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Herbstanalyse - die Flügel

Ein Platzhirsch und drei Kämpfer

Der positive Leistungstrend schlägt sich auch auf die Offensivabteilung von Sturm Graz nieder. Auf dem Flügel sah man großteils zufriedenstellende Leistungen, es gibt aber auch eine herbe Enttäuschung.

Die Grazer Flügel sind auch heuer wieder heiß umkämpft. Insgesamt sechs Spieler haben in der Herbstsaison versucht, sich auf der Seite ins Rampenlicht zu spielen. Es war ein gnadenloser Kampf ums Leiberl in der Startformation, aus dem sich aber ein Platzhirsch von den anderen absetzten konnte. Thorsten Schick bestritt seit seinem Transfer zum SK Sturm 15 Pflichtspiele in der Startformation und wurde einmal eingewechselt, hat also jedes Spiel gespielt. Auch Marko Stankovic war am Anfang der Saison auf dem Flügel gesetzt, wurde dann aber in die Mitte gestellt und konnte dort mehr überzeugen als Kollege Daniel Beichler, der dann auf die Seite ausweichen musste. Nun, wo Stankovic in der Mitte beheimatet war, und Schick dem rechten Mittelfeld seinen Stempel aufgedrückt hatte, waren da aber trotzdem noch mindestens drei potentielle Anwärter für den linken Flügel. Daniel Beichler, David Schloffer und Andreas Gruber ritterten um die Wette. Der Heimkehrer Beichler, der vermeintlich Gesetzte, schaffte es aufgrund unterdurchschnittlicher Leistungen sich gegen Ende der Herbstsaison auf die Bank zu verbannen. Auch Marc Andre Schmerböck wurde des Öfteren eingewechselt, musste aber auf Grund einer Knieoperation ab Mitte September 2014 passen.

Thorsten Schick: 16 Einsätze

Die Nummer 44 der Grazer kann auf eine solide Herbstsaison zurückblicken. 16 Mal lief Schick diese Saison im Dress der Blackies auf, und konnte sich dabei acht Mal in die Scorerliste eintragen. Zu zwei Toren sowie vier Assists in der Bundesliga kommen noch ein Tor und ein Assist im Samsung-Cup. Der gebürtige Grazer kommt, zusammen mit seinem Tor für Admira Wacker, auf insgesamt sieben Scorerpunkte und markiert damit vereinsintern die Nummer zwei nach dem unantastbaren Marco Djuricin. Thorsten Schick lebt neben einer guten Ballkontrolle vor allem von seiner Schnelligkeit. Beispielhaft war sein vorübergehender Anschlusstreffer gegen Rapid. Nach weitem Ball von Beichler bringt Schick den Ball schnell unter Kontrolle, lässt Stefan Stangl im Laufduell stehen und schießt anschließend den Ball platziert ins untere lange Eck. Staubtrocken. Vergessen wir aber nicht die Aufgabe, ja fast schon den Lebenssinn des Mittelfeldspielers, nämlich den torhungrigen Stürmer, in diesem Fall Djuricin, mit brauchbaren Bällen zu füttern. Auch hier ist Thorsten Schick federführend. Fünf Torvorlagen sprechen für sich. Doch könnte er auch schon viel mehr Assists verbuchen, würde oft nicht so nachlässig mit Chancen umgegeangen werden. Da kann sich auch unser Knipser vom Dienst nicht ausklammern, Marco Djuricin hätte mit etwas mehr Konsequenz im Abschluss auch schon mehr als die bisherigen elf Treffer auf seinem Konto. Symptomatisch dafür ist die 2:0-Niederlage bei Altach, welche man leicht hätte vermeiden können, wenn man aus den 19 Schüssen auch etwas Zählbares gemacht hätte. Aber das Leben im Konjunktiv wäre halt immer ein schöneres. Fakt ist: Thorsten Schick konnte in der bisherigen Saison von den Flügelspielern am ehesten überzeugen. In der Offensive sowie auch in der Defensive. An ihm führt auf der rechten Seite kein Weg vorbei.

 

Herbst-Statistik          S   St  E  A   Min  T  V GK RK
Bundesliga               14   14  1  1  1183  2  5  2  0
ÖFB-Cup                   2    2  0  1   171  1  2  1  0
Herbst GESAMT            16   15  1  2  1354  3  7  2  0

Daniel Beichler: 18 Einsätze

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Zu Beginn der Saison noch in der Mitte hinter Djuricin gesetzt, musste der Grazer im Laufe der Spielzeit einem gut spielenden Marko Stankovic weichen und lief von dort an auf dem Flügel auf, den er abwechselnd mit Schloffer und auch Gruber bespielte. Bundesliga und Cup zusammengezählt ergeben für Beichler 18 Einsätze, vier Tore sowie zwei Assists, also sechs Scorerpunkte, wobei die Hälfte davon in den Cup-Spielen gegen Austria Salzburg und SC Schwaz erzielt wurden. Daniel Beichler ist kein Ausnahmefußballer, er ist in der Bundesliga nur Durchschnitt. Beide Treffer des 26-Jährigen wurden durch Fehler der Abwehr provoziert. Wieso also hat er mit Abstand die meisten Spielminuten unter den Flügelspielern? Zum einen profitierte der Grazer von der geringen Konkurrenz im Kader, zum anderen kennt ihn Franco Foda aus seiner letzten Ära. Dass das einen gewissen Vorteil bringen kann, ist selbst in Messendorf kein Geheimnis und hat schon andere Spieler in die Startelf geholfen, mit denen man nicht mehr gerechnet hat. Um die linke Seite sein Eigen nennen zu können, dazu hat Heimkehrer Beichler noch zu wenig aufgezeigt und in vielen Belangen schlichtweg enttäuscht. Der Positionenkampf mit Schloffer und Gruber wird wohl im Frühjahr seine Fortsetzung finden.

