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	<title>Sturm12.at &#187; 12 Sturm-Geschichten</title>
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	<description>Fußballanalyse in schwarz-weiß</description>
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	<itunes:summary>12 Ton - Der Sturm12.at Podcast: Clemens Ticar und Markus Zottler liefern einmal im Monat den Podcast Ã¼ber den FuÃballverein Sturm Graz der ganz im Zeichen von &quot;Samma Schwoaz, Samma WeiÃ, Samma Sturm, Samma Grazer&quot; steht. Reibungspotential, Positives, Internes und Fan-Themen werden in den vier Kapiteln besprochen.</itunes:summary>
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		<title>Der Verlust der reinen Emotion</title>
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		<pubDate>Tue, 03 Jan 2012 09:46:39 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Fan sein heißt Leidenschaft, Emotionen und mitfiebern. Journalist sein heißt beobachten, kritisieren und analysieren. Wenn ein Fan zum Journalist wird, sitzt auf einmal der Schreiberling immer mit im Stadion. Und der hat die Journalistenbrille auf und steht dem Fan im Weg. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_69393" class="wp-caption alignleft" style="width: 250px"><a href="http://www.sturm12.at/2012/01/03/der-verlust-der-reinen-emotion/20090515-0837r/" rel="attachment wp-att-69393"><img class="size-medium wp-image-69393" title="20090515-0837r" src="http://www.sturm12.at/wp-content/uploads/20090515-0837r-240x160.jpg" alt="" width="240" height="160" /></a><p class="wp-caption-text">© Sturmtifo.com</p></div>
<p>Fußball. Das ist Leidenschaft, Stadionatmosphäre und wenn man auch noch Fan einer Mannschaft ist, dann heißt das vor allem mitfiebern. In meinem Fall mitfiebern beim SK Sturm. Dem Alter entwachsen, wo man Matchbesuche nur unter Aufsicht von Erwachsenen auf den Holzsitzbankerln in der Gruabn zugebracht hatte, zog es mich mit Freunden bald auf die andere Seite des Stadions, hinter die Trainerbänke, auf den Stehplatz. Der Samstagnachmittag gestaltete sich an Heimspielwochenenden immer rund um den 15:30-Termin am Jakominigürtel. Das lief meist in geregelten Bahnen. Schule, dann zum All-you-can-eat-Chinesen, der den Eltern eines Kollegen gehörte, und dann tunlichst danach trachten um circa 14 Uhr &#8220;unten&#8221; zu sein, damit man sich noch einen ordentlichen Platz sichern konnte. Das war dann speziell in der letzten Saison vor dem Umzug nach Liebenau relevant, als wahrscheinlich oft mehr Menschen in der Gruabn waren, als in der Tat Platz hatten.</p>
<p>In dieser Zeit waren Fußball und der SK Sturm vor allem eines: eine Passion. Man jubelte, schimpfte oder litt mit der Mannschaft. So ein Stadionbesuch verhielt sich im Grunde wie ein fast ausschließlich emotionsgesteuertes Erlebnis. Natürlich wurde auch über Fußball debattiert, davor und danach. Da wurde über den einen oder anderen Spieler diskutiert, ob nicht dieser oder jener besser wäre, ob dieser neue Goalie, Thomas Gill, denn nun ein Guter oder ein Fliegenfänger sei. Ob dieser Enzo Gambaro wirklich ein Fußballer sei oder nur zur Unterhaltung von Pepe Giannini das schwarz-weiße Dress überstreifte &#8211; unter der Trainingsjacke, denn eingesetzt wurde er kaum einmal. Aber im Zentrum stand das Spiel, die 90 Minuten auf dem Rasen. Da brachen alle Dämme, als die Osim-Schule schön langsam sichtbar wurde und der SK Sturm die Gegner teilweise an die Wand spielte. Oder man ärgerte sich über Provokateure wie Dietmar Kühbauer. Das Reagieren auf Geschehnisse auf dem Rasen und die dazugehörige Emotion, darum ging es jedenfalls.</p>
<p><strong>Vom naiven Blick zur Veränderung des Zugangs</strong><br />
Das blieb zunächst auch noch so, als Sturm 1997 in das neue Stadion weiterzog. Es folgte der erste Titel, dann noch einer, und die allseits bekannten Europacup-Erfolge. Auch da waren es Emotion und Leidenschaft pur, man suhlte sich in der kollektiven Begeisterung. Auch als es dann begann bergab zu gehen, das &#8220;System Kartnig&#8221; den Verein nach und nach zugrunde richtete, war zwar ein komisches Gefühl dabei, welche Tragweite das alles noch haben würde, daran wurden keine strukturierten Gedanken</p>
<div id="attachment_69394" class="wp-caption alignleft" style="width: 182px"><a href="http://www.sturm12.at/2012/01/03/der-verlust-der-reinen-emotion/06_cover_184px-4/" rel="attachment wp-att-69394"><img class="size-medium wp-image-69394" title="06_cover_184px" src="http://www.sturm12.at/wp-content/uploads/06_cover_184px3-172x240.jpg" alt="" width="172" height="240" /></a><p class="wp-caption-text">© Null Acht</p></div>
<p>verschwendet. Auch aus einem Mangel an Wissen und Einblick heraus. Als es 2006 zum Zwangsausgleich kam, hatte ich zwar schon begonnen journalistisch aktiv zu sein, beschäftigte mich zunächst aber nur mit Themen abseits des Sports. Chronik, Wirtschaft oder Innenpolitik. Irgendwie konnte ich deshalb den Blick auf den Fußball und speziell Sturm Graz relativ &#8220;naiv&#8221; halten. Dazu hat sicher auch der Umzug nach Wien beigetragen, wo man von den Schwarz-Weißen einfach nicht mehr so viel mitbekam (was ja auch am Ende für die <a title="Kapitel 8" href="http://www.sturm12.at/2011/12/30/die-website-die-niemals-war/">Gründung</a> dieser Seite nicht ganz unerheblich war).</p>
<p>Erst 2008, mit der Gründung von <em><a title="Null Acht" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Null_Acht">Null Acht</a></em> und meiner Mitarbeit ebendort, änderte sich das grundlegend. Plötzlich stand die intensiven, detaillierte und fachliche Beschäftigung mit meinem Lieblingssport im Mittelpunkt, wo es in Folge auch zum ersten Mal zu einer journalistischen <a title="Interview Foda" href="http://www.nullacht.at/index.php?idcatside=276">Begegnung</a> mit dem SK Sturm gekommen ist. Ziemlich zeitgleich, im Februar 2009, ging Sturm12.at online. <em>Null Acht</em> verschwand dann wieder, zumindest in gedruckter Form, Sturm12.at blieb. Und es veränderte sich der Zugang zum Verein des Herzens grundlegend. Nicht sofort und abrupt, aber schleichend und stetig. Nach und nach wurde es immer schwieriger, einem Spiel nur emotional und leidenschaftlich zu folgen. Je größer und ernsthafter Sturm12.at wurde, umso mehr Platz nahm dieses Projekt auch im Leben ein, auch wenn die berufliche Entscheidung gegen den Journalismus als Broterwerb, zumindest bei mir &#8211; gilt bei weitem nicht für alle Teammitglieder &#8211; schon längst gefallen war. Zuerst galten die Gedanken hauptsächlich den sportlichen Belangen. Ist dieser oder jener Mann der bessere rechte Außenverteidiger, ist die taktische Einstellung der Mannschaft die richtige oder haben die Wechsel von Coach Franco Foda etwas gebracht?</p>
<p><strong>Der Schreiberling sitzt (fast) immer mit im Stadion</strong><br />
Schon klar, alles Themen, die mitunter auch beim normalen Stadionbesuch diskutiert werden. Der Unterschied ist, dass man als &#8220;reiner&#8221; Fan dann debattiert und überlegt, wenn man es will. Wir müssen das Gesehene zu Geschichten verarbeiten, damit es hier etwas zu lesen gibt. Zudem ist man in meinem Fall auch ständig auf der Suche nach dem nächsten Kolumnenthema. Das Ganze wurde noch ein Stück weit intensiver, als wir uns immer mehr auch mit komplexeren Themen im Bereich der Vereinsführung und auch bei Fanangelegenheiten beschäftigten. Je mehr Wissen und Einblick man ansammelt, desto schwieriger wird der rein emotionale Blick auf ein Fußballspiel der Blackies. Der &#8220;Schreiberling&#8221; sitzt immer mit im Stadion und durch die Arbeit zwischen den Spielen, die Interviews, Telefonate, Hintergrundanalysen, verliert man mehr und mehr die Fähigkeit nur noch Fan zu sein. Der Hebel lässt sich beim Anpfiff nicht auf Befehl umlegen, schon gar nicht, wenn man vom Spiel mit den Kollegen selbst berichtet. Der erworbene Einblick, vor allem die Baustellen und Ungereimtheiten, oder die Pflicht zu tickern oder den Spielbericht zu schreiben, verbauen einem sozusagen die Fansicht.</p>
<div id="attachment_69388" class="wp-caption alignleft" style="width: 250px"><a href="http://www.sturm12.at/2012/01/03/der-verlust-der-reinen-emotion/img_6495_20110525-0018-500x333/" rel="attachment wp-att-69388"><img class="size-medium wp-image-69388" title="IMG_6495_20110525-0018-500x333" src="http://www.sturm12.at/wp-content/uploads/IMG_6495_20110525-0018-500x3331-240x159.jpg" alt="" width="240" height="159" /></a><p class="wp-caption-text">© Sturmtifo.com</p></div>
<p>Aber manchmal ist sie noch da, die reine Emotion. Wenn etwa in Wiener Neustadt Samir Muratovic den <a title="Kapitel 9" href="http://www.sturm12.at/2011/12/31/sieg-im-sechsten-endspiel/">Elfer</a> reinhaut und man weiß, das war der Titel, das muss er einfach gewesen sein. Wenn es dabei den sturmaffinen Kollegen eines großen Internetportals, mit dem man das Spiel gemeinsam hinter dem Neustädter Tor vor den Spielerkabinen verfolgt, auf seinen Hosenboden setzt, weil sein Jubel ihn aus dem Gleichgewicht bringt. Oder wenn man dann eine Woche später nach Graz fährt, die Choreo &#8220;Eine Stadt brennt auf den Titel&#8221; sieht und den schließlich alles klar machenden Zwischenstand aus Wien hört. Dann fühlt sich das wieder so an wie damals, in der Gruabn, beim ersten Titel, in der Champions League. Zumindest kurz. Am Tag nach dem Neustadt-Spiel gingen die Wogen wegen der Manipulationsvorwürfe gegen Edin Salkic hoch. <a title="12 Meter Salkic" href="http://www.sturm12.at/2011/05/24/12-meter-edin-salkic-wieder-nur-ein-jugo/">Da</a> hatte sie einen auch schon wieder eingeholt, die &#8220;Journalistenbrille&#8221;. Und das ist auch gut so. Auch wenn man manchmal wehmütig zurückblickt, im Grunde gehen wir hier diesen Weg, weil wir es so wollen.</p>
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		<title>Allerseelen anders</title>
