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SCR Altach-SK Sturm Graz

Kein Grund zum Feiern

Im letzten Spiel dieses Jahres ist der SK Sturm gegen den SCR Altach weitestgehend drückend überlegen und seit der 19. Minute in Überzahl. Trotzdem schaffen es die Grazer nicht Kapital daraus zu schlagen und verlieren letztendlich unglücklich mit 2:0.

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Das letzte Spiel dieses Bundesliga-Jahres ist gleichzeitig auch das erste der Rückrunde. Und in diese will der SK Sturm Graz positiv hineinstarten. Ganz anders als in die Hinrunde, als man an selber Wirkungsstätte gegen den heutigen Gegner SCR Altach mit 1:0 als Verlierer vom Platz ging. Nach zuletzt vier Siegen in den letzten fünf Spielen haben die Schwarz-Weißen sogar die Möglichkeit, auf Platz zwei vorzustoßen und auch auf eben diesem zu überwintern. Dafür müssten die Blackies jedoch die heutige Partie mit mindestens zwei Toren unterschied gewinnen und zeitgleich dürfte der Wolfsberger AC gegen Admira Wacker nicht mehr als einen Punkt holen. Allerdings konnte man den Mannen aus dem Ländle in der bisherigen Saison noch nicht viel Zählbares abluchsen, in zwei Spielen konnte man lediglich einen Punkt ergattern. Heute tut sich also die Möglichkeit auf, den ersten Sieg gegen die Altacher einzufahren.

Fragen über Fragen
Davor gibt es allerdings noch ein paar Fragen zu beantworten. Die erste hat sich quasi von alleine erklärt, mangels Alternativen schickt Cheftrainer Franco Foda Tomislav Barbaric anstelle des gelb-gesperrten Lukas Spendlhofer auf das Spielfeld. Dieser soll gemeinsam mit Kapitän Michael Madl die Altacher vom Tor von Christian Gratzei fernhalten. Die zweite Frage hat es schon eher in sich: Sowohl Daniel Offenbacher, Anel Hadzic als auch Simon Piesinger haben zuletzt alle starke Leistungen abgeliefert. Da im System von Foda allerdings nur zwei Plätze für das defensive Mittelfeld vorhanden sind, gibt es da ein kleines Problem, welches ein Sturm-Coach mit den Initialen FF allerdings auch meistern kann: Er will hier im Schnabelholz anscheinend auf keinen dieser drei verzichten und stellt Piesinger und Hadzic als Doppelsechs auf und ersetzt Andreas Gruber auf der linken Außenbahn, der wohl anstelle des erkrankten Daniel Beichler aufgelaufen wäre, durch die Nummer 20 der Grazer, Daniel Offenbacher.

Thunder
Geführt von den Einlaufkindern einer Jugendmannschaft des FC Lustenau  kommen die beiden Mannschaften, passenderweise begleitet von der Gleich-und-Wechselstrom-Hymne “Thunderstruck”, gemeinsam mit dem gelernten Elektroinstallateur und Schiedsrichter Manuel Schüttengruber pünktlich auf das Feld. Da der SCR heute ganz in weiß aufläuft, dürfen sich die Schwarzen wieder einmal in der, etwas gewöhnungsbedürftigen, neongelben Dreier-Garnitur präsentieren. Und sie präsentieren sich gut. Denn die erste richtig gefährliche Aktion gehört den Gästen aus der Steiermark: Nach einem fürchterlichen Schnitzer der Altacher Abwehr, läuft Sturms Goalgetter Marco Djuricin völlig alleine auf Martin Kobras zu, dieser kann die Chance allerdings mit einem sensationellen Handreflex zunichte machen. In der neunten Spielminute ist es erneut die Nummer neun, die nach einem wunderbaren Chip von Anel Hadzic den Ball volley nimmt und beinahe das 0:1 erzielt, Kobras kann sich abermals auszeichnen.

