SturmTifo.com
© SturmTifo.com

Spielercheck

Das Edelraubein

Sturm unterliegt Salzburg zuhause mit 1:2. Einer ist gegen seine Ex-Kollegen dabei besonders gut drauf, spielt mal den Mann fürs Grobe, mal den ideenreichen Passgeber. Den (zu späten) Anschlusstreffer bereitet er mit einer Ecke vor.

SturmTifo.com
SturmTifo.com

Spannend war’s. Nach einer heißen Schlussphase setzte es für Sturm gestern eine 1:2-Niederlage. Dennoch zeigten sich Mannschaft und Trainer nicht unzufrieden. Sturm spielte phasenweise gepflegten Umschaltfußball und konnte gegen klamme Salzburger nur aufgrund zweier Halbzeit-Fehlstarts keine Punkte mitnehmen. Was sonst noch passierte?

Daniel Offenbacher hat sich gestern wieder einmal eine Gelbe Karte abgeholt. Warum das für ihn spricht? Weil seine obligatorische Gelbe Karte am gestrigen Fußballsonntag-Nachmittag komplett nebensächlich war. Der Sechser fiel nicht wie schon des Öfteren durch unüberlegte Zweikämpfe auf, sondern erarbeitete sich viel mehr durch disziplinierte Defensivarbeit, kluges Passspiel und kreative Übersicht die Aufmerksamkeit der Zuseher. Der Sechser ist Blacky of the Match.

Spielercheck_neu_Note_4

Daniel Offenbacher
Wo gehobelt wird, fallen Späne. Daniel Offenbacher spielte zu Beginn der zweiten Halbzeit einen gewaltigen Fehlpass an der Mittelauflage. Doch vermochte dieser Fauxpas die Leistung des “Quarterbacks” nicht zu trüben. In der Defensive agierte der Sechser klug und nüchtern, in der Offensive spielte er sichere Pässe in die Vertikale. Offenbacher verlieh dem Grazer Umschaltspiel so das nötige Tempo und sorgte für einige zügige Angriffskombinationen. Wenn Sturms Offensivspiel ins Chaos zu verfallen schien, stoppte Offenbacher ab und spielte einen beruhigenden Querpass. Alles in allem eine kluge, abgebrühte und technisch saubere Leistung des Blacky of the Match, die Vorlage zu Djuricins 1:2-Anschlusstreffer gibt’s oben drauf.

Spielercheck_neu_Note_3,5

Lukas Spendlhofer
Lukas Spendlhofer lieferte grundsätzlich eine gute Partie ab. Wie beim Rest der Mannschaft, wechselten sich beim 21-Jährigen Licht und Schatten ab: In Erinnerung bleibt mit Sicherheit seine eingesprungene Rettungsaktion beim Lupfer von Jonatan Soriano. Beim 0:1 von Bruno sah der junge Innenverteidiger jedoch ganz alt aus: Der Italo-Belgier der Salzburger ließ Spendlhofer mit zwei Haken ins Leere laufen und hatte anschließend viel Zeit, den Ball von der Strafraumgrenze im linken unteren Eck zu versenken. Auch das Rausspielen funktionierte diesmal nicht wie zuletzt, im Angesicht des Bullenpressings jedoch auch eine schwierigere Aufgabe.

Spielercheck_neu_Note_3

Christian Klem
Seine Momente des Spiels hatte der 23-Jährige in der Offensive. Hinten hatte Klem mit der Salzburger Offensive alle Hände voll zu tun, war manchmal überfordert. Wie vor dem 0:2, als Soriano, nachdem der Ball von der Latte zurücksprang, gedanklich schneller als der an sich besser postierte Verteidiger war. Dennoch besser als Außendecker-Pendant Ehrenreich.

Michael Madl
Der Kapitän entschied gegen die Bullenoffensive laut Statistik 17 von 19 Zweikämpfen für sich, agierte meist kompromisslos, lieferte aber dennoch die ein oder andere Unsicherheit. Madl hob in der ersten Halbzeit vor Sabitzers Edelroller das Abseits auf. In der zweiten Hälfte verlor er lediglich einen Kopfball, doch der war entscheidend: Jenen gegen Sabitzer vor dem 0:2.

Andreas Gruber
Kam für Daniel Beichler und setzte offensiv mehr Akzente als sein Vorgänger. Gruber kam und machte Dampf, war defensiv jedoch oftmals überfordert. In der Schlussphase von Djuricin gut in Szene gesetzt, agierte Gruber zu überhastet und raus kam ein Ball, der weder Schuss noch Vorlage für den besser postierten Tadic war. Stellt der 19-Jährige den einen oder anderen unnötigen Ballverlust ab, spricht angesichts der Konkurrenz nichts gegen zukünftig längere Einsätze. Den Schnelligkeitsvorteil gegenüber Beichler hat er.