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		<pubDate>Mon, 02 Jan 2012 11:34:23 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Der Herbst 2006 war eine schicksalsträchtige Zeit für Sturm Graz. Nach dem eingebrachten Konkursverfahren war Hannes Kartnigs Ära vorbei und eine neue sollte beginnen. Am 2. November, bei keinem Kartenvorverkauf wie jedem anderen. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_69375" class="wp-caption alignleft" style="width: 250px"><a href="http://www.sturm12.at/2012/01/02/allerseelen-anders/5474180800_2ff833f0c1_b/" rel="attachment wp-att-69375"><img class="size-medium wp-image-69375" title="5474180800_2ff833f0c1_b" src="http://www.sturm12.at/wp-content/uploads/5474180800_2ff833f0c1_b-240x179.jpg" alt="" width="240" height="179" /></a><p class="wp-caption-text">© flickr.com (User: neilalderney123)</p></div>
<p>November. Es ist grau, nass und kalt, das Jahr biegt langsam auf die Zielgerade ein und jeder Fan kann erste Prognosen abgeben, wohin es für seine Mannschaft in dieser Saison geht. Wie sinkende Temperaturen und eine ordentliche Verkühlung gehören auch Allerheiligen und Allerseelen zum November. Eine Kerze anzünden, innehalten, Hände von Verwandten schütteln und dem Kameradschaftsbund einen Unterstützungsaufkleber abkaufen. Tradition eben.</p>
<p>Auch 2006 war das so. Nur hatte die Tradition in diesem Jahr einen bitteren Beigeschmack. Der SK Sturm war in der Intensivstation angelangt, manche sahen ihn schon bald am Fußballfriedhof. Es herrschte also Grabesstimmung im doppelten Sinn.</p>
<p>Ende Oktober hatte Sturm den Zwangsausgleich eingereicht. Hannes Kartnig hing in den Seilen, doch das hielt ihn nicht davon ab weiter lautstark zu poltern. Obwohl sich im Hintergrund bereits eine Personengruppe mit einer notwendigen Bankgarantie in der Tasche formiert hatte, spuckte er noch immer große Töne.<em> &#8220;Vielleicht lege ich die 750.000 Euro ja selbst auf den Tisch&#8221;</em>, soll er am 1. November gesagt haben. Einen Tag später wollte er verlautbaren, wie die Beziehung Kartnig-Sturm weitergeht.</p>
<p>Im September bejubelte ich in Liebenau gegen Red Bull Salzburg mit meinem Bruder Ernst Dospels (!) Kopfballtor und den damit verbundenen 2:1-Sieg. Mit Einsatz und Leidenschaft, aber auch spielerischen Akzenten, gesetzt von Klaus Salmutter oder dem aufstrebenden Christoph Leitgeb, wusste die Sturm-Elf zu gefallen. Aber die Highlights jeder Saison waren immer noch die Stadtderbys. Franck Silvestres Kopftor 2004 oder Bojan Filipovics Freistoßflanke 2003, die sich in Minute 89 ins Tor verirrte. Momente, die sich noch Wochen nach den Partien in meinem Kopf wiederholten.</p>
<div id="attachment_69383" class="wp-caption alignright" style="width: 193px"><a href="http://www.sturm12.at/2012/01/02/allerseelen-anders/unbenannt-6/" rel="attachment wp-att-69383"><img class="size-medium wp-image-69383" title="Sturm-Flyer" src="http://www.sturm12.at/wp-content/uploads/Unbenannt1-183x240.png" alt=" " width="183" height="240" /></a><p class="wp-caption-text"> </p></div>
<p>Der Allerseelentag war kalt. Der Präsident soll um 18:00 Uhr endgültig seinen Hut nehmen, hieß es. Und ich brauchte eben Karten für das anstehende Derby. Und da war auch noch diese Zeitungsanzeige. Nie dachte ich, nie mehr würde ich der Mannschaft näher kommen als an diesem Tag. Davor war das wahrscheinlich 1999 der Fall, als man von mir schweißgetränkt im Alter von neun Jahren ein Polaroid mit Jan Pieter Martens vor Meisterteller und Cup-Trophäe schoss.</p>
<p>Sturm rief und Sturm kam. Vor der Nordtribüne drängten sich dutzende Menschen in den viel zu kleinen Fanshop. &#8220;Ein Mal &#8216;Keine Flaute&#8217;!&#8221;, hörte ich sofort eine unverkennbare Stimme. Franco Foda brachte sein nächstes Shirt an den Mann. &#8220;Keine Flaute stoppt den Sturm&#8221; &#8211; Bei dem Spruch, der auf den begehrten Leiberln stand, handelte es sich um keine leeren Worte. Neben Foda kamen Jürgen Säumel, Christoph Leitgeb und Kazi Sidorczuk mit den Einkaufs- und Autogrammwünschen kaum nach. Am Stadionvorplatz bediente Ernst Dospel nebst Herbert Rauter Griller und Zapfhahn, Klaus Salmutter verkaufte mir zwei Tickets für das Derby.</p>
<p>Für mich als Nicht-Grazer, der ich damals vom Wohlwollen meines Vaters oder Bruders abhängig war, ob ich ein Spiel im Stadion sehen konnte, also eher selten in Liebenau zugegen war, ging der Abend umgehend in die Geschichte ein. Mit den zwei Karten und einem &#8220;Lang lebe Sturm&#8221;-Shirt ausgestattet war ich wunschlos glücklich. Dabei sollte mit einer kleinen Runde im Sturmbus das eigentliche Highlight erst kommen. Mark Prettenthaler und Alexander Pöllhuber erzählten über Gepflogenheiten während längerer Auswärtsreisen, wer wo seinen Platz im Bus hat und beim Kartenspielen gewinnt.</p>
<p>Beim Ausstieg wurde mir kurz bange, dachte ich mir doch Sturm würde sicher einen fixen Betrag dafür verlangen, einmal Gast im rollenden Heiligtum zu sein. Und nach meinem Einkauf zuvor hatte ich nicht mehr viel bei mir. Ich irrte. &#8220;Freiwillige Spende&#8221; stand auf einem Schild am Eingang. Sturm war dankbar für jeden Cent. Und ich für jeden Eindruck. Was mein Portemonnaie noch hergab landete im Spendenkorb. Kaum ausgestiegen drückte mir mein Vater auch noch einen Stoß unterschriebener Autogrammkarten in die Hand. Er hatte die anwesenden Spieler abgeklappert. Am selben Abend sollten die Konterfeis von Frank Verlaat, Mitja Mörec, Adam Ledwon und Co. noch eine Galerie an meiner Zimmerwand bilden.</p>
<p>Hannes Kartnig war irgendwann zwischen Bratwurst und Bustour offiziell zurückgetreten. Die Mannschaft verkaufte an diesem Abend innerhalb von drei Stunden über 3.000 Tickets für das nächste Heimspiel gegen Altach.</p>
<p>Der schillerndste aller Präsidenten war Geschichte. Und, auch wenn der eigentliche Kraftakt erst im Jänner mit dem angenommenen Zwangsausgleich folgen sollte, war mir an diesem Allerseelentag klar: Sturm lebte. Die Sturm-Familie lebte. Sportlich. Menschlich. Am Spielfeld. Am Stadionvorplatz. Und ich war ein Teil von ihr. Mehr als je zuvor.</p>
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<p style="text-align: right;"><em>Eine Sturm-Geschichte von Andreas Terler</em></p>
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		<title>Der Fußball, mein Sohn und der SK Sturm</title>
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		<pubDate>Sun, 01 Jan 2012 10:23:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>hm</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Über einen grandiosen Derby-Sieg zur Stadioneröffnung. Über Kartengeschenke von einer netten Nachbarin. Über beginnende Verfallserscheinungen in Zeiten größter Triumphe. Und warum ich mein Herz (auch) an den Fußball verloren habe.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_69328" class="wp-caption alignleft" style="width: 250px"><a href="http://www.sturm12.at/2012/01/01/der-fusball-mein-sohn-und-der-sk-sturm/2363780933_69b9b36c48_z/" rel="attachment wp-att-69328"><img class="size-medium wp-image-69328" title="2363780933_69b9b36c48_z" src="http://www.sturm12.at/wp-content/uploads/2363780933_69b9b36c48_z-240x160.jpg" alt="" width="240" height="160" /></a><p class="wp-caption-text">Flickr.com User: wortmeer</p></div>
<p>Tagebucheintrag, 28.06.1997: Sturm &#8211; GAK ist bereits ausverkauft! Werde mit Robert wohl ein anderes Heimspiel besuchen müssen!</p>
<p>Tagebucheintrag, 08.07.1997: Morgen mit Robert zu Sturm &#8211; GAK ins neue Liebenauer Stadion! Ein Dank an Ute! Sehr nett!</p>
<p>Man schrieb den Juli 1997 und die Eröffnung des nagelneuen, sogenannten Schwarzenegger-Stadions in Liebenau stand vor der Tür. Grund genug für meinen sechsjährigen Sohn Robert &#8211; wie sein Vater überzeugter und leidenschaftlicher Sturmanhänger &#8211; seinen Herzenswunsch zu äußern, das erste Mal im Stadion mitfiebernd dabei zu sein. Der Papa wird es schon richten &#8211; ein Motto, das Sturm betreffend die Jahre bis zu seinem schon mit vierzehn beginnenden und von einem Fanclub stark mitgeprägten Loslösungsprozeß Geltung hatte &#8211; und wenn nicht er, eben eine nette Nachbarin, Gemeinderatsgattin und langjährige ORF-Mitarbeiterin. Ich hatte meinem Sohn zuliebe schon früh begonnen, mich um Karten für dieses besondere Spiel zu bemühen. Doch es war &#8211; siehe den Tagebucheintrag vom 28.06.1997 &#8211; nicht früh genug. Zwei Wochen lang versuchte ich alles &#8211; von fehlgeschlagenen Anstell-Exzessen über versuchte &#8220;Bestechungsversuche&#8221; bis zu unmoralisch hohen Angeboten an Freunde und Bekannte, damit sie mir zwei Eintrittskarten für dieses begehrte Spiel zur Stadioneröffnung abtraten &#8211; doch alle Versuche schlugen fehl. Die Enttäuschung unter den Mürzls war umso größer, da Sturm Graz nicht nur Vastic und Reinmayr länger an den Verein gebunden hatte, sondern mit den Neuzugängen Markus Schupp, Franco Foda, Tomislav Kocijan und Ranko Popovic den Anschein erweckte, Titelambitionen zu haben, und den zwei vorangegangenen Cupsiegen vielleicht doch einmal den Gewinn der Meisterschaft folgen zu lassen. Einen Tag vor dem Grazer Stadtderby zur Stadionpremiere hatten wir uns wohl oder übel damit abgefunden, nicht live im Stadion dabei sein zu können und einem letzten verzeifelten Versuch &#8211; der Bitte an die Nachbarin und ORF-Mitarbeiterin Ute ihre Verbindungen spielen zu lassen und so vielleicht doch noch zu Karten zu kommen &#8211; eigentlich keine Chancen gegeben. Als gelernter Österreicher und überzeugter Kritiker eines Systems der &#8220;Freunderlwirtschaft&#8221; und der &#8220;Verhaberungsdienstleistung&#8221; hätte ich es eigentlich besser wissen müssen und wäre letztlich nicht so überrascht gewesen, dass es eben auf diese Art und Weise doch noch klappen könnte. Am Vorabend des Stadioneröffnungsspieles hatten Robert und ich unsere Karten für das Derby: Sektor 7, Reihe 21. Der 9.Juli 1997 konnte kommen und wir zwei, Vater und Sohn Mürzl, waren live dabei um &#8220;unsere&#8221; Sturm-Mannschaft zu unterstützen. Und ja &#8211; dafür war ich bereit, ganz tief unter persönliche &#8221;Anspruchslatten&#8221; durchzuschlüpfen, die ich ansonsten für alle Lebensbereiche so gerne einforder(t)e. Geschenkannahme hin, gefakte Kartengewinnspiele her&#8230;</p>
<p><strong>Ein grandioser Derbysieg zur Stadioneröffnung</strong></p>