Herbst-Statistik          S   St  E   A   Min  T  V GK RK
Bundesliga               15   14  1  11  1120  1  1  5  0
ÖFB-Cup                   3    2  0   1   265  2  1  1  0
Herbst GESAMT            18   16  1  13  1385  4  2  6  0

David Schloffer: 16 Einsätze

Sturms steirischer Kampfzwerg stand in der Herbstsaison 16 mal auf dem Platz. Ein Tor ist die Ausbeute. Für einen Offensivspieler eine enttäuschende Statistik. Zugegeben, ein Bomber war er ja noch nie, der Schloffer. Er hat in der letzten Saison ja auch nur drei Mal getroffen, konnte da er aber immerhin sechs Tore auflegen. Schloffer stammt aus der Nachwuchsgeneration Florian Kainz. Zusammen mit ihm konnte der Ex-U-21-Nationalspieler in der Regionalliga vielversprechende Leistungen abrufen, der Durchbruch in der Kampfmannschaft  gelang ihm bis heute nicht so ganz. Er wirkt in seinem Handeln oft überhastet, man kann das Gefühl entwickeln, als wäre ihm die Bundesliga eine Schuhnummer zu groß. Leistungsexplosionen wie beim 6:0-Sieg gegen den SV Grödig scheinen die Seltenheit zu sein. Sieben Mal trug der Südoststeirer von Beginn an das Sturmtrikot, einmal durfte er sich über die volle Dauer beweisen. Sonst agierte der Flinke und Sprintstarke als Joker, wo in der Schlussphase für frischen Wind sorgte. Die Bemühungen sind sicherlich zu erkennen, möglicherweise geht ihm der Knopf entgültig im Frühjahr auf.
Herbst-Statistik          S   St  E  A  Min  T  V GK RK
Bundesliga               14    7  7  6  640  1  1  6  0
ÖFB-Cup                   2    1  1  1   73  0  0  0  0
Herbst GESAMT            16    8  8  7  713  1  1  6  0

Andreas Gruber: 11 Einsätze

20141123-1085_1DCB1078Mit Andreas Gruber hat Sturm wieder ein Pferd aus eigenem Stall, auf das es sich zu setzen lohnt. Wenn auch erst in der Zukunft. Der erst 19-Jährige kam bereits in der ersten Pflichtspielpartie in der ersten Runde des ÖFB-Cup zu seinem Debüt in der Kampfmannschaft, danach ging es aber wieder zurück zu den Amateuren. Mit durchwegs soliden Leistungen konnte er sich für den großen Bruder in der Bundesliga empfehlen und stand ab dem Trainerwechsel immer im Kader. Insgesamt kam der Youngster zwei Mal von Beginn an zum Einsatz, auch zuletzt auf Grund der plötzlichen Erkrankung von Daniel Beichler. Seine Leistung zu beurteilen, fällt schwer. Einerseits konnte er durch präzises Pass- und Stellungsspiel und großes Laufpensum überzeugen, andererseits ist die Bühne Bundesliga für den Mürzsteger (noch) eine Stufe zu hoch. Die Pressinganfälligkeit und seine körperlichen Defizite trübten seine Auftritte in der Bundesliga. Er gab zweifelsohne ein Versprechen für die Zukunft ab, machte seine Sache sehr beherzt und über weite Strecken passabel. Haben nicht andere Talente auch ihre Chance bekommen und avancierten zu echten Leistungsträgern? Bei Andreas Gruber kann das auch durchaus einmal passieren. 
Herbst-Statistik          S   St  E  A  Min  T  V GK RK
Bundesliga                8    2  7  2  278  0  0  1  0
ÖFB-Cup                   3    0  3  0   80  0  0  0  0
Herbst GESAMT            11    2  10 2  358  0  0  1  0

Marc Andre Schmerböck: 8 Einsätze

Der nächste Youngster, der um einen Platz am Flügel kämpft ist auch ein Rohdiamant aus der Sturm-Akademie. Marc Schmerböck leistete im ersten Saisonviertel als Joker seinen Dienst. Stolze sieben Mal in Folge wurde der Linksaußen eingewechselt, wurde seiner Rolle als frischer Wind in der Schlussphase aber nur bedingt gerecht. Danach ging es für den 20-Jährigen unter das Messer, die zweite Knieoperation innerhalb von zwei Jahren stand Mitte Oktober am Programm. In der Vorsaison konnte der Mann aus Feldbach am linken Flügel aufblitzen und sein vorhandenes Können zeigen, in der jetzigen Spielzeit blieb er allerdings unter den Erwartungen. Zu Jahresbeginn sollte der Rekonvaleszente wieder einsatzfähig sein. Mit neuem Trainer und größerer Konkurrenz als im Herbst könnte sein Stand im Frühjahr allerdings ein schwieriger werden. 

Herbst-Statistik          S   St  E  A  Min  T  V GK RK
Bundesliga                7    0  7  0  131  0  0  0  0
ÖFB-Cup                   1    0  1  0   27  0  0  0  0
Herbst GESAMT             8    0  8  0  158  0  0  0  0
Legende
St … Startformation
E … Eingewechselt
A … Ausgewechselt
Min … Spielminuten
T … Tore
V … Torvorlagen
GK … Gelbe Karten
RK … Rote Karten


Analyse von Markus Eichberger und Markus Scheucher