gak (2)
© SturmTifo.com (Montage)

Schwarz und Weiß

GAK zurück in den Profifußball?

Die heutige Frage ist eine, die die schwarz-weißen Fanlager einigermaßen spalten dürfte. Denn der Grazer Athletikklub ist es, über den hier diskutiert wird. Braucht die Stadt Graz wieder Derbys?

197 Mal trafen der GAK und der SK Sturm aufeinander, um berüchtigte Grazer Derbys auszutragen. Das vorerst letzte dieser Art fand am 17. Mai 2007 statt. Mit einem 1:0-Sieg verabschiedete man sich vom GAK, der noch im selben Jahr in Konkurs gehen sollte. Läuft es nach den gewöhnlichen Regeln für den Aufstieg ab, gäbe es frühestens 2020 wieder ein großes Grazer Derby. Doch soll der Grazer Stadtrivale wirklich wieder groß aufspielen? Dieser Thematik nehmen sich in der aktuellen Ausgabe von Schwarz und Weiß zwei Sturm12.at-Redakteure an: Kolumnist Jürgen Pucher sieht schwarz, Markus Scheucher weiß.

 

Keine Not für rot

Rund um die Diskussionen hinsichtlich der Mittel zur Renovierung der Sportanlagen in Liebenau, kam auch der geneigte Stadtrivale wieder ein wenig in den medialen Fokus. Auch nach Weinzödl sollte plötzlich eine der ohnehin kärglichen fünf Millionen für den Fußball gehen. Genaues weiß man noch nicht, ob der stetig stark gewesenen fußball-roten Grazer Politikabteilung, wäre es aber nicht verwunderlich, sollte hier die Verteilungsgerechtigkeit aus den Augen verloren werden. Es scheint fast so, als wäre vergessen worden, wo sich die ehemaligen Korösi-Kicker derzeit sportlich befinden. In der Gebietsliga Mitte nämlich.

Es wäre schlicht und einfach die Aufgabe der Stadt- und Landespolitik, ob des Status Quo den Fokus auf den einzigen relevanten Fußballklub im Land zu legen. Zunächst einmal ist es ja nicht so, dass die Roten aus einer Pechsträhne heraus im Nirwana gelandet sind. Außerdem gilt es, bei ohnehin schon nicht prallem Füllhorn hierzulande, ein Mindestmaß an Verhältnismäßigkeit zu bewahren. Und nicht zuletzt braucht man nur einen kurzen perspektivischen Ausblick zu machen: Es würde ohne diverse windige Fusionierungsoptionen mit einem höherklassigen Klub erst in sehr vielen Jahren möglich sein, wieder ein Bundesliga-Derby zu erleben.

Die Stimmung bei Grazer Stadtderbys sei so toll gewesen. Es bräuchte einen Gegner wie den GAK in der ohnehin tristen Liga mit lauter Dorfvereinen. Das „Knistern“ rund um ein innerstädtisches Duell sei durch nichts zu ersetzen. Das alles werfen jene ins Geschehen, die sich die Rückkehr der Athletiker wünschen. Das mag alles ein bisschen so sein, ich halte allerdings dagegen, dass hier wohl mehr als ein Punkt in der Rückschau ein wenig gar überhöht wird. Mit einem Derby in Wien hatte das Grazer Exemplar seit jeher wenig zu tun. Den tiefen Graben wie zwischen grün und violett suchte man damals vergeblich. Nicht wenige besuchten in Graz Heimspiele beider Klubs und deklarierten sich nur im Derby zu ihrer knappen Nummer eins.

Für mich bleibt unter dem Strich: Sollte der GAK irgendwann aus sportlichen Gründen die Rückkehr schaffen, soll nichts Schlimmeres passieren und alles Gute dabei. Ich könnte allerdings nicht sagen, dass mir der Klub und das damit verbundene viermalige Aufeinandertreffen pro Saison in den letzten Jahren nachhaltig abgegangen wäre. Und nicht zuletzt ist mir das Hemd näher als der Rock. Eine nachhaltige Unterstützung für den schwarz-weißen Profiverein in der Auslage, ist mir allemal lieber als eine künstliche Wiederbelebung des untoten Grazer Athletiksport Klubs.

Ein Text von Jürgen Pucher

Fußballstadt Graz

Der GAK sollte wieder in der Bundesliga spielen. Und ginge es nach manchen Fans und Förderern des österreichischen Meisters von 2004, sollte das am besten bereits in der nächsten Saison passieren. Derzeit führt man die Tabelle in der Gebietsliga Mitte (7. Spielklasse) ungeschlagen an.

Mit dem wirtschaftlichen und sportlichen Neustart nach insgesamt vier Insolvenzverfahren kehrte bei den Rotjacken endlich wieder so etwas wie Ruhe und Ordnung ein. Die Fans stehen trotz aller Turbulenzen ihrer Athletiker hinter dem Verein und der neuen Philosophie. Für die Mitglieder des neu gegründeten GAC kam nur ein absoluter Neustart mit konsequent nachhaltiger Wirtschaftspolitik in Frage. Die marode Vereinsstruktur zum Zeitpunkt des Zwangsabstiegs in die Regionalliga und nach Verschlechterung jener durch die jeweilige Refinanzierung des Vereins, war es der einzig richtige Schritt den GAK von Grund auf neu aufzustellen.

Das letzte große Grazer Derby gewann der SK Sturm im Mai 2007 mit 1:0. Seither gingen die Lichter im Stadion Liebenau nie gemeinsam für die Stadtrivalen an. Fast. Da der GAK ab 2007/08 in der Regionalliga spielen musste, gab es Duelle mit den Sturm Amateuren. Bis zum verheißungsvollen Meistertitel der roten Teufel 2012 gab es 10 Duelle mit Blackys in der dritten Spielklasse. Wirkliche Stimmung wie im „echten“ Derby kam dabei allerdings nie wirklich auf. Der Entzug Grazer Derbys ist ein wahrlich schwerer, die Stimmung im Stadion war immer eine ganz besondere.

Denn auch wenn Sturm schlecht spielte, die Unterstützung der Fans riss nur sehr selten ab. Fazit: Ja, Fußball-Graz braucht wieder Derbys!

Mit der Rückkehr des GAK in den Profifußball kann er meiner Meinung nach auch wieder Teil der sportlichen Zukunft des Landes werden. Gäbe es wieder zwei Bundesligavereine in Graz, könnte die Politik nicht mehr über die Stadiondebatte in Liebenau hinwegsehen, oder wie mit der jetzigen unzufrieden stellenden Finanzspritze das Problem kurzfristig beseitigen. Der GAK ist – und bleibt – ein Teil der steirischen Sportgeschichte. Durch die Konkurrenz in der eigenen Stadt könnte natürlich auch die Wettbewerbsfähigkeit des SK Sturm und der Fußballstadt Graz verbessert werden. Meiner Einschätzung nach durchaus ein Grund, als „echter Blacky “ für eine Rückkehr des GAK in die Bundesliga zu sein. Der Weg für den GAK zurück in den Profifußball wird nichtsdestotrotz ein langer und steiniger. Jetzt Prognosen für die Situation in fünf Jahren abzugeben, ist genau so wage wie zu behaupten, wann der SK Sturm Graz wieder Champions League spielen könnte.

Ein Text von Markus Scheucher