<div id="attachment_34111" class="wp-caption alignleft" style="width: 250px"><a href="http://www.sturm12.at/2010/12/31/platz-4-gak-gegen-sturm-graz-die-stadioneroeffnung/sturm-gak-1997-2-der-plankenauer/" rel="attachment wp-att-34111"><img class="size-medium wp-image-34111" title="Sturm-GAK 1997 der Plankenauer" src="http://www.sturm12.at/wp-content/uploads/Sturm-GAK-1997-2-der-Plankenauer-240x163.jpg" alt="© der Plankenauer" width="240" height="163" /></a><p class="wp-caption-text">© der Plankenauer</p></div>
<p>Das Spiel am 09.07.1997 selbst erfüllte alle Wünsche der seit fast einem Jahrzehnt (4:0 im alten Liebenauer Stadion im Oktober 1989) nach einem Derbysieg lechzenden Sturmknofel und geriet zu einem Traumabend für die Osim-Elf, die nicht nur dieses Spiel mit 4:0 für sich entscheiden konnte, sondern mit diesem Derby-Triumph zu einem Erfolgslauf ansetzte, der letztlich mit dem Gewinn des ersten Meistertitels in der Klubgeschichte gekrönt wurde. Vater und Sohn Mürzl hatten kaum die Diskussionen über die Mannschaftsaufstellungen abgeschlossen, als Roman Mählich nach knapp mehr als zwei Minuten den Ball nach Reinmayr-Vorarbeit ins von Franz Almer gehütete GAK-Tor spitzelte. Zu diesem Zeitpunkt ahnten wir zwei noch nicht, dass diesem Führungstreffer noch weitere wunderbare Sturm-Tore folgen würden. Bis zum Pausenpfiff war uns aber klar geworden, dass Trainer Osim hier ein funktionierendes Kollektiv gefunden und geschaffen hatte, wo ein Rädchen ins andere griff und das magische Dreieck Reinmayr-Vastic-Haas  so richtig aufblühen konnte. Da war etwas ganz Großes im Entstehen und ein Abstaubertor von Gilbert &#8220;Gili&#8221; Prilasnig und zwei Traumtore von Ivica &#8220;Ivo&#8221; Vastic ließen noch drei Mal ausgelassenen Sturm-Jubel ausbrechen. Und doch &#8211; trotz des triumphalen Erfolges waren in den Momenten größter Begeisterung schon Ansätze und Vorboten des späteren Verfalls zu erkennen und erspüren. Die großmannssüchtige Präsentation des eigenen Egos von Präsident Hannes Kartnig und die fast schon wahnhafte Selbstdarstellung als zunehmend der Maßlosigkeit zugetaner Klub-Impresario wurde hier erstmals, noch in ihren harmlosen Anfängen, sichtbar: Ein Hubschrauber brachte Models ins Stadion, Fallschirmspringer landeden mit dem Spielball punktgenau und der italienische Tenor Benito Fiorente schmetterte zur Freude Kartnigs und seiner einflußreichen Freunde Puccinis &#8220;Vincero&#8221;. Doch ich gebe es gerne zu: An diesem Abend standen der begeisternde Fußball, der wunderbare Sieg und ein unverwechselbares Stadion-Initiationserlebnis für eine ganz eigene Vater-Sohn-Fußball-Beziehung im Mittelpunkt.</p>
<p><strong>Der Fußball, mein Sohn und der SK Sturm Graz</strong></p>
<div id="attachment_69335" class="wp-caption alignleft" style="width: 250px"><a href="http://www.sturm12.at/2012/01/01/der-fusball-mein-sohn-und-der-sk-sturm/5619634586_712e1580be_z/" rel="attachment wp-att-69335"><img class="size-medium wp-image-69335" title="5619634586_712e1580be_z" src="http://www.sturm12.at/wp-content/uploads/5619634586_712e1580be_z-240x194.jpg" alt="" width="240" height="194" /></a><p class="wp-caption-text">Flickr.com User: CT Arzneimittel</p></div>
<p>Wieso habe ich mein Herz (auch) an den Fußball verloren? Wieso bin ich und sind meine Söhne Fans des SK Sturm Graz geworden? Möglicherweise weil ich (wir) hier etwas finden konnte(n), was in vielen anderen Lebensbereichen mehr und mehr verloren geht. Je heimatloser ich mich (gesellschafts)politisch fühlte, desto stärker wurde ich vom Fußball und der Kunst ( Musik, Literatur und Film in dieser Reihenfolge) angezogen und sie standen im Mittelpunkt (nicht nur) meiner Freizeit. Fußball war für mich immer mit einer Form von temporärer Gemeinschaft verbunden. Hier wurde über Berufs-, Gesellschafts- und &#8220;Normalitäts&#8221;grenzen hinaus in kleinen überschaubaren Gruppen Toleranz, Ehrlichkeit, Zusammengehörigkeitsgefühl und zeitgemässe Solidarität demonstriert und praktiziert, vom Haarlosen bis zum Spät-Hippie, vom Kiffer bis zum Alkoholiker, vom Arbeitslosen bis zum Rechtsanwalt, vom Lagerarbeiter bis zum Arzt, egal ob Mann oder Frau, Familienvater oder Single. Und obwohl sich der Fußball im Laufe der Jahre den allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklungen nicht verschließen konnte und wollte, blieb ein Verein wie der SK Sturm Graz in seinen Grundzügen den alten Tugenden des Fußballs verbunden. Während der Fußball in vielen Bereichen seine &#8220;Seele&#8221; längst verloren hat und tatsächlich mehr und mehr zum kleinen, gleich üblen Abbild der großen Welt wird, hat ein Verein wie der SK Sturm Graz mit seiner Einbettung in unterschiedliche gesellschaftliche Gruppenprozesse (s) einen Zauber im Ansatz erhalten. Die Fans teilen viele Stunden ihrer Freizeit miteinander. Sie diskutieren, jubeln, singen und lachen zusammen. Sie trauern gemeinsam über eine Niederlage. Und sie teilen zum Großteil und im Wesentlichen grundsätzliche Auffassungen darüber, was Zusammenhalt und Toleranz heißt und wofür der Mensch ein Herz haben sollte. Auch deshalb bin ich Fußball- und Sturmfan geworden. Und freue mich sehr darüber, dass es auch meine Söhne geworden sind. Der eine mehr, der andere weniger. Und immer, wenn ich vor, bei oder nach Sturm-Spielen einen meiner Söhne treffe, empfinde ich eine besonders große Nähe zu ihnen. Es ist wohl kein Zufall, dass wir gemeinsam Fans des SK Sturm Graz sind.</p>
<p style="text-align: right;"><em>Eine Sturm-Geschichte von Heimo Mürzl</em></p>
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		<title>Sieg im sechsten Endspiel</title>
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		<pubDate>Sat, 31 Dec 2011 12:11:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jd</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Sturm Graz, zum dritten Mal Meister? Diese Vorstellung war vor der Saison 2010/2011 etwas unrealistisch. Doch es folgte eine Saison, in der die Blackies oft die Nase vorn hatten. Ein emotionaler Höhepunkt: Der 22. Mai 2011 in Wiener Neustadt. Dort erlebten 5000 mitgereiste Sturm-Fans eine Vorentscheidung.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_68459" class="wp-caption alignleft" style="width: 250px"><img class="size-medium wp-image-68459" title="Sturm in Wiener Neustadt" src="http://www.sturm12.at/wp-content/uploads/243149_223540951005507_100000488110147_943848_2467070_o-240x180.jpg" alt="" width="240" height="180" /><p class="wp-caption-text">© Jakob Dohr</p></div>
<p><em>&#8220;Schatzi, wir werden Meister!&#8221;</em> Wenige Minuten nachdem Samir Muratovic den Hands-Elfmeter zum schlussendlichen 2:1-Endstand in die Wiener Neustädter Maschen setzte, überkam mich der Satz, den ich mir fünf Runden lang heftigst verkniffen hatte. Sturm Graz, ein drittes Mal österreichischer Fußball-Meister? Mit diesem Budget? Bei Konkurrenten, wie Austria Wien und Red Bull Salzburg, in echter Reichweite? Es fühlte sich unecht an. Ich war hin- und hergerissen zwischen Optimismus und Pessimusmus. Minütlich fast schon wechselten sich die Gedanken im Vorfeld ab. <em>&#8220;Was soll noch schiefgehen?&#8221;</em> &#8211; <em>&#8220;Nein, nein, das kann nicht gut gehen.&#8221;</em> Es war nervenaufreibend.</p>
<p><strong>Meister? Doch nicht Meister?</strong><br />
Nach der 1:2-Cup-Niederlage in Ried war meine Stimmung alles andere als optimistisch. Die Austria war Tabellenführer und Sturm nach <em>der</em> Partie definitiv kein Titelkanditat. Bloß keine Gedanken daran verschwenden, dass es klappen könnte. Besonders bitter wurde es ab dem Zeitpunkt, als Sturm mit dem 5:0-Auswärtssieg in Kapfenberg sechs Runden vor Schluss die Tabellenführung eroberte. Die Austria und Salzburg im Nacken &#8211; sogar als Fan spürte man den Red Bull-Veilchen-Atem. Und es wäre nicht unser SK Sturm gewesen, hätte er es nicht spannender gemacht, als notwendig. 0:0 in Ried, dann kam die Austria nach Graz. Es hätte die Vorentscheidung gewesen sein können &#8211; doch Roland Linz hatte etwas dagegen, 1:1 zwischen Schwarz-Weiß und Violett.</p>
<p>Kruzefix &#8211; wollen die mich unter die Erde bringen? War ich nach dem 5:0 beim KSV tendentiell noch auf der <em>&#8220;Wir werden Meister!&#8221;</em>-Seite, so zwang ich mich nach den beiden Remis wieder zur Vernunft. An den goldenen Teller verschwand ich keinen Gedanken. Auch nicht nach dem 2:0 beim LASK. Liegt vielleicht auch daran, dass ich etwas abergläubisch bin. <em>&#8220;Hoffentlich verschreien sies nicht&#8221;</em>, dachte ich mir, als die Fans in Linz den Meistertitel skandierten. Und auch die Studienkollegen machten die Sache nicht einfacher. Davon, dass wir es sicher schaffen würden, war die Rede. Jaja, aber was, wenn nicht? In Neustadt hat Sturm noch nie verloren vorher &#8211; was, wenn gerade diesmal schon? Ich versuchte mich mit allem möglichen abzulenken &#8211; nur nicht an Sturm und den möglichen Meistertitel denken&#8230;</p>
<p><strong>Auf nach Wiener Neustadt</strong></p>
<div id="attachment_68515" class="wp-caption alignleft" style="width: 250px"><img class="size-medium wp-image-68515" title="Wiener Neustadt vs. Sturm" src="http://www.sturm12.at/wp-content/uploads/22052011341-240x180.jpg" alt="" width="240" height="180" /><p class="wp-caption-text">© Jakob Dohr</p></div>
<p>Und dann stand das Spiel in Wiener Neustadt vor der Tür. Eigentlich war ich seit Sommer 2009 nur mehr im Dienste von Sturm12.at bei Auswärtsspielen vor Ort. Doch diesmal musste ich als Fan dabei sein. Nervös war ich, als ich den Zug in Richtung Wien bestieg, zusammen mit vier Freunden. Stolz ein Sturm-Fan zu sein war ich, als ich das Neustädter Stadion betrat und nur Schwarz und Weiß zu Gesicht bekam. Euphorisch war ich, als Florian Kainz endlich endlich in Minute 61 das so wichtige 1:0 für Sturm erzielte. Enttäuscht war ich, als Alex Grünwald eine Viertelstunde später zum 1:1 ausglich.</p>
<p>Fünf Minuten noch bis zum Spielende. In Wien war das Derby zwischen Rapid und der Austria längst abgebrochen worden. Alle wussten: Das wird ein Straf-3:0 für die Austria. Sturm damit nicht mehr auf Platz eins. Kainz mit dem Eckball von rechts. Edin Salkic greift in Gilbert Prilasnig-Manier mit der Hand zum Ball. &#8220;HAAAAAAAAND!&#8221;, schrei ich in den Wiener Neustädter Nachmittagshimmel. Ein Pfiff. Eine Gelbe Karte. Samir Muratovic schnappt sich den Ball. Mein Puls&#8230; der steigt. Unaufhaltsam. <em>&#8220;Um Gottes Willen, bitte mach den rein&#8221;</em>, muss ich mir wohl damals gedacht haben, genau weiß ich es nicht mehr. An die Elfer-Freigabe kann ich mich hingegen noch genau erinnern. Daran, wie Samir Muratovic langsam loslief und das runde Leder trat &#8211; TOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOR. 2:1 für Sturm. Mein Jubel kannte keine Grenzen mehr. Das bekam auch der kleine Junge vor mir zu spüren, über den ich während des Torjubels mein halbes Bier leerte.</p>
