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Spielercheck

Der Dauerbrenner

Auch wenn am Samstag bei Sturm Graz nicht viel funktionieren wollte – Dauerbrenner Christian Klem lieferte einen beherzten Auftritt ab. Mit einer defensiv überzeugenden Leistung und mit einigen ansehnlichen Vorstößen in der Offensive krönte sich der Linksverteidiger zum Blacky of the Match.

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Während Red Bull Salzburg sich die Winterkrone aufsetzen darf, hat ausgerechnet der kleinste Schwarz-Weiße die große Ehre,  zum allerletzen Mal die Trophäe des Blacky of the Match zu erhalten. Man sagt ja nicht umsonst: Ehre, wem Ehre gebührt. Und gebühren tut sie Christian Klem. War es zuletzt also Simon Piesinger mit seinen ca. 1,92 Metern, hat am letzten Spieltag vor dem Jahreswechsel der 172-Zentimeter-Mann am meisten von allen Akteuren überzeugt. Zwar ging seine Leistung im allgemeinen Verzweiflungsfußball der Gäste etwas unter, doch hat er gezeigt, warum auf der linken Abwehrseite derzeit kaum ein Vorbeikommen am 23-jährigen Grazer ist. Mit einer defensiv sehr stabilen Leistung hat er die wenig übrig gebliebenen Altacher Offensivspieler auf seiner Seite verblassen lassen. Und auch im Angriff hatte er, vor allem in Halbzeit zwei, in der Daniel Offenbacher wieder in auf die Sechser-Position zurückkehrte, die er aber generell das ganze Spiel über besetzte, immer wieder die ein oder andere einigermaßen gefährliche Hereingabe parat. Daher ist der Verteidiger mit der Rückennummer 27  diesmal Blacky of the Match – der letzte seiner Art

Spielercheck_neu_Note_3,5

Christan Klem
In der ersten Hälfte aufgrund mangelnder Beschäftigung recht unauffällig, zeigte er in der zweiten doch, warum er schon seit einiger Zeit als linker Verteidiger gesetzt ist. Ließ über die gesamte Spielzeit hinten wenig bis gar nichts anbrennen und setzte in den zweiten 45 Minuten offensiv immer wieder Akzente. Seine vielen, oft präzise gespielten Flankenbälle wussten die Offensivspieler der Grazer jedoch nicht zu verwerten. Außerdem versuchte sich der kleine Dauerbrenner auch selbst im Abschluss, blieb mit seinem Distanzschuss jedoch erfolglos. Alles in allem eine löbliche Vorstellung.

Spielercheck_neu_Note_3

Simon Piesinger
Simon Piesinger präsentierte sich erneut zweikampfstark, wusste jedoch nicht ganz so gut zu gefallen wie in den letzten Partien. Durch starke Leistungen hat er sich einen Platz in der Startelf erkämpft. Der lange Oberösterreicher versuchte sich abermals mit Zuspielen in die Schnittstelle, was allerdings nicht ganz so gut klappte. Wenn er nicht gerade selbst der Flankengeber war, positionierte er sich des Öfteren in Strafraumnähe, um den Abnehmer zu spielen. Von seinen Mitspielern wurde er dort jedoch so gut wie nie gefunden.

Thorsten Schick
Der ehemalige Altacher machte am gestrigen Spieltag viel Dampf auf seiner Seite und suchte oft das Duell mit dem Ex-Grazer Ronald Gercaliu. Wenn er an diesem einmal vorbei war, probierte er immer wieder, seine Mitspieler mit Flankenbällen zu versorgen. Das Zusammespiel mit seinem Hintermann Ehrenreich lief nicht ganz so harmonisch ab, wie wahrscheinlich gewünscht. Hatte eine dicke Gelegenheit per Kopf, traf dabei aber nur das Außennetz.

Michael Madl
Wirkte am gestrigen Samstag, vielleicht auch aufgrund des Fehlens seines Innenverteidiger-Partners Lukas Spendlhofer, nicht so sicher wie sonst. Beispielhaft: Die 63. Minute, als er den eingewechselten Kovacec ziehen ließ und ihm somit eine Chance ermöglichte, der diese jedoch stümperhaft vergab. Ansonsten spielte Madl, der auch gestern wieder kopfballstark agierte, die Partie mit seinem Neo-Kollegen Tomislav Barbaric solide herunter.

Spielercheck_neu_Note_2,5

Tomislav Barbaric
Der Kroate konnte den aufgrund einer Gelbsperre abwesenden U21-Nationalspieler Spendlhofer nicht adäquat ersetzen. Wirkte im Spielaufbau oft viel zu behäbig und bewegte sich bei Ballbesitz so gut wie gar nicht, sodass er als Anspielstation selten in Frage kam. Ließ hinten allgemein nicht viel zu, verursachte jedoch den folgenschweren Freistoß in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit.

Daniel Offenbacher
Daniel Offenbacher fühlte sich in seiner neuen Rolle als linker Flügel sichtlich unwohl. Hat sich immer wieder dazu verleiten lassen, in die Mitte zu ziehen, um Bälle zu erobern. Auch daher ist in der ersten Halbzeit über die verwaiste linke Seite nicht viel gegangen. Im zweiten Durchgang wurde er von Franco Foda wieder in seine gewohnte Position zurückbeordert und agierte dort defensiver als sein 1,92 Meter großer Pendant. Trotzdem wollte ihm nicht viel gelingen, was wahrscheinlich der Grund für seine Frustaktion war, als er gut 15 Minuten vor Schluss, getrieben vom Fair-Play-Gedanken, den Ball nicht einfach aus dem Spielfeld gekickt hat, sondern diesen mit voller Wucht in das Vorarlberger Publikum befördert hat.

