12 Meter

Das neue alte System Foda

Fünf Spiele hat es gedauert, jetzt ist es da. Das neue Menü von Sturm Graz unter Übungsleiter Franco Foda. Man nehme ein altbewährtes Rezept, füge ein paar neue Gewürze hinzu und fertig ist die Mischung, die Schwarz-Weiß wieder auf die Siegerstraße bringen soll. Das hat nichts mit Spitzengastronomie zu tun, solide Hausmannskost schmeckt allerdings auch vielen.

© Sturm12.at
© Sturm12.at

Wien Favoriten am Samstag, kurz vor 18 Uhr. Franco Foda herzt zuerst den – ob des heftigen Gefühlsausbruchs seines Coaches ein wenig irritierten – Doppeltorschützen Marco Djuricin und ein paar Minuten später beim Schlusspfiff stößt er einen lauten Jubelschrei aus. Man merkt ihm an, dass es heute endlich gelungen ist. Zum ersten Mal seit er wieder da ist, war das zu sehen, was der Trainer sehen will. Die vielzitierte Handschrift des neuen Übungsleiters wurde in Spiel fünf nach der Bestellung sichtbar und er konnte sich die teilweise schon groteske Schönrederei von schlechten Spielen ersparen. Es war außerdem der Fodasche Offenbarungseid, welche Art Fußball wir in nächster Zeit im Optimalfall wahrscheinlich vorgesetzt bekommen.

Und der geht in der komprimierten Zusammenfassung so: Die Viererkette steht sicher und die Außenverteidiger nehmen dabei eine nicht allzu offensive Rolle ein. Der Gegner läuft an und hat mehr Ballbesitz, ist aber durch die kompakte Abwehrreihe gezwungen, viel in die Breite zu spielen. Im Falle der Balleroberung durch den SK Sturm geht es dann blitzschnell. Mit so wenig Berührungen wie möglich wird die Kugel nach vorne in die Spitze befördert und der Abschluss gesucht. Wenn der oder die Stürmer dann noch treffen, ist das Rezept des Franco Foda anno 2014 fertig.

Im Doppel gegen Rapid und davor gegen Wiener Neustadt war davon noch nicht allzu viel zu sehen. Das hatte seine Gründe. Wiener Neustadt war als Abstiegskandidat Nummer eins in erster Linie darauf bedacht, keinen Treffer zu erhalten. Die Heimo Pfeifenberger-Elf ließ sich nicht oft genug herauslocken, dem SK Sturm boten sich nicht allzu viele Gelegenheiten. Gegen Rapid hat Zoki Barisic seinen Grazer Kollegen ein wenig mit den eigenen Waffen geschlagen. Sowohl in Liebenau als auch im Prater – natürlich auch bedingt durch die jeweilige Führung der Grün-Weißen – lockte der Rapid-Coach den SK Sturm in die Rolle, das Spiel machen zu müssen. Was passiert, wenn die schwarz-weiße Mannschaft in diese Verlegenheit kommt, war in den drei Spielen vor der Begegnung gegen die Austria eindrucksvoll zu sehen. Das Powerplay, das geduldige Ausspielen einer Mannschaft, die sich zurückzieht und lauert, ist Sturms Sache nicht. Gegen einen schwachen Gegner ergibt das ein glanzloses 0:0, gegen eine spielerisch gute Truppe, wie Rapid, geht es schief.

Also besinnt man sich am Messendorfer Trainingsplatz auf Altbewährtes in neuem Gewand. Schon bei seinem letzten Gastspiel in Graz hat Foda sukzessive darauf hingearbeitet, dieses Umschaltspiel – kontern, für die Altmodischen – zu perfektionieren. Im Meisterjahr besagte seinerzeit schließlich eine Statistik, dass Sturm im Laufe der Saison mehr als doppelt so viele Tore aus Gegenstößen erzielt hat, wie die nächstbeste Mannschaft in dieser Kategorie. Es scheint alles darauf hinzudeuten, dass auch jetzt die Reise wieder genau dahin gehen soll. Und gegen die Austria hat es erstmals nahezu perfekt geklappt. Die Violetten pressten gegen eine Sturmabwehr, die außer durch einen Abspielfehler von Daniel Beichler ganz zu Beginn, nie in Verlegenheit gekommen ist. Bei nahezu jeder Balleroberung durch die Gastmannschaft folgte mehr oder weniger Gefahr für das Austria-Tor. Sturm zeigte eine Vielzahl von schnellen und druckvollen Gegenstößen. Das Paradebeispiel war Treffer Nummer drei durch Marco Djuricin.

Das System Foda ist nichtsdestoweniger auch in seiner neuen Ära ein reaktives. Er will den Gegner locken und holen, um dann blitzschnell zuschlagen. Das birgt selbstredend Gefahren. Nicht immer werden die Gegner so in die Falle laufen, wie die verunsicherte Austria am Wochenende. Und wenn Sturm in Rückstand gerät, ist diese Spielweise natürlich obsolet. Es wird zu beobachten sein, wie oft die Grazer im Laufe der Saison nach Gegentreffern ein Spiel drehen werden. Aber Foda hat den Status Quo von 2010/11 genommen und ihn den heutigen Anforderungen angepasst. Soll heißen, es wird höher verteidigt als im Meisterjahr, im Mittelfeld früher attackiert, das große Loch zwischen Mittelfeld und Angriff ist Geschichte, siehe auch Anel Hadzic’ Rolle gegen die Austria. Und da es derzeit in der Liga die große Mode ist, gegen alles und jeden anzupressen, werden immer wieder einmal Gegner in Fodas Falle laufen. Das ist nicht die große Fußballkunst, effizient ist es allemal. Vor allem dann, wenn es perfekt einstudiert ist. Und daran wird der Deutsche alles setzen, wie schon in seiner letzten Amtszeit.

Man kann trefflich geteilter Meinung dazu sein, ob es eine langfristig gesehen gute Wahl war Franco Foda wieder auf den schwarz-weißen Trainersessel zu setzen. Vor allem, ob er für die neue Struktur und die Wirkungsmechanismen nach innen der geeignetste Mann ist, wird sich zeigen, Skeptiker gibt es einige. Das wahre Gesicht diesbezüglich wird zum Vorschein kommen, wenn es einmal gehörig brodelt. In jedem Fall bleibt festzuhalten, dass der Mainzer mit seiner erneuerten alten Spielweise, ob man sie nun attraktiv findet, oder nicht, Erfolg haben könnte. Die Vorzeichen dafür stehen in dieser Liga nicht gar so schlecht. Und nur der Erfolg zählt in diesem Business, sagt ja neuerdings auch der Präsident.