Bei Angriffen der Grazer kann man erkennen, dass sich das defensive Mittelfeld mit offensiven Vorstößen immerzu abwechselt. Zumeist bleibt einer der beiden Sechser hinter dem Ball um abzusichern, während der andere probiert, offensiv Akzente zu setzen. Die Steirer versuchen sich immer wieder an der Altacher Verteidigung vorbei zu kombinieren, so auch in der 18. Minute, als Marko Stankovic in Kobras allerdings seinen Meister findet. Nur gut eine Minute später kommt es für die Vorarlberger knüppeldick: Alexander Pöllhuber hält Marco Djuricin im Strafraum zurück und bekommt von Schiedsrichter Manuel Schüttengruber zurecht die Rote Karte gezeigt. Der Gefoulte selbst tritt an, allerdings scheitert der bis dato unglücklich im Abschluss agierende U-21 Nationalspieler erneut am Schlussmann der Gastgeber. Daraufhin reagiert Damir Canadi, auch wenn es weiterhin 0:0 steht und ersetzt den Stürmer Danijo Pecirep mit dem Mittelfeldspieler Boris Prokopic.

Nach dieser hektischen Phase flacht das Spiel weitestgehend ab, Hadzic und Martin Ehrenreich holen sich zwei überflüssige gelbe Karten ab. Erst in der 42. Minute kommt wieder ein bisschen Fahrt in die Partie. Thorsten Schick, der Ex-Altacher, welcher sich heute viele Duelle mit dem Ex-Grazer Ronald Gercaliu leistet, bekommt nach einem schönen Wechselpass die Chance zum Kopfball, welcher jedoch im Außennetz landet. Praktisch im Gegenzug schließt Felix Roth erstmals für die Altacher ab, der Ball landet jedoch neben dem Tor. Nicht so in in der Nachspielzeit, als Ismael Tajouri einen Freistoß aus halbrechter Position Richtung Tormanneck abfeuert. Gratzei kommt nicht mehr ran und es steht 1:0.

Hoher Besuch
Alles in allem ein mehr als vermeidbarer Halbzeitrückstand für die Grazer. Sturm ist schon seit der 19. Minute in Überzahl, kann allerdings kein Kapital daraus schlagen. Vor allem Marco Djuricin hat eine ganze Hand voll Hochkaräter vergeben, darunter auch einen Elfmeter. Möglicherweise liegt das auch daran, dass sich das alles unter den Augen von ÖFB-Teamchef Marcel Koller abgespielt hat. Auf alle Fälle sind die Schwarz-Weißen spätestens seit dem Ausschluss drückend überlegen und lassen die Altacher nicht ins Spiel kommen. Auch die neu formierte Innenverteidigung schlägt sich gut und leistet sich keine folgenschweren Fehler. Die einzige wirklich gefährliche Aktion der Hausherren, führt dann aber zum Gegentreffer: Es ist übrigens der erste in der Fremde seit 530 Minuten.

Park-the-Bus
In Halbzeit zwei reagiert Foda mit einem Doppeltausch und bringt mit Andreas Gruber und Josip Tadic neue Offensivpower. Anel Hadzic und Marko Stankovic bleiben in der Kabine, Daniel Offenbacher, der sich auf der Position des linken Flügels sichtlich nicht wohl gefühlt hat, bildet mit Simon Piesinger die neue Doppelsechs. Auch der Altach-Coach wechselt und will die Defensive mit Emanuel Schreiner verstärken. Ebenfalls frühzeitig unter die Dusche darf der heute unauffällige Hannes Aigner. 5134 Zuseher sehen in weiterer Folge Altacher, welche in einem “Park-the-Bus”-Style versuchen die Führung über die Zeit zu bringen, offensive Vorstöße der Heimmannschaft entwickeln sich zur Rarität. Durch diese derart defensive Einstellung der Vorarlberger sehen sich die Blackies dazu gezwungen, über Distanzschüsse zum Erfolg zu kommen. Offenbacher (53.), Christian Klem (56.) und Piesinger (60.) verabsäumen es jedoch den Ausgleich zu erzielen.

