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Sturm12-Abschlussserie

12 Momente: Julia, Peter und Andreas

In der Abschlussserie erzählen ehemalige und (noch) aktive Sturm12.at-Redakteure ihre lustigsten, spannendsten und einprägsamsten Momente aus ihrer Zeit bei Sturm12.at. 12 persönliche Geschichten aus sechs Jahren:

In sechs Jahren erlebt sich viel. Insbesondere in einem umtriebigen Projekt. Die Redakteure von Sturm12.at hatten in den vergangenen sechs Jahren hunderte Geschichten zu erzählen. Nicht jede davon erblickte das Displaylicht unserer User. Manche Geschichten behielten wir (teilweise) für uns. Weil sie in einem Medium mit Qualitätsanspruch bloß persönliche Randnotizen und persönliche Darstellungen nie das Ziel von Sturm12.at waren. An oberster Stelle stand immer der Informationswert für die User. Im Redaktionszirkel machten aber oft unveröffentlichte Geschichten den Umlauf. Weil sie dennoch der gemeinsamen Unterhaltung dienten, mit Redaktionsnostalgie verbunden sind oder wir sie uns schlichtweg ganz für den Schluss aufgehoben haben. In unserer Abschlussserie erzählen ehemalige und (noch) aktive Redakteure von ihren einprägsamsten Momenten während ihrer Zeit bei Sturm12.at. Teil 2 machen heute das Duo Katharina Siuka und Julia Wendl, Alois Lipp und Lukas Lattinger.

 

Ried, Frauentoiletten und Süßes von Katharina Siuka und Julia Wendl

Sturm12.at war von Anfang an keine reine Männersache, sondern voll weiblichem Touch. Mit dem Einstieg von Katharina Siuka im Herbst 2011 musste Gründerin Julia Wendl auch nicht mehr alleine für feminine Intuition im Lager der “12er” sorgen. Und so kam das Unvermeidbare: Zwei Ladies coverten dank Oberösterreichbezug zwei Auswärtswärtsspiele bei der SV Ried – ohne männliche Unterstützung vor Ort. “Das erste Mal, dass zwei Frauen tickern?”, wollte der erstaunte User zuggi68 via unveröffentlichtem Liveticker-Kommentar wissen. War es! Und zwar am 17. Dezember 2011. User Guest war sich ob dieser Sensation sogar sicher: “Frauenpower am Ticker, das kann doch nur noch ein Sieg heute werden? :D” Mit dieser Vermutung sollte er leider nur bis zur 93. Minute Recht behalten, als Rieds Spanier Ivan Carril nach einem Pürcher-Foul per Freistoß zum 1:1 ausglich. Aber nicht alle Sturm12.at-Leser konnten sich derartiges vorstellen: “Frauen? ich hoffe das wird was……….”, gab sich User superdad superskeptisch. Wir nahmen’s gelassen und klopften erst recht in die Laptoptasten.

Dass wir allerdings kein einziges Mal etwas zu essen bekamen, schlug uns schon deutlich mehr auf den Magen. In Ried bekommen nämlich nur ausgewählte “Gäste”-Journalisten Zutritt in den VIP-Klub und somit zu Essen und Getränken. Von diesen VIP-Akkreditierungen besitzt jeder Gastverein ein bestimmtes Kontingent und vergibt es – tat Sturm Graz nur nie an uns. Ein befreundeter Journalist, der in diesen Genuss kam, schmuggelte uns bei Eiseskälte Tee hinaus. Ja, hinaus. Einen Presseraum mit Heizung gab es nämlich nur für Fotografen. Kein Zutritt also für durchgefrorene Schreiberlinge. Aus diesem Grund finalisierten wir den Spielbericht und die Fotogalerie nach Schlusspfiff auf der beheizten Damentoilette. Dort gab es immerhin Steckdosen und breite Waschbeckenamaturen, um die Laptops aufzustellen. Zwei spanisch sprechende Spielerfrauen, die das stille Örtchen aufsuchten, zeigten ihre Verwunderung über unser Treiben, störten uns aber nicht im Geringsten. Ob uns die Arbeit für Sturm12.at auf einer Toilette in Ried peinlich war? Vielleicht ein bisschen. Dafür hatten wir es warm.

