Sturm - Haladas Szombathely

Testspielerfolg im windigen Wildon

Sturm Graz gewinnt im freundschaftlichen Test gegen Haladas Szombathely 4:2. Bei bitterkalten Temperaturen und holprigem Geläuf in Wildon macht Josip Tadic mit einem Doppelpack auf sich aufmerksam, Spendlhofer und Barbaric scheiden verletzt aus.

Sturm12.at (LM)
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Sturm Graz nützte am Freitag die Länderspielpause im windingen Wildon gegen Haladás Szombathely. Beim zweiten Aufeinandertreffen mit dem ungarischen Tabellenletzten im Jahr 2014 siegten die Schwarz-Weißen mit 4:2 und damit mit dem exakt gleichen Ergebnis wie damals. Damals noch unter Darko Milanic und mit Florian Kainz und Robert Beric. Jetzt allerdings unter Franco Foda. Der Aufwärtstrend der Grazer hält damit an. Die Mannschaft trat im Vergleich zu den letzten Erfolgen gegen den WAC und der Wiener Austria mit einer veränderten Stammmannschaft an. In der Startformation standen gleich fünf neue Gesichter: Josip Tadic sprang für Daniel Beichler ins Leibchen. Tomislav Barbaric, der in der Innenverteidigung Lukas Spendlhofer ersetzte, war ebenso neu in der Startelf wie der von Martin Ehrenreich aus der Stammformation gespielte Rechtsverteidiger Aleksandar Todorovski. Taisuke Akiyoshi, seines Zeichens Trainigsweltmeister unter Milanic, durfte auf der linken Flanke Dauerläufer Thorsten Schick ersetzen. Auch Simon Piesinger, der sich als Edel-Joker Fodas etablierte, spielte diesmal von Beginn an. Gesammelt schaut das anfangs wie folgt aus: Gratzei – Todorovski, Barbaric, Madl (K), Klem – Akiyoshi, Offenbacher, Piesinger, Stankovic – Tadic, Djuricin.

Sturm verteidigt zu Beginn sehr hoch und beginnt in der Anfangsphase aggressiv. Mit dem ersten Freistoß der Ungarn von der rechten Seite ensteht trotzdem Gefahr im Strafraum der Grazer. Die Ungarn haben in den ersten fünf Minuten mehr Spielanteile, Sturm sorgt durch schnelles Umschalten immer wieder für Gefahr, ist aber noch etwas ungenau. Der erste Torschuss der Partie erfolgt durch Marko Stankovic nach Ballgewinn in der gegnerischen Gefahrenzone. Danach wachen die Grazer auf. Die taktische Ausrichtung der Grazer ist in weitere Folge sehr gut zu erkennen: Aktives Pressing, schnelle Ballstafetten durch das sehr flexible Mittelfeld, Zug zum Tor – so stellt sich Foda das wohl vor. In dieser frühen Phase des Spiels können sich die Ungarn fast nie aus der eigenen Hälfte befreien. Josip Tadic lauert in der ersten Hälfte auf Höhe der gegnerischen Abwehrreihe als klassischer Mittelstürmer, seine Abschlüsse lassen aber zu Beginn die nötige Präzision vermissen.

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Madl trifft per Freistoß – Innenverteidiger im Doppel out
Die Ungarn versuchen immer wieder mit langen Bällen das Mittelfeld zu überbrücken, was aber nur sehr selten gelingt. Ein solcher Pass wird von Marco Djuricin 30 Meter vor dem Tor des fehlerhaften ungarischen Goalies abgefangen. Der Bundesliga-Topscorer  der Grazer sorgt mit einem Dribbling für Gefahr, wird schließlich aber kurz vor der Strafraumgrenze von vom letzten Mann der Ungarn regelwidrig gestoppt. Es ertönt der Pfiff, die Karte bleibt aber aus. Der folgende Freistoß von Kapitän Madl, der am heutigen Abend als Hauptakteur bei ruhenden Bällen agiert, bringt, außer dem Fallen von Simon Piesinger im Strafraum, nichts ein. Auffällig ist in der ersten halben Stunde, dass die Grazer die Räume auf den Flanken fast gänzlich meiden, nur durch die schnellen Balleroberungen des heute starken Piesinger ergeben sich Räume auf den Außenbahnen. Dieser Raum erzeugt auch die erste Großchance der Partie: Tadic kann sich gegen seinen Gegenspieler auf dem rechten Flügel durchsetzten, bringt den Ball mit einem Stanglpass zu Djuricin in den Strafraum, doch dieser kommt am ungarischen Schlussmann nicht vorbei. Wenig später fällt das 1:0. Nachdem Djuricin 20 Meter vor dem Tor nur durch ein Foul vom Ball zu trennen ist, tritt Madl erneut zum Freistoß an und bezwingt den Torwart der Ungarn mit einem platzierten Schuss über die Mauer (23.). Die Ungarn versuchen es weiterhin mit weiten Bällen vom eigenen 16er, einer kann von der Sturmabwehr, die meist bei Ballbesitz an der Mittellinie positioniert ist, nicht entschärft werden: Der Stürmer kann mit einem Sonntagsschuss in das Kreuzeck nach kapitalem Stellungsfehler des früheren Torschützen ausgleichen. Gegen Ende der ersten Halbzeit verteidigten die Ungarn höher und kommen noch zu guten Chancen. Einem groben Foul an Taisuke Akiyoshi folgt ein Handgemenge zwischen “Rächer” Marko Stankovic und einem ungarischen Spieler. Es ist die einzig nennenswerte Aktion in einer ereignisarmen Schlussphase der ersten Halbzeit. Danach bittet der nicht immer sattelfeste Schiedsrichter Rene Eisner pünktlich zum Pausentee

