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Spielbericht Sturm - Salzburg

Nicht auf den Punkt gebracht

Der SK Sturm Graz unterliegt Red Bull Salzburg im sonntäglichen Spitzenspiel mit 1:2. Die Grazer verschlafen zwei Mal den Halbzeitbeginn, Marco Djuricins Anschlusstreffer kommt zu spät. Weil auch die direkten Konkurrenten ausließen, ist in der Tabelle nicht viel passiert.

Mit dem WAC, Altach und Rapid verloren am Samstag gleich drei unmittelbare Tabellennachbarn von Sturm Graz ihre Begegnungen. Es war also angerichtet in Fußball-Graz für ein Spiel, in dem man auch zu Hause immer mit Außenseiterchancen ins Spiel geht. Und stets nur gewinnen kann. Red Bull Salzburg war zu Gast in Liebenau. Der amtierende Meister musste in der Viererabwehrkette nach Ausfällen des kränklichen Andreas Ulmer und des verletzten Christian Schwegler Änderungen vornehmen. Statt den beiden verteidigten Benno Schmitz und Peter Ankersen für die Mannschaft von Adi Hütter. Der Vorarlberger konnte im Vergleich zum Spiel gegen Altach vor der Länderspielpause wieder auf einige Stammkräfte setzen. Kevin Kampl und Marcel Sabitzer konnten von Beginn für Gefahr vor dem Tor von Sturm sorgen. Auch Nationalteam-Verteidiger Martin Hinteregger war im Vergleich zur Altach-Schlappe wieder fit. Ansonsten im Westen nichts Neues. Ähnliche Spielanlage wie in den erfolgreichen Spielen in der Europa League gegen den kroatischen Meister Dinamo Zagreb. Es wird früh attackiert, das Pressing sehr früh aufgezogen. Bei Sturm liest sich das personelle Update kurz: Franco Foda musste nur den Ausfall des gelbgesperrten Anel Hadzic kompensieren. Seinen Platz im zentralen Mittelfeld nahm Simon Piesinger ein. Foda setzte damit auf Konstanz und auf dieselbe Startelf wie vor der Länderspielpause gegen den Tabellenzweiten aus Wolfsberg.

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Verschlafen
Salzburg versucht in der Anfangsphase das Mittelfeld schnell zu überbrücken und meist durch die Mitte gefährlich vor das Tor zu kommen. Sturm kann mit dem hohen Druck der Salzburger zu Beginn nicht richtig umgehen, das Spiel findet nur in der Hälfte der Grazer statt. Dazu kommen ein stümperhaftes Zweikampfverhalten und etliche Ungenauigkeiten im Passspiel. Und so kommt es früh, wie es irgendwann kommen musste: Massimo Bruno nimmt sich ein Herz und zieht aus rund 20 Metern einfach durch die Abwehr ab und trfft ins linke Eck von Christian Gratzei. Dem Schlussmann wird dabei noch leicht die Sicht von Michael Madl verstellt. Der SK Sturm ist kurz von der Rolle, fängt sich aber schnell. Foda will den Bullen mit zwei kompakten Abwehrreihen und schnellem Umschalten gegen die hochstehende Verteidigung der Bullen begegnen. Top-Scorer Marco Djuricin, der in manchen Situation unglücklich agiert, soll als Stoßstürmer in Szene gesetzt werden. Hinter ihm agiert Marko Stankovic als Freigeist vor der Mittelfeld. Hingegen kommt Salzburg mit diesem Rezept der schnellen Balleroberung in der eigenen Hälfte zu guten Konterchancen. Und so taucht der Grazer Marcel Sabitzer in seiner Heimatstadt mutterseelenallein vor Christian Gratzei auf. Mit vereinigten Kräften sorgen Gratzei und die rechte Stange den 0:2-Rückstand.

Aufgewacht
Jene Bullen-Großchance wirkt ein wenig wie eine Initialzündung im Spiel der Blackys. Teils sehenswerte Kombinationen führen zu einer Dreifachchance von Sturm. In der 20. Minute brennt es im Strafraum der Salzburger lichterloh: Simon Piesinger und Stankovic bringen den Ball nicht im Tor unter, Torhüter Peter Gulacsi und Aluminium verhindern den Ausgleich der Grazer. Drei Mal kommt der Ball vor dem Tor des Ungarn zum Liegen.  Die Defensive der Bullen scheint auch in dieser Partie der Knackpunkt zu sein. Sturm gestaltet in der Folge das Spiel, gefährlich vor das Tor kommt man aber nicht. Pünktlich zur Halbzeit pfeift Schiri Lechner ab.

Wieder eingenickt
Gleich nach Wiederanpfiff kommt der Meister aus Salzburg mit viel Elan auf den Rasen in Liebenau zurück. Das gleiche Bild wie in Halbzeit eins, Salzburg dominiert, Sturm ist sehr unbeweglich, kommt in keinen Zweikampf. Wieder verschläft man die Anfangsphase, wieder muss Christian Gratzei den Ball aus seinem Tor holen und diesmal ist auch er mit Schuld: Kevin Kampl tanzt sich durch das komplette Mittelfeld, kann unbedrängt flanken, Gratzei wagt den Ausflug, segelt aber vorbei. Marcel Sabitzer köpft an die Latte, von ihr springt der Ball glücklich vor die Füße des Bundesliga-Toptorschützen Jonatan Soriano. Der Spanier hat dann nicht wirklich viele Probleme, das runde Leder über die Linie zu bugsieren. So kann Salzburg mit nicht sonderlich viel Aufwand einen verwaltbaren Vorsprung herausspielen. Die überragende Kraft in der Bundesliga glänzt an diesem kühlen Sonntag nicht wie die Meisterschale.