Die Fotografen in ihrem Fotografenraum bekommen übrigens warme Leberkässemmeln serviert. Getarnt als Besuch bei den Kollegen von SturmTifo.com wollten wir uns hier natürlich beteiligen. Bloß erwischten uns die Rieder. “De san net fi eich!”, lehrte man uns in feinstem Oberösterreichisch. Hoppla. “Soll’ mas zrucklegen?”, wollten wir wissen. Man verneinte: “Dats des nie wieder!” Taten wir auch nicht, ehrlich. Am 1. September 2012 hatten wir nämlich eine neue Taktik vorbereitet: Mit dem schon etwas betagten Türsteher des VIP-Klubs flirten. Flirten hieß in diesem Fall Mitleid erregen und äußerst ausgehungert wirken. Klappte. Den netten Securitymann brauchten wir nicht zwei Mal fragen, ob er uns denn eine Kleinigkeit aus dem VIP-Klub holen könne. Er entwendete im Handumdrehen zwei Knoblauchstangen, welche er uns voller Mitleid zusteckte. Was lernten wir daraus: Nicht alle Rieder wollen uns verhungern lassen.

Beim Starten des Livetickers wurden wir erneut überrascht: “Grüß Gott die Damen”, schrieb ein Liveticker-Gast. Man kannte uns also bereits und man schien uns nicht übel gesinnt. Oder doch? Unseren glamourösen Auftritt fast ein Jahr zuvor hatte User Letschi nämlich wohl verschlafen und fragte: “Das erste Mal, dass 2 Mädls das Tickern übernehmen? :o)” Und auch der damalige Couch Peter Hyballa schien mit so viel Weiblichkeit leicht überfordert. Julia, bewaffnet mit dem Audiogerät, bat ihn um ein Statement zum glücklichen 1:0-Sieg (Thomas Reifeltshammer sorgte per Eigentor dafür) und bekam als Antwort: “Ich muss jetzt zur Pressekonferenz. Aber komm nur mit, Süße.” Es war das Ende eines erneuten Ausflugs in den hohen Norden. Oder doch nicht? “Ich liebe euch, Kathi Siuka und Julia Wendl !!!”, sendete uns Userin Jessi nach Ried. Wir euch, liebe Leserinnen und Leser, auch. Und dich, Sturm12.at ebenso. Danke für diese unvergesslichen Momente. Wir werden das alles schon ein bisschen vermissen.

 

Hyballa, das Handy und eine Entführung von Alois Lipp

Nach dem Meistertitel 2011 bewarb ich mich für Sturm12.at. Beim ersten Gespräch in einem Kaffeehaus nahe dem Stadion Liebenau traf ich mich mit Markus Zottler und Clemens Ticar. Obwohl ich zu diesem Zeitpunkt eher als Fotograf tätig war, konnten mich die zwei sofort überzeugen auch redaktionell etwas zum Projekt Sturm12.at beizutragen. Dadurch konnte ich eine Reihe von (wieder) aktuellen und ehemaligen Protagonisten rund um Sturm Graz etwas näher kennen lernen, etwa Franco Foda, Paul Gludovatz und Peter Hyballa. Nicht immer war der Umgang mit uns Journalisten ein einfacher. Und einige Episoden bleiben mir besonders in Erinnerung.

Etwa der Tag als Paul Gludovatz als Sportdirektor vorgestellt wurde. Nach getaner Arbeit war ich bereits am Heimweg, als ich einen Anruf erhielt, mit der Bitte doch wieder nach Messendorf zu fahren. Was mich dort erwartete, war wohl einer der unrühmlichsten Abgänge eines Trainers in Österreich. Im Schatten des Klub-Hauses schlich Foda von dannen, während der am Vormittag neu bestellte Sportdirektor auf der anderen Seite das von Co-Trainer Thomas Kristl geleitete Training im Sonnenschein beobachtete.

Einige Wochen später durfte ich auch der Präsentation des Nachfolge-Trainers Peter Hyballa beiwohnen. Bereits bei dieser Veranstaltung konnte man erahnen, dass dieser Mensch mit Journalisten kann. „Kurzes Hy, schnelles Balla“,waren die Worte, die in Erinnerung bleiben. Doch nicht immer war die Stimmung gut. Lief es sportlich nicht erfolgreich und war das auch in den Medien so zu lesen, kam es vor, dass der Deutsche ohne einen Spieler zum wöchentlichen Mediabriefing kam und dieses eher wortkarg wieder verließ.

