Taktikbrille

Vaterschaftstest

Hadzic, Stankovic und Djuricin haben dem Sturmspiel am Wochenende ihren Stempel aufgedrückt. Doch es gibt noch andere Väter des Erfolgs über Austria Wien. Der Sieg beruht auf vielen Facetten – nicht alle davon sind offensichtlich.

Die aktuelle Taktikbrille versucht die Frage zu beantworten, wer der wahre Vater des Sieges gegen Austria Wien war. Alle sprechen von Marko Stankovic, Anel Hadzic und Marco Djuricin (auch der Sturm12.at-Spielercheck), doch die Spielstatistiken kennen da noch einen. Bevor wir uns in die Daten vertiefen, wollen wir aber das Augenscheinliche tun: Die drei Zähler aus Favoriten waren verdient! Punkt. Die Mannschaft hat eine durchwegs gute Leistung geboten. Und die hat gegen diese Veilchen auch gereicht. Und bitte nicht falsch verstehen, man darf sich freuen, aber die Darbietung der Violetten war – sagen wir mal – ausbaufähig. Das belegt nicht nur das Ergebnis, auch die Spielstatistiken tun dies. Dazu aber später.

Austria4
© Sturmtifo.com

Vertikales gegen Horizontales
Während es die Blackys in diesem Spiel gut verstanden, Bälle vertikal zu spielen, versucht es die Austria stark in der Horizontale. Viele Bälle quer beziehungsweise in die Breite, um die recht kompakte Sturmdefensive auseinanderzuziehen. Das gelang aber nicht. Im Gegenteil, die vielen Querpässe boten Sturm immer wieder die Chance auf Interventionen und schnelle Gegenstöße. Von Angriffspressing wollen wir aber bewusst nicht sprechen. Zu oft wird diese Begrifflichkeit gerade durch die Gazetten und Analysen getrieben. Jedenfalls hat das Spiel der Austria den Grazern gut ins Konzept gepasst.

Direkt im Dreieck
Und nun sind wir bei den medialen Helden dieses Spieles. Betrachtet man die Heatmaps von Djuricin, Stankovic und Hadzic, dann erkennt man, dass diese drei dem Offensivspiel der Blackys eindeutig den Stempel aufgedrückt haben. Sehr kompakt und gut im Raum verteilt, wurde oft direkt kombiniert und der Austria so der Zugriff aufs Spiel verwehrt. Aber viel mehr als dies wurden, begünstigt durch die oft ungeordnete Defensive der Verteiler-Kreisler (Shikov!), ungewohnt viele vertikale Pässe gespielt. Von wem die Zuspiele zu den Toren gekommen sind, muss hier nicht mehr extra erwähnt werden. Endlich (!) durfte in diesem Spiel auch Hadzic bei Ballbesitz Sturm auf eine „virtuelle“ Position 8 aufrücken. In dieser Zone des Spielfeldes war die Grazer Nummer acht der bestimmende Spieler – als Ballverteiler in der Offensive und Pressingelement, um das Spiel der Austria früh zu stören. Kongenial unterstützt wurde er von Marco und Marko. Nun könnte man meinen, die gute Tagesform dieser drei wäre für den Sieg verantwortlich.

20 Daniel Offenbacher
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Der Mann dahinter
Betrachtet man die Spielstatistiken der Bundesliga, dann erkennt man allerdings, dass da noch einer extrem wichtig war, an diesem Samstag im November in Wien: Daniel Offenbacher. Der oft gescholtene 10er auf der 6 hat sich seine obligate Gelbe geholt und keinen übermächtigen Zweikampfwert zu verzeichnen. Man sollte meinen: eine typische Offi-Partie. War es aber nicht. Abgefangene Bälle und Ballsicherungen in ganz wichtigen Momenten – gepaart mit einem Schmankerl für Spielanalysten: Die Statistik für erfolgreiche Pässe liest sich anständig. Allerdings ist extrem auffällig, dass Offenbacher fast alle seinen Pässe vertikal nach vorne gespielt hat. Da waren natürlich auch Fehlpässe dabei. Ging aber ein Pass daneben, so war er von Offenbacher meist bereits in die vorderste Reihe gespielt worden – also auf einen der Mark(c)os, oder eine offensive Flügelposition. Das heißt also: Offenbacher hat das getan, was auch Weltklasse-6er tun. Er hat das Spiel nahezu immer nach vorne entwickelt und durch seine Pässe zahllose Offensivaktionen ausgelöst. Begünstigt wurde dieses Passverhalten natürlich auch vom Verhalten des Gegners. Die Heatmaps der Austrianer Mader, Holland und Grünwald zeigen, dass im 6er Raum weniger Verkehr herrschte, als normalerweise am Verteilerkreis. Offenbacher hatte, auch durch die offensivere Positionsauslegung von Hadzic, mehr Raum und auch meist eine direkte, vertikale Anspieloption in unmittelbarer Nähe. Nämlich die Nummer 8. Vergleicht man Offenbachers Passstatistik nun mit Hadzic, so fällt eines auf – mehr Pässe spielte der Ex-Rieder. Viele davon allerdings quer. Die entscheidenden waren trotzdem eher vertikal.

Nicht falsch verstehen, den drei meist genannten Akteuren sei ihr Ruhm für diesen Sieg voll und ganz. Allerdings beruhen Siege, wie der gegen die Austria, auf vielen Facetten. Nicht alle davon sind offensichtlich. Nun freuen wir uns also über drei Punkte aus dem Süden Wiens. Sollte jemand Spaß an den übersichtlich aufbereiteten Analysedaten der Bundesliga gefunden haben – wir freuen uns auf Kommentare. Vielleicht finden sich ja noch mehr Auffälligkeiten. Wir hätten ein paar gefunden. Dazu aber ein andermal mehr.