12 Meter

Es war Rock 'n' Roll

Die Nummer 196 des 12 Meters ist die letzte ihrer Art in dieser Form. Zu behaupten, das würde mich nicht traurig machen, wäre eine glatte Lüge. Am Ende überwiegt aber das, was man dadurch an aufregendem, schönen und kontroversiellem erleben hat dürfen. Zeit auf Wiedersehen zu sagen.

© Sturm12.at
© Sturm12.at

195 Mal. So oft durfte ich auf Sturm12.at bis dato kommentieren. Die hier vorliegende Nummer 196 ist also nun der Epilog, um dieses Kapitel zu Ende zu schreiben. So hat es angefangen: Christopher Houben ist mit einem großen Haufen Zettel ins Wiener Café Möbel angerückt. Das sei das Konzept einer Website über den SK Sturm, die er machen wolle. Live-Ticker von Spielen, Hintergrundinfos, Interviews und so, geht mehr oder weniger morgen online. Ein bisschen Meinung wär halt noch nicht schlecht, um das abzurunden. Ein wöchentlicher Kommentar schwebe ihm vor. Aha, interessant. Wann soll das starten? Nächste Woche! Aha. Einen Titel hätte er auch schon, preschte Christopher in seiner unnachahmlichen Art, die ich nach seinem Abgang tatsächlich manchmal ob ihrer Zielstrebigkeit und Energie vermisst habe, weiter vor: “12 Meter”. Abzulehnen war keine Option. Ich bin also heimgegangen und habe angefangen zu schreiben.

Ziemlich bald danach begann Sturm12.at abzuheben und der 12 Meter entwickelte sich mit. Die Themenbereiche wurden vielfältiger, die Geschichten zugespitzter, der Ton wegen teilweise im Argen liegenden Zuständen im Verein rauer. Auch die Einbettung in die redaktionellen Abläufe wurde fließender, der 12 Meter immer öfter das kritische Sprachrohr, um die immer umfassender und komplexer werdenden Inhalte auf Sturm12.at einzuordnen und zu werten. Dieser Anspruch besteht bis heute. Nicht immer herrschte Konsens zwischen mir und Christopher oder später den anderen leitenden Redakteuren. Der eine oder andere Strauß, ob der Kommentar nun so noch akzeptabel sei oder nicht, wurde ausgefochten.

Auch von Seiten der Leser, wie ich wohl nicht extra betonen muss, gab es bei weitem keine uneingeschränkte Zustimmung. Immer wieder wurde heftig, teilweise weit jenseits eines noch vertretbaren Niveaus im Kommentarbereich “diskutiert”. Auch ich habe da phasenweise sehr ordentlich Fett abbekommen. Soll sein, wer austeilt muss auch… und so weiter. Aber in der einen oder anderen nachdenklichen Stunde hat man sich zu manchen Einträgen schon gefragt, ob der Aufwand den man einsetzt es wert ist. Dieser Nachdenkprozess ist noch jedes Mal mit einem eindeutigen “ja” ausgegangen, sonst wäre eine Geschichte dieser Art schon viel früher erschienen und ich hätte aufgehört. Es gab immer genug motivierende Elemente. Natürlich Zuspruch von Usern, der Umstand dass man Themen setzen, Prozesse starten und teilweise diese auch zu einem guten Ende bringen konnte. Und: Es hat nicht zuletzt einfach Spaß gemacht.

Ohne zu übertreiben und sich gar zu sehr selbst zu loben, kann man wohl am Ende des Tages vom 12 Meter als Marke rund um die mediale Begleitung des SK Sturm sprechen. Da mir Markenpflege am Herzen liegt wird das Format weiter bestehen. Wir wollen doch außerdem nicht, dass sich die Herrschaften in Messendorf gar zu wohl fühlen, oder? Für Details ist es zu früh, diese werden aber zum geeigneten Zeitpunkt bekanntgegeben. Nichtsdestotrotz musste ich während dem Schreiben dieser Zeilen ein, zwei Mal einen Knödel im Hals hinunterschlucken. Diese Konstellation hier mit Sturm12.at, mit dieser Nähe zum Verein, dieser bis zum Ende extrem lässigen Energie rund um das Medium, das wird so nicht zu wiederholen sein. Es war schlicht und einfach geil hier in diesem Rahmen werken zu dürfen, man kam nicht auf die Idee die vielen, vielen Stunden Freizeit zu zählen, die man hineingesteckt hat. Es war Rock ‘n’ Roll, es war fast eine Droge. Aber jetzt ist es zu Ende.

Also dann. Dieses Format hat kritisiert, es hat polarisiert, es hat überspitzt. Es war wohl im einen oder anderen Fall (zu) an- und untergriffig. Der Anspruch des 12 Meter war es aber, den Finger in die Wunde zu legen. Nicht um weh zutun, sondern um aufzuzeigen wo man sich verbessern kann. Bei aller persönlichen Eitelkeit, der Lust am Provozieren und spitzen Formulierungen, die ich nicht leugne: Am Ende bin ich Fan des SK Sturm und wollte damit Impulse für positive Entwicklungen setzen. Auch wenn manch unflexibler Geist das als Dauernörgeln und Sudern wahrnehmen wollte. Durchaus bewusst wurde dafür ab und zu die Grenze ein wenig gedehnt. Viele, vor allem in der Geschäftsstelle des SK Sturm, konnten und wollten damit nicht umgehen. Mussten sie aber. Weil der 12 Meter war alles Mögliche, aber wurscht war er selten.

Der Auftakt vom 27. Februar 2009 hatte den Titel “Auf nach Europa – mindestens”. Das wäre doch ein Motto für unseren Verein um den Kreis hier versöhnlich zu schließen, eines dem ausnahmsweise einmal alle in den Kommentaren unter diesem Format zustimmen könnten. Lassen wir das hier als Schlusswort stehen.

Es hat mich sehr gefreut. Wirklich. Ihr hört/lest von mir.