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Am Punkt vorbei
Die 11.658 Zuseher sehen anschließend ein ähnliches Bild wie in Halbzeit eins. Sturm ist bemüht, doch vor dem Tor zu wenig durchschlagskräftig. Nach toller Kombination und Doppelpass mit Marco Djuricin kommt der heute blasse Dauerläufer Thorsten Schick im Fünfer alleine vor dem Tor zum Abschluss. Er vollbringt aber das Kunststück, diesen Ball weit über das linke Kreuzeck des Gehäuses der Salzburger zu zirkeln. Dies rächt sich beinahe postwendend: Soriano läuft nach langem Ball allein auf Gratzei zu, lupft den Ball – wie so oft – technisch fein über den Keeper, jubelt aber nicht, wie so oft: Lukas Spendlhofer kann den Ball noch artistisch per Fallrückzieher von der Torlinie kratzen. Bei Salzburg geht nach seinem Nicht-Treffer Jonatan Soriano unter die Dusche, für ihn kommt der wiedergenesene Alan ins Spiel. Damit eröffnet Adi Hütter den Reigen der Wechsel. Bei Sturm kommt Josip Tadic für Stankovic ins Spiel, Schick wird mit Youngster Andreas Gruber ersetzt. Benjamin Rosenberger kommt auch ins Spiel und somit zu seinem Bundesligadebüt. Sturm hat jetzt seine beste Phase in der Partie, es wird attraktiver Offensivfußball geboten. Letztendlich werden die Bemühungen zum Anschlusstreffer endlich belohnt: Djuricin trifft nach Offenbacher-Corner an die erste Stange per Kopf zu seinem neunten Bundesliga-Saisontor (80).

In der Schlussphase wird es hektisch. Salzburg kann sich nur selten Luft verschaffen. Sturm kommt, euphorisiert durch das Tor, auf und dominiert das Geschehen klar. Die Schwarz-Weißen werfen noch einmal alles nach vor. Gruber setzt sich gegen Ankersen auf der linken Außenbahn durch, Djuricin verfehlt den Stanglpass nur knapp. Salzburg hält mit Kampfkraft dagegen. Ilsanker foult in der Nachspielzeit Spendlhofer in Wrestling-Manier. Karte gibt es für dieses rüde Foul allerdings nicht. Die große Ausgleichschance gibt es aber nicht mehr, wenig später pfeift Lechner zum Schlusspfiff, Salzburg gewinnt gegen Sturm 2:1. In den nächsten zwei Wochen kommen zwei Teams, gegen die man wieder punkten muss, will man das ausgegebene Ziel Europacup erreichen.

Stadion Liebenau 16. Runde Zuschauer: 11.658

Sturm Graz
23.11.2014, 16:30 Uhr



SR: Mag. Harald Lechner

Red Bull Salzburg
Torschütze (Vorlage) TORE Torschütze (Vorlage)
8. Minute Massimo Bruno (Christoph Leitgeb)
52. Minute Jonatan Soriano (Marcel Sabitzer)
Marco Djuricin (Daniel Offenbacher) 80. Minute
Spieler Karten Spieler
Marco Djuricin (Gelb)30. Minute
Daniel Offenbacher (Gelb)41. Minute
Lukas Spendlhofer (Gelb)56. Minute
Benjamin Rosenberger (Gelb)81. Minute
Spieler Aufstellung Spieler
Tormann - Christian Gratzei   Péter Gulácsi - Tormann
Abwehr - Christian Klem   Martin Hinteregger - Abwehr
Abwehr - Lukas Spendlhofer   André Ramalho - Abwehr
Abwehr - Michael Madl   Peter Ankersen - Abwehr
Abwehr - Martin Ehrenreich   Benno Schmitz - Abwehr
Mittelfeld - Marko Stankovic   Massimo Bruno - Mittelfeld
Mittelfeld - Thorsten Schick   Kevin Kampl - Mittelfeld
Mittelfeld - Daniel Offenbacher   Christoph Leitgeb - Mittelfeld
Mittelfeld - Simon Piesinger   Stefan Ilsanker - Mittelfeld
Angriff - Marco Djuricin   Marcel Sabitzer - Angriff
Angriff - Daniel Beichler   Jonatan Soriano - Angriff
Spieler Wechsel Spieler
Andreas Gruber für Daniel Beichler 60. Minute
Josip Tadic für Marko Stankovic 73. Minute
73. Minute Alan für Jonatan Soriano
Benjamin Rosenberger für Thorsten Schick 79. Minute
81. Minute Naby Keita für Massimo Bruno
85. Minute Konrad Laimer für Marcel Sabitzer