<p>Wenige Augenblicke später ertönte dann der ersehnte Schlusspfiff. Kaum aus dem Stadion draußen, musste ich natürlich meinem Vater Bericht erstatten, der nicht nach Neustadt mitgefahren war, und ihm erzählen, dass Sturm das &#8220;sechste von sieben Endspielen&#8221; (© Franco Foda) gewonnen hatte. Danach rief ich meine Freundin an. <em>&#8220;Schatzi, wir werden Meister!&#8221;</em></p>
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		<title>Die Website, die niemals war</title>
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		<pubDate>Fri, 30 Dec 2011 11:02:19 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Drei Jahre Sturm12.at heißt es schon sehr bald. Blicken wir zurück, befinden wir: Das Produkt kann sich durchaus sehen lassen. Doch Einiges haben wir in dieser Zeit auf die Beine gestellt. Dieser Erfolgsgeschichte liegt allerdings ein heftigst gescheiterter Fehlversuch zu Grunde, der für die Geburt und vor allem das am Leben erhalten von Sturm12.at ein wesentlicher Erfahrungswert war. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_69255" class="wp-caption alignleft" style="width: 410px"><img class="size-large wp-image-69255 " title="blackies.at-Rechnung" src="http://www.sturm12.at/wp-content/uploads/blackies-500x328.jpg" alt="© 2011 Sturm12.at (CH)" width="400" height="262" /><p class="wp-caption-text">© 2011 Sturm12.at (CH)</p></div>
<p>Zwölf Sturm-Geschichten zur Weihnachtszeit zu erzählen, heißt auch Episoden auszugraben, von denen bisher nur ein sehr ausgewählter Personenkreis gehört hat. In diesem Fall geht es um die Geschichte eines gescheiterten Vorhabens, das dem Autor dieser Zeilen wohl so peinlich war, dass er beinahe sämtliche Beweisdokumente dazu vernichtet hat. Gleichzeitig sollte es aber &#8211; wie sich erst weit später herausstellen sollte &#8211; die so immens wichtige Erfahrungsgrundlage für die Internet-Plattform <strong>Sturm12.at</strong> werden.</p>
<p>Blicken wir zurück ins Jahr &#8230; wäre eigentlich ganz einfach &#8230; könnte ich mich tatsächlich noch ohne Recherche an die genaue Jahreszahl erinnern. Sommer 2003 &#8211; die glorreichen Zeiten, die die Schwarz-Weißen Ende der Neunziger unter Trainerlegende Ivan Osim feiern konnten, waren zwar noch lange nicht vergessen, die tatsächliche Sturm-Realität hatte mit ihnen aber definitiv nicht mehr viel zu tun. Statt Champions League-Euphorie mussten die Fans der Blackies längst wieder mit dem tristen Bundesliga-Alltag Vorlieb nehmen. Franco Foda hatte in seiner ersten Amtszeit als Sturm-Coach die Mannschaft zwar auf einen beachtlichen sechsten Tabellenplatz geführt, dennoch wurde er nach Ende der Saison 2002/2003 vom damaligen Vereinspräsidenten Hannes Kartnig durch den Schweizer Trainer und nunmehrigen <a title="YouTube" href="http://www.youtube.com/watch?v=TSOxkYH-Vkg" target="_blank">Chefanalytiker im Schweizer Fernsehen</a> Gilbert Gress ersetzt.</p>
<p>Ich selbst war nach Matura und absolviertem Präsenzdienst bereits im Sommer 2000 nach Wien gezogen, um dort mein Studium zu absolvieren (ja &#8211; für diejenigen unter Euch, die sich dieser Tatsache noch nicht vollständig bewusst waren &#8211; der Gründer von <strong>Sturm12.at</strong> ist tatsächlich ein in Wien lebender Steirer). Auch die &#8211; zugegebenermaßen nicht besonders große &#8211; räumliche Distanz zur steirischen Heimat sollte meinem Interesse für die schwarz-weißen Kicker aus meiner Geburtsstadt keinen Abbruch tun. Ganz im Gegenteil &#8211; Sturm wurde für mich zur einem knappen Gut, schließlich war es kein Selbstverständnis mehr, die Schwarz-Weißen Woche für Woche spielen sehen zu können.</p>
<p>Informationen über den Verein waren kurz nach der Jahrtausendwende &#8211; auch lächerliche 200 Kilometer entfernt &#8211; nur spärlich zu bekommen. Das Internet hatte zwar längst seinen grandiosen Siegeszug angetreten, steckte aber dennoch in den Kinderschuhen &#8211; kein <em>Facebook</em>, kein <em>YouTube</em>, kaum Sport-Plattformen, die mehr als die herkömmlichen Meldungen der <em>Austria Presse Agentur</em> zu bieten hatten. Und die <em>APA</em> kümmerte sich nur selten um das, was in Fußball-Graz passierte. Ohne <em>Kleine Zeitung</em> und <em>Steirerkrone</em> war man von Informationen zu Sturm Graz quasi abgeschnitten. Wären nicht immer wieder Freunde mit ihren Erzählungen in die Presche gesprungen, man wäre zwischen den Spielen wohl ausgehungert.</p>
<p>Genau an diesem Punkt wollte ich damals mit einer Gruppe von Freunden ansetzen. Frei nach dem Motto<em> &#8220;Wenn es niemand anderer macht, dann machen wir es halt selbst&#8221;</em> wollten wir zum Saisonstart 2003/2004 eine Internetplattform launchen. Einen Namen hatten wir längst gefunden. <em>blackies.at</em> hätte das Webportal heißen sollen. Ein redaktionelles Konzept war längst ausgearbeitet &#8211; zumindest glaubte ich das damals, schließlich hatte ich ja bereits alles im Kopf. Sogar einen Marketing-Plan hatten wir fertig in der Schublade. Fest von der Sinnhaftigkeit unserer Maßnahmen überzeugt, ließen wir sogar Aufkleber in großer Stückzahl produzieren. Stolze 411 Euro und 60 Cent sollte die Rechnung dafür ausmachen, doch die Sticker sollten niemals in Umlauf kommen &#8230; kein einziger von ihnen &#8230;</p>
<p>Was war passiert? Nicht viel, um an dieser Stelle brutal ehrlich zu sein. Außer einiger guter Ideen – einige davon waren für die damalige Zeit sogar durchwegs revolutionär (Blogs kannte damals noch niemand) – hatten wir keinen Plan, wie man so ein Projekt auf die Beine bekommt. Etwas unbedarft traf ich mich damals zwar noch mit dem Presseverantwortlichen von Sturm, um mich mit ihm über die Möglichkeit einer Fotoakkreditierung zu unterhalten. Seine Antwort war ein klares &#8220;Nein&#8221;, Begeisterung über unser Vorhaben war zu keinem Zeitpunkt zu erkennen.</p>
<p>Die Verantwortung für unser Scheitern dem Verein in die Schuhe zu schieben, wäre aber nicht nur viel zu einfach, sondern schlichtweg falsch. Wir hatten weder ein technisches Konzept – frei verfügbare Content Management Systeme zur inhaltlichen Pflege von Websites gab es damals schlichtweg nicht – noch die finanziellen Ressourcen, um zumindest ein paar Monate über die Runden zu kommen (oder wir hatten sie einfach allesamt für Aufkleber ausgegeben). Aber auch das hätte uns wohl noch nicht aufgehalten – vielmehr wurde uns zum Verhängnis, dass wir alle zu groß dachten und von Beginn an ein perfektes und vollständiges Portal auf die Beine zu stellen. Wir wollten alles. Und das sofort. Dass Qualität und Quantität gerade für Neulinge nicht sofort vereinbar sein würden, war irgendwie logisch, nur in unsere Köpfe wollte es damals nicht rein. Wenigstens siegte irgendwann die Einsicht, dass wir uns  mit  einem Launch wohl ziemlich lächerlich machen würden.</p>
<p>„Kleine Brötchen backen“ wurde dann fast sechs Jahre später zum Motto bei der Gründung von <strong>Sturm12.at</strong>. Eine Story &#8211; nicht mehr und nicht weniger &#8211; pro Woche war zunächst das erklärte Ziel. Ein Ziel, das wir allerdings nach einer Woche bereits wieder über Board geworfen hatten &#8230;</p>
<p style="text-align: right;"><em>Eine Sturm-Geschichte von Christopher Houben<br />
</em></p>
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		<title>Sturms tschickende Zauberer</title>
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		<pubDate>Thu, 29 Dec 2011 11:31:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Sie kamen, um das Sturm-Spiel nachhaltig zu prägen. Spieler aus dem ehemaligen Jugoslawien wurden auf dem Feld zu Lichtgestalten, um abseits davon häufig in die private Krise abzugleiten. Wir dürfen uns teilschuldig fühlen! Eine Geschichte über den Umgang mit Mentalitäten.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_31840" class="wp-caption alignleft" style="width: 250px"><a href="http://www.sturm12.at/2010/11/16/der-%e2%80%9ejugo%e2%80%9c-der-gerne-japaner-sein-wurde/c-users-terler-downloads-sturmecho-327-sturm12at-leseprobe-foto-1-2/" rel="attachment wp-att-31840"><img class="size-medium wp-image-31840" title="© 2010 Sturm12.at (MZ) " src="http://www.sturm12.at/wp-content/uploads/C-Users-Terler-Downloads-SturmEcho-327-sturm12at-Leseprobe-Foto-11-240x172.jpg" alt="© 2010 Sturm12.at (MZ) " width="240" height="172" /></a><p class="wp-caption-text">© 2010 Sturm12.at (MZ)</p></div>
<p>Dies ist eine Geschichte über Mentalitäten und unseren abscheulichen Umgang damit. Es ist eine Geschichte, deren Anspruch es ist, Menschlichkeit zu erklären &#8211; es ist meine Weihnachtsgeschichte. Und sie beginnt mit einem Treffen im Sommer 2010 in Bad Waltersdorf. Zunächst fiel sein hinkender Gang auf, dann die gebückte Haltung &#8211; wo war es, das kumpelhafte Auf-die-Schulter-Klopfen, auf das ich vorbereitet war, das als zwischenmenschlicher Eisbrecher so unachahmlich sein soll?</p>
<p>Mischa Petrovic ging es körperlich nicht gut, seine Hüftschmerzen konnte er nicht verstecken, auch wenn er sich am Trainingsplatz redlich bemühte. Mein Kollege und ich begrüßen den Sanfrecce-Trainer, er erwidert höflich und bittet uns, ihn auf den Platz zu begleiten. Mischa steht am Feld, gestikuliert mit seinen Spielern, ruft immer wieder &#8220;Bewegung&#8221;. Trainingslagerzeit! Eine Stunde später ist die Bewegung Geschichte und der Trainer sitzt uns zum Interview im Ledersessel gegenüber. Wir sprechen über die Vorwürfe betreffend der angeblichen Spielmanipulation, ich will von ihm wissen, warum gerade sein Name die Runde machte. Seine Wörter sind ernst und er bei deren Formulierung sichtlich erregt. <strong> </strong><em>&#8220;Weißt du, was das Problem ist? Ich bin ein Jugo, ein Mensch zweiter Klasse.&#8221;</em></p>
