Sturm12.at verabschiedet sich

Epilog

Fast sechs Jahre Fußballanalyse in schwarz-weiß sind zu Ende. Sternstunden waren dabei, Rückschläge auch. Eines war immer: Leidenschaft. Wehmütig und zugleich reich an Erfahrungen pfeifen wir den Schlusspfiff.

Das neue Gewand.
© Sturm12.at

Nun ist es also soweit. Die Lichter gehen aus bei Sturm12.at. Fast sechs Jahre lang hat sich das Leben sehr vieler Menschen neben ihren Berufen, Studien oder sonstigen Verpflichtungen in sehr großem Maße darum gedreht, wie man diese eine Seite mit fundiertem Inhalt über den SK Sturm befüllen kann. Wie fundiert lässt sich vielleicht auch daran messen, dass mittlerweile eine sehr große Handvoll ehemaliger Sturm12.at-Mitarbeiter bei den unterschiedlichsten Medien dieses Landes als Redakteure werkt.

Ereignisarm war die Ära der Fußballanalyse in schwarz-weiß ohnehin nie. Wir durften einen Meistertitel und einen Cupsieg begleiten. Wir sind dieser Mannschaft zu türkischen Trainingslagern, isländischen Europacupspielen und dutzenden aberwitzigen Testspielen gefolgt. Sturm12.at-Redakteure hatten das Vergnügen sehr viele interessante Menschen im Umfeld dieses Vereins und dem Fußball insgesamt kennenzulernen. Erfahrungen, die in Erinnerung bleiben. Erlebnisse, die allen Redakteuren in unseren Reihen eine gute Schule waren und sein werden, für ihre zukünftigen Unternehmungen im Journalismus.

Wir mussten aber auch mit fortwährenden, nie ganz in den Hintergrund tretenden Hürden, Erschwernissen und am Ende sogar Blockaden bei unserer Arbeit fertig werden. Mit der Fülle und Dichte der Berichterstattung kam keine der wechselnden Vereinsführungen im Laufe der Jahre wirklich zurecht. Zu vermitteln, dass ein kritisches Fanmedium nicht nur Jubelberichterstattung macht, war ohnehin ein Kampf gegen Windmühlen. „Seid ihr jetzt für oder gegen Sturm?“ Wir haben aufgehört zu zählen, wie oft uns diese unsägliche Frage gestellt worden ist. Dass für Sturm zu sein manchmal heißt, gegen die Entscheidungen der Vereinsführung zu sein, konnte scheinbar nicht genug vermittelt werden.

So arbeiteten wir überhaupt mit allen Kollegen, die sich um qualitätsvollen, österreichischen Fußballjournalismus bemühen, in einem stets schwierigen Umfeld. Man verwehrt sich in Fußball-Österreich bisweilen recht erfolgreich gegen Gegenrede, echtes Hinterfragen, fundierte Kritik, ja letztlich ernsthafte Berichterstattung und versucht diese so gut es geht in Zaum zu halten. Dass man mit dieser Strategie womöglich oft Zeit und Ruhe gewinnt, aber am Ende Authentizität, Aufmerksamkeit und vor allem Fortschritt verliert, hat sich nur teilweise von den großen Fußballländern nach Österreich durchgesprochen. Und dass das gerade auch in Graz zutrifft, haben wir in den vergangenen Jahren erfahren.

Einige wenige aus dem Inneren des SK Sturm haben den Mehrwert dieser umfangreichen Berichterstattung immer erkannt. Zu einer Mehrheitsmeinung ist diese Sichtweise nie geworden. In den vergangenen Monaten wurde dann überhaupt allen Protagonisten im Klub das komplette Gegenteil als Handlungsanleitung verordnet. Ein Umstand, unter dem wir das Projekt noch weniger an eine blutjunge Generation übergeben können, als es ohnehin schon nur unter widrigsten Verhältnissen denkbar wäre – das Wasser, in das man die Nachfolger schmeißen würde, es wäre ein viel zu kaltes.

Nicht nur einmal haben wir von diversen Beobachtern den Satz gehört: „Diesen Verein könnt ihr nicht aus dem tiefen Provinzialismus herausholen.“ Wir haben es in einem Umfeld, in dem sich die großen Medien bis dato in treuer Ergebenheit nicht über das Niveau einer Hofberichterstattung hinaustrauen versucht. Und dieser Versuch hat unendlich viel Spaß gemacht. Nicht zuletzt wurde unsere Arbeit zwar vonseiten der Beschriebenen nie wertgeschätzt, von sehr vielen anderen Personen, Fans, Kollegen und einzelnen Vertretern des SK Sturm aber sehr wohl. All jenen wollen wir danken. Zum Abschied gilt es aber vor allem euch, die Leser unserer Seite, vor den Vorhang zu holen. Bis zuletzt haben wir über die Zugriffszahlen gestaunt. Es macht uns stolz, im Laufe der Jahre eine so treue Community an Stammlesern von Sturm12.at gehabt zu haben. Ohne euch alle hätte dieses Projekt nicht stattfinden können. Ein Danke ist nicht genug.

Hiermit überlassen wir den Verein in Graz wieder sich selbst und dem Biotop der „Kleinen Krone“. Wir stellen uns zurück hinter das Tor im Norden von Liebenau. Diejenigen, die der Gedanke an unser Fehlen fröhlich stimmt, sei diese Freude zum Jahresende gegönnt. Wir glauben, einige mehr werden uns vermissen. Es war uns ein Vergnügen, eine Ehre, eine Pflicht. Schlaf gut, Sturm12.at.