Weniger wortkarg war Hyballa am 14. März 2013: Sturm Graz lud zum üblichen Mediabriefing. Diesmal nahm neben Hyballa Mittelfeldspieler Florian Kainz Platz. Wie immer zeichnete ich die Pressekonferenz mit meinem Handy auf. Nur diesmal kam es anders als erwartet. Das Briefing war bereits im Gange, als mein Handy am Tisch vor Hyballa vibrierte. Der Trainer nahm ab und meldete sich artig mit seinem Namen. Das brachte Stimmung in den eher spärlich besuchten Raum. Meine Mutter war dran und Hyballa in seinem Element. Da ihr mit dem Namen Peter Hyballa niemand bekannt war, ging sie im ersten Schreck von einer Entführung (!) aus und veranlasste meinen Bruder mich anzurufen. Hyballa nahm auch diesen Anruf entgegen. Mein Bruder kannte ihn und konnte Entwarnung geben. Mittlerweile weiß meine Mutter, wer Peter Hyballa ist und ich, dass man Sprachmemos nur im Flugzeugmodus aufzeichnen sollte.

 

Ein magischer Abend von Lukas Lattinger

Alles wie immer. Kupplung, fünfter Gang. Südautobahn Richtung Graz. Schönes Wetter. Alles wie immer, am Ende dieser langen Saison, die für mich in Tiflis begonnen hatte und nun in Liebenau gegen Wacker Innsbruck enden sollte. Alles wie immer: Spielbericht für Sturm12.at schreiben. Routinearbeit, immerhin ist es mein 23. Spiel in dieser Saison. Und doch ist alles anders. Es ist der 25. Mai 2011. Es wartet kein Spiel wie jedes andere. Seit Tagen fiebert Graz, die ganze Steiermark diesem Match entgegen. Auf der Fahrt nach Liebenau kommen sie hoch, die Erinnerungen an den Cupsieg aus dem Vorjahr. An das volle Klagenfurter Stadion, dem die Grazer den „Verstand genommen“ hatten. Diese Stimmung war einzigartig. Gänsehautfeeling.

Das kommt auch auf, als ich beim Stadion vorbeifahre. Tausende Fans sind schon da, Stunden vor dem Anpfiff. Ein schwarz-weißes Meer an lachenden Gesichtern. Keiner hier glaubt, dass der Titel noch verloren gehen könnte. Dennoch schwankt der Gemütszustand der Masse zwischen Nervosität und zuversichtlichem Jubel. Jeder weiß: Es steht ein großer Abend bevor. Das merkt man auch auf der Pressetribüne, die so gut gefüllt ist, wie selten zuvor. Auch das Sturm12.at-Team ist von der Atmosphäre enthusiasmiert. Der Live-Ticker ist ein schriftliches Zeugnis davon. Ein Hohefest der Adjektive und Superlative.

Das Stadion ist ausverkauft und die Stimmung der schwarz-weißen Anhänger ist bereits vor dem Anpfiff dermaßen gut, dass sogar das erfolgreiche Leiberl-Anziehen von Mario Haas frenetisch beklatscht wird. Der Jubel ist zu diesem Zeitpunkt da, aber er ist verhalten. Noch. Es dominiert die Angst, dass man sich zu früh freuen könnte. Nach den Jahren des Konkurses und Existenzängsten wirkt es trotz der guten Ergebnisse der Vorwochen surreal, dass Sturm plötzlich Meister werden kann. Aus eigener Kraft. Das für unmöglich gehaltene Ziel ist mit einem Mal greifbar.

Von Matchbeginn an steht das ganze Stadion, die Stimmung gleicht einem Druckkochtopf und wartet nur auf den erlösenden Moment, ab dem der Jubel grenzenlos sein kann. „Eine Stadt brennt auf den Titel“, schreiben die Fans. In Minute 14 wird die Hitze zu groß, der Kochtopf Liebenau explodiert nach dem Führungstor von Andreas Hölzl. Was dann passiert, ist unbeschreiblich. Eine Welle der Euphorie erfasst die Ränge, die wohl selbst den kritischsten Sturm12.at-Kolumnisten mitreißt. Minutenlang hüpft das ganze Stadion, alle „sind verrückt“.

Das folgende Gegentor ist egal, die Zwischenergebnisse aus Wien weniger. Austria Wien gegen Red Bull Salzburg mutiert bei einem Remis in Graz zum Hauptschauplatz des Titelkampfes. Nach einer violetten Zwischenführung gehen die Bullen in Führung, Sturm ist Meister. Das Ergebnis spricht sich in Smartphone-Zeiten in sekundenschnelle in Liebenau herum. Was folgt, ist der lauteste Jubel für ein Bullen-Tor, den man jemals in einem Stadion gehört hat. Der Dezibelzähler wird beim Schlusspfiff noch mehr überlastet. Der Rest ist Geschichte. Am nächsten Tag steige ich nach der Meisterfeier wieder ins Auto. Autobahnauffahrt Richtung Wien. Alles wie immer – und doch alles anders.