<p>Ja, Mischa ist einer, ein Jugo. Einer von jenen 21 Millionen Menschen, die unter Präsident Titos Jugoslawien auf die drittstärkste Armee Europas vertrauen und verstreut von Laibach bis Bujanovac leben. Nach außen hin scheint es eine funktionierende Einheit zu sein, politisch hat man ob seiner Führungsrolle unter den blockfreien Staaten eine global wichtige Rolle inne. Im Inneren des Landes brodelt es, entwickelt sich ein grauenhafter, selbstzerstörender Nationalismus. Den Europäern ist das egal, den Österreichern sowieso. Sie fahren auf Urlaub, vorwiegend an die adrette Adriaküste, und zeigen sich begeistert. Sie erleben Dinge, die man zu Hause nicht kennt. <em>&#8220;Das qualmende, trinkende, verwegene Jugoslawien hat schon auf die Touristen der 60er-Jahre eine Faszination ausgelöst&#8221;</em>, schreibt der renommierte Südosteuropa-Korrespondent Norbert Mappes-Niediek in seinem Buch &#8220;Kroatien &#8211; Das Land hinter der Adria-Kulisse&#8221;. Bei Sturm Graz setzen die Jugoslawen erste Ausrufezeichen sogar noch ein wenig früher. Der glänzende serbische Techniker Josef „Meserl“ Meszaros kommt  1943 nach Graz und wird auf Anhieb Publikumsliebling. Der schmächtige Spieler bleibt vorerst die slawische Ausnahme, ab den 60er-Jahren ändert sich das rasant.</p>
<p><strong>Der Abstauberkönig und bestes Tormann weit und breit</strong><br />
Ivan Medle wird 1963 aus Rijeka transferiert und schießt Sturm in der folgenden Saison in die Staatsliga. In Graz verehren sie den Stürmer, der in 26 Spielen 22 Tore macht &#8211; viele davon in einer Art und Weise, die man zu dieser Zeit schlichtweg nicht kannte. Defensiv arbeitet er im Spiel kaum, kommt er aber im gegnerischen Strafraum an den Ball, ist es ein Tor. Die Leute kommen wegen ihm in die Gruabn &#8211; sie lieben das Außergewöhnliche, nennen ihn liebevoll &#8220;Abstauberkönig&#8221;. Zu dieser Zeit spielen auch noch Rado Ognjanovic aus Belgrad und Davor Grcic aus Split bei Sturm. Die Presse schreibt für diese Zeit beinahe enthusiastisch: <em>&#8220;Sturm erregt Erstaunen.&#8221;</em> Die Jugoslawen begeistern und erstaunen auch in den kommenden Jahren.Wie etwa Damir Grloci, der 1968 aus Marburg kommt und mit seiner legendären Kappe zum schwarz-weißen Kultkeeper schlechthin wird. Er köpfelt die Bälle aus dem Gefahrenbereich, schießt Freistöße und bezeichnet sich selbst gleichsam launig wie selbstüberzeugt als <em>&#8220;bestes Tormann weit und breit.&#8221;</em> Überhaupt verstecken sie die Männer aus dem Süden nicht, suchen forsch Öffentlichkeit und Verantwortung. So wie sie es in der sozialistischen Marktwirtschaft Juhgoslawiens gelernt haben. Die &#8220;Arbeiterselbstverwaltung&#8221; produziert Alphatiere, aber auch jene berühmt berüchtigten Handwerks-Meister (&#8220;Majstori&#8221;), die nur dann zur bestellten Reperatur ins Haus kommen, wenn sie auch Lust und Laune dazu haben.</p>
<p>In Graz gefällt diese Lebenseinstellung, man kennt sie ja nur vom Fußballplatz &#8211; in Scharen strömen die Leute zum &#8220;Grlo-Schauen&#8221;. Auch in den kommenden Jahren lebt Sturm von den selbstbewussten, slawischen Zauberern &#8211; die Stimmung im Land wird den Gästen gegenüber aber zunehmend ablehnender. Vor allem, als in den 80er- und 90er-Jahren der Flüchtlingsexodus einsetzt und die Brüder und Schwestern der Zauberer plötzlich zur Belastung werden &#8211; der rauchende Jugo fasziniert nicht mehr, er ist zum lästigen Übel geworden, der unsere Sessel im Gasthaus stets besitzt und unseren Wohlfahrtsstaat aussaugt. Plakate aus den 70er-Jahren werden inhaltlich aktueller denn je zuvor: <em>&#8220;I haaß Kolaric, du haaßt Kolaric. Warum sogns&#8217; zu dir Tschusch?&#8221;</em>. Mischa Petrovic kommt 1985 nach Graz, und darf rauchen so oft er will. Schließlich ist er Fußballer, Zauberer, für das Außergewöhnliche zuständig. In der Steiermark schwärmt man zu dieser Zeit von den direkt verwerteten Eckbällen Bozo Bakotas und von Zvonko Brebers unnachahmlichem &#8220;Pratzerl&#8221; bei weiten Pässen. Das Rückzugsgebiet Fußballplatz zeigt im Umgang mit Menschen seine scheinheiligste Fratze.</p>
<div id="attachment_21917" class="wp-caption alignright" style="width: 250px"><a href="http://www.sturm12.at/2010/06/29/mischa-der-japaner/mischa2/" rel="attachment wp-att-21917"><img class="size-medium wp-image-21917" title="Mischa Petrovic" src="http://www.sturm12.at/wp-content/uploads/mischa2-240x159.jpg" alt="© 2010 Sturm12.at (mz)" width="240" height="159" /></a><p class="wp-caption-text">© 2010 Sturm12.at (MZ)</p></div>
<p><strong>Der Mensch hinter dem Jugo</strong><br />
Man könnte diese Geschichte noch lange weitererzählen. Könnte von &#8220;Ivo, Ivo, Ivo&#8221;-Rufen oder Ivan-Osim-Plakaten erzählen.Vielleicht auch vom angesehenen slowenischen Sir Darko Milanic und dem Liebling aller Sturm-Fans, dem serbischen Vorzeige-Tänzer Ranko Popovic. Und wahrscheinlich würde man dann auch irgendwann im Mai des heurigen Jahres ankommen, als der Bosnier Samir Muratovic zum entscheidenden Spieler wird, außergewöhnliche Pässe spielt und als absoluter Führungsspieler am Platz Verantwortung übernimmt.</p>
<p>Ich spring lieber noch einmal kurz nach Bad Waltersdorf, ins Hotel &#8211; dort wo mir Mischa Petrovic gegenübersitzt und von seinen Lastern erzählt. Er weiß, dass sein ungezügelter Lebensstil in einigen Phasen der letzten Jahre für ihn zum Problem wurde &#8211; physisch wie psychisch. Unterstützung und Verständnis bekam er in schwierigen Phasen kaum, schon gar nicht als das Gerücht einer etwaigen Spielmanipulation in die Welt gesetzt wurde. Er hat auch während seiner Zeit als aktiver Fußballer geraucht, immer wieder ein Glas Schnaps getrunken. Allen war es egal, am Fußballplatz sorgte für Unterhaltung, und das zählte. Ein paar Jahre später ist er plötzlich der Idealtypus eines verruchten Mannes mit Beziehungen zur Wettmafia. Dass sämtliche Ermittlungen letzteres nicht bestätigen, ist nur eine Randnotiz wert. Erzählt wird heute vom Fußballer Mischa Petrovic und vom Mafioso Mischa Petrovic &#8211; zweimal ist es <em>&#8220;eh klar, der Jugo&#8221;</em>. Dass es aber unterschiedlichste Menschen hinter jedem einzelnen &#8220;Jugo&#8221; gibt bleibt in beiden Fällen unbedacht. Dabei ist es möglicherweise die historisch wie sozialpsychologisch interessanteste menschliche Zunft unserer europäischen Epoche. In jedem Falle aber sind es Menschen, denen Sturm Graz und der heimische Fußball viel zu verdanken haben. In vielen Fällen, ohne dafür menschlichen Respekt erhalten zu haben. Mischa Petrovic spricht von sich selbst als <em>&#8220;Jugo, als Mensch zweiter Klasse.&#8221;</em> Entschuldigung, Mischa! Oprosti!<br />
<em> </em></p>
<p><em>&#8220;Mentalitäten vererben sich nicht über Abstammung, sondern über Umgang und Tradition.&#8221;<br />
(Norbert Mappes-Niediek)</em></p>
<p style="text-align: right;"><em><em>Eine Sturm-Geschichte von Markus Zottler</em> </em></p>
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		<title>Tage im Mai</title>
		<link>http://www.sturm12.at/2011/12/28/tage-im-mai/</link>
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		<pubDate>Wed, 28 Dec 2011 09:54:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>bs</dc:creator>
				<category><![CDATA[12 Sturm-Geschichten]]></category>
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		<description><![CDATA[Seit mehr als vier Jahren sind Stadtderbys in Graz Teil der Fußballhistorie. Spiele in der Gruab'n sind das schon viel länger. Diese Reise in die Vergangenheit führt zum letzten Grazer Derby bislang, zu einem Match in der alten Sturm-Heimstätte gegen eine Mannschaft die ebenfalls der Fußballgeschichte angehört und nicht zuletzt zum fliegenden Ivica Vastic. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_68925" class="wp-caption alignleft" style="width: 250px"><a href="http://www.sturm12.at/2011/12/28/tage-im-mai/derby2007/" rel="attachment wp-att-68925"><img class="size-medium wp-image-68925" title="derby2007" src="http://www.sturm12.at/wp-content/uploads/derby2007-240x159.jpg" alt="" width="240" height="159" /></a><p class="wp-caption-text">© Sturmtifo 2007</p></div>
<p>17. Mai 2007 &#8211; Stadion Graz-Liebenau. <em>„Bitte kommens dann auch. Ich möcht gern zusperren“</em>, sagte ein Ordner zu mir, während ich im Sektor 13 noch ein letztes Mal in den Grazer Nachthimmel sah. Ich war schon seit gut einer halben Stunde alleine, meine Freunde waren bereits gegangen und nur noch auf der Tribüne gegenüber standen vereinzelt ein paar Menschen. Etwa 45 Minuten zuvor wurde das 130. und bislang letzte Grazer Stadtderby abgepfiffen. Und meine Gedanken drehten noch einmal an der Zeit und spielten die vielen, unglaublich schönen und unglaublich bitteren Derby-Momente meines Lebens ab.<br />
Jan-Pieter Martens‘ Tor in der Nachspielzeit, Ivo Vastics Zauber-Tore, Franck Silvestres Kopfballtreffer, die Standards von Bojan Filipovic, Klaus Salmutters Goldtor und schließlich Mario Haas‘ ordinärer Spitz. Auf der anderen Seite waren da das Gilbert Prilasnig-Hands, das 0:5 (inklusive Heinz Weber-Traumassist) 2003 bei meinem ersten Spiel im Sektor 25, Radovan Radakovics missglückte Abwehraktion auf den Kopf von Johnny Ertl, die meisterschaftsvorentscheidende Niederlage 2004, die Regenschlacht im Montag-Abend-Spiel 2005 und all die Pamics, Brunmayrs, Kollmanns und Skoros. Ich verließ die Tribüne, um meine Freunde suchen zu gehen und mir fiel ein Zitat des Schriftstellers Gerhard Roth ein:</p>
<p><em>„Die Grabesstimmung nach einer Niederlage gehört ja zu den unabdingbaren Eigenschaften eines Fußballfans. Ein Derby-Sieg hingegen, ist wie eine ausgelassene Geburtstagsfeier. Die an den Wahnsinn erinnernde Freude gehört nämlich ebenso zu den unabdingbaren Eigenschaften eines Fußballfans“</em></p>
<p>Im Gehen dachte ich an einen Tag zurück, der sich ziemlich genau zehn Jahre vor dem letzten Kräftemessen des SK Sturm und des GAK abspielte:</p>
<p><strong>Siegesfeier am Riesenrad</strong></p>
<div id="attachment_68933" class="wp-caption alignleft" style="width: 106px"><a href="http://www.sturm12.at/2011/12/28/tage-im-mai/riesenrad/" rel="attachment wp-att-68933"><img class="size-medium wp-image-68933 " title="riesenrad" src="http://www.sturm12.at/wp-content/uploads/riesenrad-160x240.jpg" alt="" width="96" height="144" /></a><p class="wp-caption-text">© Flickr.com User: emrox</p></div>
