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Herbstanalyse - die Innenverteidiger

Dauerbrenner und Nachholbedarf

Mit der statistisch besten Herbst-Abwehrleistung seit dem Meistertitel 2011, 23 Gegentreffer in 19 Partien, hat die Defensive der Grazer wieder ein echtes Gesicht. Das Innenverteidiger-Duo rund um Kapitän Michael Madl und Inter-Leihgabe Lukas Spendlhofer hat großen Anteil daran.

Mit Kapitän Michael Madl und Inter-Rohdiamant Lukas Spendlhofer verfügt der SK Sturm heuer über eines der besten Innenverteidiger-Duos in des österreichischen Bundesliga. Unumstritten ist dabei die Rollenverteilung. Madl, der bei 21 von 22 Pflichtspielen die volle Spielzeit am Feld und mit Binde verbrachte, ist in seiner dritten Saison bei Sturm zum absoluten Leistungsträger avanciert. Spendlhofer hingegen musste sich seinen Platz in der Mannschaft erst erkämpfen, schaffte es aber nach 2 Spielen den damaligen Trainer Darko Milanic zu überzeugen. Von da an brachte es die Leihgabe vom großen FC Internationale Milano auf ganze 19 Einsätze, nur bei der 0:2 Heim-Niederlage gegen die Admira und zuletzt beim enttäuschenden 0:2 gegen den den SCR Altach fehlte er. Hinter den beiden Dauerläufern, die es gemeinsam auf 3411 Einsatzminuten gebracht haben, kann man einen echten Aufholbedarf entdecken. Auch der Trainerwechsel änderte nichts daran, dass sich der Neuzugang Tomislav Barbaric und die Youngsters Erman Bevab und Andreas Pfingstner keine Chance auf einen Platz in der Startformation erarbeiten könnten, wobei Letzterer beinahe über den gesamten Herbst an einem Knochenödem litt und nie einsatzfähig war.

Michael Madl: 21 Einsätze

SturmTifo.comDer Judenburger scheint endlich seine fußballerische Heimat gefunden zu haben. Wenige Fehler, stabile Leistungen, gutes Umfeld. Das alles sind die Zutaten für solide Auftritte als Kapitän der Grazer. Der 26-Jährige kommt mit der Rolle des Abwehrchefs voll und ganz zu recht. Sein Können ließ er schon an der Seite von Sebastian Prödl aufblitzen, als sie mit der österreichischen Nationalmannschaft bei der U-20 Weltmeisterschaft der hervorragenden vierten Platz erreicht haben. Danach kam Madl aber nie wirklich in die Erfolgsspur. Nach seinem Debüt bei der Wiener Austria ging es zum Intermezzo nach Wiener Neustadt. Erst seit dem Wechsel an die Mur hat der Obersteirer zur Konstanz  und Selbstvertrauen gefunden. In der jetztigen Spielzeit agierte der Rechtsfuß defensiv äußert solide und vermittelte den Mannschaftskollegen durch seine Präsenz am Platz immer wieder Ruhe.  Das Zusammenspiel mit Pendant Lukas Spendlhofer funktionierte von Mal zu Mal besser. Seit der Systemumstellung nach dem Trainerwechsel wurden Madl auch offensivere Aufgaben zu Teil: Immer wieder sorgt er mit seinem schnellen und präzisen Pässen für Gefahr. Aus diesen Spieleröffnungen konnten die Blackys auch einiges an Kapital schlagen. Mit seiner Kopfballstärke konnte er den Kasten von Christian Gratzei öfter sauber halten. Auszusetzen gibt es an der statistich zweitbesten Defensive der Liga (23 Gegentore in 19 Partien) relativ wenig. Grundsätzlich kann man sagen, das an Michael Madl in der Innenverteidigung kein Weg vorbei führt und er definitiv einer der Lichtgestalten im Herbst-Tagesgeschäft der Grazer ist.
Herbst-Statistik          S  St  E  A  Min  T  V GK  RK
Bundesliga                18 18  0  0 1620  2  0  6   0
ÖFB-Cup                    3  3  0  0  270  0  0  0   0
Herbst GESAMT             21 21  0  0 1890  2  0  6   0

