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Herbstanalyse - die Torhüter

Il numero uno

Der Kampf ums Einserleiberl scheint ein Ende gefunden zu haben. Im Laufe der Herbstsaison konnte sich Christian Gratzei gegen Benedikt Pliquett durchsetzen. Nicht zuletzt aufgrund von Fodas Schwäche für Beständigkeit. 

Der SK Sturm hat wieder il numero uno. Die Statistik spricht eine klare Sprache. Mit 17 zu fünf Einsätzen in Cup und Liga hat Christian Gratzei den Kampf um den Fixplatz im Tor von Sturm Graz für sich entschieden. Die Torwartfrage, die in der letzten Saison noch unbeantwortet blieb, ist in der heurigen Saison kein Thema mehr. Jedoch wäre es falsch zu behaupten, Benedikt Pliquett hätte nicht die Chance gehabt, sich zu beweisen. Der Deutsche lief zum ersten Mal am siebten Spieltag gegen Red Bull Salzburg auf, wo er mit acht Paraden die Salzburger Offensive zur Verzweiflung brachte und so den Blackies den Dreier sichern konnte. Die nächsten Spiele war Pliquett dann gesetzt, jedoch konnte er nicht an seine starken Leistungen anknüpfen und bestritt so sein letztes Spiel gegen den Aufsteiger aus Altach, bei dem er die zwei Schüsse, die auf sein Tor kamen, nicht entschärfen konnte und die Grazer so nur ein 2:2-Unentschieden erzielen konnten. Klar ist aber auch, dass er unter Franco Fodas Neubestellung litt. Fazit: Pliquetts Leistungstendenz war leicht fallend, Gratzei profitiert von einer schmeichelhaften Statistik und Fodas Liebe zur Kontinuität. Sturm12.at hat die Analyse dazu Schwarz auf Weiß.

Christian Gratzei: 17 Einsätze

Mit den 15 Auftritten in der Bundesliga-Herbstsaison hat der Leobner die Anzahl seiner Ligaeinsätze der gesamten vergangenen Saison egalisiert. Dazu kommen noch die beiden Spiele im Samsung-Cup gegen Rapid und Schwaz. 19 Mal musste Gratzei in der bisherigen Spielzeit hinter sich fassen, was einen Schnitt von 1,12 Gegentoren ausmacht. Außerdem konnte Sturm Graz mit Gratzei zwischen den Pfosten fünf Spiele ohne Gegentor beenden, vier davon wurden gewonnen, die andere Partie war das leistungsgerechte 0:0-Unentschieden gegen die Herren aus Wiener Neustadt. In seinen bisherigen Spielen lieferte Gratzei großteils solide Leistungen ab, jedoch ist der ehemalige Teamtorwart immer wieder ein Kandidat für Aussetzer, zuletzt im Spiel gegen Altach, das mit 2:0 verloren ging. Ismael Tajouri-Shradi erzielte das 1:0 per Freistoß vom Sechzehnereck, das Leder war aber nicht besonders platziert und für Gratzei lange genug zu sehen, also normalerweise haltbar für einen Torwart seines Kalibers. Gratzeis Achillesferse sind hohe Bälle. Zu oft resultieren Unsicherheiten im Grazer Strafraum aus höhen Bällen und dem nicht resoluten Handeln des Leobners. Ein weiterer Grund, wieso letztendlich Gratzei im Tor steht und eben nicht Benedikt Pliquett, ist wohl Franco Fodas Drang zur Beständigkeit. Der Meistertrainer von 2011 setzt auf seine Stammelf, die er im Laufe der Saison dann auch ungern ändert. Jedoch hat diese Taktik den Grazern 28 Punkte und realistische Chancen auf Platz 2 in der Liga beschert. Der Erfolg gibt Foda also recht.

 

Herbst-Statistik          S  St  E  A  Min  T  V  GT  0  GK  RK
Bundesliga                15 15  0  0 1350  0  0  17  5   1   0
ÖFB-Cup                   2   2  0  0  180  0  0   2  0   0   0
Herbst GESAMT             17 17  0  0 1530  0  0  19  5   1   0
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Benedikt Pliquett: 5 Einsätze

Fünf. Keine schöne Zahl. Lange hatte Sturm Graz keinen Einser-Tormann mehr, nun scheint sich dieses Problem erledigt zu haben. Zu Ungunsten von Benedikt Pliquett. Seit der Rückkehr von Franco Foda hat der Hamburger null Spielminuten in den Beinen und Händen. Die Ersatzbank war sein neues Gehäuse. Seine Leistung in den Partien, in denen er im Tor stand, war anfangs aber durchaus ansehnlich. Das Offensivfeuerwerk aus Wals-Siezenheim fand in Runde sieben in Benedikt Pliquett seinen Meister, als Red Bull Salzburg den SK Sturm Graz empfing. Zwar erhielt er zwei Tore, es hätten aber einige mehr sein können. Da Sturm drei Mal traf und die Salzburger insgesamt 17 Mal versuchten, das Tor zu treffen, waren die zwei Gegentreffer schnell vergessen. Bärenstark auf der Linie, unbezwingbar in der Luft. Auch in den nächsten zwei Bundesligapartien und im Cup-Spiel gegen Austria Salzburg zeichnete sich Pliquett wieder mit schönen Reflexen aus. Ein Manko war dennoch auszumachen: Er wehrt Bälle zu häufig nach vorne ab. Und just im letzten Spiel vor Franco Foda ließ seine Leistung stark nach. Es war der zehnte Spieltag, der Aufsteiger SCR Altach gastierte in Graz. Der Hamburger erhielt zwei Gegentreffer, an denen er eine Teilweise Mitschuld trug. Zögerliches Verhalten bei hohen Bällen in den Strafraum und lässiges, fast fahrlässiges Verhalten beim Herausspielen aus dem 16er ließen ihn nicht mehr so souverän wirken wie in den Runden zuvor. Dann kam Franco Foda – der Rest der Geschichte ist bekannt. Bis zum Frühjahrs-Kickoff vergeht nun einige Zeit, vielleicht kann sich der Hamburger in der Vorbereitung auszeichnen. Ob und wie schnell Benedikt Pliquett sich wieder in das Tor zurückkämpfen kann, oder ob er sich mit der Rolle als zweiter Torhüter auf Dauer zufrieden gibt, wird sich zeigen.

 

Herbst-Statistik          S  St  E  A  Min  T  V  GT  0  GK  RK
Bundesliga                4   4  0  0  360  0  0   6  1   0   0
ÖFB-Cup                   1   1  0  0   90  0  0   0  1   0   0
Herbst GESAMT             5   5  0  0  450  0  0   6  2   0   0
Legende
St … Startformation
E … Eingewechselt
A … Ausgewechselt
Min … Spielminuten
T … Tore
V … Torvorlagen
GT … Gegentore
0 … Zu Null
GK … Gelbe Karten
RK … Rote Karten