<p>26. April 1997 – Grazer Messe. Meine Eltern, meine Schwester und ich drehten im Karussell Runden, warfen Dosen und gruselten uns in der Geisterbahn der Frühjahrsmesse. Ich war zu diesem Zeitpunkt bereits acht Jahre alt, durfte aber erst einmal (beim Cupfinale 1996) ein Sturm-Spiel live im Stadion miterleben. An diesem Tag spielte, nicht einmal einen Katzensprung weiter, der SK Sturm in der Gruab’n um Meisterschaftspunkte gegen den blau-weißen FC Linz. Mein Vater nahm mich, im Wissen, dass die zweite Hälfte gerade im Gange war, an der Hand und drehte mit mir eine Runde im Riesenrad. Und noch bevor ich über das langweilige Gefährt auch nur ein Wort verlieren konnte, blickten wir über die Werbebanden hinein auf den schönsten aller Fußballplätze dieser Welt. Und aus der Faszination und Begeisterung heraus, zahlte mein Vater noch eine und noch eine Runde, um noch möglichst viel vom Spiel sehen zu können. Jedem halbwegs logisch denkenden Menschen wäre das zu blöd geworden, schließlich hätte der Eintritt zu damaliger Zeit doch ein paar Schilling weniger gekostet, als jedes Auf und Ab im Riesenrad. Doch das war ganz egal.<br />
Eine Viertelstunde vor Schluss war es dann der junge Georg Bardel, der das wichtige 1:0 markierte und uns so zu Jubelchören von der Gondel aus hinreißen ließ. Daraufhin versprach mir mein Vater, mich wieder einmal richtig zu einem Spiel mitzunehmen. Es sollte nicht lange dauern, bis er sein Versprechen einlöste. Und noch dazu wurde es ein ganz besonderes Spiel.</p>
<p><strong>Ivos Flugeinlage und eine abgerissene Flanke</strong><br />
17. Mai 1997. Mein Vater holte mich Tags zuvor von der Schule ab. Dazu muss man wissen, dass mich mein Vater normalerweise nie von der Schule abholte. Doch an diesem Tag schon. Denn es war ein besonderer Tag. Er fuhr mit mir in die Körösistraße, stieg aus dem Wagen und kam ein paar Minuten später wieder zurück. In der Hand hatte er Karten für das Grazer Derby am alten GAK-Platz. <em>„Morgen, 15:30. Aber wir schauen, dass wir früher da sind und uns in die erste Reihe setzen können. Von dort aus kannst du dem Ivo ganz genau zuschauen, wenn er einen von den Roten stehen lässt!“</em>, erklärte mir mein Vater, während ich das Glitzern in meinen Augen und die Vorfreude kaum noch verbergen konnte. Was folgte, war eine schlaflose Nacht und viel zu lange Stunden von der Früh weg bis zur Abfahrt.<br />
Am GAK-Platz angekommen, stürmte ich durch das alte Drehkreuz auf die Holzsitzplatz-Tribüne. Ich setzte mich in die erste Reihe und konnte es kaum erwarten, das Spiel zu sehen. Es war das letzte Grazer Derby, das außerhalb des Liebenauer-Stadions stattfand und trotz der eher schütteren Kulisse von nur 7.000 Besuchern ein ganz besonderes. In der damaligen GAK-Elf stand mit Alex Manninger ein junger Tormann, der schon damals in meinen Augen als nahezu unüberwindbar galt und nur kurze Zeit darauf zu Arsenal wechseln sollte. Dazu waren die Roten immer noch der Angstgegner meiner Schwarz-Weißen. Seit 1989 konnte Sturm kein Meisterschaftsspiel mehr gewinnen, verspielte wohl allein durch die Partien gegen den GAK zwei Chancen auf den Meistertitel. Doch auch das alles kümmerte mich damals noch reichlich wenig. Ich war nur auf eine Sache aus, die ich wenige Minuten nach Spielbeginn auch endlich erleben durfte.</p>
<div id="attachment_68954" class="wp-caption alignleft" style="width: 160px"><a href="http://www.sturm12.at/2011/12/28/tage-im-mai/steirerderby-entwurf-150x150/" rel="attachment wp-att-68954"><img class="size-full wp-image-68954 " title="steirerderby.entwurf-150x150" src="http://www.sturm12.at/wp-content/uploads/steirerderby.entwurf-150x1501.jpg" alt="" width="150" height="128" /></a><p class="wp-caption-text">© Sturm12.at</p></div>
<p>Ein Pass kommt zu Ivo Vastic, der den Ball mitnahm und ihn zwischen zwei Akteuren vom Stadtrivalen durchspielte. Diese machten die Lücke zu und in Ivo-Manier fiel der gebürtige Kroate theatralisch zu Boden. Ich lief vor zum Zaun, um noch genauer hinschauen zu können. Mein Vater hatte recht. Ich konnte ihn ganz genau sehen, den damaligen Superstar der Sturm-Mannschaft. Er ließ zwar keinen Gegner stehen, sondern versuchte einen Freistoß herauszuholen, aber das war mir egal. Es war dann auch völlig nebensächlich, dass der GAK durch Herbert Wieger 1:0 in Führung ging, glich doch schließlich Wolfgang Hopfer, der in meinen Erinnerungen sonst eigentlich immer nur auswärts bei Rapid traf, in der zweiten Hälfte noch aus. Sein richtig schön abgerissener Flankenball senkte sich hinter Goalie-Manninger ins Kreuzeck zum Ausgleich in diesem letzten Duell außerhalb von Liebenau.</p>
<p>Es folgten von diesem Tag an für mich über 300 weitere Sturm-Spiele live im Stadion, Meisterschaft, Cup, Champions League oder Europa League. Und es folgten noch 22 weitere Derbys &#8211; bis zu diesem 17. Mai 2007. Doch nie werde ich mein allererstes vergessen. Möge der GAK wieder den Weg zurück in die Bundesliga finden und das einzig wahre Derby noch viele andere junge Menschen dieselben Emotionen erleben lassen, die ich noch erleben durfte.</p>
<p><em>„Der GAK wird nicht nur den GAK-Anhängern, er wird der Bundesliga fehlen und den Sturm-Fans, die auf ihren liebsten Gegner verzichten müssen. Ohne Derby werden die vergangenen Spiele zwischen Sturm und GAK in den Köpfen der Stadionbesucher weiterspuken. Es ist für die Grazer Fußballfans nichts anderes, als würde über Nacht der Schloßberg verschwinden oder die Mur austrocknen&#8221;, </em>hat Gerhard Roth über den GAK übrigens auch noch gesagt.</p>
<p style="text-align: right;"><em>Eine Sturm-Geschichte von Benjamin Sikora</em></p>
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		<title>Der Pokal als Päckchen und Lavric statt Wodka</title>
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		<pubDate>Tue, 27 Dec 2011 10:53:03 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[12 Sturm-Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Sturm12.at]]></category>
		<category><![CDATA[16. Mai 2010]]></category>
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		<description><![CDATA[Bereits Wochen vorher stand fest, dass der 16. Mai 2010 ein ganz verheißungsvolles Datum zu werden schien. Gleich zwei Großereignisse fielen an diesem Tag zusammen und bescherten einen Mix aus Autofahren, Älter werden und Kärnten, gewüzt mit steilen Stiegen und Schnaps.  ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_68603" class="wp-caption alignleft" style="width: 250px"><a href="http://www.sturm12.at/2011/12/27/der-pokal-als-packchen-und-lavric-statt-wodka/20100424-0006r-2/" rel="attachment wp-att-68603"><img class="size-medium wp-image-68603" title="20100424-0006r" src="http://www.sturm12.at/wp-content/uploads/20100424-0006r1-240x171.jpg" alt="© SturmTifo.com 2010" width="240" height="171" /></a><p class="wp-caption-text">© SturmTifo.com 2010</p></div>
<p><em>&#8220;Was hast du dir am Tag deines 18. Geburtstages gedacht?&#8221; - </em>Volljährigkeit, Freiheit, legaler Konsum von Schnaps, Wodka &amp; Co., Feiern, Unabhängigkeit, quasi vom Kind zum Erwachsenen, Verantwortung, seine eigene Frau sein, Party etc, so die Antworten meiner Freunde. Irgendwie logisch, würde ich meinen. Allerdings kam es bei meiner erreichten Volljährigkeit ganz anders<strong></strong>, da ich an einem 16. Mai das Licht der Welt erblickt habe. Folglich wurde ich auch am 16. Mai 2010 ein Jahr älter, durfte in diesem Jahr sogar meinen 18. Geburtstag feiern. Nun, genau das hab ich auch gemacht &#8211; lediglich bereits an den Tagen zuvor. Denn schon am Vorabend meines Geburtstages herrschte Ausnahmezustand in meinem Kopf. Nein, nicht aufgrund des vorangegangenen Partymarathons, wie manche an dieser Stelle meinen würden, sondern wegen dem Cupfinale in Klagenfurt. Somit zählte an diesem 16. Mai 2010 nur, dass &#8220;mein&#8221; SK Sturm Graz ohne Zweifel siegen würde. Nicht die gewonnene Freiheit, oder die Tatsache, dass ich ab sofort und völlig legal Wodka &amp; Co. konsumieren durfte, oder dass ich &#8220;erwachsen&#8221; geworden war. Es zählte nur dieser Sieg, mit dem ich auf ewig meinen 18. Geburtstag verbinden würde &#8211; zweifelsohne wäre das das schönste Geburtstagsgeschenk für mich. Eine Niederlage? War einfach ausgeschlossen. Hätte sich meiner Meinung nach auch nicht gut gemacht, so in Kombination mit meinem Geburtstag.</p>
<p><strong>Happy Birthday to me<br />
</strong>Und so war es selbstredend Pflichtprogramm an diesem 16. Mai 2010 nach Klagenfurt zu reisen. Ursprünglich wollte auch mein Bruder diesem Spektakel beiwohnen, er verbrachte den Vorabend allerdings mit <em>Sushi &#8211; all you can eat</em> und war infolge dessen nicht mehr einsatzfähig. Mama begrüßte mich am Morgen dieses Tages mit einem leicht angesäuerten <em>&#8220;Alles Gute zum Geburtstag&#8221;</em> &#8211; einfach deswegen, weil Papa und ich es uns in den Kopf gesetzt hatten, meinen 18er weit weg von der Familie zu verbringen, und weil sie Fußball nicht leiden konnte. Schon immer pflegte sie zu sagen: <em>&#8220;Würdest du dich in Mathe nur ansatzweise so gut auskennen wie im Fußball, müsste ich keine Angst vor deiner Matura haben&#8221;.</em> Äußerst charmant, wie ich fand. Und da ich meine mündliche Matura mit Mathe noch ausständig hatte, wurde ich auch an meinem Geburtstag mit diesem Thema belästigt. Mein Papa, ein waschechter Sturmfan dagegen, meinte lediglich, er freue sich schon sehr auf das Spiel&#8230;</p>