Lukas Spendlhofer: 19 Einsätze

Der “Spendi”, so nennen ihn die Fans der Grazer, hat mit der heurigen Saison endlich wieder erhoffte Einsatzminuten bekommen. In den letzten beiden Saisonen lief es für den 21-jährigen Neunkirchner bei der zweiten Mannschaft von Inter Mailand sportlich absolut nicht nach Plan. In der Saison 2013/14 kam er nur auf magere fünf Pflichtspieleinsätze, 2012/13 immerhin noch auf acht. Darunter war auch das Debüt in der Serie A. Viermal saß der Youngster damals auf der Bank neben Stars wie Antonio Cassano oder Esteban Cambiasso. Zu stolzen 14 Minuten reichte in der höchsten Spielklasse Italiens gegen den FC Genua. Eine große Zukunft wurde dem U-21 Nationalspieler damals vorausgesagt, doch vorerst ging es nur auf die Ersatzbank. Mit den heurigen Leistungen kann diese doch noch Realität werden. Hat er noch in den ersten drei Spielen auf der Bank gesessen, spielte er ab der vierten Runde in der Startelf. Gemeinsam mit Madl bildet Spendlhofer ein harmonisches Duo, sie ergänzen sich am Platz perfekt. Er verfügt trotz seines jungen Alters über eine gute Spielintelligenz und ein sehr genaues Stellungsspiel. Auffallend ist auch, dass er oft mehr Pässe und Ballkontakte hat, als seine Kollegen im zentralen Mittelfeld. Seine Zweikampfstärke nützt er nicht nur in der Innenverteidung, um nach den Vorstößen der Außenverteidiger die Verteidigung dicht zu staffeln, weicht auch auf links aus und hilft Christian Klem mit seinen Tacklings immer wieder aus. Spendlhofer war sicherlich einer der besten Transfers, die die Grazer in den letzten Jahre getätigt haben. Es bleibt zu hoffen, dass es nicht nur ein einjähriges Gastspiel in Graz war, sondern auch Spendlhofer in Graz eine sportliche Heimat finden kann, um für größere Aufgaben gerüstet zu sein. Für Spendlhofer gilt, ähnlich wie bei Madl, dass er zu einem fast unverzichtbaren Teil der Mannschaft von Franco Foda geworden ist.

Herbst-Statistik          S  St  E  A  Min  T  V GK  RK
Bundesliga                16 14  2  0 1341  1  0  5   0
ÖFB-Cup                    2  2  0  0  180  0  0  0   0
Herbst GESAMT             18 16  0  0 1521  1  0  5   0

Tomislav Barbaric: 8 Einsätze

Fünf Mal ging es für den Kroaten über 90 Minuten, fünf Mal konnte der Neuzugang von Dinamo Zagreb nicht wirklich überzeugen. Es hat seine Berechtigung, wieso die oben genanten Herren im schwarz-weißen Dress auflaufen, und nicht der mit internationalen Erfahrung ausgestattete Barbaric. Am Platz wirkt der 25-Jährige oft viel zu behäbig, er ist auch nicht der Ideengeber wie Madl oder Spendlhofer. Ohne Ball bewegt er sich nicht viel, als mögliche, sichere Anspielstation fällt er oft aus. Es wurde viel erwartet vom 1,90 Meter Hünen, viel gesehen hat man aber nicht. Es scheitert aber auch an der Eingliederung in die Mannschaft, er wirkt wie ein Fremdkörper. In Anbetracht dessen, dass Spendlhofer den Verein mit Saisonende wieder verlassen könnte, wäre Barbaric sicherlich ein möglicher Ersatz. Fraglich ist, welche Leistung er abrufen kann, wenn er laufend am Feld steht und eingespielt ist. Derzeit führt an dem Stammverteidigerduo allerdings kein Weg vorbei.

Herbst-Statistik          S  St  E  A  Min  T  V GK  RK
Bundesliga                7   5  2  0  452  0  0  1   1
ÖFB-Cup                   1   0  1  0    8  0  0  0   0
Herbst GESAMT             8   5  3  0  460  0  0  1   1
Legende
St … Startformation
E … Eingewechselt
A … Ausgewechselt
Min … Spielminuten
T … Tore
V … Torvorlagen
GK … Gelbe Karten
RK … Rote Karten