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Spielercheck

Der Kranich

Ideenreicher Passgeber, Zweikampfmonster, Torschütze – Simon Piesinger drückte dem 3:1-Sieg von Sturm über Ried seinen Stempel auf. Der Kranich zog im defensiven Mittelfeld überlegt und schnörkellos seine Kreise – der Titel Blacky of the Match ist so verdient wie überraschend.

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Er war der logische Ersatzmann für den angeschlagenen Anel Hadzic. Er sollte der gesuchte Ersatz sein. Simon Piesinger hat Selbstvertrauen getankt und Blut geleckt. Und angekommen in Graz sei er jetzt übrigens auch. “Nach den zwei Toren kann man das sicher so sagen”, meinte der Blondschopf nach seinem wohl besten Spiel seit er bei Sturm Graz unter Vertrag steht. Der zwischen 192 cm (Transfermarkt) und 194 cm (Wikipedia) pendelnde Hüne präsentierte sich beim 3:1-Heimsieg gegen schwache Rieder als bester Zweikämpfer auf dem Feld (76 Prozent gewonnen), pressingresistent und mit großer spielerischer Übersicht. Eine Kampfansage Richtung Daniel Offenbacher oder eben Hadzic wollte er nach geglückter Leistung nicht abgeben, ein Simon Piesinger in dieser Form ist aber auch für Sturm eine Personalie, die man ohne Bedenken einsetzen kann. Kann er solch eine Leistung über anderthalb Jahre regelmäßig abrufen, könnte Piesinger durchaus auch für andere Vereine interessant werden und die Sturm-Verantwortlichen ihr Verhandlungsgeschick verfluchen lassen. Dann nämlich, wenn Piesinger am Ende seine eigene Option auf Vertragsverlängerung nicht ziehen sollte. Alles Zukunftsmusik – in der Gegenwart ist der 22-Jährige erstmal Blacky of the Match.

Spielercheck_neu_Note_4,5

Simon Piesinger
Simon Piesinger ist kein Sechser für die ganz spektakulären Nummern – gestern schon. Wie gegen die Admira traf Piesinger auch gegen die SV Ried. Gegen die Südstädter per Kopf, diesmal im Fallen. Agierte abgesehen vom Toreschießen emsig im Defensivverhalten und schüttelte nicht nur einmal einen Zuckerpass aus dem Fußgelenk und zwischen die Rieder Schnittstellen, das man sich die Augen rieb. Wie vor dem 1:0, als er den Ball in zugegeben fragwürdiger Weise vierzig Meter vor dem gegnerischen Tor eroberte und danach erhaben zu Marco Djuricin durchsteckte. Simon Piesinger am 6. Dezember gegen die SV Ried – so hat man den Hünen im Sturm-Dress noch nicht gesehen.

Spielercheck_neu_Note_4

Thorsten Schick
Im vergangenen Heimspiel gegen Salzburg untergetaucht, hatte Thorsten Schick gestern wieder seine gewohnt starken Momente. Füllte rechts mit vielen Sprints und Vorstößen seinen Kilometertacho. Erwischte die Rieder mehr als einmal am falschen Fuß, etwa bei einem zuckersüßen Vorstoß kurz vor der Halbzeit, als er mit Speed und Spielwitz gleich zwei Rieder in der Landschaft stehen ließ. Man fragt sich, wie oft er damit Franco Foda an dessen Einschätzungsfähigkeit (Stichwort Vergangenheit) zweifeln lässt. Sorgte während Foda grübelte mit teils unglaublich starken Hereingaben immer wieder, speziell aber am Anfang der zweiten Hälfte für Torgefahr. Hätte mit mehr Aufmerksamkeit und Antizipation womöglich das 1:3 verhindern können. So gut das Vorbereiten derzeit beim 24-Jährigen funktioniert, so lauwarm präsentiert er sich im Abschluss: Hätte mit mehr Zielgenauigkeit und Ruhe in der Schlussphase gleich zwei Mal mit ziemlich viel Zeit das 4:1 erzielen können. Dennoch eine starke Leistung.

Spielercheck_neu_Note_3,5

Daniel Offenbacher
Hatte in der ersten Halbzeit öfters das Nachsehen gegen den schnellen Patrick Möschl. Versuchte sich in bewährter Quarterback-Manier, haute in der ersten halben Stunde gleich drei Wechselpässe ins Out. Leitete dann mit einem kleinen Solo eine bemerkenswerte Aktion ein, die letztlich von Martin Ehrenreich zu uneigennützig vergeben wurde. Zeigte sich fortan spielfreudig. Spielte mit Marko Stankovic einen schönen Doppelpass, der letztlich im Trauner-Eigentor zum 2:0 mündete. Hatte anschließend alles unter Kontrolle.

Christian Gratzei
Der Torhüter lieferte gestern eine souveräne Vorstellung ab. Beim Gegentor von Kragl schuldlos und über 90 Minuten herzlich wenig geprüft, war er zur Stelle, wenn es drauf ankam. Wie in Minute 25, als er gegen den alleine aufs Tor zulaufenden Thomalla sehr stark herauskam und den Schuss parierte, indem er lange stehen blieb. Seinen Stammplatz augenscheinlich sicher, wirkt Gratzei ruhiger. Das wirkt sich auch auf die Abschläge aus, die deutlich besser kommen – wenn auch beileibe nicht alle. Den Routinier wird’s nicht stören – der Titel “Kleine-Zeitung-BOTM” lässt sowieso alle Kritiker verstummen.

