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© Rolf Roletschek – CC BY 3.0

Sturm-Vakuum im Nationalteam

Der letzte Mohikaner

In alten Zeiten immer wieder vorgekommen, in den jüngst vergangenen Jahren jedoch ein Bild mit Seltenheitswert: ein Blacky im Dress des österreichischen Nationalteams. Auch in den kommenden Partien wird voraussichtlich kein schwarz-weißer Akteur das internationale Feld betreten. Marcel Kollers Anruf bei Marco Djuricin weckt nun aber Hoffnung, in näherer Zukunft wieder einen Grazer für Österreich auflaufen zu sehen.

Im Nationalteam nichts Neues
Nichts Neues gibt es zu vermelden, spricht man von der Beteiligung am Nationalteam-Kader des SK Sturm Graz. Mehr als zwei Jahre sind bereits vergangen, seit mit Christian Gratzei der letzte Schwarz-Weiße im Team-Dress zu sehen war. Der Grazer hatte seinen letzten Auftritt im Freundschaftsspiel gegen Rumänien, das mit einem leitungsgerechten 0:0-Unentschieden endete. Mittlerweile 892 Tage trainiert Marcel Koller die ÖFB-Elf, ohne auch nur einen Spieler aus der steirischen Landeshauptstadt in den Team-Kader einberufen zu haben. Grund dafür ist weniger ein schwacher Vereinskader seitens Sturm, sondern vielmehr ein starkes Nationalteam, in dem Legionäre deren Plätze in der Stammelf manifestiert haben. Mit Heinz Lindner, Martin Hinteregger, Andreas Ulmer, Stefan Ilsanker, Marcel Sabitzer und Christoph Leitgeb ist die österreichische Bundesliga im Team zwar immer noch vertreten, jedoch bis auf jüngst Hinteregger meist nur als Back-Up auf der Ersatzbank zu finden.

Mag sich derzeit auch kein Grazer im Kader des Nationalteams wiederfinden, so ist doch der Geist der Schwarz-Weißen nach wie vor im Nationalteam vorhanden. Sebastian Prödl, Christoph Leitgeb, Rubin Okotie und Robert Almer, die in ihrer Jugend und auch darüber hinaus für den SK Sturm gespielt haben, hissen als Ex-Blackys die Sturm-Fahne im Team ob ihrer fußballerischen “Herkunft” zumindest noch auf Halbmast.

©  SturmTifo.com
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Schwarz-weiße Perspektiven
Mit Florian Kainz tat jener einen Schritt Richtung Rapid Wien, der zuvor die größte Hoffnung war, Sturm wieder in Rot-Weiß-Rot zu sehen. An schwarz-weißen Perspektiven für das ÖFB-Team mangelt es jedoch trotzdem nicht. Die beiden Innenverteidiger Michael Madl und Lukas Spendlhofer haben sich beispielsweise in den vergangenen Spielen ausgezeichnet und ihre Zweikampfstärke unter Beweis gestellt. Österreichs Innenverteidigung ist nun aber mit Aleksandar Dragovic, Sebastian PrödlKevin Wimmer und Hinteregger sehr gut aufgestellt, was vermuten lässt, dass die beiden noch länger auf einen Anruf von Marcel Koller warten müssen. Nicht so Sturms derzeit größter Anwärter auf einen Platz im Nationalteam: Marco Djuricin könnte auch in Zukunft bei kaderbekanntgebenden Pressekonferenzen eine Rolle spielen. Denn die österreichische Offensive ist durchaus ausbaufähig: Marc Janko wird als alleinige Spitze oft nachgesagt, zu statisch zu sein und Andreas Weimann konnte in seinen bisherigen Einsätzen für Österreich nicht überzeugen. Nur der Ex-Grazer Rubin Okotie kann derzeit mit leistungsstarken Auftritten bei 1860 München und zuletzt auch im Team gegen Montenegro glänzen. Djuricins Nominierung auf Abruf kommt nach den zuletzt gebrachten Leistungen nicht überraschend, jetzt gilt es, die positive Entwicklung zu bestätigen und weiter gute Spiele abzuliefern. Dann könnte die Kader-Nominierung nicht lange auf sich warten lassen.

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Sturm12.at

Legenden…
… spenden den Sturm-Fans Trost. Ein Blick in die ruhmreiche Vergangenheit lässt die aktuelle Sturm-Flaute im Nationalteam schnell vergessen. Den Anfang bildete Sturmikone Ludwig Durek, der 1948 als einziger Nicht-Wiener im österreichischen Olympia-Kader stand, jedoch ohne Einsatz die Heimfahrt antrat. Dureks Erbe traten unter anderem Legenden wie Anton „Burli“ Wolf, Helmut „Zecki“ Senekowitsch und Heribert Weber an. Senekowitsch war zudem der erste Blacky bei einer Weltmeisterschaft, und zwar jener in Brasilien 1958. Sturms „goldene Zeit“, auf Vereins- sowie Nationalteamebene, datiert aber auf das Jahr 1998 zurück. Dort konnte der Verein Roman Mählich, Markus Schopp und das „magische Dreieck“, gebildet aus Hannes Reinmayr, Ivica Vastic und Mario Haas, zur WM nach Frankreich schicken. Ivica Vastic trug sich außerdem mit einem Tor gegen Chile in die Scorer-Liste ein. Auch nach der Erfolgsära rund um das schwarz-weiße Quintett waren immer wieder Spieler aus dem Sturm-Kader für ein Länderspiel nominiert. Angefangen bei Günther Neukirchner, über Klaus Salmutter, Mario Kienzl, Jakob Jantscher bis letztendlich zu Christian Gratzei, der bis Juni 2012 die Grazer als letzter Mohikaner vertrat.

© SturmTifo.com
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Der Schlüssel zum jungen Erfolg
Im ÖFB-Nachwuchs ist der SK Sturm bis zur U18 gut vertreten. Denn seit geraumer Zeit leistet die Akademie Steiermark-Sturm Graz unter Dietmar Pegam Arbeit, die – um es mit den Worten von Akademie-Leiter Pegam zu sagen – “schön langsam fruchtet.” Doch sucht man derzeit von der U19 aufwärts nach schwarz-weißen Youngsters, tut man dies vergebens. Mit Marco Djuricin und Lukas Spendlhofer waren zwar bis vor drei Monaten noch zwei Grazer in Werner Gregoritschs U21-Kader gesetzt, beide mussten jedoch aufgrund des neuen Stichjahres weichen. So weitet sich das Sturm-Vakuum in der Nationalmannschaft bis in die U18. Doch glaubt man den Worten Pegams, darf der Sturm-Fan durchaus hoffen. „Der Jahrgang ’99 ist ein Jahrhundertjahrgang für Sturm Graz, dazu stehe ich”, schwärmte der Akademieleiter im April über den schwarz-weißen Nachwuchs. Der Schlüssel zur aktuellen Grazer Nationalteam-Flaute liegt dann in der Jugendarbeit, da mit mehr jungen Talenten auch mehr Perspektiven für den ÖFB vorhanden sind. Ein Schlüssel, der erst einmal ins Schloss passen muss.