12 Meter

Foda's undeniable fingerprint

Franco Foda ist seit zwei Monaten wieder Trainer des SK Sturm. Und alles andere als sportlichen Fortschritt festzustellen, wäre ein nicht angemessenes Urteil. Man sieht was Foda will und wohin die Reise gehen soll. Und auch die Ergebnisse stellen sich ein. Das eine oder andere Problem könnte am Weg in den Europacup aber noch auftauchen.

© Sturm12.at
© Sturm12.at

Franco Foda ist kein bedingungslos sympathischer Mann. Er legt es, glaube ich, auch gar nicht darauf an. Foda mochte außerdem Sturm12.at nie besonders. Auch verständlich, er hat hier einiges abbekommen. Dass er damals, in seiner ersten Ära, durchaus viel gelobt wurde, hat er nicht bemerkt. Das ist aber kein Einzelschicksal, sondern eher den im Verein weit ausgeprägten Verfolgungswahntendenzen geschuldet. Erst unlängst unterstrich ein ranghoher Sturmmann im informellen Gespräch das mit folgendem Zitat über Sturm12.at“Wenn in einer Kiste Zitronen von 100 Stück fünf faul sind, wirft man die ganze Kiste weg.” Sinnbildlich für den Umgang mit Kritik und die Fähigkeit zur Differenzierung, aber diesen Kampf gegen Windmühlen werden wir nicht gewinnen. Und was von oben vorgelebt wird, übernimmt man halt eher leicht, als Trainer oder Spieler.

Einerlei, wir nehmen es dem Foda nur ein bisschen krumm und halten derzeit schlicht und einfach fest: Es hat sich was bewegt, seit der Mainzer wieder am Ruder ist. Unabhängig der auch mittlerweile vorhandenen Ergebnisse, ist die sogenannte “Handschrift” erkennbar. Die ist simpel, aber sie funktioniert. Die Mannschaft spielt ein reaktives System, wo mehr und mehr sichtbar wird, dass der Fokus auf einer stabilen Abwehrreihe und dem blitzschnellen Vorstoßen nach Balleroberung liegt. Foda trainiert diese Automatismen so intensiv wie möglich und das sieht man auf dem Spielfeld. Plan B gibt es wohl erst dann einen, wenn der erste Anzug perfekt sitzt. Nicht zuletzt scheint die Mannschaft psychisch stabiler geworden zu sein.

Kann man diese Verfassung im Winter konservieren, ist bis zu Platz zwei hinter dem zukünftigen Satellitenverein von RB Leipzig alles möglich. Könnte man noch den einen oder anderen Angriffsspieler als Ergänzung zu Marco Djuricin holen, dann sieht die Geschichte noch ein bisschen besser aus. Mal sehen, was der Teilzeit-Sportdirektor hier zustande bringt. Wenn er sich auf das Wesentliche konzentriert und sich nicht auf Nebenschauplätzen verliert, wird hier wohl etwas möglich sein. Querschüsse von Vorstand und Aufsichtsrat sind ebenso keine zu befürchten. Zu abhängig sind Christian Jauk und sein geliebtes Amt vom Erfolg dieser Konstruktion. Aus irgendeiner anderen Ecke ist seit der Episode rund um das Ausplaudern der Trainerentscheidung durch Hans Rinner ohnehin äußerste Vorsicht zu erwarten. Da wird sich niemand mehr die Finger verbrennen wollen. Und nicht zuletzt wird Gerhard Goldbrich sich hüten, es sich mit dem Deutschen zu verscherzen. Er ist auf seine Expertise bei möglichen Transfers angewiesen, auf sein Scouting-Team wird der General wohl nur teilweise setzen können. Gar nicht so schlechte Voraussetzungen also, für einen weiterhin erfolgreich arbeitenden Trainer Franco Foda.

Wo können Probleme enstehen? Ein bisschen Potential dafür gibt es nämlich schon auch. Eine Sache will sich mir etwa nicht ganz erschließen: Wie sieht es mit der ganzheitlichen Spielphilosophie im Verein aus? Das bisschen, was man darüber in den letzten Monaten erfahren konnte, beinhaltete immer die Begriffe “Ballbesitz” und “Dominanz”. Das was Foda jetzt beginnt, hat damit nicht viel zu tun. Ändert man die Philosophie für den Nachwuchs jetzt? Oder hat man die durchgängige Philosophie wieder verworfen? Das gilt es in den nächsten Wochen zu beobachten. Speziell am Spiel der Amateure wird das abzulesen sein. Markus Schopp ließ bis dato einen ziemlich anderen Fußball spielen, als es der neue Cheftrainer tut. Es bleibt abzuwarten, ob wir in der Regionalliga im Frühjahr Veränderungen feststellen können.

Und was Franco Foda definitiv auf den Kopf fallen könnte, ist die treue Ergebenheit gegenüber seinen “Lieblingsspielern”. Dass ein Daniel Beichler erst jetzt gegen die Admira eine Pause bekommen hat, weil er krank war, grenzt an eine Farce. Er durfte neben seiner bereits länger dauernden Unform auch alles andere als professionelle Allüren an den Tag legen, die ihn längst in eine Nachdenkphase auf der Ersatzbank befördern hätte sollen. Aber Foda wird, wie schon in seiner letzten Amtszeit, seinem Stamm bedingungslose Treue schwören. Er war nie ein Freund der Rochade, weil das auch seinem Konzept widerspricht. Automatismen greifen am besten, wenn es immer die gleichen Leute machen. Eines der Kunststücke im modernen Fußball ist es, das einen Großteil seines Kaders anwenden zu lassen. Das könnte besonders relevant werden, falls sich die Schwarz-Weißen für den Europacup qualifizieren. Und wie eingangs erwähnt, scheint das derzeit alles andere als ausgeschlossen.