Marco Djuricin
Djuricin hat den Soriano-Faktor. Egal wie, egal wo und gegen wen – Der Neuner trifft. Will in manchen Situationen mit dem Kopf durch die Wand. Im Eins-gegen-Eins sowie im Passspiel ging beim 21-Jährigen gestern nicht alles auf. Was bleibt, ist ein Tor inklusive toller Torquote (sein bereits elfter Bundesliga-Saisontreffer) und das spricht für ihn.

Lukas Spendlhofer
Die Innenverteidiger diesmal getrennt zu bewerten, ist schwierig. Beim Gegentreffer stimmte die Zuteilung nicht, wodurch Ehrenreich ins Zentrum rücken musste und Schick gegen Kragl das Nachsehen hatte. War mit Partner Madl nach dem Gegentor für kurze Zeit ob eines letzten Kurzeit-Aufbäumens der Rieder im Dauerstress, die brenzlige Phase legte sich aber so schnell wie sie gekommen war. Mit dem größeren Aktionsradius als Madl ausgestattet, ging Spendlhofer sehr breit, gewann nahe der Seitenausline viele Bälle. Griff damit dem wenig sattelfesten Klem unter die Arme. Entschied sich in der 81. Minute mit einem unmotivierten Tackling für seine fünfte Gelbe Karte und den vorzeitigen Schiurlaub.

Michael Madl
Der Kapitän absolvierte gestern mit seinem Nebenmann in der Innenverteidigung eine Routinepartie. Der Kompaktheit der beiden ist es zu verdanken, dass die Oberösterreicher im Zentrum so gut wie nie durchkamen. Haute sich gewohnt akrobatisch in die Zweikämpfe, blockte damit beim Stand von 1:3 eine Rieder Großchance. Muss zum Abschluss auf seinen Innenverteidiger-Partner verzichten. Halb so wild, “shit happens”, meinte der Obersteirer darauf.

Martin Ehrenreich
Ließ sich in der 25. Minute ziemlich unseriös in die Mitte ziehen, attackierte zu allem Überfluss nicht wirklich gut. Schenkte so Thomalla eine Großchance – aber es war ja auch Nikolaustag. Hatte in der Offensive einige sehenswerte Vorstöße, was man von seinem Gegenüber auf der linken Seite nicht behaupten kann. War nach drei hoffnungsvollen aber letztlich nicht fruchtbaren Hereingaben schließlich wild entschlossen selbst den Vollstrecker zu spielen. Zwang Gernot Trauner erfolgreich zum Eigentor. Nicht nur in dieser Situation brachte die Gelegenheits-Rochade mit Vordermann Schick die Innviertler ordentlich aus ihren ohnehin nicht so sattelfesten Konzept.

Spielercheck_neu_Note_3

Marko Stankovic
Marko Stankovic war in den ersten zehn Minuten der aktivste Prinz am Hof. Sah nach zehn Minuten die gelbe Karte, hielt sich im Anschluss im Zweikampf ein wenig zurück. Entschied sich in der 36. Minute für das Abspiel auf Djuricin und gegen den Schuss. Traf damit die falsche Entscheidung. Seine Lieblingstaste beim FIFA-Zocken dürfte mit ziemlicher Sicherheit das Dreieck sein. Ließ anders wie beim FIFA-Zocken in der zweiten Hälfte kontinuierlich nach und machte in der 72. Minute einem wundergeheilten Anel Hadzic Platz.

Spielercheck_neu_Note_2,5

Christian Klem
Sturm war am gestrigen Abend gegen schwache Rieder so souverän, dass man sich sogar eine völlig verwaiste linke Seite leisten konnte. Auch weil Christian Klem gestern keinen guten Tag erwischte. Dem 23-Jährigen unterliefen viele Unkonzentriertheiten und Spielfehler, die man so von ihm diese Saison eigentlich nicht gewohnt ist. Agierte oftmals überhastet und ohne Ruhe, was sicherlich auch Vordermann Gruber geschuldet ist. Könnte mit ein wenig Konkurrenzdruck im Rücken durchaus noch mehr aufblühen. Beim Gegegentor ließ er Patrick Möschl zu einfach zur Flanke kommen, attackierte den schnellen Rieder nicht.

Andreas Gruber
Andreas Gruber findet sich in der Bundesliga noch nicht ganz zurecht. Agierte über die volle Spielzeit glücklos, hatte wenig ernstzunehmende Ballkontake und viele Ballverluste. Kam zu einer Topchance per Kopf in der 35. Minute nach Zuckerflanke von Martik Ehrenreich und zu einer weiteren nach 70 Minuten nach einer flachen Hereingabe von Schick. Für einen Bundesliga-Linksaußen (noch) spielerisch, womöglich auch körperlich zu wenig.

Zu kurz eingesetzt: Anel Hadzic (Blitzcomeback), David Schloffer (flinke Füße, wendig, ziemlich universal einsetzbar, hängen geblieben. Gestern und auch so irgendwie) Josip Tadic (Braver Trainierer, daher Siegprämie-Nascher)

Ein Spielercheck von Marc Eder, Lukas Matzinger und Patrick Weißenbacher

Anmerkungen
Die Leistung der Sturm-Spieler wird anhand von Bällen bewertet. Die höchste Bewertung sind dabei fünf Bälle, die niedrigste Bewertung ist ein Ball. Eine durchschnittliche Leistung ist mit drei Bällen gleichzusetzen, die auch den Ausgangs- bzw. Basiswert darstellen. Das Ergebnis ergibt sich dabei aus der gemeinsamen Diskussion der Sturm12.at-Redakteure, bleibt aber letztlich subjektiv.