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Sturm Graz - SV Ried

Die Dreigroschenoper

Sturm Graz erzielt drei Tore gegen schwache Rieder, siegt letztlich souverän mit 3:1. Mit den drei Punkten aus dem dritten Saison-Heimsieg schiebt sich die Foda-Elf zwischenzeitlich auf Tabellenplatz drei vor. Der Spielbericht eines verdienten Erfolges im letzten Heimspiel des Jahres.

Eine gute Portion Regen hatte der Nikolaus am Samstagabend mit in seinem Sack. Ebenso dort verstaut hatte er drei Punkte für den SK Sturm, der sich gegen die SV Ried allerdings erst als brav genug beweisen musste, um diese dann auch zu bekommen. Nur spärlich gefüllt war aber das Liebenauer Stadion. Lediglich 7.836 Zuseher hatten sich bei durchaus mäßigen Temperaturen in der Heimstätte der Blackys eingefunden. Zu sehen gab es dafür eine Choreografie, wie sie selten so schön ausgeführt zu sehen war. Der festliche Anlass: 20 Jahre Jewels Sturm. Man ließ es sich nicht nehmen, jeden Quadratmeter mit Details zu bemalen. Dafür gab es Standing Ovations der Längsseiten.

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Und schon ist es dann Harald Lechner, der nach feuriger Draufgabe der Fans mittels bengalischen Feuern selbst zum heißen Tanz bittet. Die Anfangsphase wird von den Gastgebern dominiert, die versuchen, ihr Spiel über die Flügel zu eröffnen. Zentraler Akteur hierbei ist Marko Stankovic, der sich aber auch bereits früh die erste gelbe Karte mit einem Foul im Mittelfeld abholt. Verzichten muss Franco Foda allerdings auf den noch etwas angeschlagenen Anel Hadzic, der einmal mehr durch Simon Piesinger ersetzt wird. Der Ersatzmann ist auch, der Marco Djuricin ins Loch schickt. Die Grazer Nummer neun setzt in gewohnter Manier zum Sprint an, lässt Tormann Thomas Gebauer stehen und netzt eiskalt zum 1:0 ein. Der Führungstreffer hat aber durchaus eine etwas schiefe Optik. Vor seinem Assist hat Piesinger nämlich einen Rieder im Mittelfeld weggecheckt. Harald Lechner stand direkt daneben, seine Pfeife blieb still. Den Grazern wird’s nur Recht gewesen sein. Und damit beginnt Sturm zu drücken. Bereits zwei Minuten nach der Führung ist es Djuricin, der nach Flanke von Thorsten Schick allein vor Gebauer auftaucht und zum Kopfball kommt, der aber zu unplatziert ausfällt. Chance um Chance erspielen sich die Grazer nun, ziehen die Nordkurve mit gefälligem Spiel mit.

Leichtfüßig und leichtfertig
Dann der Schockmoment. Denis Thomalla taucht alleine vor Christian Gratzei auf, zögert mit dem Abschluss, will den Tormann verleiten, sich ein Eck auszusuchen. Doch der bleibt lange stehen und verhindert per Fußabwehr den Ausgleich. Die Grazer versuchen sich danach wieder mit dem Spielaufbau über rechts, links geht meistens herzlich wenig. Zumeist spielt Simon Piesinger einen weiten Ball nach außen, danach sind es Martin Ehrenreich oder Thorsten Schick, die sich mit Hereingaben versuchen. Nach schönem Zuspiel am Sechzehner taucht wenig später Stankovic frei vor Gebauer auf, könnte aus spitzem Winkel ins Tor lupfen, gibt aber flach zur Mitte. Die Oberösterreicher können nur mit Mühe klären, der Rieder Schlussmann hat den Ball im Nachfassen. Es folgen rollende Sturm-Angriffe über rechts. Flanke Ehrenreich, Kopfball Andreas Gruber, aber einmal mehr packt Gebauer sicher zu. Eine Minute später ein Energieanfall von Schick. Er lässt mühelos zwei Verteidiger stehen, tankt sich Richtung gegnerisches Tor durch, gibt herein und wieder haben die Rieder alle Mühe zu klären. Eckball. Nur einen Moment später erneut Ecke, Sturm setzt sich am Sechzehner des Gegners fest. Wunderschöner Doppelpass von Djuricin mit Daniel Offenbacher, der gibt zur Mitte und Gernot Trauner netzt bedrängt von Ehrenreich unhaltbar für seinen Schlussmann mit dem Außenrist ins eigene Tor ein. Zwei zu null und das hoch verdient.

