12 Meter

Ein Mäuslein für Liebenau

Seit langer Zeit schon besteht der dringende Wunsch des SK Sturm, die Arena in Liebenau zu renovieren. Als Startschuss wählte man eine großes Spektakel, Wahlkampfshow für den Stadtchef inklusive, und zeigte der Öffentlichkeit ein “Tor zur Stadt”. Zunächst wurde die “große Lösung” als zu groß ad acta gelegt. Schließlich blieb überhaupt nur noch ein Tropfen auf den heißen Stein für den Grazer Fußball. Vielleicht auch, weil die Sache verkehrt herum angegangen wurde?

© Sturm12.at
© Sturm12.at

Mehr als zwei Jahre sind vergangen, seit der SK Sturm gemeinsam mit Bürgermeister Siegfried Nagl mit großem Trara das “Tor zur Stadt” präsentiert hat. Ein neuer Stadtteil rund um Liebenau wurde angekündigt, schöne Bilder wurden gezeigt, verheißungsvolle Reden geschwungen. Der Verdacht lag allerdings nahe, dass der SK Sturm dem Stadtchef zu einem medienwirksamen Auftritt mitten im Wahlkampf verholfen hat. Der konnte ein paar äußerst unverbindliche Absichtserklärungen absondern, der Verein erhoffte sich wohl dann später Nagl darauf festnageln zu können. Dann passierte lange gar nichts.

Von der Gesamtlösung mit dem “Tor zur Stadt” war schließlich nie wieder was zu hören, Präsident Christian Jauk ließ in diesem Sommer dann endgültig wissen, dass aus der großen Lösung wohl nichts werden würde. Man konzentriere sich allein auf das Stadion selbst und den Vorplatz. Europacup- und Länderspieltauglichkeit, ein anständiger Rasen, Gastronomieverbesserungen und so weiter. Arbeitsgruppen wurden gegründet, die lange nicht getagt haben, verhandelt wurde da und dort mit der Politik, Unfreundlichkeiten wurden einander ausgerichtet. Und nun sind es fünf Millionen Euro, die von Stadt Graz und Land Steiermark in die Renovierung des Stadions gepumpt werden, 20 Millionen gehen an den Eisbunker nebenan. Der Berg hat gekreißt und für den Fußball in Graz ward ein Mäuslein geboren.

Mit dieser Summe kann man nicht viel mehr anfangen, als notdürftig zu adaptieren. Für alle Maßnahmen, die Sturm für den Vorplatz und die Arena selbst gerne gemacht hätte, wäre wahrscheinlich mehr als das Doppelte notwendig. Man muss sich bei diesem ersten Schritt also mit Flickwerk begnügen, wenig verwunderlich, dass in Messendorf offenbar geschmollt wird und man bis dato nicht zum Beitrag der Politik Stellung nehmen wollte. Natürlich hat Christian Jauk nicht unrecht, wenn er behauptet, in Graz herrsche beim Fußball das “Diktat der leeren Kasse” und andere Projekte wären sehr wohl verwirklicht worden. Nichtsdestotrotz muss sich der SK Sturm in dieser gesamten Causa auch ein wenig selbst an der Nase nehmen. Die Herangehensweise an das Projekt kann schlicht und einfach nur als “verkehrt herum” bezeichnet werden. Der vom Präsidenten gerne verwendete Spruch “Man muss das Unmögliche anstreben, um das Mögliche zu erreichen”, ist in diesem Fall ordentlich in die Hose gegangen.

Schwenk nach Wien Hütteldorf. Auch dort zog sich die Debatte rund um den Neubau des Rapid-Stadions sehr lange hin. Aber man hat dort zuerst hinter verschlossenen Türen geredet, Wettbewerbe für Modelle ausgeschrieben, Zahlen auf den Tisch gelegt und ein fertiges Paket geschnürt. Unter Schmerzen und Gezeter, aber mit dem Ergebnis, dass die Stadt Wien mit 20 Millionen Euro Förderung zur Seite steht. Insgesamt stemmt der Verein ein Gesamtbudget von bis zu 53 Millionen Euro für den Neubau. Außerdem geht das Stadion vom Pachtstatus gänzlich in den Besitz der Grün-Weißen über, die Stadt Wien behält sich nur den Grund. Jedenfalls nicht ganz so schlecht, was dann dort als neue Heimstätte im Wiener Westen dienen wird. In Graz muss der Verein sich für jedes Spiel auf Bittsteller-Art den Schlüssel abholen gehen. Und wehe, es wurden vom Mieter (=SK Sturm) nicht alle Kaugummis vom Boden gekratzt. Dann setzt es Extra-Reinigungskosten. Bei der jetzt als erstem Schritt zugesagten Summe, sind die Pläne, zumindest Pächter der Arena zu werden, wohl in weite Ferne gerückt. Sturm wolle nämlich nur eine umfassend sanierte Spielstätte übernehmen.

Warum man aber den Weg der umgekehrten Logik gewählt hat, der jetzt in der Stückwerk-Lösung vorläufig endet, ist schwer nachvollziehbar. Vielleicht wäre eine gesamtheitlichere Lösung drinnen gewesen, wenn man nicht zuerst mit großem Getöse im Wahlkampf den Bürgermeister heiße Luft reden lässt und nicht erst dann versucht, nachzuhecheln und zu schauen, was jetzt wirklich rausspringt. Wozu war die große Präsentation des “Tor zur Stadt” gut, wenn man nicht einen einzige Euro an Finanzierungszusagen in der Tasche hat? Außer Enttäuschungen durch das, nach und nach, Zurückrudern hat man damit nichts erreicht. Mit einem Konzept zur Politik zu gehen, wenn es sein muss, darum zu streiten, und dann, wenn etwas eingetütet ist, an die Öffentlichkeit gehen, wäre vielleicht zielführender gewesen. Weniger als jetzt diese fünf Millionen Euro wären dabei jedenfalls auch nicht herausgekommen.