<p>Um 10 Uhr machten also nur wir beide uns auf den Weg von Oberösterreich gen Süden. Mitfahren wollte niemand meiner Freunde, sind ja alles Lask-Sympathisanten. Denn ja, richtig gelesen, ich bin Oberösterreicherin. Warum ich also keine Anhängerin von Lask, Vorwärts oder Blau-weiß geworden bin? Es ist ja nicht so, dass mich die dunklen Fußball-Mächte nördlich des Boßruck nicht gewollt hätten. Ganz im Gegenteil: Es wurde stets mit aller Vehemenz versucht, mich auf deren Seite zu ziehen. Allerdings siegte die Vorbelastung durch den Grazer Vater. Somit bin ich als wahre Sturm-Expertin im oberösterreichischen Kremstal verschrien, genau wie mein Bruder und mein Vater, und das inmitten dieser Lask-verseuchten Gegend. Doch wie dem auch sei, so tauchten eben nur Papa und ich um kurz vor 12 Uhr im Plabutschtunnel ein, da es im Vorfeld hieß, man solle spätestens zu Mittag von Graz aufbrechen, um noch relativ freie Bahn nach Klagenfurt zu haben. Von da an erspähten wir zahlreiche Autos Richtung Klagenfurt, allesamt ausstaffiert mit diversen Sturm-Fanartikeln, welche gut sichtbar an den Scheiben positioniert waren. Alles Gleichgesinnte, schoss es mir damals durch den Kopf. Und nach den Autokennzeichen zu urteilen, waren alle genauo verrückt wie wir. Von überall her schienen sie zu kommen &#8211; die meisten natürlich aus der Steiermark, aber auch welche von Oberösterreich, aus dem Raum Gmunden und dem Bezirk Braunau zum Beispiel. Es schien einer Pilgerreise wahrlich nicht unähnlich, dieses Szenario auf der A2.</p>
<p>Und so gelang es uns, die 336 Kilometer in der Fabelzeit von knapp über drei Stunden zu bewältigen, Papas grandiosem Fahrstil sei dank. Es blieb nur zu hoffen, dass wir in kein Radar hineingerast waren&#8230; Schlussendlich gelangten wir nach kleineren Umwegen, Irreführungen und so mancher Rätselraterei innerhalb der Kärntner Hauptstadt am Ziel dieser Fahrt an. Wir parkten neben einer in schwarz-weiß gekleideten Familie und kamen ins plaudern. So erfuhren wir, dass der kleine Junge Sturmfan sei und der Vater vormals der roten Plage angehörte. Aber seit deren Untergang und dem Buben zuliebe, habe er ein klein wenig die Seiten gewechselt. Wir wünschten uns noch viel Glück für die Partie.</p>
<p><strong>Auf in den Kampf, Sturm Graz</strong><br />
Nach einem kleinen Imbiss beim Chinesen &#8211; Huhn mit Reis und Beerenschnaps &#8211; ging es in das Stadion, das seit Ende der Euro &#8217;08 liebevoll &#8220;Geisterbude&#8221; ob der recht überschaubaren Fangemeinde des ortsansässigen Fußballvereins genannt wird. Die gespenstische Leere in den Rängen musste aber an diesem 16. Mai 2010 weichen und den rund 27.000 angereisten Sturmfans Platz machen. So auch einem Fan, der bereits einiges intus zu haben schien, krabbelte er doch nur noch auf allen Vieren die Stufen in den zweiten Rang hinauf. Aber Hut ab vor seiner Leistung, hätte ich in seinem Zustand nicht mehr geschafft. Denn die Betonstiegen in diesem oberen Rang waren unglaublich steil und schwer zu erklimmen, da hatte ich schon nüchtern wahrlich zu kämpfen&#8230; Es war somit vieles anders an diesem so besonderen Tag. Es lag etwas außergewöhnliches in der Luft, das spürte ich. Es schien einfach alles angerichtet zu sein für ein fußballerisches Märchen. Für ein Märchen an meinem 18. Geburtstag. Die Arena war voll bis zum Anschlag, die Kurve machte Stimmung wie nie zuvor und die Hauptdarsteller am Feld tauchten in ein schwarz-weißes Meer an Emotion. Und dann der entscheidende Moment, so wie er sich noch heute vor meinem geistigen Auge abspielt:</p>
<div id="attachment_68610" class="wp-caption alignleft" style="width: 250px"><a href="http://www.sturm12.at/2011/12/27/der-pokal-als-packchen-und-lavric-statt-wodka/20100516-0649r-3/" rel="attachment wp-att-68610"><img class="size-medium wp-image-68610" title="20100516-0649r" src="http://www.sturm12.at/wp-content/uploads/20100516-0649r2-240x160.jpg" alt="© SturmTifo.com 2010" width="240" height="160" /></a><p class="wp-caption-text">© SturmTifo.com 2010</p></div>
<p><em>81. Minute. Ein langer Ball auf Mario Haas, der auf der linken Seite den Turbo zündet und in den Strafraum der Neustädter eindringt. Er täuscht zwei Gegenspieler und spielt im richtigen Moment einen gekonnten Pass auf Samir Muratovic, welcher zuvor in die Tiefe gesprintet war. Einfach unglaublich, wie blind sich die beiden Edeljoker zu verstehen schienen. An der linken Strafraumgrenze stoppt Mura den Ball, erblickt Klemen Lavric, der seinerseits vor der zweiten Torstange lauert, und macht einen gezielten Heber in dessen Richtung. Der Torgarant in schwarz-weiß setzt sich durch, bezwingt Goalie Saso Fornezzi und netzt per Kopf. 1:0 für Sturm. Für Graz. Für die 27.000 mitgereisten Fans. Und für mich. Das ganze Stadion steht Kopf, wird wie schon so oft verrückt und hüpft auf und nieder, so auch der obere Rang, der bedrohlich mitschwingt. Diese alles entscheidende 81. Spielminute&#8230;</em></p>
<p>Dieser Tag hat so vieles verändert. Ich wurde großjährig, ein Tag, den man die ganze Jugend hindurch herbeisehnt. Und ihn auf solch eine Art und Weise verbringen zu dürfen, war etwas ganz besonderes. Hätte ich die Chance dazu, ich würde jeden 16. Mai so verbringen wollen. Und das trotz dieser langen Autofahrt, nach welcher meine Beine komplett eingeschlafen waren, und trotz des nicht vorhandenen Geburtstagskuchen, denn sowohl meine Mutter als auch meine Oma waren tatsächlich ein klein wenig angefressen (aber keine Angst, am 17. Mai bekam ich ihn &#8211; zwar verspätet, aber doch &#8211; vor die Nase gesetzt). Ein neuer Lebensabschnitt hat somit für mich begonnen.<br />
Aber auch für Sturm Graz. Denn nach dem finanziellen Niedergang und der Wiederbelebung in letzter Sekunde hat die Mannschaft das geschafft, was niemand für möglich gehalten hat: Der Gewinn eines Titels. Damit wurde ein Traum wahr, und das viel schneller, als man hätte erwarten dürfen. Immerhin lag der Konkurs zu diesem Zeitpunkt erst drei Jahre zurück.</p>
<div id="attachment_68765" class="wp-caption alignright" style="width: 250px"><a href="http://www.sturm12.at/2011/12/27/der-pokal-als-packchen-und-lavric-statt-wodka/20100516-1031r-2/" rel="attachment wp-att-68765"><img class="size-medium wp-image-68765" title="20100516-1031r" src="http://www.sturm12.at/wp-content/uploads/20100516-1031r1-240x173.jpg" alt="© SturmTifo.com 2010" width="240" height="173" /></a><p class="wp-caption-text">© SturmTifo.com 2010</p></div>
<p>Danke Papa, für die Fahrt von Linz nach Klagenfurt und retour: insgesamt 672 Kilometer, bewältigt in acht Stunden reiner Fahrzeit. Danke Klemen Lavric, für das Tor, das einen Traum hat wahr werden lassen. Danke Mario Haas und Samir Muratovic, das dieses entscheidende Tor überhaupt passieren konnte. Danke Sturm Graz, für meinen unvergesslichen 18. Geburtstag.</p>
<p><strong>Heute wie damals<br />
</strong>Erst unlängst habe ich wieder einmal mit meinem Vater über den 16. Mai 2010 geplaudert. Auf die Frage, was denn an diesem Tag so Besonderes gewesen sei, meinte er: &#8220;Cupsieg!&#8221; Und weiter? Nix weiter. Dass ich auch noch Geburtstag hatte, ist heute wie damals nachrangig. Erst kurze Zeit später kam ihm, dass ich ganz nebenbei auch 18 wurde&#8230;</p>
<p>Aber es sei ihm verziehen. Immerhin wurden wir Cupsieger und alles andere irgendwie zur Nebensache.</p>
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		<title>How I met Ivica Osim</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Dec 2011 10:13:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fz</dc:creator>
				<category><![CDATA[12 Sturm-Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Sturm12.at]]></category>
		<category><![CDATA[Ivica Osim]]></category>
		<category><![CDATA[Japan]]></category>
		<category><![CDATA[Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Messendorf]]></category>
		<category><![CDATA[Niederlande]]></category>
		<category><![CDATA[Trainer]]></category>
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		<description><![CDATA[Eine kleine Geschichte über den Größten. Eine Geschichte über einen Mann, der eine kleine Stadt Namens Graz verändert hat. Über einen Mann, der Japan in Hysterie verfallen ließ. Und einen Mann, der das eigentlich alles gar nicht wollte.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_68571" class="wp-caption alignleft" style="width: 250px"><img class="size-medium wp-image-68571" title="© Fabian Zerche" src="http://www.sturm12.at/wp-content/uploads/Osim1-240x180.jpg" alt="© Fabian Zerche" width="240" height="180" /><p class="wp-caption-text">© Fabian Zerche</p></div>
<p>Da saß ich, am 23. Dezember und da saß ich noch immer am 24. Dezember. Zu lange hatte ich meine anstehende Weihnachtsgeschichte für das alljährliche Sturm12.at-Special hinausgezögert.</p>
<p>Meine Kollegen bedienten sich bereits an den vielen wunderbaren Momenten in der jüngeren Vergangenheit, wie das magische Auswärtsspiel in Wiener Neustadt vergangenes Jahr, der Bratwurstverkauf in den stürmischsten Zeiten oder dem beinahe legendären 5:1 in Hütteldorf.</p>
<p>Was blieb mir also? Ich überlegte hin und überlegte her. Zwei wunderbare Wochen mit der Mannschaft in Belek. Zu wenig! Ein toller Auftritt in Turin – nicht prägend genug. Doch dabei lag mir mein Thema die ganze Zeit im Hinterkopf. So nahe und doch so fern. Ein Moment, eine Zeitspanne, die mir auch nach eineinhalb Jahren nicht im Geringsten aus dem Kopf ging.</p>
<p><strong>Was zuvor geschah<br />
</strong>Es war im Sommer 2010. Mein Kollege Jan, der gute zwei Wochen zuvor zum Sturm12.at-Redaktionsteam stieß, und ich besuchten den zweiten Tag der festlichen Trainingszentrum-Eröffnung in Messendorf. Hier sah man durchwegs bekannte Gesichter. Aktuelle Mitarbeiter des SK Sturm sowie Legenden.</p>
<p>Es war ein buntes Bild, welches sich hier bot. Spieler-Söhne wie Charles Amoah-Junior oder Nikko Sidorczuk verzauberten die Zuseher am Spielfeldrand und altgediente Spieler wie Markus Schopp oder Arnold Wetl sorgten durch ihre Anwesenheit für Köpfe-Verdrehen und daraus resultierende Verspannungen in der Nackenmuskulatur der Schaulustigen.</p>
<p>Nach ein paar Gesprächen mit Funktionären und Spielern begaben wir uns in Richtung Kantine, um uns an diesem schwülen Sommertag eine Erfrischung zu genehmigen. Und ich weiß auch nach längerem Überlegen nicht mehr, wieso wir uns in den hinteren Teil der Kantine begaben. Doch es war retrospektiv betrachtet eine gute Entscheidung.</p>
<p><strong>Osim schauen beim Fußballschauen<br />
</strong>Denn da saß er. Etwas gebückt, ja fast ein wenig geknickt, starrte Ivica Osim auf den Fernseher der ihm gegenüber stand. Es lief ein Fußballspiel. Niederlande gegen Japan. Und es gefiel Ivica Osim. Obwohl sein Japan mit 1:0 verlor. Irgendwie ärgerte ich mich über die Tatsache, dass die vielleicht größte Persönlichkeit der Grazer Fußballgeschichte an diesem Zeitpunkt in mein Leben trat. Während so einem Spiel konnte ich ihn nicht ansprechen. Unmöglich, taktlos – unerhört.</p>