Die Bilanz einer starken ersten Halbzeit: Schwache Ried sind bis auf eine Chance machtlos, der SK Sturm mit Chancen für drei Spiele. Besonders stechen ein starkes defensives Mittelfeld und ein ebenso guter rechter Flügel auf Seiten der Grazer hervor. Sehr gefällig zeigt sich Daniel Offenbacher in den Zweikämpfen, ebenso Simon Piesinger mit schönen weiten Pässen. In der Offensive gibt es nur einen Kritikpunkt: Es könnte schon gut und gerne drei oder vier zu null stehen, zu leichtfertig geht man mit den Chancen um. Ein Ivan Osim würde sich am Straßenbahngriff eingehängt, wieder einmal ärgern und die Miene verziehen. Defensiv gibt es kaum Erwähnenswertes, Michael Madl hält seine Abwehrreihe gut zusammen, die einzige Großchance entschärft Gratzei sicher. Das gefällige Spiel macht Lust auf mehr. Auch, weil von den Oberösterreichern kaum etwas kommt.

Piesinger trifft wieder
Mit einem Offensivfeuerwerk kommt der SK Sturm zurück aus der Pause. Zuerst fährt Djuricin nach Stankovic-Flanke mit dem Kopf daneben, im kurz darauffolgenden Eckball scheitert Piesinger am heute stärksten Rieder Gebauer. Dann spielt Schick auf Djuricin, der schließt ab und es gibt Eckball. Offenbacher gibt gut herein, die Rieder können sich zunächst befreien, Schick kommt abermals zum Ball und liefert mit einem abgefälschten Ball den Assist für Simon Piesinger, der im Fallen für das 3:0 sorgt. Es steht eine Drei-Tore-Führung nach 50 Minuten auf der Anzeigentafel – die Nordkurve explodiert, auf den Längsseiten gibt es frenetischen Jubel. Nur Franco Foda steht mit stoischer Miene an der Outlinie. Vielleicht weiß er bereits, was als nächstes kommt. Ein Rieder kommt auf rechts völlig frei zum Flanken, Schick schläft und Oliver Kragl taucht von der Grazer Abwehr unbemerkt im Hinterhalt kommend auf und netzt unhaltbar für Schlussmann Gratzei ein. Es folgt ein kurzes Rieder Aufflackern. Einstweilen kommen die Blackys zum gefühlt zwanzigsten Eckball. Bei den Cornern sticht an diesem Abend vor allem Piesinger hervor. Nicht nur, dass er das Tor erzielt hat, immer wieder erkämpft er sich Bälle, kommt auch selbst zum Abschluss. Wieder ist es der erst in dieser Saison verpflichtete Ex-Tiroler, der einen schönen Laufpass für Schick spielt. Dieser legt quer für Djuricin, doch der haut den Ball, bedrängt durch einen Verteidiger, über das Tor.

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Zu viele Spieler sind der Chancen Tod
Bei Sturm agiert man nun sehr leger, im Spielaufbau gehen viele Bälle verloren. Somit kommen die Gäste immer wieder, wie in Minute 71 durch Kragl zu Chancen. Im Gegenzug ist es Andreas Gruber, der nach erneut schöner Vorlage von Schick den Ball im Sechzehner nicht stoppen kann. Ein munteres Hin und Her sehen die knapp achttausend Besucher nun in Durchgang zwei. Im Ried-Sektor übt man sich indes, die Oberkörper längst entblößt, sich mit einem homophoben Gesang Gehör zu verschaffen. Die Nordkurve überstimmt sogleich mit starkem Gesang. Danach steht Harald Lechner mit drei gelben Karten im Fokus. Schloffer wegen Schwalbe, Lukas Spendlhofer wegen eines Fouls, und eine weitere für Michael Madl, der nach dem Pfiff gestreckt eingestiegen war, sehen jeweils Gelb. Wenig später stößt Harald PichlerDjuricin die Faust in den Rücken, der Grazer windet sich am Boden. Ein Pfiff bleibt diesmal aus.

Franco Foda steht wie angewurzelt an der Seitenlinie, wirkt angespannt. Zu sehr hat er wohl in Erinnerung, wie leicht man in seiner zweiten Ära Spiele aus der Hand gegeben hat. Und er hat noch allen Grund dazu. Vorne vergeben seine Jungs eine Chance nach der anderen, selbst die schönsten Zuspiele bringen sie nicht im Tor unter, seien es Schloffer oder Schick. Die Foda-Elf kämpft aber, versucht noch eines drauf zu legen, hinten zugleich aber nicht noch den Anschlusstreffer zu kassieren. Nach einem Offenbacher-Freistoß zieht Piesinger aus gut zwanzig Metern ab – abermals Eckball. Und die letzte Aktion im Spiel.
Eine spielstarke Sturm-Elf siegt gegen schwache Rieder souverän mit 3:1 und schiebt sich zwischenzeitlich auf Rang drei vor. Daran gilt es gegen den direkten Tabellenkonkurrenten SCR Altach im letzten Spiel des Jahres anzuknüpfen.