Martin Ehrenreich
Spielte gestern eine typische „Öhrli“-Partie, versuchte oftmals das Zusammenspiel mit Thorsten Schick und probierte so gut es geht, diesen zu hinterlaufen. Außer ein paar Flanken ist in der Offensive dem Routinier, der gestern sein hunderstes Bundesliga-Spiel absolvierte, nicht viel gelungen. In der Defensive solide, weil auch wenig beschäftigt.

Andreas Gruber
Der Youngster wurde im zweiten Durchgang für Anel Hadzic eingewechselt. Sein Einsatz zeigte, dass er noch nicht ganz bereit ist, mit einer Situtation umzugehen, in der er einen Rückstand in Überzahl aufholen muss. Wirkte nervös, verlor viele Bälle. Dennoch war er der zweikampfstärkste Spieler der Grazer. Vielleicht hätte Sturms Trainer mit diesem Wechsel etwas abwarten sollen und ihn erst bei einem ausgeglichenen Spielstand bringen sollen. Gruber hat zweifelsohne Potential, was man auch im letzen Monat gesehen hat, bei so einem Spielverlauf wäre aber ein Routinier eher brauchbar gewesen.

Anel Hadzic
Schaffte es in der Anfangsphase gemeinsam mit seinem Pendant Simon Piesinger Druck aufzubauen und setzte seine Mitspieler immer wieder gut in Szene – so gesehen in der neunten Spielminute, als die Nummer acht der Steirer Marco Djuricin mit einem herrlichen Chip über die Abwehr bediente. Im Laufe der ersten Hälfte gingen ihm aber die Ideen aus, auch weil Altach schon früh mauerte. Wurde in der Halbzeitpause durch Andreas Gruber ersetzt.

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Christian Gratzei
Die Nummer eins der Grazer erwischte gestern nicht ihren besten Tag. Der Schlussmann der Gäste hatte zwar nicht viel zu tun, machte aber einen entscheidenden Fehler, der zum 1:0 für die Altacher führte. Beim Freistoß von Ismael Tajouri, der nicht unhaltbar auf das Tormanneck kam, machte er zuerst einen Schritt in die falsche Richtung, sodass er den Ball nicht mehr abwehren konnte. Beim Elfmeter von Ivan Kovacec machtlos.

Josip Tadic
Josip Tadic hat gestern eindrucksvoll gezeigt, warum man ihn bis dato noch nicht in der Startelf finden konnte. Der Wandervogel hat sich für einen Stürmer viel zu ungefährlich präsentiert und mit dieser Leistung ohne Zweifel keine Empfehlung für weitere Langzeiteinsätze gegeben. Man darf abwarten, wie sich die Situation beim Kroaten in der Winterpause entwickelt, denn man kann durchaus darauf spekulieren, dass sich Sturm mit einem weiteren Stürmer verstärkt.

David Schloffer
Auch David Schloffer, der in der letzen halben Stunde für Martin Ehrenreich aufs Feld gekommen ist, hat sich gestern nicht für weitere Einsätze in die Auslage gespielt. Unnötige Dribblings, die meist mit Ballverlust endeten, waren das auffälligste, was der quirlige Außenspieler zu bieten hatte. An seine Weltklasseleistung beim historischen 6:0 Auswärtssieg gegen Grödig im letzten Jahr kann der 22-Jährige schon länger nicht mehr anschließen. Letztlich haben sich alle drei Wechsel von Franco Foda als ziemlicher Flop herausgestellt, wer weiß, wie das Spiel ausgegangen wäre, hätte man ein bisschen mehr Geduld bewiesen und nicht zur Halbzeit mit einem Doppelwechsel versucht, das Spiel krampfhaft herumzureißen.

Spielercheck_neu_Note_1,5

Marco Djuricin
Er war aus schwarz-weißer Sicht DIE prägende Figur am gestrigen Spät-Nachmittag. Hat er doch in der vergangenen Spielzeit so oft als Lebensversicherung der Grazer gegolten, gelang ihm unter Beobachtung von ÖFB-Teamchef Marcel Koller gar nichts. Er hat nicht nur eine ganze Handvoll an Hochkarätern vergeben. Der bescheidene Wiener wollte auch das Weihnachtsgeschenk von Alexander Pöllhuber nicht annehmen und scheiterte vom Elfmeterpunkt am überragenden Martin Kobras. Von einem Mann, dessen Kurs Fachmann Franco Foda auf drei bis vier Millionen Euro schätzt, darf man sich auch an einem schlechten Tag mehr erwarten.

Marko Stankovic
Der als kreativ bezeichnete 10er hat in den letzten Spieltagen anscheinend krampfhaft versucht, sich selbst aus der Startelf zu spielen. Trotzdem wurde er gestern wieder aufgestellt und hat abermals bewiesen, dass er sich nicht in Bestform befindet. Hat, obwohl schon so oft fehlgeschlagen, oft versucht, seine Kollegen mit Ferserl und ähnlichen Schmankerl zu bedienen. Wie schon zuletzt hat das nicht funktioniert. Auch am Abschluss muss der Rückkehrer feilen. Seit dem Auswärtssieg in Salzburg läuft beim Ex-Austrianer nicht mehr viel zusammen – ein Mitgrund, weshalb er zur Pause in der Kabine gelassen wurde.

Anmerkungen
Die Leistung der Sturm-Spieler wird anhand von Bällen bewertet. Die höchste Bewertung sind dabei fünf Bälle, die niedrigste Bewertung ist ein Ball. Eine durchschnittliche Leistung ist mit drei Bällen gleichzusetzen, die auch den Ausgangs- bzw. Basiswert darstellen. Das Ergebnis ergibt sich dabei aus der gemeinsamen Diskussion der Sturm12.at-Redakteure, bleibt aber letztlich subjektiv.