Marco Djuricin
Sturms Torschütze vom Dienst erzielte auch gegen den Meister ein Tor – ein sehr schönes obendrein. Die vorhergehenden 80 Minuten zeigte Djuricin aber eine meist durchwachsene Leistung, er verschleppte das Spiel oft unnötig und wollte oft mit dem Kopf durch die international gestählte Salzburger Abwehrwand.

Spielercheck_neu_Note_2,5

Christian Gratzei
Christian Gratzei zeichnete sich erst zwei Mal (gut rausgekommen gegen Sabitzer, Butterfly-Save gegen Ramalho) aus, um wenig später einen kapitalen Bock zu schießen: Der Routinier schätze eine Flanke von Kampl auf Sabitzer falsch ein, sein verunglückter Ausflug mündete im 0:2. Zerstörte sich mit einer Aktion ein an sich gutes Spiel – es ist das Leben eines Torhüters.

Marko Stankovic
Eine Partie, die für die Ansprüche, die Marko Stankovic selbst an sich setzt, zu wenig war. Der 10er blieb im 4-4-1-1 fast zu jeder Zeit zu farblos. Seine riskant gespielten Pässe (vulgo Ferserl) kamen nur zur Hälfte bei einem Mitspieler an. Bei seinem Aufsitzer, den Peter Gulacsi gerade noch so an die Latte wehrte, hatte der 28-Jährige Pech.

Spielercheck_neu_Note_2

Martin Ehrenreich
Lieferte eine Partie ganz nach Geschmack von Aleksandar Todorvski ab, der gegen den Meister nicht im Kader stand. Ehrenreich war mit Kevin Kampl die meiste Zeit über heilos überfordert, verlor insgesamt auch acht seiner elf Zweikämpfe, darunter auch einen ganz entscheidenden: Ehrenreich konnte Kampl nicht am Flankenball zum 0:2 stören. Auch offensiv zeigte der zweitälteste Mann am Platz heuer schon bessere Leistungen.

Thorsten Schick
Schwungvoll, aber glücklos? Unterdurchschnittlich bis schwach? Auf die Leistung von Thorsten Schick trifft wohl beides zu. Der Neuzugang erwischte gegen den Meister nicht seinen besten Tag, zu den schwächsten wird er wohl allein aufgrund seiner Dynamik selten gehören. Vergab nach Doppelpass mit Djuricin eine Riesenchance auf den Anschlusstreffer, zirkelte den Ball völlig freistehend am linken Kreuzeck vorbei. Nach 79 farblosen Minuten war die Partie für ihn zu Ende.

Simon Piesinger
Im Spielaufbau behäbig, konnte Simon Piesinger den gesperrten Anel Hadzic in keiner Phase der Partie ersetzen – und in keiner Facette. Vor allen im Ballbesitz machte Simon P. gestern seltenst so etwas wie einen sattelfesten Eindruck. Die aggressiven Salzurger schickten ihn allzu oft mit nur wenigen Schritten in überfordernde Situationen. Ein Sechser sollte das zu vermeiden wissen. Sollte.

Spielercheck_neu_Note_1,5

Daniel Beichler
Daniel Beichlers Leistungen sind konstant. Konstant schwach. Kein Schuss, keine Torschussvorlage, keine angekommene Flanke, 33 Prozent angekommene Pässe – unterirdische Statistik-Daten für einen Offensivmann. Das sah diesmal auch Franco Foda und holte Beichler nach einer Stunde vom Platz.

Zu kurz eingesetzt: Josip Tadic (Vereinzelt gut, noch immer ein wenig Fremdkörper), Benjamin Rosenberger (gefälliges Bundesligadebüt)

Ein Spielercheck von Marc Eder, Adrian Engel, Lukas Matzinger und Matthias Strohmeier

Anmerkungen
Die Leistung der Sturm-Spieler wird anhand von Bällen bewertet. Die höchste Bewertung sind dabei fünf Bälle, die niedrigste Bewertung ist ein Ball. Eine durchschnittliche Leistung ist mit drei Bällen gleichzusetzen, die auch den Ausgangs- bzw. Basiswert darstellen. Das Ergebnis ergibt sich dabei aus der gemeinsamen Diskussion der Sturm12.at-Redakteure, bleibt aber letztlich subjektiv.