hauptsächlich in Halbzeit eins, sauber. Sollten weitere Leistungen dieser Art folgen, ist die immerwährende Tormanndiskussion beim SK Sturm wohl Geschichte.

Spielercheck: Note 4

Thorsten Schick
Wieder einmal eine sehr gute Partie auf dem rechten Flügel. Für Martin Ehrenreich, den er hinten gut unterstützt hat, war er eine Entlastung. Nach vorne hat mit seinen schnellen Antritten für viel Gefahr gesorgt. Einen Treffer hätte er sich auf jeden Fall verdient gehabt. Durch die Rettungsaktion von Thomas Salamon blieb es aber bei einem Lattenschuss.

Michael Madl
Der Sturm-Kapitän hat sich vor dem Spiel wohl ein paar Manfred Steiner-Videos angesehen. Seinen Gegnern ließ er keinen Zentimeter Platz, war sehr aggressiv und den Zweikämpfen und machte gemeinsam mit seinem Innenverteidiger-Kollegen die Räume zu, sodass die Austria-Offensive auf die Flügel ausweichen musste. Positiv fällt vor allem sein mittlerweile perfektes Timing in den Zweikämpfen auf, er ist am gestrigen Tag nie zu spät gekommen. Um eine gelbe Karte hat er den Schiedsrichter zwar mehrmals gebeten, dessen Brusttasche aber ist verschlossen geblieben.

Lukas Spendlhofer
Er übernahm den ruhigeren Part in der Innenverteidigung, spielte eine abgebrühte Partie. Mit seinem Nebenmann ergänzt er sich perfekt. Ihm gelang es nicht nur, Chancen zu verhindern, sondern auch durch schnelle, direkte Pässe, die Spieleröffnung zu beschleunigen.

Spielercheck: Note 3,5

Daniel Offenbacher

Der Wasserträger für seine Mannschaft an diesem Tag. Durch die starke Leistung von Hadzic und Stankovic geriet seine eigene etwas in den Hintergrund, man merkte aber auch ganz klar, dass ihm der defensive Part im Mittelfeld zugeordnet war. Immer wieder spielte er schöne Pässe im Spielaufbau, einzig die gelbe Karte nach dem Wortgefecht mit Alexander Gorgon war unnötig.

Daniel Beichler
Viele dachten sich in Minute vier wohl: “Was macht der denn eigentlich da?” Mit seinem Fehlpass im Mittelfeld hätte er der Austria beinahe einen Assist geliefert. Die restlichen 86 Minuten spielte er eine ganz andere Partie als zuletzt gesehen. Er leitete die erste Sturm-Chance ein, spulte extrem viele Kilometer ab und vor allem: Er hatte die beste Passquote der Grazer. Ein Tor aber blieb auch ihm verwehrt. Einige Male wäre er frei vor dem Tor gestanden, wurde dann aber nicht angespielt.

Martin Ehrenreich
In der Anfangsphase hatter er mit Daniel Royer extrem zu kämpfen, bekam ihn aber mit Fortdauer des Spiels unter Kontrolle. Im Vergleich zum Cup-Spiel hat er sich verbessert, leistete die von ihm erwartete Defensivarbeit und konnte somit auch Innenverteidiger Madl entlasten. Zugute kam ihm auch die Unterstützung durch Vordermann Schick. Einmal schlug er eine perfekte Flanke auf Djuricin, sonst war er eher hinten angesiedelt.

Christian Klem
Von Austria-Mittelfeld-Mann Marco Meilinger ließ er sich einige Male ausspielen. Ansonsten war defensiv stark und hat auch einige Male per Kopf geklärt. In die Offensive hat er sich selten eingeschaltet, in Anbetracht des Spielverlaufes wäre das aber auch kaum von Nöten gewesen.

Zu kurz eingesetzt: Simon Piesinger (solide), Josip Tadic (außer einer Top-Chance unauffällig), Sandi Lovric (zu kurz eingesetzt)

Ein Spielercheck von Matthias Strohmeier und Patrick Weißenbacher.

Anmerkungen
Die Leistung der Sturm-Spieler wird anhand von Bällen bewertet. Die höchste Bewertung sind dabei fünf Bälle, die niedrigste Bewertung ist ein Ball. Eine durchschnittliche Leistung ist mit drei Bällen gleichzusetzen, die auch den Ausgangs- bzw. Basiswert darstellen. Das Ergebnis ergibt sich dabei aus der gemeinsamen Diskussion der Sturm12.at-Redakteure, bleibt aber letztlich subjektiv.