<p>Also tat ich es den anderen Menschen im Raum gleich. Meinem Kollegen Jan, Markus Schopp und ein paar älteren Sturm-Fans, die Osim noch von diversen Stammtischrunden persönlich kannten. Alle beobachteten Ivica Osim dabei, wie er ein Fußballspiel beobachtete. Im Nachhinein infantil und voller Situationskomik. Osim starrte zum Fernseher wir starrten zu Osim.</p>
<p>Ab und an ließ sich Osim einen Kommentar zum Spiel entlocken. Ihm gefielen die Niederländer nicht besonders. <em>„Früher spielten sie nicht so ergebnisorientiert“. </em>Doch ich fühlte mich in meinem Eindruck bestätigt. Ivica Osim ist vieles. Nur nicht gesprächig. Genau diesen Eindruck widerlegte Osim kurz darauf. Ich war so gebannt von seiner Aura und Präsenz und auch so eingeschüchtert von den vielen Bildern vergangener Tage die mir unwiderruflich durch den Kopf gingen, dass ich erst einen Ruck von meinem Kollegen Jan benötigte, um mich zu Osim zu setzen.</p>
<p>Aus meiner Lethargie erwacht trat ich so respektvoll und distanziert wie nur möglich in das Gespräch. Lediglich ein Stichwort von meiner Seite reichte und Osim begann wider meiner Erwartungen zu sprechen. Der Raum lauschte gespannt, kein Mucks war zu hören.</p>
<p><strong>Das Gespräch und ein Irrglaube<br />
</strong>Ivica Osim sprach und sprach. Er sprach über das Trainingszentrum, welches für ihn überhaupt nicht von Bedeutung war, sprach über Schotterplätze in Sarajewo und gab sich dabei philosophisch wie eh und je. Die Phrase <em>„ein guter Spieler ist wichtiger als ein schönes Büro“</em> wird mir dabei auf ewig in Erinnerung bleiben.</p>
<p>Die größte Trainerlegende im österreichischen Fußball hatte mir den Kopf verdreht. Der anstehende Bericht mit Kollegen Jan war über den Haufen geworfen. Denn ich hatte Osims Meinung aufgesogen. <em>“Natürlich wurde eine gute Grundlage geschaffen. Aber wichtig ist die Schule, die darin stattfindet. Und eine gute Schule kann es auch auf einem Schotterplatz in Sarajewo geben. Für die Jungen ist es aber natürlich sehr wichtig. Sie müssen hier Fußball spielen lernen, nicht Fußball arbeiten. Fußball ist immer noch ein Spiel, auch wenn das viele vergessen. Doch arbeiten kann man auch in einer Miene”.</em></p>
<div id="attachment_68575" class="wp-caption alignright" style="width: 170px"><img class="size-medium wp-image-68575" title="© Sturmtifo.com" src="http://www.sturm12.at/wp-content/uploads/Osim21-160x240.jpg" alt="© Sturmtifo.com" width="160" height="240" /><p class="wp-caption-text">© Sturmtifo.com</p></div>
<p>Mehr gab es über dieses Trainingszentrum nicht zu sagen. Irgendwann erhob sich Osim, was mir bewusst machte, wie groß der Meistermacher eigentlich war. <em>„Ich muss jetzt mit Christian Peintinger reden. Ich habe einen jungen Spieler für ihn. Besser als Ivo“,</em> fügte er zum Abschied hinzu und zwinkerte noch ungewohnt lässig. Bis dato weiß ich nicht, ob mich Ivica Osim anflunkerte. Doch es ist auch egal.</p>
<p><strong>Der ältere Fan und ein hysterischer Japaner</strong><br />
Nach dem Gespräch fragte mich ein älterer Fan, wieso ich nicht mitgeschrieben hatte. Doch das war nicht notwendig. Kein Wort verließ meine Gedanken. Und ein paar Wochen danach passierte noch eine weitere kleine Episode, die einer kurzen Anekdote würdig ist.</p>
<p>Ich fuhr auf Urlaub nach Barcelona und kam bei Nachts am Strand mit einem sehr freundlichen Japaner ins Gespräch. Nachdem ich meine Herkunft Preis gab, überschlug sich erstmals seine Stimme. <em>„Graz? Da war unser Ivica Osim sehr erfolgreich. Da lebt er doch nun?“</em> Seinen Eindruck konnte ich ihm nur bestätigen und machte ihm klar, dass Ivica Osim <em>unser</em> sei. Als ich ihm anschließend von meinem Gespräch mit dem ehemaligen japanischen Teamchef erzählte, hatte ich augenblicklich einen hysterischen gut 40-Jährigen Mann vor mir, dem ich in jeglichem Detail den Gesprächsverlauf schildern musste.</p>
<p>Nun erzähle ich diese Geschichte ein zweites Mal.</p>
<p style="text-align: right;"><em>Eine Sturm-Geschichte von Fabian Zerche</em></p>
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		<title>Als die Sonne vom Himmel fiel</title>
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		<pubDate>Sun, 25 Dec 2011 10:53:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jt</dc:creator>
				<category><![CDATA[12 Sturm-Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Sturm12.at]]></category>
		<category><![CDATA[2003/04]]></category>
		<category><![CDATA[Abstieg]]></category>
		<category><![CDATA[Abstiegskampf]]></category>
		<category><![CDATA[Bregenz]]></category>
		<category><![CDATA[FC Kärnten]]></category>
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		<description><![CDATA[Abstiegskampf statt Champions League, Wörthersee-Stadion statt Old Trafford: Die Saison 2003/04 war ein Wendepunkt für Sturm Graz und seine Fans. Wir lernten eine neue Bescheidenheit, die uns ganz gut tat. Doch der Weg war schmerzhaft.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_68050" class="wp-caption alignleft" style="width: 250px"><a href="http://www.sturm12.at/2011/12/25/als-die-sonne-vom-himmel-fiel/karntensturm2004-2/" rel="attachment wp-att-68050"><img class="size-medium wp-image-68050" title="Eintrittskarte FC Kärnten - Sturm Graz 2004" src="http://www.sturm12.at/wp-content/uploads/KärntenSturm20041-240x110.jpg" alt="Eintrittskarte FC Kärnten - Sturm Graz 2004" width="240" height="110" /></a><p class="wp-caption-text">© 2011 Sturm12.at</p></div>
<p>Nie klang ein Fangesang unpassender. „Der GAK, der schafft es nie, der GAK, der schafft es nie.“ Bereits Hunderte Male mit dem Brustton der spöttischen Überlegenheit gesungen. Doch als am 15. Mai 2004 ein Teil des Auswärtsblocks die vertrauten Zeilen anstimmte, war es nicht mehr als ein letztes, trotziges Aufbäumen gegen eine unabwendbare sportliche und emotionale Niederlage.</p>
<p>„Hoits die Goschn!“ Bei weitem nicht alle im Sektor wollten einstimmen. Man wusste ja, wie es in Graz stand. Beinahe flogen zwischen den eigenen Anhängern die Fäuste. Es wäre nicht das erste Mal an diesem milden Frühjahrstag gewesen.</p>
<p>Am Ende verlor Sturm Graz gegen den FC Kärnten mit 0:2 und stand vor dem sportlichen Abgrund. Der Abstieg drohte. Zur gleichen Zeit holte der GAK zuhause gegen Pasching ein 1:1 und wurde Meister. In Klagenfurt fiel die Sonne vom Himmel.</p>
<p><strong>Sitzstreik und Leserbrief</strong><br />
Viele Bilder sind mir bis heute in Erinnerung: Der provozierend jubelnde Stanko Bubalo nach dem entscheidenden 2:0 in der 91. Minute. Die wilde Prügelei, die sich einige Sturm-Fans mit den Kärnten „Amigos“ lieferten. Der Sitzstreik vor dem Sturm-Bus (dass sich die Sturm-Mannschaft der Kritik nicht stellte, veranlasste mich sogar zu einem verärgerten Leserbrief, der auch abgedruckt wurde). Die Proteste, weil wir wegen des feiernden GAK am Hauptbahnhof den Bus verlassen mussten.</p>
<p>Der Rest ist bekannt. Fünf Tage später fand das alles entscheidende Spiel gegen Bregenz statt. Puntigamer verschenkte Tausende Karten, die Schwarz-Weißen gewannen gegen lasch spielende Vorarlberger mit 4:1, der Jubel war riesig. Ende gut, alles gut.</p>
<p><strong>Ein ordinärer Abstiegskampf</strong><br />
Die Saison 2003/04 wird irgendwann nur noch eine Fußnote in der schwarz-weißen Historie sein. Dennoch war diese Spielzeit ein Wendepunkt, hin zu mehr Bescheidenheit. Gerade jüngere Fans kannten Worte wie „Mittleres Play-Off“ nur aus Erzählungen in Ehren ergrauter Knofel. Cupsieg, Meistertitel, Champions League gehörten für uns zum guten Ton. Abstiegskampf? Wie ordinär.</p>
<p>Die Masse der Schwarz-Weißen konnte sich nur schwer mit der neuen Wirklichkeit arrangieren. Die Zuschauerzahlen sprachen für sich. Kamen zum ersten Heimspiel gegen Kärnten (0:0) noch 9.200 Zuseher, waren es fünf Runden später gegen Salzburg (4:2) nur noch 5.900. Auf diesem Niveau pendelte es sich ein. In der 23. Runde erlebten bei winterlichen Verhältnissen nur 4.500 einen 4:0-Kantersieg gegen Mattersburg &#8211; die Stimmung im Sektor 25 war dennoch euphorisch, vor allem beim 1:0 durch Rabihou. Für das Cup-Viertelfinale gegen Bregenz wurden gar nur 1.600 Tickets verkauft. &#8220;Der Kartnig kann jeden mit Handschlag begrüßen&#8221;, wurde zum geflügelten Satz. Keine Menschen vor der Kantine, leere Sektoren, müdes Gekicke: Tristesse pur in Liebenau.</p>
<p>Auch die Mannschaft konnte sich lange nicht mit Tatsache abfinden, dass es ums pure Überleben ging. Eigentlich konnte sie es gar nie. Grätschen im Gatsch von Mattersburg war nicht das berufliche Verständnis dieser Spieler. Auch im Wörthersee-Stadion entsetzten die Passivität und der fehlende Kampfgeist.</p>
<p><strong>&#8220;Offiziell sind wir im Kino&#8221;</strong><br />
Rasant musste Sturm vom Olymp absteigen, und mit dem Verein auch seine Fans. Dem Spott der plötzlich aus allen Ritzen hervorkriechenden GAK-Sympathisanten war man gnadenlos ausgeliefert. Leidensfähigkeit und Standhaftigkeit waren gefragt, um dennoch Woche für Woche mit neuer Hoffnung Richtung Liebenau zu ziehen. „Offiziell sind wir im Kino. Meine Frau liest ja Zeitung, die kennt die Ergebnisse“, hat mir damals ein verheirateter Sturm-Fan scherzend erzählt.</p>
<p>Am 20. Mai schien dann aber wieder die Sonne, viele von uns rechneten nicht mehr damit. Es folgten noch einige unangenehme Jahre. Aber dafür war die Rückkehr in den Olymp umso schöner. Meister 2011 – sieben Jahre zuvor schien das unerreichbar weit weg.</p>
<p>Im Rückblick wird bekanntlich vieles milder beurteilt, so auch die Saison 2003/04. Weil eigentlich war so ein Abstiegskampf eh auch einmal etwas lässiges, etwas ganz anderes. Fußball in seiner rohen Form quasi. Zudem hat die Beinahe-Katastrophe, mit gebührendem Abstand betrachtet, dem Selbstverständnis vieler Sturm-Fans, inklusive mir selbst, gut getan. Aber hätten Sie das damals jemandem in Klagenfurt gesagt. „Hoit die Goschn!“ Mindestens.</p>
<p style="text-align: right;"><em>Eine Sturm-Geschichte von Jakob Traby</em></p>
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