Durch die Strafraumbelagerung des Tabellendritten ergeben sich trotz allem Kontermöglichkeiten für die Altacher, der für Louis Ngwat-Mahop eingewechselte Ivan Kovacec vergibt eine davon jedoch kläglich. Piesinger agiert in dieser Phase deutlich offensiver als sein Pendant Offenbacher, da die Schwarz-Weißen nun auch vermehrt über Flankenbälle den Erfolg suchen. Logisch, dass man da versucht, den größten Grazer Feldspieler in Szene zu setzen. Zwanzig Minuten vor Schluss macht sich David Schloffer bereit anstelle von Ehrenreich in die Partie einzugreifen, da bietet sich für Marco Djuricin die größte Chance am bisherigen Tag. Ein abgefälschter Schuss von Piesinger landet genau vor den Füßen des Angreifers, dieser schafft es jedoch nicht, den Ball aus fünf Metern am überragenden Kobras vorbei zu bringen.

Todesstoß
Und jetzt beginnen die Grazer nervös zu werden, die Anzahl der Fehlpässe häuft sich, die Angriffe sind großteils nur mehr Produkt der Verzweiflung. Ein Symbolbild dafür ist Daniel Offenbacher, der, als ein Altacher am Boden liegt, den Ball aus lauter Frustration mit voller Wucht in das Publikum knallt. Dieser ist es auch, der in der 89. Minute einen etwas fragwürdigen Elfmeter verursacht, indem er einen Altacher im Strafraum zu Fall bringt. Kovacec lässt sich, im Gegensatz zu Djuricin, die Chance nicht entgehen und stellt auf das vorentscheidende 2:0.

Letztendlich eine Niederlage wie sie unnötiger nicht hätte sein können: Sturm agiert fast das ganze Spiel in numerischer Überlegenheit, vergibt aber eine Vielzahl an Chancen und bekommt aus einer Standardsituation das 1:0. In Halbzeit zwei beißt man sich an der Altacher Verteidigung die Zähne aus und kassiert noch kurz vor Schluss aus einem Elfmeter den zweiten Treffer. Marco Djuricin war mit seiner Vielzahl an vergebenen Chancen aus schwarz-weißer Sicht die prägende Figur des Spiels, hat es aber verabsäumt per Elfmeter die Weichen früh auf Sieg zu stellen. So steht man nach dem Spiel anstatt auf dem zweiten, auf dem vierten Tabellenrang und kann unter gegebenen Umständen am morgigen Sonntag sogar noch auf den fünften abrutschen und somit anstatt auf einem Champions League-Platz, nicht einmal auf einem Europa League-Platz überwintern. Der morgige Tag ist also ein richtungsweisender und für viele wahrscheinlich kein Grund zum Feiern.

Schnabelholz-Stadion 19. Runde Zuschauer: 5.134

SCR Altach
13.12.2014, 16:00 Uhr
2:0
(1:0)

SR: Manuel Schüttengruber

Sturm Graz
Torschütze (Vorlage) TORE Torschütze (Vorlage)
Ismael Tajouri () 45. Minute
Ivan Kovacec () 90. Minute
Spieler Karten Spieler
Alexander Pöllhuber (Rot)20. Minute
22. MinuteAnel Hadzic (Gelb)
28. MinuteMartin Ehrenreich (Gelb)
Felix Roth (Gelb)57. Minute
Spieler Aufstellung Spieler
Tormann - Martin Kobras   Christian Gratzei - Tormann
Abwehr - Ronald Gercaliu   Michael Madl - Abwehr
Abwehr - Jan Zwischenbrugger   Martin Ehrenreich - Abwehr
Abwehr - Alexander Pöllhuber   Christian Klem - Abwehr
Abwehr - Andreas Lienhart   Tomislav Barbaric - Abwehr
Mittelfeld - Felix Roth   Daniel Offenbacher - Mittelfeld
Mittelfeld - Lukas Jäger   Simon Piesinger - Mittelfeld
Mittelfeld - Ismael Tajouri   Anel Hadzic - Mittelfeld
Mittelfeld - Mahop   Marko Stankovic - Mittelfeld
Mittelfeld - Darijo Pecirep   Thorsten Schick - Mittelfeld
Angriff - Johannes Aigner   Marco Djuricin - Angriff
Spieler Wechsel Spieler
Boris Prokopic für Darijo Pecirep 23. Minute
Emmanuel Schreiner für Johannes Aigner 45. Minute
45. Minute Josip Tadic für Marko Stankovic
45. Minute Andreas Gruber für Anel Hadzic
Ivan Kovacec für Mahop 57. Minute
74. Minute David Schloffer für Martin Ehrenreich