Tadic im Mittelpunkt
Die zweite Halbzeit ist anfangs von Mittelfeldgeplänkel und vielen kleinen Fouls geprägt. In dieser Phase erheitert die fröstelnden Zuseher mehr der Rumtee – erhältlich um stolze drei Euro – als das Spiel der beiden Mannschaften. Danach müssen Barbaric und sein Ersatzmann Spendlhofer (unglücklicher Pressball) verletzt ausgewechselt werden. In der 53. Minute kann sich Josip Tadic nach einem Pass in die Tiefe gut in ebendiese und hat nur mehr den Torhüter vor sich, von dem er aber von den Beinen geholt wird. Es gibt Elfmeter. Marko Stankovic tritt an und verwandelt einigermaßen souverän zum 2:1. Nach dem Führungstreffer nehmen die Schwarz-Weißen wieder das Heft in die Hand, Gefahr geht immer wieder über Akiyoshi aus, der heute (einmal mehr) sehr bemüht und engagiert wirkt. Er ist es auch, der mit einem Dribbling in den Strafraum die Ecke herausholt, welche zum 3:1 führt. Josip Tadic steigt nach perfekter Hereingabe am höchsten und köpft zur zu diesem Zeitpunkt verdienten Zwei-Tore-Führung ein (56.). Danach kommt auch der 20-jährige Felix Schmied zu seinem Einsatz. Er sollte in der Folge ein bemühtes Spiel auf der linken Seite abliefern.

Verdienter Sieg
Eigenfehler bestraft der liebe (Fußball)-Gott an diesem Tag am liebsten, wie es scheint. Nach einem Missverständnis der Grazer Innenverteidigung kommen zwei Ungarn, nur mehr Christian Gratzei vor sich habend, an den Ball. Der Schlussmann, der zuvor noch im Manuel-Neuer-Stil einen Angriff klären konnte, läuft diesmal einigermaßen unmotiviert 30 Meter vor sein Tor, die zwei Ungarn umspielen ihn und haben kein Problem auf 3:2 zu stellen. Nachdem Verteidiger Martin Ehrenreich per Kopf unglücklich an der Latte scheitert, macht es Stürmer Tadic besser: Er netzt nach seinem Kopfball zu seinem Doppelpack und zum 4:2-Endstand ein. In den Schlussminuten gehen dann teilweise wegen einer stromfressenden Fritteuse die Flutlichter aus, das Spiel kann aber dennoch fortgesetzt werden und endet – wie schon beim ersten Aufeinandertreffen mit den Ungarn – mit einem verdienten 4:2-Sieg von Sturm. Wieder liegt dem Ergebnis keine schlechte, aber eine durchwachsene Leistung zugrunde. War Sturm in Phasen des Spiels drückend überlegen, gab man insbesondere nach 20 respektive 65 Spielminuten das Heft aus der Hand. Es war dennoch ein freundschaftliches Kräftemessen, mit dem Sturm Graz und Trainer Franco Foda durchwegs zufrieden sein können. Auch weil die Verletzungen von Spendlhofer und Barbaric nicht ganz so schlimm sein dürften – beide nahmen nach ihren Auswechslungen auf der Wildoner Tribüne Platz. Franco Foda war dennoch nach dem Spiel nicht nach Reden zumute.